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Netzwoche 11/2017

32 Technology Event Wenn

32 Technology Event Wenn Hacker auf Archivare treffen Am 9. Juni ist der erste Archiv Hackday in Zürich zu Ende gegangen. Ein bunt gemischtes Teilnehmerfeld entwickelte neue Anwendungen aus alten Daten. Am Rahmenprogramm zeigte sich, dass Archive weniger verstaubt sind, als oft angenommen wird. Autor: Christoph Grau Erster Hackathon dieser Art in der Schweiz Der Hackathon fand im Rahmen des alle fünf Jahre stattfindenden Schweizerischen Archivtages statt. Organisiert wurde der Hackday von gleich sechs Archiven: dem Schweizerischen Literaturarchiv, dem Schweizerischen Sozialarchiv, dem Staatsarchiv Zürich und den Stadtarchiven Uster, Winterthur und Zürich. Mit an Bord waren auch noch die Initiative Openglam, die sich für den freien digitalen Zugang zu Kulturgütern einsetzt, und Wikimedia Schweiz. Laut Mitorganisator Tobias Hodel wollten die Archive mit diesem Format etwas Neues ausprobieren und aufzeigen, welche Möglichkeiten in offenen und vernetzten Archivdaten stecken. Hodels Ausführungen zufolge kamen 30 Prozent der Teilnehmer aus der Hackerszene, vor allem von Openglam. 40 Prozent ordnete Hodel dem Bereich Archive, Bibliotheken oder Universität zu. Die übrigen Teilnehmer waren interessierte Studenten. Er zeigte sich mit der Resonanz sehr zufrieden. Mit dem Hackathon sollten diese doch sehr unterschiedlichen Gruppen zusammengebracht und der Austausch angeregt werden. Schon unter diesem Gesichtspunkt war der Event für Hodel ein voller Erfolg. Eine weitere Schwierigkeit sei es gewesen, die vielen beteiligten Archive zu vereinen. Bedingt durch den Föderalismus gebe es sonst nur wenig Austausch in dieser Form. Mitorganisatorin Martina Beck zeigte sich daher erfreut, dass die Zusammenarbeit für die Hackdays gut geklappt habe. In der Bibliothek des Staatsarchivs Zürich tüftelten die Entwickler an ihren Archiv-Lösungen. Bibliotheken sind eigentlich Orte der Ruhe und des stillen Arbeitens. Am 9. Juni verwandelte sich die Bibliothek des Staatsarchivs Zürich jedoch zu einem Zentrum für das kreative Hacken und Programmieren. An diesem Tag fand dort der Hackathon «#ZACK – Zürcher Archiv Hackday» statt. Laut den Veranstaltern entwickelten rund 40 Teilnehmer Ideen für Anwendungen, um neue Einblicke aus offenen Archivdaten gewinnen zu können. Anwendungen aus offenen Daten erarbeiten Die Datensätze für den Hackathon stellte Open Data Zürich bereit. Darunter etwa die Bauhistorische Fotosammlung Julius Gujer 1893-1909, das Bildarchiv des Schweizerischen Arbeiterhilfswerks, die Ehedatenbank des Kantons Zürich oder die Handschriften von Rainer Maria Rilke. Auf dieser Basis entwickelten die Hacker etwa folgende Anwendungen: ·· eine Visualisierung der Ehedatenbank des Staatsarchivs Zürich ·· eine automatisierte Bilderkennung von Beständen aus dem Schweizerischen Sozialarchiv und dem Stadtarchiv Winterthur ·· eine Anreicherung und Visualisierung der Metadaten von Rainer Maria Rilke Artikel online auf www.netzwoche.ch Webcode DPF8_44947 Mehrwert durch Linked Open Data schaffen Laut Hodel stehen Schweizer Archive beim Thema offene Daten noch ganz am Anfang. Nennenswerte Initiativen gebe es nur beim Bundesarchiv und einigen wenigen Staatsarchiven. Vor allem fehle es den Archiven noch an Know-how. Auch seien die vorherrschenden Archivinformationssysteme nicht für Open Data ausgelegt. Diese seien oft in den 90er-Jahren entwickelt worden und sähen offene Daten nicht vor. Auch in der Archivausbildung seien offene Daten kaum ein Thema, sagte Hodel. Parallel zum Hackathon gab es daher noch ein Rahmenprogramm mit Vorträgen zur Digitalisierung in Schweizer Archiven. Die Vorträge sollten interessierte Archivmitarbeiter anziehen und dadurch den Austausch zwischen Entwicklern, Archivaren und Forschern intensivieren, wie Hodel sagte. Vor dem Event habe es bei den Archiven viel Skepsis gegenüber Linked Open Data gegeben, da der direkte Nutzen nur schwer ersichtlich sei. Die Vorträge und der Hackathon hätten daher aufzeigen sollen, dass es in der Bevölkerung ein grosses Interesse an solchen Daten gebe. Denn laut Hodel ist es auch eine Aufgabe der Archive, einen breiten und uneingeschränkten Zugang zu den Beständen zu schaffen. Linked Open Data ist für Hodel ein Weg dahin. 11 / 2017 www.netzwoche.ch © netzmedien ag

Technology Research 33 Die Digitalisierung läuft nicht ohne Analytics Für mehr als jedes dritte Unternehmen zählt das Thema Big Data oder im erweiterten Sinn Business Analytics zu den derzeitigen Topthemen auf der Agenda. Nur noch selten wird Big Data als Hype abgetan. Eine absehbare und verständliche Entwicklung, denn ohne Analytics wird sich die digitale Transformation nicht erfolgreich umsetzen lassen. Big Data fällt die vornehme Aufgabe zu, aus Daten wertschöpfungsgenerierende Informationen zu schaffen und die Metamorphose alter Geschäftsmodelle hin zu neuen Businessmodellen zu ermöglichen – hin zu Modellen, mit denen auf Marktveränderungen und Kundenwünsche rascher und besser reagiert werden kann. Wie unsere letzte Big-Data-Umfrage ergab, stehen an der Spitze der Datenquellen die Enterprise-Anwendungen. Eine starke Zunahme an Daten erwarten die Befragten aus mobilen Geräten und Applikationen sowie aus Video-, Bild- und Audioquellen. Wie umfassend der mittlerweile gefüllte Datensee der Unternehmen für Simulationen, die virtuelle Erprobung neuer Produkte, für Trendanalysen zur weiteren Entwicklung des Leistungsportfolios oder der Verbesserung der Kundenansprache erfolgreich genutzt wird, bleibt noch offen. Vieles ist heute auch erst in Pilotprojekten angelaufen. Immerhin gibt jedes fünfte der befragten Unternehmen zu Protokoll, entsprechende Big-Data-Lösungen bereits einzusetzen, und weitere 20 Prozent diskutieren über eine Einführung oder auch Erweiterung ihrer bestehenden Umgebung. gewonnenen Informationen und Erkenntnissen inspirieren zu lassen, um mit frischen Ideen wettbewerbsrelevantes Potenzial und neue Märkte anzugehen. Hohe Zuwachsraten im Schweizer Big-Data-Markt Big Data ist eng mit der digitalen Transformation verbunden. Kaum ein grösseres Digitalisierungsprojekt wird ohne eine Big-Data-Lösung auskommen. Aber erst der Grad an «Reibungslosigkeit» des Zusammenspiels wird über Erfolg und das Mass der Ausschöpfung von neuem, gewinnbringendem Potenzial entscheiden. Die Ausgaben werden sich wohl parallel entwickeln: mit kräftigen Schritten nach oben. Obwohl der Schweizer Big-Data-Markt 2017 insgesamt noch ein eher kleineres Projektvolumen (Infrastruktur, Services und Software) mit einem Anteil von marginalen 2,5 Prozent am ICT- Gesamtmarkt aufweist, gehört die Zuwachsrate mit über 30 Prozent zu den am schnellsten wachsenden Teilmärkten der ICT. Damit zählt Big Data zu unseren «Big Five», zu den Topmärkten, die das künftige Wachstum des gesamten Marktes wesentlich prägen weden. DER AUTOR Philipp A. Ziegler Geschäftsführer, MSM Research AG Ein gewaltiger Schub an neuen Daten Die Datenflut wird weiter zunehmen und an Umfang und Menge exponentiell zulegen. Der Weg in die digitalisierte Welt wird einen gewaltigen Schub an weiteren Daten auslösen. Daten, die aus der Vielzahl von Endgeräten, Sensoren oder IoT-Chips generiert und in die digitalen Prozesse eingespeist werden, liefern enormes Potenzial an wertschöpfungssteigernden Informationen. Richtig analysiert steigern sie die Fähigkeit eines Unternehmens, einerseits Kosten einzusparen, andererseits auch weitere Märkte und zusätzliche Kundensegmente mit neuen Produkten und Dienstleistungen anzugehen. Die Optimierung der Wertschöpfungskette und der verstärkte Kundenfokus steht bei den Unternehmen an der Spitze der Zielsetzungen, die mit dem Einsatz von Big-Data-Anwendungen erreicht werden sollen. Der Erfolg im Unternehmen hängt nicht nur von der Sicht nach innen, respektive tieferen Kosten ab, sondern zumindest in gleichem Masse auch von der Fähigkeit, sich aus den DER BIG-DATA-MARKT SCHWEIZ 2017 Total Ausgaben, Prognose 2017: 442.2 Millionen Franken (B2B) Infrastruktur (Rechner, Storage, Connectivity) Software (DB, Aggregation, Analytics, Tools, Security) Services (Consulting, Training, Integration, Betrieb, Support) Quelle: MSM Research AG 227,4 Mio. Fr. = 51,4 % Artikel online: www.netzwoche.ch ▸ Webcode DPF8_45269 83,5 Mio. Fr. = 18,9 % 131,3 Mio. Fr. = 29,7 % www.netzwoche.ch © netzmedien ag 11 / 2017

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