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Netzwoche 11/2017

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Bild: iStock FOCUS START-UPS Start-up-Land Schweiz gsa. Wie schnell Start-ups die Wirtschaft verändern können, haben in den vergangenen Jahren Unternehmen wie Google, Facebook oder Uber gezeigt. Auch in der Schweiz gibt es Durchstarter, die mit neuartigen Technologien die Weltmärkte erobern: Dacuda (3-D-Scanner), Dacadoo (E-Health) oder Starmind (Machine Learning). Immer mehr junge Menschen wollen nach dem Studium lieber ein eigenes Unternehmen gründen, als angestellt zu sein. Jungunternehmer benötigen in der Startphase Geld und sind auf Investitionen angewiesen. Diese steigen jährlich, wie der jüngste Swiss Venture Capital Reports aufzeigt. Insbesondere ICT-Start-ups profitierten vom Geldregen der vergangenen Jahre, wie Stefan Steiner, Managing Director Deutschschweiz bei Venturelab schreibt. Thomas Landis, Program Manager und Start-up Coach beim Fintech Incubator F10, verdeutlicht in seinem Beitrag, wie der Bankenplatz Schweiz von der Förderung und Kooperation mit Start-ups profitieren kann. Denn in einigen Jahren dürften die heute noch exotisch anmutenden Fintech- oder Insurtech-Modelle die normale Art sein, wie wir Finanz- oder Versicherungsdienstleistungen beziehen werden,wie Landis schreibt. Start-ups fördern mit ihren neuartigen Technologien und Geschäftsmodellen die digitale Transformation der Schweizer Wirtschaft. Für einen nachhaltigen Erfolg ist ausser der Wirtschaft und ihren Branchenverbänden auch die Politik gefragt. Weshalb, erklärt Nicolas Bürer, Managing Director von Digitalswitzerland. Bürer erklärt, was es braucht, um das Start-up-Land Schweiz zum Erfolg zu führen. 11 / 2017 www.netzwoche.ch © netzmedien ag

Focus Start-ups 35 Investments in ICT-Start-ups haben sich verdoppelt Die Schweizer Hightech-Start-ups brauchen sich im internationalen Vergleich nicht zu verstecken. 2016 flossen über 900 Millionen Franken Risikokapital in innovative und stark wachsende Schweizer Start-ups. Nach dem Dotcom-Crash waren Start-ups für viele Investoren ein rotes Tuch. Die Schweiz führt zwar seit Jahren den Global Innovation Index an und ist somit Innovationsweltmeister. Auch haben wir mit 873 Anträgen pro Million Einwohner die höchste Anzahl an Patentanträgen per Capita, gefolgt von den Niederlanden mit 419. Dazu tragen die weltweit anerkannten technischen Universitäten EPF in Lausanne und die ETH in Zürich massgebend bei. Dennoch wurde lange Zeit die Kommerzialisierung dieser Ideen nicht genügend vorangetrieben. Das änderte sich 2007, als mit Venture Kick eine Initiative ins Leben gerufen wurde, die Studenten mit bis zu 130 000 Franken unterstützt, um ihre Forschungsideen zu kommerzialisieren und ein Start-up zu gründen. Zehn Jahre später braucht sich die Schweiz nicht mehr hinter dem Silicon Valley zu verstecken. Mit den 20 Millionen von Venture Kick wurden rund 500 Spin-off-Projekte von Universitäten gefördert, mehr als 4000 neue Arbeitsplätze geschaffen, und zusätzlich flossen über 1,5 Milliarden Franken an Investorengeldern in diese Schweizer Startups. Schweizer Qualität ist gefragt Schweizer Qualität gilt nicht nur für Banken, Käse und Schokolade, sondern auch für Start-ups. Das haben mittlerweile auch die ausländischen Investoren festgestellt. Die Investitionen in wissens- und technologiebasierte Jungunternehmen haben sich in den letzten fünf Jahren knapp verdreifacht. 2016 stellten in- und ausländische Geldgeber Risikokapital in Höhe von 909 Millionen Franken zur Verfügung, 35 Prozent mehr als im Vorjahr. Prozentual am stärksten wuchsen dabei die Investitionen im Bereich der Informations- und Kommunikationstechnologie (ICT). Die ausgewiesenen 271 Millionen entsprechen mehr als einer Verdoppelung gegenüber dem Vorjahr. Verantwortlich für diesen Anstieg sind zum einen Anbieter von B2B-Software, zum anderen Unternehmen, deren Produkte bei der Digitalisierung traditioneller Branchen eingesetzt werden, wie etwa den Banken. Allein die Schweizer Fintech-Start-ups zogen 2016 knapp 50 Millionen Franken an. Dass Schweizer Start-ups auch bei ausländischen Investoren bekannt sind, ist sicherlich der Schweizer Start-up-Nationalmannschaft zu verdanken, die jedes Jahr mit den besten Schweizer Start-ups nach San Francisco, Boston, New York und China reist. Tech-Giganten entdecken die Schweiz Ob sich ein Start-up-Engagement für die Geldgeber auszahlt, entscheidet sich beim sogenannten Exit. Dann wird das Unternehmen entweder von einem strategischen Investor übernommen oder es bleibt selbstständig und geht an die Börse. Und auch da gibt es grosse Fortschritte. Im vergangenen Jahr wagten sieben risikokapitalfinanzierte Unternehmen den Schritt an die Börse. Auch die grossen Tech-Giganten haben das Potenzial der Schweiz mittlerweile erkannt. Google hat in Zürich den grössten Tech Campus ausserhalb von Amerika aufgebaut, und auch Apple, Facebook, Gopro, Intel, Hewlett Packard Enterprise, 3M oder Tripadvisor kaufen sich entsprechende Schweizer Start-up-Technologie zu. Damit das Schweizer Start-up-Ökosystem noch weiter wachsen kann, brauchen wir weitere solche Exits von Start-ups, deren Gründer dann das gewonnene Kapital wieder in Start-ups investieren und somit ausser dem Kapital auch ihr Know-how weitergeben. Wer dafür infrage kommt, zeigt sich wieder am 6. September, wenn der «TOP 100 Swiss Start-up Award» vergeben wird, an dem jedes Jahr 100 Investoren und Experten die 100 besten Schweizer Start-ups auszeichnen. INVESTMENTS IN SCHWEIZER START-UPS In Schweizer Start-ups investiertes Kapital (in CHF) 2016: 909 Millionen Franken 1000 800 600 400 200 100 0 Quelle: Swiss Venture Capital Report DER AUTOR Stefan Steiner Managing Director Deutschschweiz bei Venturelab Finanzierungsrunden Schweizer Start-ups 2016: 151 160 120 0 2012 2013 2014 2015 2016 2012 2013 2014 2015 2016 80 40 www.netzwoche.ch © netzmedien ag 11 / 2017

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