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Netzwoche 11/2017

10 Business Event Wie

10 Business Event Wie aus grossen Datenmengen smarte Daten werden Atos hat in Zürich sein erstes Big Data und Analytics Forum veranstaltet. Redner zeigten auf, wie aus Big Data Smart Data werden kann. Alexander Gänsdorfer von T-Mobile Austria zeigte, wie die Firma mit smarten Daten die Zahl der nichtzahlenden Kunden halbieren konnte. Autor: Christoph Grau Hans-Josef Jeanrond (l.), CMO bei Sinequa, und Alexander Gänsdorfer, Senior Expert Big Data bei T-Mobile Austria. Artikel online auf www.netzwoche.ch Webcode DPF8_45179 Atos hat am 13. Juni zu einem Event mit dem Schwerpunkt Big Data geladen. Anstelle des Begriffs Big Data verwendete das Unternehmen in seinem Veranstaltungsmotto die Bezeichnung «Smart Data». Damit sollte betont werden, dass nur intelligente, also smarte Daten, einen echten Mehrwert bieten. Mit rund 50 Teilnehmern war der Event gut besucht. Die Suche ist eine der zentralen Funktionen Hans-Josef Jeanrond referierte über den Mehrwert von Wissen in Unternehmen. Er ist Chief Marketing Officer beim Atos-Partner Sinequa. Jeanrond prägte in seinem Vortrag den Begriff «Kolumbus-Syndrom». Damit spielte er auf den Fakt an, dass der Entdecker eigentlich hätte wissen müssen, dass er noch nicht in Indien angekommen sein konnte. Aber nur, wenn das Wissen der griechischen Gelehrten, die bereits 2000 Jahre vor Kolumbus den Umfang der Erde berechnet hatten, nicht verloren gegangen wäre. Ganz ähnlich gehe es Mitarbeitern in vielen Unternehmen, wenn sie nach Informationen in ihren Firmen suchen wollten, sagte Jeanrond. Viel Zeit werde für die Suche nach Dokumenten verschwendet. Ausserdem seien Experten im eigenen Unternehmen oft nicht zu finden. Es brauche daher Tools, die bei der Suche sowohl in strukturierten wie auch unstrukturierten Daten helfen. Eine mögliche Antwort sieht er in der kognitiven Suche. Seinen Ausführungen zufolge ist diese eine Kombination aus Suche und künstlicher Intelligenz (KI). Fachabteilungen mit eingebunden Alexander Gänsdorfer von T-Mobile Austria berichtete im Anschluss, wie seine Firma mithilfe von Atos Mehrwert aus bestehenden Daten generieren konnte. Gänsdorfer arbeitet im Strategy & Portfolio Management und ist Senior Expert Big Data beim Telko. Am Anfang habe die Unternehmensführung erst ein gemeinsames Verständnis schaffen müssen, was Big Data eigentlich sei, führte er aus. Die Erkenntnis war, dass vor allem die bereits vorhandenen Daten besser genutzt werden sollen. Um Ideen zu bekommen, veranstaltete T-Mobile eine Art «Roadshow für Big Data» im Unternehmen, wie Gänsdorfer sagte. Die Abteilungen erarbeiteten in Workshops Anwendungsbeispiele, wie die Daten besser genutzt werden könnten. Mehr als 100 Use Cases sammelte T-Mobile dabei. Betrugsfälle reduzieren Nach einem Evaluationsprozess wurden die Ideen auf wenige eingedampft, und am Ende entschied sich T-Mobile für einen ersten Test zur Erkennung sogenannter «Never Payers». Dies sind Personen, die nach Abschluss eines Mobilfunkvertrags drei Monate in Folge nicht bezahlen und dann gekündigt werden, wie Gänsdorfer erklärte. T-Mobile entstehe dadurch jährlich ein Schaden von 1,3 Millionen Euro. Durch eine bessere Analyse der Daten sollte die Zahl der «Never Payers» halbiert werden. Atos sollte dieses Projekt umsetzen. Nach einem ausführlichen Frage- und Evaluationsprozess erarbeitete Atos schliesslich einen Projektfahrplan. Mit diesem sollte das Projekt in 8 Wochen eingeführt werden. Am Ende dauerte es länger. Dies lag laut Gänsdorfer aber nicht an Atos, sondern an T-Mobile. Der Telko musste zunächst seine Daten bereinigen und Zuständigkeiten abklären. Gemäss Gänsdorfer lohnte es sich, diese Zeit zu investieren. Gänsdorfer zog ein positives Fazit. Die Zahl der «Never Payers» habe tatsächlich halbiert werden können. So habe sich etwa gezeigt, dass Personen, die den Vertrag mit einem Reisepass abgeschlossen hätten, deutlich häufiger «Never Payers» gewesen seien. In den nächsten Jahren soll der Algorithmus noch verbessert werden, um die Zahl der Erkennungen auf bis zu 80 Prozent zu steigern. 11 / 2017 www.netzwoche.ch © netzmedien ag

Business Event 11 «Schweizer Onlinehändlern droht Abstieg» Am Schweizer E-Commerce Summit hat Ralf Wölfle den E-Commerce-Report 2017 vorgestellt. Der Studienautor warnt vor einer steigenden Marktmacht ausländischer Anbieter und sagt, was hiesige Anbieter beachten sollten. Autor: Fabian Pöschl Am 13. Juni hat der 10. Schweizer E-Commerce Summit im Lakeside Zürich stattgefunden. Die Veranstalter Unic, SAP Hybris und Datatrans lockten die Onlinehandelsbranche wieder mit der Erstveröffentlichung des E-Commerce- Reports an die Konferenz. Ralf Wölfle, Autor des E-Commerce-Reports vom Institut für Wirtschaftsinformatik der Fachhochschule Nordwestschweiz, hatte gute Nachrichten für die E-Commerce- Branche: Vergangenes Jahr legte der Onlinehandel in der Schweiz um 8 Prozent zu. Dies hätten Umfragen mit 36 potenziell marktprägenden Online- und Multi-Channel- Anbietern mit Sitz in der Schweiz gezeigt. Auch in Zukunft werde der Onlinehandel zulegen, wie Wölfle mit Blick auf das Umfrageergebnis sagte. Für 2017 erwarten drei Viertel der Studienteilnehmer ein Wachstum des E-Commerce in ihrer Branche um 5 Prozent oder mehr. Knapp 40 Prozent der Befragten erwarten, dass der E-Commerce-Anteil ihrer Branche in den kommenden 5 Jahren mindestens um die Hälfte zulegen wird. «Wem gehören die Kunden?» Vom Wachstum profitierten aber nicht alle, bemerkte Wölfle. In vielen Branchen würden wenige und insbesondere ausländische E-Commerce-Anbieter ihre Dominanz ausbauen. Insgesamt legen ausländische Onlineanbieter etwa doppelt so stark zu wie inländische. So sei der Auslandsanteil im Schweizer E-Commerce bereits doppelt so hoch wie im stationären Handel. «Wenn das so weitergeht, steigen Schweizer Anbieter in die zweite Liga ab», befürchtet Wölfle. Wäre Amazon hierzulande nicht so zögerlich, fiele die ausländische Dominanz wohl noch viel grösser ins Gewicht, meint Wölfle. Doch die Lücke, die aus Amazons Zögern entstehe, hätten die Onlinemarktplätze Siroop und Galaxus ausgenutzt. Trotz ausländischer Konkurrenz gibt es auch erfolgreiche Schweizer Onlinehändler. Die würden eine aktive Haltung zeigen. Wölfle nannte als Beispiel eines erfolgreichen, weil mutigen Onlinehändlers Brack.ch. Wölfle lobte Brack für dessen Bestellknopf und für die Partnerschaft mit Intersport. Die beiden Unternehmen hätten erkannt, dass sie sich auf ihre Kernkompetenzen Sportartikel beziehungsweise Logistik konzentrieren müssten. Um erfolgreich zu sein, brauche es solche arbeitsteilige Konzepte, welche die Kompetenzen mehrerer Anbieter zusammenführe. «Königsdisziplin im Onlinemarketing» Durch die Digitalisierung müssten Händler ihre Haltung überdenken und neue Geschäftspraktiken finden. Das Bild der «eigenen» Kunden sei noch tief verwurzelt, sagte Wölfle. Er fragte: «Wem gehören die Kunden?» Durch das Smartphone änderten Kunden ihre Gewohnheiten. Mit der Folge, dass herkömmliche Anbieter vor allem im Übernachtungsgewerbe nicht mehr die bevorzugte Anlaufstelle der Kunden seien. Statt die Kunden passiv zu empfangen, müssten Anbieter auf sie zugehen. Dazu sei eine Datenanalyse nötig. Mit solchen Hilfsmitteln könnten Anbieter erkennen, was ihre Kunden wollen. Wölfle sagte: «Was im stationären Handel die teure Lage ist, ist im E-Commerce der Suchbegriff.» Kunden online in genau den Momenten zu identifizieren, in denen sie einen Bedarf haben, sei die Königsdisziplin im Onlinemarketing. Erforderlich seien agile Organisationen, um sich auf kontinuierlich ändernde Anforderungen einstellen zu können. So hätten es erst wenige Anbieter geschafft, eine kanalübergreifende Customer Experience zu bieten. Sie müssten sich etwa auf neue Interaktionsformen durch Chat-basierte Formen einstellen. Wölfle erwartet in Zukunft gänzlich automatisierte Einkaufsvorgänge und digitale Assistenten, die Produktsuche, Preisvergleich, Anbieterauswahl und andere Optionen anbieten könnten. Artikel online: www.netzwoche.ch ▸ Webcode DPF8_45342 Studienautor Ralf Wölfle ist Leiter des Kompetenzschwerpunkts E-Business am Institut für Wirtschaftsinformatik der FHNW. « Was im stationären Handel die teure Lage ist, ist im E- Commerce der Suchbegriff. » Ralf Wölfle, Leiter Kompetenzschwerpunkt E-Business, Institut für Wirtschaftsinformatik FHNW www.netzwoche.ch © netzmedien ag 11 / 2017

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