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Netzwoche 11/2019

Wie China Rassismus mit

Wie China Rassismus mit künstlicher Intelligenz automatisiert Alles lässt sich automatisieren – auch Rassismus. Die chinesische Regierung setzt auf moderne Gesichtserkennungstechnologien und künstliche Intelligenz, um Kommen und Gehen der uigurischen Minderheit festzuhalten. Ein Problem auch für den Rest der Welt. Autor: Coen Kaat Wer in der IT-Branche arbeitet, sieht Technologie gerne als ein Mittel, die Möglichkeiten des Menschen zu erweitern. Es gibt jedoch auch eine Schattenseite. Technologie kann genauso gut genutzt werden, um die Möglichkeiten eines Menschen einzuschränken. Ein aktuelles Beispiel aus China etwa zeigt, wie sich auch Rassismus automatisieren lässt. Wie die «New York Times» berichtet, setzt die chinesische Regierung auf moderne Gesichtserkennungstechnologien und künstliche Intelligenz (KI), um Uiguren zu erkennen. Next-Gen-Verfolgung Uiguren sind eine turksprachige, muslimische Minderheit, die mehrheitlich in der westchinesischen Region Xinjiang leben. Insgesamt rund 11 Millionen Menschen. Mit der Begründung, Terrorismus zu bekämpfen, geht die Regierung bereits seit Jahren hart gegen Uiguren vor – unter anderem auch mit Umerziehungslagern. Die Software greift auf das bereits vorhandene, umfassende Netzwerk an Überwachungskameras zu. Dabei sucht sie spezifisch nach uigurischen Gesichtern. Zu diesem Zweck wurden die Algorithmen mit Bildern von zentralasiatischen Uiguren gefüttert, die sich optisch von den Han-Chinesen unterscheiden – die Mehrheit der chinesischen Bevölkerung. So lernte das System durch Machine Learning, Uiguren von Han-Chinesen zu unterscheiden. Reifegrad hinkt hinterher Gemäss dem Bericht werden derartige Technologien in « Ich glaube nicht, dass es übertrieben ist, dies als eine existenzielle Bedrohung für die Demokratie anzusehen. » Jonathan Franke, KI-Forscher, MIT Den vollständigen Artikel finden Sie online www.netzwoche.ch 28 Technology Aktuell den grossen östlichen Städten wie Hangzhou oder Wenzhou sowie in der Küstenprovinz Fujian genutzt. In der Stadt Sanmenxia seien allein in einem Monat dieses Jahres rund 500 000 Gesichter analysiert worden. Die Bilder werden im System abgespeichert, damit Polizisten diese überprüfen können. Die Gesichter der Uiguren, die Xinjiang verlassen, werden gespeichert. Wenn sich etwa mehrere Uiguren versammeln, alarmiert das System die Polizei. Die Technologie sei jedoch noch nicht voll ausgereift. So sei die Erkennung nur in einem von drei Fällen erfolgreich. Was wohl auch an den veralteten Überwachungskameras liegen dürfte. Dennoch kann die chinesische Regierung so die Infrastruktur ihres sozialen Überwachungsapparats ausbauen. Expansion ins Ausland Dahinter stecken chinesische KI-Firmen wie Yitu, Megvii, Sensetime und Cloudwalk. Jede einzelne hat einen Firmenwert von über 1 Milliarde US-Dollar. Yitu wolle nun auch ins Ausland expandieren. Damit könnten derartige Technologien auch in die Hände anderer Regierungen gelangen, mutmasst die «New York Times». «Ich glaube nicht, dass es übertrieben ist, dies als eine existenzielle Bedrohung für die Demokratie anzusehen», zitiert der Bericht Jonathan Frankle, einen KI-Forscher am Massachusetts Institute of Technology (MIT). «Dies ist eine dringende Krise, in die wir langsam hineinschlafwandeln.» Bild: publicdomainpictures / pixabay.com 11 / 2019 www.netzwoche.ch © netzmedien ag

Technology Security 29 Was Sicherheitsexperten derzeit den Schlaf raubt Komisch, spannend und beängstigend. Jeden Tag gibt es neue Meldungen zu Distributed-Denial-of-Service-Attacken, Ransomware, Cryptominern und Co. Die gefundenen Perlen erscheinen online im IT-Security-Blog. An dieser Stelle eine kleine Auswahl aus den Sammlungen des letzten Monats. Texte und Illustrationen: Coen Kaat Kaspersky stellt die wirklich wichtigen Fragen Wer kennt die Situation schon nicht: Man steht vor dem offenen Kühlschrank, findet die Brokkoli hinter der Milch nicht mehr und fragt sich: Habe ich eigentlich meinen Desktop im Büro genauso ordentlich aufgeräumt? Der russische Sicherheitsanbieter Kaspersky Lab sieht hier nämlich einen Zusammenhang und ging dieser Frage in einer Studie nach. Das Ergebnis: Es gibt einen direkten Zusammenhang zwischen menschlichen Gewohnheiten – wie etwa das Aufräumen des Kühlschranks – und dem Umgang mit beruflichen Daten und Dokumenten. Oder anders gesagt: Wer irgendwo nicht aufräumt, räumt wohl nirgends wirklich auf. Gemäss der in Deutschland durchgeführten Studie schätzten 16 Prozent der befragten Büroangestellten den Inhalt ihres Kühlschranks als «wenig bis überhaupt nicht strukturiert und organisiert» ein. Dieselbe Einschätzung hatten sie auch für ihren Umgang mit gespeicherten Geschäftsdaten. Kaspersky sieht darin ein grosses Problem. Fehlt der Überblick über das Datenchaos, fehlt auch die nötige Kontrolle. Wer darf jetzt auf welche Daten zugreifen? Ist dies nicht sauber und ordentlich geregelt, könnten unbefugte Drittpersonen darauf zugreifen. Je nachdem wer darauf zugreift, könnte dies finanzielle Folgen oder einen Reputationsverlust zur Folge haben. Hilfreiche Matrix-Fans infizieren Rechner Der britische Sicherheitsanbieter Sophos hat ein paar hilfreiche Matrix-Fans gefunden. Diese wollen Unternehmen mit nützlichen Tipps helfen, ihre Cybersecurity aufzubessern. Die Sache hat nur einen Haken: Das Angebot unterbreiten die Matrix- Fans in der Lösegeldforderung ihrer Ransomware. Sophos hat die Ransomware namens «MegaCortex» seit Anfang Mai auf dem Radar, wie das Unternehmen mitteilt. Anfangs unscheinbar stieg die Anzahl geblockter Infektionen plötzlich explosionsartig an. Wie Sophos schreibt, gleicht die Erpresser-Malware der Ransomware «SamSam». Zudem sollen die Malware-Familien Emotet und Qbot bei der Verbreitung von «MegaCortex» helfen. Der Name der Malware ist gemäss den Sicherheitsforschern eine Hommage an die Filmreihe «The Matrix» – wenn auch falsch geschrieben. Neo, in den Filmen durch Keanu Reeves gespielt, arbeitet zu Beginn der ersten Episode in einer Firma mit einem sehr ähnlich klingenden Namen: «MetaCortex». Auch die Lösegeldforderung scheine in der Stimme und Kadenz von Laurence Fishburne’s Filmfigur Morpheus geschrieben. Nachdem die Erpresser ihre Opfer zum Zahlen aufgefordert und Tipps für eine bessere IT-Sicherheit angeboten haben, endet das Schreiben der Cyberkriminellen auch mit einem leicht abgewandelten Zitat von Morpheus: «We can only show you the door. You’re the one who has to walk through it.» E-Zigis verpetzen Nutzer Ob E-Zigaretten gesünder sind als herkömmliche Tabakwaren, wird noch debattiert. Was jedoch ausser Diskussion steht, ist, dass E-Zigis ein völlig neues Problem für den Nutzer kreieren: ein Datenschutzproblem. Wie die «Handelszeitung» berichtet, senden die Iqos-Produkte von Philip Morris International Daten zum Nutzungsverhalten an einen Server im Norden von Zürich. Der Tabakkonzern hat eine operative Zentrale mit Forschungssitz in der Schweiz. Die kanadische Firma Techinsights habe die Geräte auf ihre Einzelteile hin geprüft. Dabei entdeckte sie einen übermittlungsfähigen Speicherchip. Das Gerät sammle Daten zu Batterieverbrauch und Anzahl Züge an der E-Zigarette. Per Bluetooth sei es in Tandem mit einem Smartphone auch möglich, den Standort des Qualmers herauszufinden. Alles im Sinne der Markt- und Zielgruppenforschung für eine bessere After-Sales-Unterstützung der Nutzer, beteuert der Hersteller. Der Konzern halte sich zwar an die Datenschutzbestimmungen der EU. Aber wenn eine E-Zigarette Daten sammelt, so sind dies Gesundheitsdaten. Und diese geniessen einen besonderen Schutz. Der Bundesrat soll sich nun in der Sommersession der Sache annehmen. Mehr im Security-Blog: www.it-markt.ch/Security www.netzwoche.ch © netzmedien ag 11 / 2019

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