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Netzwoche 11/2019

38 Management & Career

38 Management & Career Focus Der Digital Workplace als Versprechen für die Zukunft Der hochgradig digitalisierte Arbeitsplatz verspricht viele Vorteile für Mitarbeiter und Arbeitgeber. Doch vermeintlich hohe Einstiegshürden und fehlende Netzwerkkonzepte lassen Unternehmen zögern. Wieso der Wandel dennoch alternativlos ist. DER AUTOR Beat Sommerhalder Country Manager Schweiz bei Aruba, ein Hewlett- Packard- Enterprise-Unternehmen Für die meisten Mitarbeiter steht der Digital Workplace für «Arbeiten von überall», was mit grösserem Komfort und einer besseren Vernetzung von Geräten und Kollegen einhergeht. Das Management von Mittelstand und Enterprise-Unternehmen hingegen sieht sich bei der Umstellung auf die digitalisierte Arbeitswelt Herausforderungen in puncto Sicherheit und neuer Mobilitäts-, Cloud- und IoT-Technologien gegenübergestellt. So anstrengend und komplex die Umstellung auf den Arbeitsplatz der Zukunft für Unternehmen zunächst auch scheinen mag – der daraus entstehende Nutzen übersteigt den Aufwand um ein Vielfaches. Denn moderne, digitalisierte Arbeitsplätze helfen den Mitarbeitern, sich weiterzubilden, ihre Produktivität zu erhöhen und gleichzeitig ihr Wohlbefinden am Arbeitsplatz zu steigern – so das Ergebnis einer Aruba-Umfrage unter über 7000 Arbeitnehmern weltweit. Dabei geht es im ersten Schritt gar nicht um moderne Technologien wie VR-Kabinen oder Roboterassistenten. Zunächst sollte sichergestellt sein, dass die Mindest anforderungen, wie eine einfachere Verwaltung und Wartung des drahtlosen Netzwerks, die schnelle Integration neuer Benutzer und Geräte sowie eine zuverlässige Wi-Fi- Verbindung, erfüllt werden. Für IT-Entscheider besteht die Aufgabe also vorerst darin, Hindernisse für mobiles Arbeiten zu beseitigen und eine digitale Umgebung zu schaffen, in der die Angestellten effektiv arbeiten können. Bild: Georgijevic / iStock.com Autonomes Netzwerkkonzept Dieser Wandel erfordert ein autonomes Netzwerkkonzept, damit der nächste Schritt schon vorbereitet wird: offene, kollaborative Arbeitsplätze, smarte Besprechungsräume und intelligente Gebäude. Denn diese machen es erforderlich, Technologie neu zu definieren – also hin zu einer durch eine Mobile-First-Architektur getragenen Technologie. Bei diesen neuen Technologien geht es nicht einfach nur um die Werkzeuge, die ein Unternehmen bereitstellt. Es geht um die damit geschaffene Arbeitsumgebung und deren Nutzen für den Menschen: von personalisierter Beleuchtungseinstellung und Arbeitsplatzergonomie über vollautomatische Konferenzräume bis hin zu vorbeugender Gerätewartung und automatisierter Energieeinsparung. Ein Remote-Mitarbeiter muss so arbeiten können, als ob er vor Ort wäre, gleichzeitig sollten registrierte Besucher in der Lage sein, sich problemlos mit dem Gäste- WLAN zu verbinden. Der Arbeitsplatz entwickelt sich mehr denn je zu einer Umgebung, die die nahtlose Interaktion von Nutzern mit Inhalten und Tools einfach, schnell und effizient ermöglicht. Unternehmen, die diese Entwicklung verpassen, riskieren, ihre Mitarbeiter zu entfremden, Talente zu verlieren und letztlich die Produktivität zu verringern. Deshalb muss ein intelligentes, digitales Arbeitsumfeld geschaffen werden, das mit zuverlässigen und personalisierten Services die Kreativität, Zusammenarbeit, Geschwindigkeit und Freiheit der Mitarbeiter fördert. Nur so können Unternehmen sowohl auf ihre kurz- als auch auf ihre langfristigen Ziele einzahlen und darüber hinaus die Zukunft der Arbeit neu definieren: Indem sie einen intelligenten Arbeitsplatz schaffen, der moderne Arbeitsstile erlaubt und gleichzeitig angemessene Sicherheits- und Produktivitätsstandards einhält. 11 / 2019 www.netzwoche.ch © netzmedien ag

Management & Career Focus 39 Coworking – wo die Laptops glühen und Ideen sprühen Die Arbeitswelt befindet sich im Umbruch: Immer mehr Menschen arbeiten heute in offenen Arbeitsformen mit freier Arbeitsplatzwahl und flexiblen Arbeitszeiten. Coworking, also das Arbeiten in offenen Räumen, die man mit anderen teilt, liefert eine Antwort auf den wachsenden Wunsch nach Flexibilität. Mit dem passenden Coworking-Paket umgeht man den längeren Arbeitsweg und spart gleichzeitig die Kosten eines fix gemieteten Büros. Gerade junge Unternehmen sehen sich oft einer schwankenden Auftragslage gegenüber, und damit einem sich verändernden Bedarf an Mitarbeitenden und Arbeitsplatz. In einem Coworking- Space können sie flexibel und vergleichsweise kurzfristig Arbeitsplätze dazumieten oder abgeben. Coworking ist aber nicht nur für Freelancer und junge Unternehmen interessant. Auch immer mehr traditionelle Grossunternehmen entdecken die Vorteile dieser Arbeitsform für ihre Mitarbeitenden und geben diesen die Möglichkeit, einen Teil ihrer Arbeitszeit in einem Coworking-Space statt im Büro zu verbringen. Neben der Flexibilität ermöglicht das Arbeiten in einem Coworking-Space einen inspirierenden Perspektivenwechsel: Hier trifft der kreative Designer auf die techinteressierte Entwicklerin oder die Leiterin eines Integrationsprojekts für Flüchtlinge. Dieses Umfeld kann kreativitätsfördernd wirken. Zudem erhalten Unternehmen und Selbstständige dadurch die Möglichkeit, künftige Teammitglieder oder Geschäftspartner zu finden. Fehlt eine Kompetenz im eigenen Unternehmen, gibt es womöglich im Coworking-Space jemanden, der diese mitbringt. Man kommt ins Gespräch, trinkt zusammen einen Kaffee – und lanciert im besten Fall eine Zusammenarbeit oder ein gemeinsames Projekt. Auch viele Grossunternehmen stellen inzwischen in Coworking- Spaces neue Kontakte her, lassen sich inspirieren und probieren neue Projekte und Kooperationen aus. Eingangsbereich unterhalten sich Leute über die jüngsten Tech-News. Wer sich dieses dynamische Umfeld nicht gewohnt ist, hat zuweilen vermutlich Mühe, sich auf seine Arbeit zu konzentrieren. Für Menschen, die auf Ruhe und Privatsphäre angewiesen sind, kann die Arbeit in einem Coworking-Space herausfordernd sein. Damit Coworking funktionieren kann, müssen deshalb auch Regeln eingehalten werden. Generell gilt: Rücksicht nehmen! Telefonate werden in der Regel in eigens dafür vorgesehenen Telefonkabinen oder Meetingräumen geführt. Arbeitsplatz, Sitzungszimmer, Aufenthaltsbereiche und Küche sollten so hinterlassen werden, wie sie vorgefunden wurden. Jeder Coworking-Space hat seine ganz eigene Atmosphäre – einige sind vergleichbar mit einem stillen Arbeitsplatz in der Bibliothek, andere gleichen eher einem kleinen Dorf, in dem gearbeitet, diskutiert, gegessen und auch mal laut gelacht wird. Wer sich auf die Besonderheiten des jeweiligen Spaces einlassen kann und sich nicht davor scheut, neue Leute und ihre Ideen kennenzulernen, für den oder die wird das Arbeiten in einem Coworking-Space äusserst bereichernd sein. DER AUTOR Viktor Vogt Kommunikationsverantwortlicher, Impact Hub Zürich Coworking-Space mit Regeln Zur Förderung des Austauschs unter den Coworkern bieten viele Coworking-Spaces Unterstützung: Am Impact Hub Zürich beispielsweise vereinfachen sogenannte «Community Builders» und täglich stattfindende Mini- Events das Vernetzen innerhalb der Community und mit externen potenziellen Geschäftspartnern. Natürlich gibt es auch die Kehrseite der Medaille: Im Coworking-Space geht es lebendiger zu als im klassischen Büro: Womöglich diskutiert der Tischnachbar gerade mit einem Kunden, die Kaffeemaschine rumpelt, im Bild: Jacob Lund / adobe.stock.com www.netzwoche.ch © netzmedien ag 11 / 2019

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