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Netzwoche 11/2019

08 Business Aktuell

08 Business Aktuell WWW.NETZWOCHE.CH Lykke greift Six mit Börsenplänen an mur. Lykke will rund 20 Millionen Franken akquirieren, um die Anforderungen der Eidgenössischen Finanzmarktaufsicht (Finma) zu erfüllen und eine neue Börse zu eröffnen. Die Finma soll Lykke als Effektenhändler und Betreiber eines organisierten Handelssystems anerkennen. Das Start-up aus Zug habe die dafür nötigen Unterlagen bereits eingereicht, schreibt Finews.ch. Der Start der Börse ist laut finews.ch im vierten Quartal 2019 geplant – wenn die Finma mitspielt. Migros plant Mikroshops ohne Personal osc. Migrolino will Mini-Shops eröffnen. Diese sollen das bestehende Netz von Filialen erweitern und nur tagsüber von Mitarbeitern besetzt sein. Nachts mutierten sie zu autonomen Shops, in denen sich Kunden selbst bedienen können, wie einem Bericht auf «Watson» zu entnehmen ist. Die Migros ziele mit den «Mikro linos» auf städtische Standorte und Shell-Tankstellen. Für den nächtlichen Zutritt und Einkauf benötigten Kunden die Migrolino-App. Ob die Geschäfte 24 Stunden lang geöffnet seien, habe Migrolino nicht verraten. Weko nimmt Sunrise-UPC- Fusion unter die Lupe osc. Die Wettbewerbskommission des Bundes (Weko) will den Zusammenschluss von Sunrise und UPC Schweiz vertieft prüfen. Vorläufige Abklärungen hätten Anhaltspunkte ergeben, dass der Deal auf verschiedenen Märkten eine marktbeherrschende Stellung begründe oder verstärke, heisst es in einer Mitteilung. Die Weko kläre nun innerhalb von vier Monaten ab, wie sich der geplante Zusammenschluss auf den Wettbewerb auswirken könnte. Wie «Finanz und Wirtschaft» berichtet, geht Sunrise von einer Zustimmung zur Fusion aus. Banken-IT kostet wieder mehr, als sie nützt jor. Erstmals seit vielen Jahren ist sie 2018 wieder gesunken: die Kosteneffizienz der IT-Abteilungen von Schweizer Banken. Dies geht aus einer Untersuchung der IT-Beratungsfirma Itopia hervor. Den Prognosen zufolge wird sich die Kosten-Nutzen-Rechnung der IT-Ausgaben hiesiger Finanzinstitute nochmals verschlechtern. Über alle Banken betrachtet stieg der von Itopia berechnete IT-Kostenindex von 1.07 auf 1.14, wobei steigende Werte auf abnehmende IT-Kosteneffizienz hinweisen. Auf der Basis der gemeldeten Budget-Zahlen erwartet Itopia, dass der Index 2019 auf 1.26 klettert. Privatbanken drücken bei den IT-Ausgaben auf die Bremse Den Ergebnissen zufolge sind die IT-Ausgaben von Schweizer Banken 2018 weniger stark gewachsen als noch DER VON ITOPIA BERECHNETE IT-KOSTENINDEX STEIGT SEIT 2017 WIEDERTitel Steigende Werte bedeuten sinkende IT-Kosteneffizienz. Quelle: Itopia 2,2 2,0 1,8 1,6 1,4 1,2 lha. Nun hat sich auch der Ständerat für das E-ID-Gesetz ausgesprochen. Der Nationalrat stimmte dem Gesetz bereits am 20. März zu. Doch nicht alle sind einverstanden. Die Gegner wollen den Entscheid von National- und Ständerat nicht akzeptieren, wie Parlament.ch mitteilt. Auch SP-Ständerätin Anita Fetz ist der Meinung, dass die E-ID nicht von Privaten herausgegeben werden sollte. Wie eine Befragung im Auftrag von Konsumentenschutzorganisationen zeigt, wünschen sich 87 Prozent der Schweizer eine staatliche E-ID. Swisssign nimmt Stellung Justizministerin Karin Keller-Sutter verwies laut Parlament.ch darauf, dass die E-ID kein digitaler Pass sei, sondern ein qualifiziertes Login. Der Staat gebe die Kontrolle im Jahr zuvor. Das zeigt sich insbesondere bei Privatbanken: 2017 betrug das jährliche Wachstum der IT- Kosten pro Bankmitarbeiter in einer Privatbank noch 14,7 Prozent. 2018 erreichte der entsprechende Wert nur noch 2,7 Prozent. Die IT-Ausgaben von Privatbanken sind 2018 also weniger stark gestiegen als noch im Vorjahr. Im Retailgeschäft lag das Wachstum der IT-Ausgaben 2017 noch bei 12,1 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Für 2018 rechnet Itopia mit einer Zunahme von 9,4 Prozent. Auch bei Retailbanken wie etwa der Raiffeisen oder auch bei Kantonalbanken nimmt das Ausgabenwachstum 2018 gegenüber dem Vorjahr leicht ab – allerdings weniger stark als bei Privatbanken. Ständerat stimmt E-ID zu, Gegner bereiten Referendum vor über die Daten nicht aus der Hand. Die privaten Unternehmen lieferten lediglich das Zugangsmittel. «Im E-ID-Gesetz ist auch klar festgehalten, dass der Staat die E-ID erstellen wird. Die nach strengen Richtlinien zertifizierten Unternehmen sind für den Aufbau der technischen Infrastruktur und der vielfältigen Online-Anwendungsbereiche zuständig. Keller-Sutter habe auch klargestellt, dass das E-ID- Gesetz weitergehe als das Schweizerische Datenschutzgesetz. Der Vorwurf von möglichen Datenkartellen sei falsch. Der Ständerat habe Den vollständigen Artikel finden Sie online www.netzwoche.ch Den vollständigen Artikel finden Sie online www.netzwoche.ch 1,0 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017 2018 2019 zudem eine E-ID-Kommission gebildet, die die Herausgabe des Ausweises überwachen soll. 11 / 2019 www.netzwoche.ch © netzmedien ag

Business Fachbeitrag 09 Was man mit Blockchain nicht machen kann Nach der ersten Begeisterung über Kryptowährungen und Blockchain ist eine gewisse Ernüchterung eingetreten. Kryptowährungen wie Bitcoin halten sich zwar tapfer, aber bei den übrigen Blockchain-Anwendungen ist noch keine «Killerapplikation» in Sicht. Woran könnte das liegen? Nachdem Bitcoin und generell die Kryptowährungen in den letzten beiden Jahren zuerst rasante Kurssteigerungen mit anschliessenden heftigen Einbrüchen verzeichnet haben, hat sich die Situation bei den «Kryptos» vorerst beruhigt. Der Handelswert der meisten Tokens ist gegen null gesunken und die Zahl der relevanten Kryptowährungen ist auf wenige Duzend geschrumpft. Unangefochten ist Bitcoin immer noch der Primus unter den Kryptowährungen. Wie sieht die Situation bei Blockchain-Anwendungen ohne die Kryptowährungen aus? Wir stellen fest, dass es in diesem Bereich viele Start-ups gibt, die davon träumen, mit ihren Blockchain-Anwendungen die Welt zu erobern. Genauso zahlreich sind Projekte von gestandenen Unternehmen, die mit einer Blockchain- Anwendung die Zukunft ihres Unternehmens gestalten wollen. Auch die grossen Technologieunternehmen wie IBM, SAP oder Microsoft investieren viel in die Blockchain- Entwicklung. Wie kommt es, dass trotz grosser und mittlerweile jahrelanger Anstrengungen bisher noch keine Blockchain-Anwendung den Markt überzeugen konnte? In der Regel sind es meistens verschiedene Ursachen, die den Erfolg einer Idee verhindern oder verzögern. Folgende Überlegung könnte einen Anhaltspunkt geben, warum Blockchain noch nicht den grossen Durchbruch geschafft hat. Quelle: WDettling dezentral freie Struktur Identitäts-Schutz grosse Datenmengen schnell Die Quadratur des Blochainkreises: Man kann Daten nicht gleichzeitig dezentral und schnell fälschungssicher online verfügbar machen. manipulationssicher zensurfrei Energie effizient Wofür die Blockchain-Architektur geeignet ist Der Prototyp für die Blockchain-Architektur ist und bleibt Bitcoin. Die mehr als zehnjährige Geschichte von Bitcoin belegt, dass Architektur und Idee zusammenpassen, auch wenn die Konstruktion gewisse Mängel aufweist. Im Kern löst Bitcoin folgende Aufgabe: die fälschungssichere Veröffentlichung von digitalen Informationen ohne zentrale Kontrolle. Diese Aufgabe hört sich einfach an, war aber vor Bitcoin mit den verfügbaren digitalen Instrumenten nicht lösbar. Auch Bitcoin löst diese Aufgabe nicht allein mit technischen und kryptografischen Methoden, sondern mit der Kombination von Technologie, Kryptografie, wirtschaftlichen Anreizen und dem Öffentlichkeitsprinzip. Und genau die Tatsache, dass die dezentrale Speicherung von Daten nicht allein mit technischen Mitteln sicher gemacht werden kann, ist die Ursache für den grössten Schwachpunkt von Bitcoin: die begrenzte Skalierbarkeit. Es ist nicht möglich, tausende oder Millionen Transaktionen innerhalb von Sekunden mit den oben genannten Eigenschaften auszustatten. Alle Versuche, die Skalierung bei Blockchains deutlich zu verbessern, führten bisher zum Wegfall oder einer massiven Einschränkung der Dezentralisierung. Wofür die Blockchain-Architektur nicht geeignet ist Es liegt nahe, den Vergleich mit der Quadratur des Kreises zu machen, die nachweislich nicht möglich ist. Übersetzt auf die Blockchain lautet das unlösbare Problem: Man kann Daten nicht gleichzeitig dezentral und schnell fälschungssicher online verfügbar machen. Daran scheitern bisher alle Blockchain-Anwendungen. Sie setzen voraus, dass man bestehende Geschäftsprozesse in gewohnter Weise digital abbildet. Damit erzeugen sie Datenstrukturen und -mengen, die keine Blockchain genügend schnell verarbeiten kann. Fazit Bei der Suche nach geeigneten Blockchain-Anwendungen muss man sich von der gewohnten Anwendungs- und Datenstruktur befreien. Die Anwendungsdaten, die heute praktisch beliebig gross sein können, gehören nicht in die Blockchain. Man muss sich darauf beschränken, diejenigen Signaturen in einer Blockchain zu speichern, mit denen Zugriffsrechte, Integrität sowie Eigentums- und Herkunftsinformationen gesichert werden sollen. DER AUTOR Walter Dettling Professor für Wirtschaftsinformatik und Mathematik, FHNW Dossier online www.netzwoche.ch/ dossier/ blockchain www.netzwoche.ch © netzmedien ag 11 / 2019

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