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Netzwoche 11/2020

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Bild: DNY59 / iStock Dossier IoT-Plattformen In Kooperation mit Ergon Informatik Die Qual der Wahl im Internet der Dinge osc. Das Internet der Dinge (IoT) ist neben künstlicher Intelligenz und Automatisierung eines der Top-Themen, wenn es um die Digitalisierung geht. Vor allem Unternehmen aus der Industrie, dem Gesundheits- und dem Transportwesen erhoffen sich von der digitalen Vernetzung und Steuerung von Gegenständen, Maschinen und Fahrzeugen mehr Effizienz, schnellere Reaktionszeiten und ganz neue Geschäftsfelder. Das spiegelt auch der Markt wider. Laut einer Prognose der Analysten von Fortune Business Insights von Mitte Mai 2020 soll der IoT- Markt weltweit bis 2026 ein Volumen von 1,1 Billionen Dollar erreichen. Auch viele Schweizer Firmen planen, ins Internet der Dinge einzusteigen. Doch das ist gar nicht so einfach, denn dazu braucht es zunächst mal eine IoT-Plattform – und davon gibt es weit über hundert, wie Zoltán Majó und Gert Brettlecker auf den folgenden Seiten schreiben. Die Autoren zeigen, worauf es bei der Auswahl der richtigen Plattform ankommt. Im Interview gleich anschliessend spricht Daniel Albrecht über den Einsatz von IoT bei Belimo, einem Hersteller von Antriebs- und Ventiltechnologie für Heizung, Lüftung und Klima aus Hinwil. 11 / 2020 www.netzwoche.ch © netzmedien ag

In Kooperation mit Ergon Informatik IoT-Plattformen DOSSIER27 So möge er jetzt entscheiden oder für immer schweigen Weit über hundert IoT-Plattformen sind aktuell auf dem Markt erhältlich. Da den Überblick zu behalten, fällt selbst Experten nicht leicht. Ein Wechsel der Plattform ist technisch meist möglich, aber oft mit hohen Kosten und viel Zeit verbunden. Um ein böses Erwachen zu vermeiden, ist für die Auswahl einer IoT-Plattform eine sorgfältige Evaluation entscheidend. Unter «Internet of Things», kurz IoT, wird die Vernetzung physischer Geräte und deren Verbindung mit dem Internet verstanden. Sie ermöglicht die Realisierung neuer Funktionen wie die Interaktion mit Geräten ohne physische Präsenz des Benutzers oder die Sammlung und Analyse von Gerätedaten. Die Realisierung neuer internetbasierter Funktionen erfordert auch den Aufbau eines ganzen IoT-Ökosystems. Dieses besteht neben vernetzten Geräten typischerweise aus verschiedenen IT-Systemen wie beispielsweise Mobile- und Webapplikationen, die die Interaktion zwischen Geräten und Endbenutzern ermöglichen. Andere Teilsysteme des IoT-Ökosystems bilden Geschäftsprozesse ab oder realisieren eine Integration mit bestehenden IT-Diensten. Zentrale Kommunikationsdrehscheibe Das Herzstück eines IoT-Ökosystems ist die IoT-Plattform, wodurch eine zentrale Funktionalität – die Kommunikation mit den Geräten im Feld – abgewickelt wird. Zusätzlich bieten die meisten Plattformen eine Auswahl an weiteren Grundfunktionalitäten wie etwa Firmware-Updates für angebundene Geräte oder die Archivierung und Analyse der von den Geräten erhaltenen Daten. Diese Grundfunktionalitäten decken selten den kompletten Funktionsbedarf eines IoT-Anwendungsfalles ab. Denn oft benötigen diese Anwendungsfälle auch Funktionalitäten, die spezifisch für ein Geschäftsfeld oder ein Unternehmen sind. Geschäftsspezifische Funktionalitäten sind typischerweise nicht Teil einer IoT- Plattform. Letztere soll vor allem die technische Grundlage bereitstellen: Schnell und auf einfache Weise eine grosse Anzahl von Anwendungsfällen realisieren. Durch die Bereitstellung von Grundfunktionalitäten kann eine IoT-Plattform als Baustein zum Aufbau des IoT-Ökosystems verwendet werden, wodurch sich ein Unternehmen auf die Entwicklung der geschäftsrelevanten und -spezifischen Funktionalitäten des Ökosystems fokussieren kann. Auf diese Weise besteht die Chance einer kürzeren Time-to-Market. Es gibt Fälle, in denen eine IoT-Plattform die benötigten Anwendungsfälle fast vollständig oder sogar komplett abdeckt. So lässt sich die Zeit bis zur Produkteinführung weiter verkürzen. Allerdings stellt diese meist sehr spezifische Anforderungen an Geräte-Hardware oder -Software, die dazu führen, dass sie für zukünftige Anwendungsfälle nur mit Schwierigkeiten oder womöglich gar nicht verwendet werden kann. Die Suche nach der Nadel im Heuhaufen Doch wie wählt ein Unternehmen eine IoT-Plattform aus? Der angebotene Funktionsumfang ist ein wichtiges Kriterium. Dieser lässt sich aus den Anforderungen der geplanten Anwendungsfälle ableiten. Trotzdem bleibt der Entscheid oftmals schwierig: Aktuell gibt es hunderte Plattformen auf dem Markt, sowohl als gebührenpflichtige als auch freie Software. Und der exakte Funktionsumfang ist häufig nicht leicht zu identifizieren. Für eine grobe Einordnung kann die Dokumentation der Plattform ein guter Startpunkt sein. Oft ist ebendiese jedoch nicht klar oder detailliert genug, um mit absoluter Sicherheit sagen zu können, ob eine Plattform zum definierten Anwendungsfall passt. Im Praxistest Die Praxis beweist, dass es sich in jedem Fall auszahlt, zunächst Anforderungen klar zu identifizieren. Anschliessend kann man versuchen, diese im Sinne eines Proof-of-Concept (PoC) auf der vorgesehenen Plattform zu realisieren. Viele Anforderungen, wie etwa die sichere Kommunikation zwischen Plattform und Geräten, das initiale sichere Erfassen von Gerätestammdaten inklusive zugehöriger Schlüsselinformationen oder die Möglichkeit für die Abbildung einer Zuordnung zwischen Nutzern und Geräten, sollten durch Grundfunktionalitäten abgedeckt werden. Hier muss geprüft werden, ob und in welchem Umfang die gegebene Plattform die entsprechende Grundfunktionalität anbietet. Manche Anforderungen sind geschäftsspezifisch und werden voraussichtlich durch eine andere Komponente des IoT-Ökosystems und nicht durch die Plattform selbst abgedeckt. Diese geschäftsspezifischen Anforderungen sind wichtig, denn daraus können indirekte Anforderungen wie beispielsweise die zeitnahe Reaktion auf Geräte-Ereignisse abgeleitet werden. Schliesslich ist es wichtig, dass die ausgewählten Anforderungen den Anwendungsfall nicht komplett abdecken, da der PoC nicht den kompletten Anwendungsfall realisieren soll. Wichtigkeit, Allgemeinheit und Priorität müssen im Voraus gut eingeschätzt werden. Eine Auswahl kann für die Evaluation mehrerer Plattformen verwendet werden, um eine gute Basis für den Vergleich zu schaffen. Cloud oder nicht Cloud? Es ist nicht praktikabel, für Vergleichszwecke einen PoC auf zu vielen verschiedenen Plattformen zu erstellen. Um den Aufwand DIE AUTOREN Zoltán Majó Senior Software Engineer & Consultant, Internet of Things / Cloud, Ergon Informatik Gert Brettlecker Team & Tech Lead Enterprise Solutions, Ergon Informatik www.netzwoche.ch © netzmedien ag 11 / 2020

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