Aufrufe
vor 2 Jahren

Netzwoche 12/2016

  • Text
  • Unternehmen
  • Schweiz
  • Schweizer
  • Netzmedien
  • Swisscom
  • Webcode
  • Fintech
  • Gesellschaft
  • Plattform
  • Swiss

Bild: iStock FOCUS

Bild: iStock FOCUS FINANCE Das Geld wird digital gsa. Die Digitalisierung greift inzwischen auch bei Banken und Versicherungen um sich. Bestehende Geschäftsmodelle werden digital nachgebildet. Es beginnt beim sogenannten Onboarding. Kunden besprechen ihre Wünsche mit einem Finanzberater online: im Chat, via Videokonferenz oder per E-Mail. Bei der Schaffung neuer digitaler Finanzservices geht es auch um Qualität, nicht nur um Quantität. Ein Robo-Advisor ist gegebenenfalls nicht das richtige Werkzeug für eine Bank, wie Cristian Camenisch schreibt, Head of Digital Banking bei Avaloq Sourcing Schweiz & Liechtenstein. Camenisch schlägt in seinem Fachbeitrag drei Faktoren für eine erfolgreiche Digitalisierungsstrategie im Finanzwesen vor. Die Digitalisierung der Finanzbranche eröffnet Jungunternehmen zahlreiche Möglichkeiten, sich mit Produkten und Services am Markt zu etablieren. Hiervon können auch traditionelle Anbieter profitieren, indem sie mit den Start-ups kooperieren. Six, Dienstleister der Schweizer Banken, etwa hat sich zum Ziel gesetzt, die Fintech-Szene hierzulande zu fördern. Was das bringt, erklärt Franziska Garbe, Communication Spezialist bei Six. Mit der Digitalisierung wandelt sich auch die Rolle des Bank beraters, wie Geraldine Critchley, Head Product Marketing Digital Banking bei Crealogix in ihrem Fachbeitrag erklärt. Es sei denkbar, dass sich die Rolle des Beraters eher in Richtung des Relationship-Managers und Coaches entwickelt, der bei Bedarf zur Verfügung steht und sich mittels technologischer Hilfsmittel Experten zu Hilfe holt. 12 / 2016 www.netzwoche.ch © netzmedien ag

Focus Finance 33 Nachhaltiger Erfolg von Digital- Banking-Initiativen Digital Banking ist mehr als die Summe aus klassischem Banking, Digitalisierung und neuen Technologien. Es ist eine Vision, die zu einem Wettbewerbsvorsprung führt. Die smarte Umsetzung beruht auf einigen wesentlichen Erfolgsfaktoren. DER AUTOR Cristian Camenisch Head of Digital Banking, Avaloq Sourcing (Switzerland & Liechtenstein) AG Erfolgsfaktor 1: Differenzierung und klare (Business-)Vision anstelle «Me-too»-Strategie Werden bestehende Geschäftsmodelle einfach nur digitalisiert, besteht die Gefahr, dass trotz noch so attraktiver Benutzeroberflächen die Differenzierung zu kurz kommt. Möglicherweise kann die Kosteneffizienz gesteigert werden, indem dem Kunden der Selfservice für Aufgaben übertragen wird, die herkömmlicherweise die Bank erledigte. Und vielleicht kann sich die Bank auch als neuzeitlich darstellen, wenn sie ihren Kunden möglichst viele Fintech-Anwendungen anbietet. Doch es geht um Qualität, nicht nur um Quantität. Ein Robo-Advisor ist gegebenenfalls nicht das richtige Werkzeug für eine Bank mit Fokus auf diskretionäre Mandate. Grundsätzlich entscheiden Strategie und Vision einer Bank über ihr Angebotsportfolio. Konsumentenverhalten ist dabei wesentlich: Der Kunde sucht nicht primär ein Finanzprodukt, sondern will (Lebens-)Ziele, wie etwa den Erwerb eines Eigenheims, über seine Bank erreichen. Daher gilt: Die Bank als Ganzes (und nicht eine Abteilung im Alleingang) müssen zunächst eine klare Vision entwickeln, wie sie sich durch ihre Digital-Banking-Lösung(en) in ihrem Wettbewerbsumfeld abheben kann. Erst wenn das Ziel und gegebenenfalls neue Geschäftsmodelle definiert sind, sollten bestehende oder neue Prozesse konzipiert und umgesetzt werden. Erfolgsfaktor 2: Plattform anstelle von Insellösungen Nach Jahren des Wildwuchses an proprietären Applikationen im Bereich des Core Bankings haben erst der Kostendruck, die Regulierungsdichte und neue Kundenanforderungen die Finanzinstitute zu Standardisierung und Industrialisierung bewegt. Dies wiederholt sich beim Digital Banking: Eine grosse Bandbreite an Fintechs trägt zu Digital-Finance-Innovation bei. Doch jede hinzukommende Digital-App in eine Kernbankenplattform zu integrieren, kann aufwändig sein: Neue Schnittstellen erhöhen Kosten, Komplexität und Fehleranfälligkeit. Hingegen ermöglicht eine offene, echtzeit-integrierte und skalierbare Plattform eine erfolgreiche Integration. Indem die Integration vom Kernbankensystem entkoppelt wird, ist die Innovation nicht mehr von diesem System abhängig. Auch muss sich eine Bank dank der Plattform nicht um redundante und nicht-differenzierende Funktionalität (wie etwa die Synchronisation mit dem Back-End) kümmern. Die Plattform für die Bank von morgen sollte vorkonfigurierte Standardfunktionalitäten ebenso mitbringen wie offene Schnittstellen, die Drittanbietern und den Banken selbst erlauben, eigenentwickelte Services als differenzierenden Mehrwert aufzusetzen. Zusatzvorteil: Trends können schneller aufgegriffen und umgesetzt werden. Erfolgsfaktor 3: auf das Wesentliche konzentrieren Häufig sind in Banken Ressourcen in Standardprozessen gebunden – etwa Betrieb und Unterhalt von Hard- und Software, Release-Upgrades oder auch Überwachung und Sicherstellung von Know-how und Sicherheit. Diese Ressourcenbindung verlangsamt Innovationszyklen: Doch ein geeignetes Betriebsmodell «as-a-Service» könnte Abhilfe schaffen. Dabei konzentriert sich die Bank auf das Wesentliche des «Digital Banking» und nicht auf technische Aspekte. Entscheidend bleiben eine klare Vision, die richtige Strategie und eine Roadmap zur Umsetzung, basierend auf Differenzierung, Kundenerlebnis und Ausbau der Value Proposition. Bild: Fotolia www.netzwoche.ch © netzmedien ag 12 / 2016

Archiv