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Netzwoche 12/2016

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10 Business Event «Wir

10 Business Event «Wir haben Kunden, die immer noch auf Windows 98 setzen» Markus Brändle ist Group Head of Cyber Security bei ABB. Er hat Ende Juni an der Fachhochschule Nordwestschweiz im Campus Brugg-Windisch über IT-Sicherheit in der Industrie 4.0 gesprochen. Und verraten, warum er beim Thema Internet der Dinge skeptisch ist. Autor: Marcel Urech «Das Internet der Dinge gibt es in der Industrie schon seit den frühen 70ern.» Markus Brändle, Head of Cyber Security bei ABB Electrosuisse hat zum Gespräch über Industrie 4.0 geladen. Rund 20 Teilnehmer reisten am 28. Juni zum Campus Brugg-Windisch der Fachhochschule Nordwestschweiz, vorwiegend Projektleiter aus der Industrie und Automationsbranche, etwa von Swissmem, SBB und Siemens. Markus Brändle, ABBs Group Head of Cyber Security, referierte zum Einstieg über die Unterschiede zwischen der Business-IT und der Industrie-Welt. Moderne IT-Systeme würden oft auf Commodity-Hardware basieren und auf TCP/IP-Kommunikation setzen. Bei industriellen Anlagen hingegen gebe es meist spezialisierte Hardware und viele unterschiedliche Kommunikationsprotokolle und Interface-Spezifizierungen. Die Produktion empfinde die IT zum Teil als störend, sagte Brändle. Und die IT-Fachkräfte würden es nicht goutieren, wenn ihnen jemand reinrede. Die IT könne sich aber nicht von den Produktionsanlagen abschotten. Schliesslich verdiene ein Industriebetrieb sein Geld immer noch mit der Produktion von Waren und nicht mit IT, sagte Brändle. Verantwortungswirrwarr Auch bei der Beschaffung gehen Produktion und IT unterschiedlich vor. Die IT wolle möglichst viel selbst machen, und die Lieferanten seien unterschiedlich. Oft sei nicht einmal klar, wer die Verantwortung für die Sicherheit von IT und Anlagen trage. Der Chief Information Security Officer aus der IT- Abteilung oder der technische Vertriebs- oder Produktionschef? Solange eine Firma funktionierende Schnittstellen habe, gut kommuniziere und definiere, wer für was verantwortlich sei, spiele das aber eigentlich gar keine Rolle, sagte Brändle. Um all diese Probleme zu lösen, müsse sich die IT weiterbilden und auch mit Embedded-Geräten auseinandersetzen, die sie oft gar nicht kenne. Im Gegenzug müsse aber auch die Produktion einen Schritt auf die IT zumachen und besser mit ihr kommunizieren, forderte Brändle. Was heisst hier sicher? Laut Brändle ist es auch eine Herausforderung, eine gemeinsame Sprache und einheitliche Terminologien zu finden. Die IT-Fachkräfte und die Automationsingenieure würden oft aneinander vorbeireden und hätten unterschiedliche Ziele – etwa bei der Sicherheit. Für die Business-IT bedeute der Begriff in erster Linie die Vertraulichkeit und Integrität von Daten. Für den Betrieb und die Produktion hingegen sei Verfügbarkeit das Wichtigste. Im Gegensatz zur schnelllebigen IT seien Industrieanlagen oft über 25 Jahre im Einsatz. «Wir haben Kunden, die immer noch auf Windows 98 setzen», sagte Brändle. Schwierige Risikoabschätzung Für industrielle Anlagen gibt es laut Brändle noch keine guten Risikomanagement-Prozesse. Das sei erstaunlich, da es beim Thema Sicherheit vor allem eine Frage zu beantworten gebe: Welches Risiko kann ein Unternehmen eingehen? Es sei wichtig, Maschinen von Anfang an «secure by design» zu entwickeln. Oft würden Firmen aber auch Fehler bei der Inbetriebnahme machen, etwa Default- Passwörter nicht ändern, Ports unnötig offen lassen oder ungenutzte Services nicht abschalten, sagte Brändle. «Wir gingen Security in der Industrie lange zu punktuell an.» Ein Sicherheitskonzept müsse heute auch Sensoren, Controller und Leitsysteme umfassen. Beim Internet der Dinge sei Vorsicht geboten. Man müsse sich fragen, ob wirklich jede Anlage ein Wireless-Interface brauche. In der Industrie würden Maschinen und Anlagen schon lange miteinander kommunizieren: «Das Internet der Dinge gibt es in der Industrie schon seit den frühen 70er-Jahren.» Artikel online: www.netzwoche.ch ▸ Webcode 8906 12 / 2016 www.netzwoche.ch © netzmedien ag

Technology Konferenz 11 Evolution statt Revolution an WWDC16 Mitte Juni hat Apple Entwickler aus aller Welt zu seiner Fachkonferenz WWDC16 geladen. Revolutionäre Neuheiten gab es zwar nicht zu sehen. Dafür bot Apple zahlreiche Neuerungen bei seinen Betriebssystemen. DER AUTOR Yves Landert Head of Innovation & Technology, Appculture Bereits zum zweiten Mal hat Appculture das Vergnügen gehabt, Apples WWDC beizuwohnen. Die Technologiekonferenz des Herstellers ging vom 13. bis 17. Juni in San Francisco über die Bühne. Rund 5000 Entwickler, die jüngste Entwicklerin war gerade mal 9 Jahre alt, zog es an die Westküste der USA, um an der Keynote von Tim Cook und weiteren Managern die Neuigkeiten von Apple aus erster Hand zu erfahren. Zudem galt es, das Fachwissen in diversen Session und Labs im Laufe der Woche zu vertiefen. Revolutionäre Neuerungen wurden in diesem Jahr nicht vorgestellt. Dafür überzeugte Apple in jedem Produktbereich mit soliden Weiterentwicklungen, die Entwicklern, App-Anbietern und schliesslich auch Anwendern neue Möglichkeiten bieten. Tausende Apple-Entwickler, Fachleute und Medien drängten in die Event-Hallen von Apple an der WWDC16. Artikel online auf www.netzwoche.ch Webcode 8847 Betriebssysteme deutlich überarbeitet Das Betriebssystem OS X heisst künftig MacOS. Die jüngste Variante «Sierra» bringt dem Anwender Annehmlichkeiten wie etwa das automatische Entsperren des Rechners via Apple Watch oder das Shared Clipboard, welches das plattformübergreifende Arbeiten auf allen Apple-Geräten massiv vereinfacht. Man darf auch gespannt sein, wie solide und performant das neue Filesystem sein wird. Apple öffnet sich weiter und ermöglicht die Integration von Siri, iMessage oder Maps in fremde Apps. So werden etwa Messenger wie Whatsapp oder Viber künftig via Call API einen eingehenden Anruf gross auf dem Lock-Screen anzeigen, genauso wie bei einem normalen GSM-Anruf. Anbieter von Stickers oder Games können ihre Apps direkt im neuen iMessage Store anbieten. Die Apple Watch erhält mit «watchOS 3» ein verbessertes Bedienkonzept und massiv verkürzte App-Ladezeiten. Weitere attraktive Funktionen kommen im Fitnessbereich hinzu, wie etwa das Teilen von Aktivitätsdaten mit Freunden. Neuerungen in den Bereichen Home-Automation und AI Auch bei der Home-Automation geht es weiter: Apple lanciert die neue, eigene App «Home», die es dem Anwender ermöglicht, all seine Geräte zu steuern, die Home-Kit-fähig sind. Bereits seit iOS9 ermöglicht Apple die Steuerung von Heimelektronik, die mit Home-Kit kompatibel ist. Bis dato musste der Anwender für die Steuerung noch die jeweiligen Hersteller-Apps herunterladen. Im Bereich künstlicher Intelligenz (AI) will Apple AI und Privatspährenschutz vereinen. Deep-Learning-Tools für zum Beispiel Gesichtserkennung in Bildern oder Konversationsvorschläge, basieren ja auf der Analyse möglichst vieler Nutzerdaten. Apple präsentierte nun neue Methoden wie jene der «Differential Privacy», die den Benutzerdaten ein «Rauschen» hinzufügt, sodass diese analysiert werden können, ohne jedoch einen Rückschluss auf einzelne Datensätze zu erlauben. Entwicklern ist Apples AI zugänglich durch eine neue Schnittstelle mit dem klingenden Namen «Basic Neural Network Subroutines». Einmaliges Konferenzerlebnis Obwohl die Keynote und sämtliche Sessions via Streaming von überall auf der Welt live miterlebt werden konnten, lohnte sich eine persönliche Teilnahme an der WWDC. So boten etwa die Labs zu verschiedenen Themen Gelegenheit, diese direkt mit Apple-Entwicklern vertieft zu diskutieren und Fragen beantwortet zu bekommen. An Design Sessions konnten Besucher – sofern diese mehrere Stunden Anstehen in Kauf nahmen – eigene Apps von Apples Designern unter die Lupe nehmen lassen. Zwei Tipps für alle, die einen künftigen Konferenzbesuch ins Auge fassen: Die WWDC Merchandising-Artikel sind jeweils bereits nach wenigen Stunden ausverkauft. Man sollte sich, will man einen Platz in den vorderen Reihen der Keynote ergattern, mit einer aufblasbaren Sitzgelegenheit und einer warmen Decke für frostige Stunden nächtlicher Wartezeit wappnen. www.netzwoche.ch © netzmedien ag 12 / 2016

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