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Netzwoche 12/2020

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18 People Live Sie

18 People Live Sie kennen die IT-Branche, hatten leitende Funktionen bei « Wir hatten im Februar mehr Bestellungen, als für das ganze Jahr geplant » Tandem, Compaq, EMC, Sun – Andreas Knöpfli hat in seiner Laufbahn viele grosse Player der ICT-Branche kennengelernt und mitgeprägt. Heute ist er Präsident des Wirtschaftsverbands Swico. Ein Gespräch über Veränderungen im IT-Business, die Faszination für das Silicon Valley und aktuelle Herausforderungen. Interview: Oliver Schneider i ZUR PERSON Andreas Knöpfli wurde 1961 in Schaffhausen geboren. Nach einer Ausbildung zum Analytiker und Programmierer arbeitete er ab 1985 zunächst bei Tandem Computers. 1990 kam er zu Compaq Computer, wo er die Aufgaben des Verkaufsdirektors Schweiz und anschliessend in Houston des Direktor Enterprise Solutions North America übernahm. Weitere Stationen seines Berufslebens waren EMC (CEO Schweiz) und Sun Microsystems (CEO Schweiz & Osteuropa) 2010 machte er sich mit der Firma Peakteq selbstständig. 2004 übernahm er das Präsidium des Swico, den er auf Europaebene beim Verband Digital- Europe vertritt. Knöpfli ist verheiratet und wohnt in Uhwiesen am Rheinfall. Das vollständige Interview finden Sie online www.netzwoche.ch Compaq, EMC oder Sun. Wo gefiel es Ihnen am besten? Andreas Knöpfli: Es ist immer schwierig, diese Frage zu beantworten. Retrospektiv gefiel es mit überall gut. Ich hatte das Privileg, jeweils zur richtigen Zeit bei interessanten Firmen mit intelligenten Leuten in attraktiven Märkten zu arbeiten. Bei Compaq konnte ich das Key-Account-Management in der Wachstumsphase der 90er aufbauen und von ein paar Millionen Franken Umsatz auf über 800 Millionen steigern – und danach meinen Horizont am Hauptsitz in Houston erweitern. Bei EMC war ich während des Dotcom- Booms, als die Firma zusammen mit Oracle, Cisco und Sun als die «Four Horsemen of the new Economy» galt. Eine interessante und sehr lehrreiche Zeit. Danach war ich noch einmal zwei Jahre bei Compaq für das Servergeschäft im EMEA-Raum zuständig und konnte im Integrationsteam für die Übernahme durch HP mitarbeiten. Nach der Übernahme ging ich zu Sun, wo ich als Geschäftsführer für die Schweiz sowie Teile von Osteuropa tätig war. Das war eine besondere Situation, denn mitten im Crash musste ich nun einiges wieder abbauen, was vorher aufgebaut worden war. Wir mussten uns den Gegebenheiten anpassen. Und wo waren Sie dann doch auch etwas froh, dass Sie weiterziehen konnten? Die Firmen waren überall toll – ebenso ihre Produkte und Strategien. Bei EMC war ich vergleichsweise kurz, da ich mich mit dem neuen Verantwortlichen für die Schweiz und Südeuropa nicht verstand. Er war der schlechteste Manager, dem ich in meiner Karriere begegnet bin. Da kam es sehr gelegen, dass Compaq im Jahr 2000 den Sitz für das internationale Geschäft in Kloten zentralisierte und ich als Vice President für das Servergeschäft dort wieder einsteigen konnte. Das hatte allerdings nichts mit der Firma EMC als solche zu tun. Wie sind Sie in der IT-Branche gelandet? Mich hat die Technologie und die digitale Welt fasziniert, sodass ich Anfang der 80er-Jahre eine Ausbildung als Analytiker und Programmierer beim Kanton Schaffhausen begann. Parallel dazu habe ich die Ausbildung zum eidgenössisch diplomierten EDV-Analytiker absolviert und mich Richtung Systemtechnik und Architekturen weitergebildet. Anschliessend ging ich als Systemingenieur zu Tandem Computers, wo ich auch ein Internship in Cupertino im Silicon Valley machen konnte und später im Sales für den Finanzbereich arbeitete. Wenn Sie auf die vergangenen 20 Jahre zurückblicken: Was war für Sie das einschneidendste Ereignis? It’s tough to make predictions, especially about the future! Ich war einige Male dabei, als es um wichtige Entscheidungen ging, die im Nachhinein falsch waren. Als beispielsweise nach der Digital-Equipment-Übernahme durch Compaq die Portfolio-Analyse gemacht wurde, war ich in die Entscheidung involviert, was man mit den Altavista.com-Assets machen sollte. Das war eine der ersten guten Suchmaschinen. Zwei prominente Beratungsunternehmen stellten damals unabhängig voneinander auf schönen Folien dar, dass das «Search Business» kein kommerziell rentables Business sei und man dementsprechend diese Assets schnellstmöglich veräussern oder schliessen sollte. Dass dieses Business durchaus eine positive kommerzielle Entwicklung hatte, zeigt sich mit der Marktentwicklung von Google. Welche Trends der Branche sind bis heute geblieben, was hat sich verändert? Die Geschwindigkeit hat in jeder Beziehung zugenommen. Agilität, schnelles Handeln und das Antizipieren von Entwicklungen ist essenziell. Gerade auch in der gegenwärtigen Coronakrise hat die ICT-Branche sehr schnell auf die geänderten Bedürfnisse reagiert. Geändert haben sich auch die wichtigsten Entscheidungsparameter bei Investitionen. Wurde früher noch sehr granular definiert, was für Komponenten in den Geräten vorhanden sind, interessiert sich heute ein Entscheidungsgremium auf Stufe Verwaltungsrat viel mehr für den Mehrwert im Bereich der Prozessoptimierung, geschäftliche Leistungssteigerung durch Digitalisierung und differenzierende Applikationen. Die Netzwoche erschien kurz vor dem Platzen der Dotcom-Blase zum ersten Mal. Wie haben Sie diese Gründerzeit erlebt? Das war eine coole Zeit – schon in den 90er-Jahren. Ich kann mich noch gut erinnern, als wir bei Compaq im Fe- 12 / 2020 www.netzwoche.ch © netzmedien ag

People Live 19 aufgrund der veränderten Marktlage eine suboptimale Kostenbasis, ein viel zu breites Dienstleistungsportfolio und auch zu viele Leute. Diese Probleme haben wir im Team angepackt und mit Augenmass gelöst. Da die meisten Sun-Mitarbeiter sehr gute Ausbildungen und Erfahrungen mitbrachten, konnten die allermeisten schnell eine Anschlusslösung bei einem neuen Arbeitgeber finden. Welchen Stellenwert hat ein Fachmagazin wie die Netzwoche für Sie? Ich lese gerne Fachmagazine, analog und digital. Artikel mit Tiefgang schätze ich sehr. Die Netzwoche trat mit dem Anspruch an, Anbieter von IT mit den Anwendern wortwörtlich zu vernetzen. Hat sie das Ihrer Ansicht nach geschafft? Ja, ich glaube das hat die Netzwoche sehr gut hingebracht und sich über die Jahre sehr gut entwickelt. Eine der grossen Veränderungen der Branche war die Verschiebung von der Hardware hin zu den Services. Wie ticken IT-Unternehmen heute im Vergleich mit denen vor 20 Jahren? Die Differenzierung erfolgt sehr stark über Services und Lösungen. Vor 20 Jahren war Utility Pricing die absolute Ausnahme, je länger je mehr ist das die Regel. Auch die Standardisierung und Automatisierung hat heute eine ganz andere Dimension als vor einigen Jahren. Die Industrialisierung der ICT ist in vielen Bereichen mit skalierbaren Lösungen vollzogen worden. « Ich war einige Male dabei, als es um Entscheidungen ging, die im Nachhinein falsch waren. » Andreas Knöpfli, Präsident, Swico bruar schon deutlich mehr Bestellungen für gewisse Produktkategorien – zum Beispiel Notebooks – hatten, als für das ganze Jahr geplant. Leider konnten wir dann aber nicht schnell genug liefern, da viele Komponenten nicht frei verfügbar waren. Tausende bestellte Geräte standen da vielleicht zehn gegenüber, die wir pro Woche tatsächlich liefern konnten. Dementsprechend verbrachten die Vertriebsleute mehr Zeit damit, Kunden zu vertrösten und Annullationen zu verhindern, als neue Projekte zu identifizieren. Aber es gibt im Verkauf viel schlimmere Probleme, als Kunden zu beruhigen, wenn man nicht liefern kann. Wie erlebten Sie den Crash? Ich bin während des Crashs zum Geschäftsführer von Sun Microsystems Schweiz ernannt worden. Die Firma hatte Was verstehen Sie unter Industrialisierung der ICT? In meinen Anfangszeiten hatte jede Firma oder Verwaltung eine extreme Wertschöpfungstiefe. Man entwickelte Applikationen praktisch «from Scratch». Warenwirtschaftssystem, Steuersystem, Einwohnerkontrollsystem – das waren alles Unikate. Mittlerweile ist da viel mehr standardisiert und industrialisiert. Viele haben SAP oder ein anderes ERP- System, das den Kern bildet. Darum herum macht man dann noch Adaptionen, um quasi die letzte Meile auf die spezifischen Anforderungen der Kunden anzupassen. Und jetzt geht es noch einen Schritt weiter. Mit Software-as-a- Service-Angeboten wie Workday, Serviceone oder Salesforce erhalte ich eine Lösung aus dem Internet, die ich allenfalls noch im Detail adaptieren kann. Das ist natürlich etwas völlig anderes als früher, wo praktisch jede Firma ihre eigenen Systeme für diese Aufgaben programmierte. Diese Entwicklung gibt es im Übrigen auch bei der Technologie. Im Vergleich zu früher gibt es nur noch eine Handvoll CPU-Architekturen und Betriebssysteme. Offizielle und De-facto-Standards haben sich durchgesetzt. Der IT-Markt bietet also weniger Auswahl auf Angebotsseite. Heisst das nicht auch, dass sich die Kunden immer stärker dem Produkt anpassen müssen, statt umgekehrt? Zum Teil ist das natürlich richtig. Wenn Sie beispielsweise www.netzwoche.ch © netzmedien ag 12 / 2020

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