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Netzwoche 13/2016

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38 Focus

38 Focus Business-Software Von «No Cloud» zu «Cloud only» Die Diskussion zum Megatrend Cloud Computing war in der Schweiz lange Zeit von Zurückhaltung geprägt, doch im Bereich Business-Software setzen sich Anwendungen aus der Wolke immer mehr durch. Und das ist auch gut so, denn die Cloud ist der wichtigste Katalysator der Digitalisierung. DER AUTOR Joachim Schreiner Senior Vice President DACH bei Salesforce Die nächste Generation von Businessanwendungen sollte in der Lage sein, Daten nicht nur zu sammeln und zu analysieren, sondern auch automatisierte Empfehlungen zu sinnvollen nächsten Schritten auszusprechen. Das Marktforschungs- und Beratungshaus Gartner hat kürzlich eine Prognose veröffentlicht, nach der viele Softwarehersteller bis zum Jahr 2020 einen «Cloud only»- Ansatz verfolgen werden. Eine «No Cloud»-Policy werde in Unternehmen dann ebenso selten sein wie heute eine «No Internet»-Strategie. Damit hat sich die Wahrnehmung der Cloud in den letzten Jahren komplett gewandelt, denn auch das Consulting- und Marktforschungsunternehmen MSM Research spricht in seinem aktuellen Update zum ICT-Markt Schweiz von einem «Paradigmenwechsel» weg von On-Premise- hin zu Cloud-Software. Cloud vereint Governance und Benutzerfreundlichkeit Historisch betrachtet stand die Unternehmens-IT lange im Zeichen des Mainframes, das vor allem den Vorteil einer stringenten Governance hatte. Für Verwaltung, Installationen und Wartung war einzig und allein die IT-Abteilung zuständig. Ein grosser Schritt nach vorne aus Nutzersicht war das Client-/Server-Konzept: endlich konnte man auf seinem eigenen System die Anwendungen installieren, die man brauchte. Für die IT ein Albtraum: sinkende Governance, steigende Komplexität durch Integrationsaufwände und damit explodierende Kosten. Cloud Computing bringt die Vorteile beider Welten auf einer einzigen Plattform zusammen. Die Governance kehrt wieder zur IT-Abteilung zurück, da keine Anwendungen auf Geräten installiert werden, sondern aus der Cloud kommen. Und Anwender profitieren auch im Businessumfeld von der gleichen Benutzerfreundlichkeit und Mobilität, die sie aus ihrem Privatleben von Cloud-Diensten wie Amazon und Facebook gewohnt sind. Das führt zu höherer Mitarbeiterzufriedenheit, und zwar auch auf Seiten der IT-Verantwortlichen, weil Integrations- und Kostenaufwand sich deutlich reduzieren. Smartphone mit den Cloud-Diensten, die darauf laufen. Mir ist klar, dass (noch) nicht jeder Unternehmer oder jede Organisation schon heute bereit für diese Art des Arbeitens ist. Aber eine Entwicklung in diese Richtung ist alternativlos, denn wer sich heute nicht mit der Cloud auseinandersetzt, kann seinen Betrieb auch gleich schliessen. Sonst wird das in Kürze der Wettbewerb erledigen. Nächster Schritt: intelligente Assistenten Bei der Frage, welche Themen IT-Entscheider im Auge haben sollten, steht Artificial Intelligence an erster Stelle. Die nächste Generation von Businessanwendungen sollte in der Lage sein, Daten nicht nur zu sammeln und zu analysieren, sondern auch automatisierte Empfehlungen zu sinnvollen nächsten Schritten auszusprechen, um Anwendern das Leben noch leichter zu machen. Und auch dafür brauchen Unternehmen die Cloud. Sie bietet als Basis und Katalysator der Digitalisierung die Möglichkeit, Anwendungen agil und flexibel an veränderte Anforderungen anzupassen und im 21. Jahrhundert erfolgreich zu sein. Business von unterwegs steuern Gerade die Kombination aus Cloud und mobilen Geräten ermöglicht eine neue Art zu arbeiten. Informationen und Anwendungen sind dadurch stets aktuell an jedem Ort abrufbar, an dem sie benötigt werden. Dies macht stationäre Arbeitsplätze und statische Abläufe überflüssig und ist der Türöffner für mehr Agilität und Flexibilität. Ich führe mein Unternehmen heute auch von unterwegs – das kann am Flughafen sein, im Auto oder auch mal von der Grillparty aus. Alles, was ich dazu brauche, ist mein Die Cloud eröffnet Anwendern von Business-Software neue Möglichkeiten. Bild: Fotolia 13 / 2016 www.netzwoche.ch © netzmedien ag

Focus Business-Software 39 Die Zukunft der Business-Software Auch Anbieter von Business-Software stehen durch die Digitalisierung, durch disruptive Businessmodelle und durch marktfremde Player unter Druck. Vor diesem Hintergrund diskutieren am 26. September bei «focus on future» in Baden der CEO von Abacus, Claudio Hintermann, der CTO Europa von SAP, Rolf Schumann, und zwei Podiumsgäste aus der Schweizer Softwarebranche über ihre Visionen zur Zukunft der Business-Software. Wird auch Business-Software künftig nur noch aus der Cloud bezogen? Wissen Businessanwender überhaupt, was sie morgen in ihrer Software brauchen oder suchen sie nicht vielmehr nach einem Trusted Advisor, der sie auch strategisch auf der Suche nach der passenden Lösung begleitet? Oder können Kunden künftig ihre Business-Software sogar selbst herstellen und als neue Anbieterkonkurrenz ihren eigenen Kunden weiterverkaufen? Wollen Kunden künftig überhaupt noch Business-Software käuflich erwerben oder wollen sie nicht einfach nur deren Prozessergebnisse, etwa eine rechtskonform geführte Buchhaltung, mittels eines Managed Service fixfertig beziehen? Braucht es Business-Software in Zukunft noch? Ich bin davon überzeugt. Solange es Unternehmen gibt, die Produkte und Dienstleistungen anbieten, wird es auch Business-Software in irgendeiner Form brauchen. Die genannten Fragen zielen vielmehr darauf ab, über welche Geschäftsmodelle die Software den Kunden zugänglich gemacht wird, welche technischen Möglichkeiten zu ihrer Realisierung zu Verfügung stehen werden, und ob aufgrund komplett veränderter Technologien und Entwicklungsmethoden nicht vielleicht die Kunden selbst dazu in der Lage sein werden, einen grossen Teil ihrer Software selbst zu entwickeln und zu betreiben. Klassische Softwareanbieter wären damit überflüssig. DER AUTOR Urs Prantl Spezialist für nachhaltige Zukunftsgestaltung im IT- und Softwaregeschäft bei der KMU Mentor und Partner von «focus on future». Die Digitalisierung erzeugt aufgrund neuer Technologien einen hohen Veränderungsdruck. Heute orientiert sich Business-Software noch an Anwendern. Bild: Shutterstock Wer treibt den Wandel im Softwaremarkt? Primärer Treiber für den Wandel bei Business-Software sind nach wie vor die sich ständig verändernden Kundenbedürfnisse. So werden etwa manuelle Dateneingaben mit der fortschreitenden Vernetzung von Produkten mit ihren Herstellern, mit Prozessen, mit Kunden und Lieferanten – Stichwort IoT und Industrie 4.0 – drastisch abnehmen und weitgehenden Automatismen Platz machen. Heutige Business-Software ist dafür (noch) nicht geeignet, orientiert sie sich doch nach wie vor an einem Anwender, der Daten einpflegt und Funktionen manuell auslöst. Die leidenschaftliche Diskussion über User Interface und Usability beweist dies. Der «Master-Treiber» für den Wandel ist aber ohne Zweifel die rasante Digitalisierung, wie in vielen anderen Branchen auch. Einerseits ist die Digitalisierung nicht selten unmittelbar für die Veränderung der Kundenbedürfnisse verantwortlich, andererseits erzeugt sie von sich aus, aufgrund neuer Technologien, einen hohen Veränderungsdruck. So ist sie es, die etwa hochentwickeltes Cloud Computing ermöglicht und damit die Voraussetzungen schafft, dass Kunden nicht mehr eigene Softwarelizenzen kaufen und teuer selbst betreiben müssen. Sie können heute einfach und ohne grosse Investitionen in eine eigene IT-Infrastruktur auf ein Miet- oder gar ein reines Nutzungsmodell wechseln. i VERANSTALTUNG Der Abendevent «Die Zukunft der Business-Software» findet am Montag, 26. September 2016 um 17.00 in Baden statt. Anmeldungen werden unter www.focus-on-future.ch entgegengenommen. Hochkarätige Businessveranstaltung in Baden Die beiden Hauptreferenten der «focus on future»- Abendveranstaltung «Die Zukunft der Business-Software», Claudio Hintermann (CEO von Abacus) und Rolf Schumann (CTO Europa bei SAP), nehmen die genannten Trends und Fragestellungen zum Anlass, um aus ihrer persönlichen und aus der Sicht ihrer Unternehmen eine Vision der Business-Software für die kommenden Jahre zu skizzieren. Im Anschluss an die Impulsreferate diskutieren die Referenten mit den beiden Softwareunternehmern Thomas Brändle (CEO von Run My Accounts) und Luc Haldimann (CEO von Unblu und Vorstandsmitglied Swiss-ICT) über die Aussichten im Geschäft mit Business-Software und die sich daraus ergebenden Chancen und Risiken für Hersteller, Anbieter und Anwender. www.netzwoche.ch © netzmedien ag 13 / 2016

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