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Netzwoche 13/2017

40 Focus

40 Focus Business-Software Projektmanagement als Schlüsselfaktor bei Softwareeinführungen Das Projektmanagement ist ein wichtiger Faktor für die erfolgreiche Einführung von Business-Software wie ERP- oder CRM-Lösungen. In der Praxis wird das Projektmanagement durch die Softwareimplementierer aber teilweise vernachlässigt oder schlichtweg nicht gelebt. Folgende Aspekte sollten deshalb vor Projektbeginn fokussiert werden. DER AUTOR Roman Mühleisen Business Software Berater, Isycon EARNED-VALUE-ANALYSE Projektleitung Im aktuell boomenden und unbeständigen Personalmarkt werden durch die implementierenden Unternehmen teilweise Projektleiter vorgesehen, die zu wenig Kompetenz im Projektmanagement haben oder erst seit Kurzem im Unternehmen tätig sind. Ein Projektleiter sollte ausser der entsprechenden Erfahrung im Projektmanagement auch mehrere Jahre Erfahrung mit der einzuführenden Software aufweisen und ausreichend Zeit für das Projekt haben, auch noch einige Wochen über den Produktivstart hinaus. Nicht zu unterschätzen ist zudem die Branchenerfahrung. Kennt der Projektleiter die Sprache des Kunden und die Kernthemen des Geschäftsfeldes, hilft dies, Missverständnisse zu verhindern und speditiv Lösungen im Projekt zu erarbeiten. Quelle: Isycon Kosten und Fertigstellungsgrad in Prozent dem Plankostenverlauf gegenübergestellt 100 % 80 % 60 % 40 % 20 % Plan Kosten Effek. Kosten Fertigstellungsgrad (%) 0 % Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez Jan Feb Projektplan und Methodik Der Projektplan ist die terminliche Leitlinie im Projekt und sollte entsprechend gewichtet und gelebt werden. Die goldene Regel lautet hier, engagierte, aber realistische Termine zu setzen. Wichtig bei der Projektplanung ist zudem, dass zu den Meilensteinen klare Lieferobjekte definiert werden und diese für alle Projektparteien verständlich sind. Für eine agile Projektmethodik sollten möglichst wöchentlich Projektleitungssitzungen durchgeführt werden, an denen der aktuelle Stand des Projekts beurteilt wird. In der Praxis werden regelmässige Termine der Projektleitung aber oftmals vernachlässigt oder aus Ressourcengründen gestrichen, hauptsächlich in intensiveren Phasen. Doch genau in diesen Projektphasen sind das laufende Controlling und schnelle Entscheide wichtig. Auch für die Lenkungsausschusstermine sollte eine Kadenz von 4 bis 6 Wochen gegen Ende eines Projekts eher noch verkürzt und auf keinen Fall verlängert werden. Projektcontrolling Um das Termin- und Kostenrisiko im Griff zu haben, ist ein laufendes Projektcontrolling durch den Kunden unerlässlich. Die Implementierer sollten die Leistungen immer auf eine Phase oder ein Teilprojekt rapportieren, und die Rechnungen müssen etwa 10 Tage nach Monatsende vorliegen. Nur so können die Entwicklung der Kosten den erledigten Inhalten in einer Earned-Value-Analyse gegenübergestellt werden. Diese Früherkennung kritischer Abweichungen im Projekt ist zentral und ermöglicht es, steuernde Massnahmen ergreifen zu können. Im Projekt sollte ein klares Change-Request-Verfahren definiert werden. Alle Aufwände, die nicht im definierten Leistungsumfang und Kostenrahmen realisiert werden können, müssen dabei frühzeitig als Change Request eingebracht werden und gelten erst nach Freigabe der Projektleitung des Kunden als bewilligt. Realisierungskonzept Die Erstellung von umfassenden Detailkonzepten ist heute hauptsächlich im KMU-Umfeld nicht mehr im selben Umfang üblich wie noch vor Jahren. Dies einerseits aus Kostengründen und andererseits, da durch die heute höhere Parametrisierbarkeit der Lösungen diese in der Konzeptphase laufend eingerichtet werden. Trotzdem sollte die Konzeptphase durch den Anbieter dokumentiert und zumindest ein Realisierungskonzept erstellt werden, das durch den Kunden abgenommen wird. Ansonsten besteht ein wesentliches Risiko, dass unterschiedliche Vorstellungen an die zukünftige Lösung zwischen Anbieter und Kunden bestehen und bei Problemen kein klarer Lieferumfang definiert ist. Fazit Schon vor Beginn sollte durch den Kunden die Projektmethodik des Anbieters, die hierzu eingesetzten Tools und nicht zuletzt die Kompetenz der Projektleitung im Projektmanagement thematisiert und beispielsweise anhand von Referenzen verifiziert werden. 13 / 2017 www.netzwoche.ch © netzmedien ag

Focus Business-Software 41 Headless CMS – neuer Trend oder überbewerteter Hype Wer den Begriffen Headless oder Decoupled CMS begegnet, fragt sich sicherlich, was überhaupt dahintersteckt? Der folgende Artikel beleuchtet die wichtigsten Merkmale. DER AUTOR Martin Wiederkehr Business Manager bei Snowflake, Zürich (Bern, Luzern) Im letzten Jahr ist der Begriff Headless CMS richtig populär geworden. Einerseits zeugt eine Vielzahl an Fachartikeln davon, andererseits begegnet einem der Begriff im einen oder anderen Zusammenhang auch vermehrt bei populären CMS-Systemen wie TYPO3. Aber worum handelt es sich denn nun im Detail? Wie der Name vermuten lässt, handelt es sich um ein «kopfloses» CMS: Im Gegensatz zu einem klassischen CMS fehlt hier der Präsentationslayer. Das CMS selbst beschränkt sich auf die reine Verwaltung von Inhalten und ist komplett vom Frontend entkoppelt. Dadurch gewinnt man in der Entwicklung der Web lösung an Flexibilität. Neben den explizit für den Headless-Ansatz ausgelegten CMS bieten zudem immer mehr klassische, seit Jahren auf dem Markt etablierte Systeme ebenfalls Schnittstellen, die eine Umsetzung mit einer Headless-Architektur unterstützen. Perfekte Voraussetzungen also, um einen Blick auf die Möglichkeiten und Anwendungsszenarien zu werfen. Was bietet eine Headless-Architektur? Eine Grundidee ist das Ausliefern des kompletten Inhalts über eine einheitliche Schnittstelle (häufig eine RESTful JSON API), unabhängig vom späteren Anwendungszweck. Dies kann eine normale Website sein, eine spezielle App oder etwa auch ein Infoscreen, wie er häufig in öffent lichen Einrichtungen Verwendung findet. All diese Applikationen sprechen dieselbe Schnittstelle an, und hier kommen wir zu einem weiteren Vorteil: Die Trennung ermöglicht eine effiziente und einfache Zusammenarbeit von verschiedenen Dienstleistern. In unserem Umfeld häufig einer Frontend- oder Kreativ-Agentur sowie einer spezialisierten Backend-Agentur. Zudem bietet die Inhaltsschnittstelle ein weiteres spannendes Anwendungsszenario: den Zusammenzug und die Aggregation von unterschiedlichsten Datenquellen wie CMS, CRM, Shop-Applikation in einer Zwischenschicht, dem «Datenmaster». Das Frontend holt sich in diesem Fall Der Vorteil der sauberen Entkopplung von Frontend und Backend hat auch eine Kehrseite: Die Komplexität des kompletten System-Set-ups ist tendenziell um einiges grösser. seine Daten nicht mehr direkt vom CMS, sondern von diesem Datenmaster. Die Aufteilung in verschiedene Komponenten maximiert zudem die Flexibilität und Skalierbarkeit der kompletten Lösung. Die Flexibilität hat ihren Preis Das alles klingt jetzt interessant, warum sollte also nicht jedes CMS headless werden? Nun, so einfach ist es nicht: Die hohe Flexibilität hat ihren Preis, und das ist hierbei auch wörtlich zu verstehen. Klassische CMS bieten viel Funktionalität, die bereits out of the box mitgeliefert wird. Da im Fall der Headless-Architektur das Frontend häufig zum grossen Teil eine Individualentwicklung darstellt, steigen die Kosten für Standardfunktionalitäten wie beispielsweise eine einfache Closed User Group. Der Vorteil der sauberen Entkopplung von Frontend und Backend hat zudem auch eine Kehrseite: Die Komplexität des kompletten System-Set-ups ist tendenziell um einiges grösser. Folglich sollte ein Dienstleister zusammen mit dem Kunden die Vor- und Nachteile im Detail beleuchten, um das optimale Szenario für den entsprechenden Use Case zu wählen. Am Beispiel des Relaunchs der Züricher Hochschule der Künste (ZHdK) kann man sehen, wie auch mit einem klassischen CMS wie Typo3 eine Umsetzung mit einer modernen Headless-Architektur umgesetzt werden kann. Die Herausforderungen, die es zu bewältigen galt, lagen hier bei der Einbindung von vielen unterschiedlichen Datenquellen sowie der engen Zusammenarbeit mit der Frontend-Agentur. Der Webtrend Headless CMS lässt also spannende Anwendungsszenarien zu, aber in vielen Fällen würde er über das Ziel hinausschiessen. Nicht jede Website muss ein Headless CMS im Hintergrund haben; für viele Einsatzzwecke reicht ein «normales» CMS. Falls die Ausgangslage in einem Projekt aber die entsprechenden Bedingungen erfüllt, ist der Einsatz für den Kunden umso interessanter. www.netzwoche.ch © netzmedien ag 13 / 2017

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