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Netzwoche 13/2018

« Die digitale

« Die digitale Transformation muss man an der Spitze vorleben » Die Hypothekarbank Lenzburg ist eine Vorreiterin bei der Digitalisierung im Finanzumfeld und setzt dabei auf Kooperationen mit Start-ups. Und anders als bei anderen Banken, bekommen auch Blockchain-Start-ups bei der «Hypi» ein Konto. CEO Marianne Wildi im Gespräch. Interview: Marc Landis « Wir wollten Banking auf der abstrakten Ebene von Software verstehen. » Marianne Wildi, CEO, Hypothekarbank Lenzburg Artikel online auf www.netzwoche.ch Webcode DPF8_103398 18 People Live Die Hypothekarbank Lenzburg macht regelmässig mit digitalen Initiativen auf sich aufmerksam. Welche Strategie steckt dahinter? Marianne Wildi: Wir glauben, dass unser Geschäftsmodell als regional verankerte Retailbank Zukunft hat. Doch wir wollen und müssen uns auch auf das veränderte Kundenverhalten einstellen. In diesem spielen mobile Geräte, digitale Services und digitale Kommunikation eine immer wichtigere Rolle. Zudem verändert sich die Art und Weise, wie die Menschen arbeiten wollen und auch an diese veränderten Erwartungen wollen wir uns als Arbeitgeberin anpassen. Deshalb haben wir uns auf höchster Ebene mit der Digitalisierung auseinandergesetzt und festgestellt, dass – ob wir wollen oder nicht – mit der Digitalisierung riesige Veränderungen einhergehen. Es geht also um Change. Aber Change funktioniert nur, wenn die Mitarbeitenden den Change mitmachen. Und so haben wir in kleinen Schritten angefangen, zu lernen, uns zu verändern. Wie schaffen Sie es, die Mitarbeitenden für den Change zu begeistern? Die Fintechs, die mit uns zusammenarbeiten wollen, bringen wir mit unserem Produktmanagement zusammen und teilen sie den passenden Abteilungen zu. Und die Abteilungen führen neue Fintech-Produkte ein und probieren sie aus. Dabei geht es vor allem darum, Erfahrungen zu sammeln. Wenn die Erfahrungen gut sind, bauen wir da raus ein Produkt für unsere Kunden und wenn nicht, hören wir damit auch wieder auf. Es gibt dabei aber keinen Termindruck und es geht auch nicht darum, dass die Abteilungen dann sofort ein Business daraus machen und 100 davon verkaufen müssen. Was mich viel mehr interessiert ist: Haben wir es geschafft, es einzuführen? Was haben wir dabei gelernt, und was machen wir daraus? So können sich die Mitarbeitenden problemlos darauf einlassen und auch kritisch sein. Und so geschieht der Change, ohne dass ich ihn befehlen muss, denn das würde eh nicht funktionieren. Man kann Change nicht befehlen. Trotz all den digitalen Initiativen gibt es aber immer noch das Tagesgeschäft. Die Bank muss ja auch Geld verdienen ... Natürlich. Trotzdem müssen wir veränderbar sein. Was nützt es, wenn wir einen Riesengewinn erzielen, aber nicht mehr in der Lage sind, uns anzupassen? Das ist zu kurz gedacht. Sie setzen stark auf Kooperationen mit Start-ups bei der Entwicklung neuer Angebote. Warum? Wir dachten, dass wir uns am ehesten verändern können, wenn wir mit kleinen agilen Fintechs zusammenarbeiten, von ihnen lernen, wie sie mit anderen Unternehmen zusammenarbeiten, und versuchen, Angebote, die von aussen kommen – eben diese coolen und nützlichen Fintech-Anwendungen – mit unserem eigenen Angebot zu kombinieren. Wir glauben stark an den Plattformgedanken. Plattform-Ökosysteme sind die Zukunft, und in einem Ökosystem macht man nicht mehr alles selbst. Wir sehen einen grossen Vorteil in der Kombination von Fintech-Start-ups mit etabliertem Banking und etablierter Technologie. Das bringt uns vorwärts. Wenn Sie als Fintech-Start-up, wie Neon etwa, Geld von Kunden entgegennehmen wollen, benötigen Sie eine Bankenlizenz. Eine Bankenlizenz zu bekommen, ist aber mit einigem Aufwand verbunden. Wir haben eine. So können beide voneinander profitieren, und das finde ich gut. Statt Angst zu haben vor der Konkurrenz ist es doch besser, mit ihnen zusammen etwas zu machen, das wir am Schluss auch anbieten können, um ein Bedürfnis unserer Kunden abzudecken. Historisch gesehen hat unsere Bank eine Tradition des unternehmerischen Denkens. Wir möchten eine Bank sein für Unternehmer, und so müssen wir selbst auch unternehmerisch tätig sein. Wie sind die Reaktionen der Kunden auf so viel Digitalisierung? Höchst positiv. Es hat ja niemand von uns erwartet, dass wir das können. Und dass wir es können, freut uns und die Kunden. Haben Sie eigentlich Ambitionen, mit der Hypothekarbank Lenzburg schweizweit tätig zu sein? Ich habe nichts dagegen, in der ganzen Schweiz tätig zu sein. Aber nicht um jeden Preis. Die Frage ist dabei immer: Mit welchem Angebot, für welchen Kunden? Ich gehe mit der Marke Hypothekarbank Lenzburg sicher nicht nach Genf, um Hypotheken anzubieten. Es gibt genug andere Banken, die das tun. Aber wenn ich für ein gewisses Kundensegment ein interessantes Angebot habe, etwa bei Blockchain und Kryptowährungen, dann sind wir automatisch schweizweit tätig und haben die Chance, Kunden zu gewinnen. 13 / 2018 www.netzwoche.ch © netzmedien ag

People Live 19 i PERSÖNLICH « Es hat ja niemand von uns erwartet, dass wir das können. » Marianne Wildi ist seit 2010 Vorsitzende der Geschäftsleitung (CEO) der börsenkotierten Hypothekarbank Lenzburg. Im Rahmen firmenübergreifender Projekte arbeitete sie mit verschiedenen anderen Privat-, Kantonal- und Regionalbanken zusammen. Unter ihrer Leitung steht auch der Bereich Informatik, in dem die eigene Kernbankenlösung Finstar entwickelt, gewartet und betrieben wird. Das Angebot im Zusammenhang mit der Finstar-Kernbankenlösung umfasst ASPund BSP-Dienstleistungen für Dritte. Aktuell nutzen dieses Dienstleistungsangebot verschiedene Regional- und Privatbanken sowie Partner aus dem Nichtbankenbereich und verschiedene Fintechs. Mit dem Open-API-Layer macht die Bank Daten und Services rund um Konten, Depots und andere Prozesse für Fintech- Angebote von Drittanbietern nutzbar. Die Betriebsökonomin FH ist eidgenössisch diplomierte Bankexpertin und Inhaberin eines SKU Advanced Management Diploms. Sie ist zudem Präsidentin der Aargauischen Industrie- und Handelskammer (AIHK) und Vizepräsidentin des Verbands Schweizer Regionalbanken. Marianne Wildi, CEO, Hypothekarbank Lenzburg www.netzwoche.ch © netzmedien ag 13 / 2018

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