Aufrufe
vor 1 Jahr

Netzwoche 13/2018

20 People Live Sie

20 People Live Sie sprechen damit an, dass Sie die einzige Schweizer Bank sind, « Eine grosse Angst der Banken geht mit ICOs einher. » Marianne Wildi, CEO, Hypothekarbank Lenzburg Welches Potenzial sehen Sie für Blockchain im Banking? Wir beschäftigen uns mit der Blockchain, weil wir verstehen wollen, welchen Einfluss Blockchain auf die Entwicklung unseres Kernbankensystems haben wird. Die Blockchain könnte auch die Gebührenlandschaft grundlegend verändern. Alle Banken müssen sich überlegen, wie sie damit umgehen möchten und wie sie sich verändern müssen. Verweigerung wird die Entwicklung nicht aufhalten. Wenn ein Angebot gut ist und sich durchsetzt, dann können wir uns noch so dagegen stemmen, aber kommen wird es trotzdem. Deshalb haben wir uns entschlossen, mit dem Wind zu segeln statt dagegen. « Wir haben in kleinen Schritten angefangen, zu lernen, uns zu verändern. » Marianne Wildi, CEO, Hypothekarbank Lenzburg die es Blockchain-Start-ups ermöglicht, ein Geschäftskonto bei Ihnen zu haben. Ich glaube, so absolut ist das nicht, dass wir die einzigen sind. In Marketingsprache tönt es manchmal so. Aber ja: Wir haben bereits einige solcher Kundenbeziehungen. Wie kam es dazu? Wir haben ja auch eigene Blockchain-Projekte, eines im Hypothekarvertragsbereich und ein anderes rund um Mietzinskautionen. Und so haben wir durch unsere Kooperationen mit Start-ups auch Kontakt mit jungen Leuten geknüpft, die im Blockchain-Bereich tätig sind. Wir wollen ja als Regionalbank nicht nur Malern und Schreinern ein Zahlungskonto fürs Geschäft anbieten, sondern auch solchen Jungunternehmen. Aber irgendwie herrschte oder herrscht immer noch die Meinung unter den Banken vor, man dürfe für Blockchain-Start-ups keine Konten eröffnen. Warum eigentlich nicht? Also klärten wir das vertieft ab. Schliesslich machen wir ja nichts anderes als ein traditionelles Schweizer Bankkonto in Schweizer Franken zu eröffnen, damit die Unternehmen Löhne, Miete etc. bezahlen können. Es geht dabei um die nötigen KYC-Abklärungen (KYC = know your customer, Anm. d. Red.) und die Einhaltung des Geldwäschereigesetzes. Aber daran müssen wir uns ja bei allen Kunden halten, egal ob sie im Blockchain-Bereich tätig sind oder nicht. Haben die Banken Angst vor Blockchain-Start-ups? Eine grosse Angst der Banken geht mit ICOs einher, wenn das Geld, mit denen Coins gekauft werden, von zweifelhafter Herkunft ist. Aber wenn ein Kunde mit dem Geldkoffer zur Bank kommt, muss er auch nachweisen, woher das Geld kommt. Dasselbe gilt für ICOs. Und das können wir durch saubere Prozesse und ein umsichtiges Vorgehen kontrollieren. Wir haben normale Geldwäschereiüberwachungsprozesse; bei Blockchainfirmen schauen wir einfach etwas genauer hin. Dafür haben wir ein dediziertes Krypto-Team, das sich mit der Thematik auskennt. Zudem lassen wir uns von externen Dienstleistern beim Risikomanagement und bei der Einhaltung von finanzmarkt- und aufsichtsrechtlichen Anforderungen unterstützen. Sie sprechen es an: Die Hypothekarbank Lenzburg entwickelt ihr eigenes Kernbankensystem namens Finstar. Warum das Kernbankensystem selbst entwickeln, aber sonst auf Kooperationen setzen? Wir wollten Banking auf der abstrakten Ebene von Software verstehen, damit wir zukünftige Bedürfnisse bei der Umsetzung von zukünftigen Produkten antizipieren konnten. Als wir im Jahr 2000 damit angefangen haben, war das der richtige Zeitpunkt für den Start einer Eigenentwicklung. Denn damals wurde die Technologie günstiger und durch Standardisierung auch einfacher. Vorher hätten wir es uns nicht leisten können, unser eigenes System zu entwickeln. Wir haben von Anfang an und mit vollständiger Parametrisierung entwickelt und das hilft uns heute, das zu tun, was wir rund um die Digitalisierung tun. Wie positionieren Sie Finstar? Als echte Alternative zu Avaloq, Finnova etc.? Die Tatsache, dass heute – uns eingerechnet – 9 Banken und eine Nichtbank Finstar einsetzen, bedeutet ja, dass wir schon so positioniert sind. Die Frage, ob Finstar nur der kleine Bruder der grossen Systeme ist oder eine ernstzunehmende Kraft, muss der Markt entscheiden. Wir entwickeln Finstar als Hub mit flexiblen Schnittstellen, der in der Lage ist, einfach und schnell eine App eines Fintechs anzubinden. Wie geht es weiter mit der Hypothekarbank Lenzburg? Ich weiss nicht, was die Zukunft alles bringt. Deshalb will ich, dass wir als Institution offen und flexibel sind. Wir müssen es schaffen, unsere Kunden in jeder Altersgruppe mit auf sie zugeschnittenen Angeboten abzuholen. Von der reinen Digitalbank, die keinen persönlichen Kundenkontakt bietet, bis hin zur Beraterbank möchte ich das ganze Spektrum abdecken können. Ebenso möchte ich einen ausgewogenen Mix zwischen älteren und jungen Mitarbeitenden im Unternehmen haben. Die Alten haben die Erfahrung und die Jungen das Flair für die neue Technologie. Eine Herausforderung wird sein, die nötigen Fachkräfte zu finden, um die technologische Entwicklung abzudecken. Eine letzte Frage: Sie waren ja IT-Leiterin der Bank, bevor Sie CEO wurden. Würden Sie sagen, das war ein guter Weg? Aus heutiger Sicht war es der richtige Weg. In der aktuellen Ära der digitalen Transformation muss man an der Spitze des Unternehmens vorleben, wohin die Reise geht. Als ehemalige IT-Leiterin gelingt mir das ganz gut. 13 / 2018 www.netzwoche.ch © netzmedien ag

..WAS HEISST DAS? WWW.BESTOFSWISSAPPS.CH KATEGORIEN: INNOVATION, DESIGN, USER EXPERIENCE/USABILITY, FUNCTIONALITY, BUSINESS IMPACT, CAMPAIGNS, ENTERPRISE, GAMES, MIXED/AUGMENTED/VIRTUAL REALITY, SONDERKATEGORIE: CONVERSATIONAL APPS ANMELDEFRIST: 10. SEPTEMBER 2018 SPONSOREN SACHSPONSOR PARTNER MEDIENPARTNER

Archiv