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Netzwoche 13/2018

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40 XXXXXXXXXXX XXXXXXXXXXXX Grafik: jossdim / iStock.com FOCUS Women in Tech osc. In der Schweiz ist IT eine Männerdomäne – das ist der Eindruck, der durch Berufsstatistiken, an Events, in den Vorlesungssälen oder beim Blick in die Geschäftsleitungen der Branche entsteht. Die Geschichte zeigt allerdings, dass Frauen die IT massgeblich mitgeprägt haben. Bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts galt etwa die Softwareentwicklung als Frauenberuf. Seither sind die Informatikerinnen in der Schweiz aber selten geworden. Auch viele Initiativen der Branche haben daran nichts geändert. Für die Redaktion war dies Grund genug, dieser Ausgabe unter dem Thema «Women in Tech» einen Schwerpunkt zu widmen. Los geht’s mit drei Fachbeiträgen, die das Thema aus unterschiedlichen Perspektiven beleuchten. Anschliessend kommen Frauen im Podium zu Wort, die aus ihren jeweiligen ICT-Lebenswelten berichten. Den Abschluss des Schwerpunkts bildet die Titelgeschichte, in der die Situation von Frauen in der Schweizer ICT unter die Lupe genommen wird. Im Interview zur Titelgeschichte gibt Valérie Vuillerat, Gründerin von Witty Works, einen Einblick in die ICT-Branche aus Frauensicht. Vor allem in der Einstellung der Männer in Führungspositionen und in der Unternehmenskultur sieht sie die Ursachen für den geringen Frauenanteil. Dabei würde es nicht an Frauen mangeln, welche die Branche als Ganzes voranbringen könnten. 13 / 2018 www.netzwoche.ch © netzmedien ag

Women in Tech Fachbeitrag 41 Cyber-Profis gesucht! Es gibt zu wenige Cybersicherheits-Spezialisten auf dem Markt – und dieser Engpass wird prekärer. Wiederum sind Frauen in diesem Bereich unterrepräsentiert. Wie können wir mehr Frauen für die Cybersecurity gewinnen? Heutzutage ist Cybersicherheit für das Überleben aller Unternehmen essenziell. Entsprechend hoch ist der Bedarf an Spezialisten in diesem Bereich. Schätzungen zufolge wird es im Jahr 2022 weltweit rund 1,8 Millionen offene Stellen in der Cybersecurity geben. Für viele Unternehmen drängt sich die Frage auf, wer diese denn besetzen soll. Es fehlen Fakten und Erfolgsgeschichten, konkrete Vorgaben und Vorbilder, an die wir uns halten können. Frauen in der Cybersicherheit untervertreten Zurzeit liegt der Frauenanteil unter den Cybersicherheitsexperten bei weltweit nur 14 Prozent. Angesichts des Fachkräftemangels sollte es für Unternehmen von höchstem Interesse sein, diese Quote zu steigern. Um den Gap zu schliessen, müssen wir zuerst verstehen, warum Frauen in diesem Bereich so stark untervertreten sind. Aus diversen Gesprächen mit Cybersicherheitsspezialisten haben sich drei Gründe herauskristallisiert. Erstens ist Cybersecurity ist ein junges, dynamisches Feld. Noch gibt es keine Standardausbildung und keine Standardkarriere zum Cyberspezialisten. Das lässt Unsicherheiten und Spekulationen zu, was Cyber-Profis können müssen und was ihre Jobs genau beinhalten. Es fehlen Fakten und Erfolgsgeschichten, konkrete Vorgaben und Vorbilder, an die wir uns halten können. Stattdessen greifen wir auf Stereotypen und Vorurteile zurück, mit denen wir diese Wissenslücken schliessen. Zweitens werden die Stereotypen durch Filme und Boulevardmedien verstärkt, die oft ein düsteres Bild von Cybersicherheitsexperten zeichnen: Wer kennt nicht den einsamen Hacker mit Kapuzenpulli, der sich im Schutze der Dunkelheit Zutritt in fremde Systeme verschafft? Die Realität ist jedoch eine andere: Cybersicherheit deckt ein riesiges Spektrum an Verantwortlichkeiten ab – von grundlegenden Ingenieurs- und Kryptografiearbeiten bis hin zu Strategie- und Compliance-Themen auf Ebene des Verwaltungsrats. Im Gegensatz zu den Stereotypen ist Cybersicherheit in der Tat ein Feld, in dem enge Teamarbeit und Führungsstärke notwendig sind. Und anders als die Darstellung des Hackers glauben lässt, ist das Ziel meist, Systeme zu schützen, statt diese zu Fall zu bringen. Und drittens sind Frauen in der Cybersicherheit auch deshalb unterrepräsentiert, weil es kaum weibliche Vorbilder gibt, an denen sich Frauen orientieren können. So werden die genannten Stereotypen weiter gepflegt. Zudem fokussiert sich unsere Gesellschaft nach wie vor stark darauf, wie Frauen es schaffen, Familie und Karriere zu vereinen, anstatt Frauen für ihr Wissen und ihre Erfolge anzuerkennen. Vorbilder schaffen, um Vorurteile abzubauen Wenn Unternehmen sicherstellen wollen, dass sie Talente haben, die sie in den kommenden Jahren vor Cyberrisiken schützen, sind sie gut beraten, mehr Frauen in der Cybersicherheit willkommen zu heissen. Genau das will Deloitte mit der «Women in Cyber»-Initiative erreichen. Unser Ziel ist es, inspirierende Frauen im Bereich Cybersicherheit ins Rampenlicht zu rücken. Welchen Karriereweg haben sie gewählt und warum? Welche Erfahrungen machen sie und welche Einsichten haben sie gewonnen? Indem wir erfolgreichen Cybersicherheit-Fachfrauen eine Stimme geben, möchten wir andere Frauen dazu anregen, sich mit diesem Bereich näher zu befassen. Wir wollen Vorbilder schaffen und Stereotypen durchbrechen, spannende Diskussionen lancieren und den Austausch fördern – und Plattform sein für alle Schweizer Unternehmen, die etwas bewegen möchten. Grafik: adekvat / iStock.com DIE AUTORINNEN Patricia Egger Leiterin der Deloitte- Initiative «Women in Cyber» in der Schweiz Stephanie Fingerhuth Cyber Security Consultant bei Deloitte Schweiz www.netzwoche.ch © netzmedien ag 13 / 2018

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