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Netzwoche 13/2018

48 Women in Tech

48 Women in Tech Titelgeschichte 80 70 60 50 40 30 20 10 0 FRAUENANTEIL IN DER SCHWEIZER IT-BRANCHE (DURCHSCHNITTSWERTE)tel Frauen Männer 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017 2018| Q1 Umgekehrt könnten IT-Firmen und Informatikabteilungen von mehr Vielfalt in ihren Teams profitieren, sind von der Redaktion kontaktierte Beobachter überzeugt. «Eine weibliche Sicht bezüglich Funktionalitäten und User Experience bringt Verbesserungen und eine höhere Akzeptanz der Apps und Programme», betont etwa Marloes Caduff, Gründerin der Programmier-Initiative «Codil lion». «Diversität in Teams bringt nachweislich mehr Effizienz und Erfolg, was sowohl für das einzelne Unternehmen wie auch die gesamte Wirtschaft gut ist.» Dazu komme, dass sich mehr Diversität auch positiv auf die Mitarbeiterbindung auswirke, fügt Priska Burkard vom Frauennetzwerk «Girls in Tech» an. Angabe der Hochschule 1674 Personen. Der Frauenanteil lag hier bei rund 13 Prozent. Je länger die Studierenden an der ETH bleiben, umso stärker sind Frauen unter ihnen vertreten. Während für den Bachelor der Frauenanteil bei rund 11 Prozent liegt, sind es bei den Master-Studierenden fast 16 Prozent und bei den Doktorierenden 15 Prozent. Über alle Abteilungen der ETH betrachtet lag der Frauenanteil unter den Studierenden laut dem «Gender Monitoring 2016/17» der Hochschule bei 30,6 Prozent. Bei insgesamt steigenden Studierendenzahlen haben sich diese Werte im vergangenen Jahrzehnt – wie bei den effektiv berufstätigen Informatikerinnen – kaum verändert. Tiefer Frauenanteil ist Risiko und Chance zugleich Die Anteil der Informatikerinnen ist tief und er verändert sich kaum. Dabei wird die Situation seit Jahren als problematisch wahrgenommen. Verschiedene Gründe sprechen nämlich dafür, mehr Frauen in die IT zu bringen – unabhängig vom Ziel der Gleichstellung. Der Branchen-Dachverband ICT-Switzerland gibt in einem Positionspapier etwa zu bedenken, dass durch die technische Entwicklung gerade diejenigen Jobs verschwinden könnten, in denen Frauen heute übervertreten seien. Es bestehe die Gefahr, dass Frauen durch die Digitalisierung abgehängt werden, sagt Alain Gut, Präsident der Kommission Bildung von ICT- Switzerland. Die IT könnte ihnen neue Arbeitsplätze bieten. Gleichzeitig herrscht in der Branche ein ungedeckter Bedarf nach Fachkräften, den Frauen mit IT-Skills decken könnten, wie Serge Frech, Geschäftsführer von ICT-Berufsbildung Schweiz anmerkt. Und schliesslich weisen mehrere Verbände darauf hin, dass es für Tech-Firmen ein Problem ist, wenn ihre von der ganzen Gesellschaft verwendeten Produkte mehrheitlich von Männern entwickelt werden. «Gerade bei einem Megatrend wie der Digitalisierung der Gesellschaft, der die Arbeits- und Lebenswelten prägen und verändern wird, stellt eine einseitige Branchen-Perspektive ein gesellschaftliches Risiko dar», schreibt ICT-Switzerland. Auch Priska Altorfer vom Vorstand des Informatikerinnen-Verbands Donna Informatica hebt diesen Aspekt hervor: «Die Digitalisierung schreitet mit grossem Tempo voran. Hier müssen Frauen einen aktiveren Teil dazu beitragen.» Rezepte zwischen Frauenquote und Kulturwandel Was ist also zu tun, um mehr Frauen in die Schweizer IT zu bringen? Die befragten Organisationen sind sich einig, dass das Problem quasi an der Wurzel gepackt werden muss: Die Schülerinnen von heute sind die Informatikerinnen von morgen. Deshalb müsse Informatik schon früh im Lehrplan auftauchen, fordert Christian Hunziker, Geschäftsführer von Swiss-ICT. Schulen müssten das Interesse für Technologie in einer Weise wecken, die das Klischee des männlichen Tech-Nerds durchbreche und für Mädchen attraktiver sei. Mit Fokus auf konkrete Anwendungen, Teamwork und kreative Problemlösung könnte man zum Beispiel das Programmieren Kindern beiderlei Geschlechts näherbringen, schlägt Caduff vor. Handlungsbedarf wird auch auf politischer und gesellschaftlicher Ebene gesehen. Generell müsse es für Frauen Quelle: DrAfter132 / iStock 13 / 2018 www.netzwoche.ch © netzmedien ag

Women in Tech Titelgeschichte 49 einfacher sein, in einem IT-Job zu arbeiten. Dies könne etwa mittels Anreizen für mehr Lehrstellen oder besserer Infrastruktur für die Kinderbetreuung realisiert werden, sagt Hunziker. Auch Lohngleichheit, familienfreundliche Anstellungsbedingungen und flexible Arbeitsmodelle seien nötig. Swiss-ICT will solche Anliegen mit der Gründung einer «Smart Generations»-Fachgruppe im kommenden September unterstützen. ICT-Switzerland verweist auf eine zusammen mit der Fachhochschule Nordwestschweiz verfasste Studie, die Empfehlungen zur Steigerung der «Attraktivität von ICT-Berufen» macht. Inwieweit staatliche Vorschriften notwendig sind, darüber gehen die Ansichten auseinander. Auch wenn «Girls in Tech» eine solche Massnahme grundsätzlich ablehne, seien etwa Quoten unumgänglich, um den Frauenanteil zu erhöhen, sagt Burkard. «Wir brauchen eine positive Diskriminierung, bis wir die für die IT-Branche und Gesellschaft optimale Diversität erreicht haben.» Anderer Ansicht ist Serge Frech von ICT-Berufsbildung Schweiz. Es gehe darum, Unternehmenskulturen, berufliche Rollenbilder und die öffentliche Wahrnehmung der IT-Welt zu verändern. Durch Quoten lasse sich dies nicht erreichen. Auch Alain Gut steht Quoten kritisch gegenüber. Wenn schon, dann müsse man an den Ausbildungsstätten dafür sorgen, dass eine Mindestzahl an Frauen in den Kursen erreicht werde. Auf welche Rezepte man politisch auch setze, wichtig sei jetzt, die Umsetzung anzugehen, so Altorfer: «Die Zeit, darüber zu reden, ist vorbei – nun muss eine Zeit der Taten folgen.» Frauen in die Schweizer IT zu bringen, ist ein Marathon All dies werde nicht von heute auf morgen geschehen, sondern brauche Zeit und Energie, merkt Frech an. Der tiefe Frauenanteil dürfe allerdings nicht den Eindruck erwecken, dass bislang nichts erreicht worden sei. Hätte man vor zehn Jahren ein Mädchen gefragt, ob es Informatikerin werden wolle, wäre die Antwort ein «Nein» gewesen – heute falle sie differenzierter aus. Auch in den IT-Firmen habe der kulturelle Wandel begonnen, sagen Hunziker und Caduff. Dies zeige sich an der steigenden Zahl an Chefinnen in der Branche, die wichtige Vorbilder seien (siehe Kasten unten). Viele Unternehmen böten Programme für mehr Diversität an, sagt Burkard. Gleichzeitig unterstützten immer mehr Organisationen Frauen dabei, berufliche Netzwerke aufzubauen Gründe sich zurückzulehnen und auf einen automatischen Anstieg des Frauenanteils zu warten, seien diese positiven Zeichen aber nicht, so Gut. Der Druck durch Fachkräftemangel und Wettbewerb sei noch nicht stark genug, damit das Problem überall ernst genommen werde. Umso stärker seien Politik, Schulen und die IT-Branche jetzt gefragt, um nicht nur Frauen, sondern alle Mitglieder der Gesellschaft für die IT zu mobilisieren – vom Familien tisch bis zur HR-Abteilung. Handlungsbedarf sei jedenfalls vorhanden. Serge Frech geht davon aus, dass es sich die Tech-Firmen gar nicht leisten können, auf die Frauen zu verzichten: «Unternehmen, die heute noch daran glauben, sich keine oder wenige Frauen in den Führungs etagen leisten zu können oder ungleiche Löhne zu bezahlen, werden über kurz oder lang aussterben.» « Unternehmen, die heute noch daran glauben, sich keine oder wenige Frauen in den Führungsetagen leisten zu können oder ungleiche Löhne zu bezahlen, werden über kurz oder lang aussterben. » Serge Frech, Geschäftsführer, ICT-Berufsbildung Schweiz 20 FRAUEN AUS DER SCHWEIZER IT-BRANCHE Andrea Back Jacqueline Badran Ana Campos Olga Feldmeier Sarah Fuchs Stella Gatziu Grivas Lea Goldblum Martina Hirayama Marianne Janik Christina Kehl Gabriela Keller Stephanie Lüpold Sonja Meindl Severina Pascu Nadja Perroulaz Claudia Pletscher Liliana Scheck Philomena Schwab Sabine Süsstrunk Bak-Heang Ung Director, Institute of Information Management (IWI-HSG), University of St. Gallen CEO, Zeix Head of People & Organisational Development & Co-CEO, Trivadis CEO, Smart Valor Geschäftsführerin, Hama Technics Schweiz Head Competence Center Cloud Computing, Digitalisation & Transformation at the FHNW Head of Digital Experience, Migros Direktor/in School of Engineering, ZHAW Country General Manager & CEO, Microsoft Schweiz Managing Director, Swiss Finance Startups Geschäftsführerin, Ergon Informatik Chief Executive Officer, Amazee Labs Country Manager CH + A, Check Point Software Technologies CEO CEE and COO CE Group, UPC Schweiz VR Präsidentin, Liip Head Development & Innovation Swiss Post General Manager & Chairman of Management Board, DXC Technology Switzerland Gründerin Game Studio Stray Fawn und Game Designer Professorin, Ecole Polytechnique Fédérale de Lausanne (EPFL) CEO, Digicomp Academy www.netzwoche.ch © netzmedien ag 13 / 2018

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