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Netzwoche 13/2019

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40 XXXXXXXXXXX XXXXXXXXXXXX Grafik: Tera Vector / iStock.com FOCUS HR So packen Personalberater die Digitalisierung an jor. Das Personalwesen steht im Umbruch. Der digitale Wandel lockt mit neuen technischen Möglichkeiten, mit denen HR-Abteilungen effizienter und besser arbeiten sollen. Trotzdem müssen Personaler heute mehr denn je auf ihre zwischenmenschlichen Fähigkeiten vertrauen können. Denn wenn Routinearbeit wegfällt, kommen anspruchsvolle Aufgaben hinzu. Statt etwa Akten zu verwalten oder Lohnzahlungen abzuwickeln, besteht die Kunst des Personalmanagements heute darin, die richtigen Talente aufzuspüren, Mitarbeiter zu fördern und etwaige Konflikte zu lösen. Gelingende Digitalisierung im Personalwesen bedeutet gemäss Philippe Dutkiewicz von HR Campus vor allem eins: mehr Zeit für wertstiftende Arbeit. Wie das Personalmanagement davon profitieren kann, erklärt Dutkiewicz auf Seite 41. Datenanalysen bergen zwar ein grosses Potenzial für die Personalsteuerung, wie Antoinette Weibel, Professorin für Personalmanagement an der Universität St. Gallen schreibt. Doch es besteht auch die Gefahr, dass Big Data zu Big Brother mutiert. Auf Seite 42 nennt Weibel drei Massnahmen, die das verhindern sollen. Künstliche Intelligenz pflügt das ganze Berufsfeld um: HR-Fachleute sollten sich darauf einstellen, dass die klassische Konzernkarriere ausstirbt und stattdessen projektbasierte Mikrokarrieren die Biografien von Mitarbeitern prägen, wie Daniel Schmid von der Swiss HR Academy und Heike Krüger von Openployer auf Seite 43 schreiben. So oder so: Mit der Digitalisierung würden die Qualitätsanforderungen im HR steigen, sagt Anne Jansen, Dozentin an der Fachhochschule Nordwestschweiz. Jansen hat untersucht, wie Schweizer HR-Fachleute den digitalen Wandel erleben. Im Interview ab Seite 44 spricht sie über ihre Befunde und darüber, welche Kompetenzen heute besonders gefragt sind. 13 / 2019 www.netzwoche.ch © netzmedien ag

Management & Career Focus 41 Digitalisierung im HR Eine gelungene Digitalisierung bedeutet vor allem eins: Das HR gewinnt Zeit für wertstiftende Tätigkeiten und Routinearbeiten rücken in den Hintergrund. Doch an welchen Hebeln muss man ziehen, um das HR erfolgreich zu digitalisieren? Der Aufgabenbereich einer HR-Managerin ist sehr breit. Je mehr Zeit sie für Saläradministration oder Spesen verbringt, desto weniger Zeit hat sie für Themen wie Employer Branding oder Talentmanagement. Mit einem guten Employer Branding kann man sich als Unternehmen am Markt differenzieren, mit einem pünktlich ausgezahlten Lohn kaum. Ziel der Digitalisierung soll es sein, den HR- Mitarbeitenden als Taktgeber ins Zentrum zu stellen und Routinearbeiten zu vereinfachen oder zu eliminieren. Vorreiter in der Digitalisierung sind typischerweise auch die Vorreiter in ihrer Industrie. Wer in seiner Branche also wettbewerbsfähig und Marktführer sein will, muss seine HR-Werkzeuge auf dem aktuellen Stand halten. Im Folgenden wird aufgezeigt, welche drei Hebel zur Verfügung stehen, um dies zu bewerkstelligen. Neue Realität akzeptieren Viele Unternehmen nehmen einen alten RFP Request for Proposal oder bestehende Prozessdokumentationen und suchen basierend auf diesen eines oder mehrere Tools. Doch die hinterlegten Anforderungen sind oft aus der Zeit, als das Nokia 8210 noch der letzte Schrei war. Ein SMS war auf 160 Zeichen limitiert, Emojis gab es nicht und auf einer Taste waren jeweils drei Buchstaben. Basierend auf den damaligen Rahmenbedingungen entwickelte sich so etwas wie eine SMS-Sprache. Nur: Wer kennt heute noch Nokia? Niemand würde gegenwärtig auf die Idee kommen, ein Gerät zu suchen, das vor allem Tasten mit gutem Druckpunkt hat. Im HR kommt es jedoch viel zu oft zu ähnlichen Begebenheiten. Bevor also stark in die Digitalisierung investiert wird, ist es wichtig zu verstehen, was für ein Ziel damit verfolgt werden soll und wie dieses mit den heutigen technischen Möglichkeiten erreicht werden kann. Packen Sie gleichzeitig Ihre Prozesse und Richtlinien an. Bringen Sie diese auch auf den heutigen Stand. Mitarbeitende ins Zentrum stellen Bei der Digitalisierung geht man heute oft von den Anforderungen im HR aus. Das ist falsch. Das HR sollte seine «Kunden», also die Mitarbeitenden, in den Vordergrund stellen. Erarbeiten Sie eine HR-Vision und Strategie und stellen Sie dabei den Mitarbeitenden ins Zentrum. Überlegen Sie sich, welchen Mehrwert sie als HR Ihren Kunden bieten wollen. Nutzen Sie einfache, gängige Werkzeuge wie das Business Model Canvas, um diesen Nutzen herauszukristallisieren. Identifizieren Sie, in welchen Themen Sie den grössten Mehrwert bieten können und beginnen Sie dort mit der Digitalisierung. Schrecken Sie nicht davor zurück, laufende und starre Prozesse zu hinterfragen. End-to-End digitalisieren HR ist eine Ansammlung von dutzenden ineinandergreifenden Prozessen. Für jeden kleinen und grossen Prozess gibt es unzählige Tools. So gut manche dieser Tools sind, so wenig bringen sie, wenn sie nicht Teil einer Digitalisierungsstrategie sind. Gehen Sie HR-Digitalisierung als Ganzes an. Auch wenn Digitalisierung typischerweise ein iterativer Prozess sein kann, ist es wichtig, eine Strategie dafür zu haben. Nur so können Sie Medienbrüche minimalisieren, Aufwände reduzieren und eine optimale Employee Experience garantieren. Haben Sie die Lösungen gewählt, lassen sich diese noch weiter verbinden und optimieren, über verschiedene Arten von Integrationen. Ein Beispiel für Benutzerintegration wäre hier ein Chatbot, mittels dem verschiedene Services abgerufen werden können. Das Tool im Hintergrund interessiert den Mitarbeitenden dabei nicht. Prozessintegration erlaubt etwa mittels RPA Robotic Process Automation toolübergreifende Prozessschritte im Onboarding stark zu automatisieren. Dies kann zum Beispiel den automatischen Versand von Richtlinien sowie Kurseinladungen bei Eintritten vereinfachen. Und über klassische Systemregistration, also Schnittstellen und APIs, wird der Datenabgleich zwischen verschiedenen Lösungen gewährleistet. DER AUTOR Philippe Dutkiewicz Senior HR Strategies Consultant, HR Campus Grafik: Macrovector / Shutterstock.com www.netzwoche.ch © netzmedien ag 13 / 2019

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