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Netzwoche 14/2017

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24 People Live «Ich

24 People Live «Ich will den Fokus stärker auf die Beratung unserer Kunden legen» Seit Anfang Juni ist Andreas Németh Direktor der Dienstabteilung Organisation und Informatik (OIZ) der Stadt Zürich. Im Interview spricht er über die Digitalisierung in der Stadtverwaltung, über die grössten Herausforderungen für die städtische IT und darüber, warum der Bereich E-Government für ihn sehr wichtig ist. Zudem gibt er einen Einblick in den IT-Zwischenfall vom März. Interview: Christoph Grau Sind Sie mit Ihren Nachfolgern soweit zufrieden? Mit Alexandra Collm haben wir eine Person, die das nötige Wissen mitbringt. Sie war an der Universität St. Gallen E- Government-Spezialistin, beim vorherigen Arbeitgeber war sie in der Strategieentwicklung und im Innovationsi ZUR PERSON Der Stadtzürcher Andreas Németh ist seit dem 1. Juni 2017 Direktor der Dienstabteilung Organisation und Informatik der Stadt Zürich (OIZ). Bevor er vor 20 Jahren in die Stadtverwaltung wechselte, hatte der eidgenössisch diplomierte Wirtschaftsinformatiker als Entwickler, Systemanalyst und Projektleiter in diversen IT-Unternehmen gearbeitet. In der Stadtverwaltung bekleidete er verschiedene Funktionen und war nicht nur beim OIZ tätig. So war er Programmleiter der städtischen IT-Strategie 2006. Darüber hinaus leitete er den Legislaturschwerpunkt «eZürich», verantwortete den Aufbau und die Weiterentwicklung der städtischen E-Government-Services und führte in der Stadt Zürich als schweizweit erste Verwaltung Open Government Data ein. 2013 bis Mitte 2017 war Németh Leiter der Hauptabteilung «Kunden und Anwendungen» und Vizedirektor der OIZ. Németh ist Jahrgang 1963 und hat einen Master in Organisa tionsentwicklung. Sie sind jetzt etwa 100 Tage im Amt. Wie ist es, jetzt Chef zu sein? Andreas Németh: Ich bin da ein wenig ambivalent. Einerseits musste ich das operative Geschäft und viele spannende Projekte abgeben. Andererseits habe ich auch neue, packende Aufgaben, vor allem auf strategischer Ebene. Der Kontakt zur Politik und zu den Medien ist viel intensiver geworden. Ich bin nach den ersten 100 Tagen gut angekommen. Sie sind schon sehr lange bei der OIZ. Eher ein Vor- oder Nachteil? Ein Vorteil. Ich bin 20 Jahre in der Stadtverwaltung tätig. In diesen Jahren habe ich sehr viele verschiedene Jobs gemacht. So gestaltete ich die erste E-Government-Strategie 2001 mit. Wir waren damals schweizweit die Ersten. Danach wirkte ich bei der IT-Strategie 2006 als Programmleiter mit. Später konzipierte und setzte ich «eZürich» als Programmleiter mit um. 2012 bin ich wieder zurück in die Linie und verantwortete als Vizedirektor die Softwareentwicklung, wie auch die Kunden und Beratung. All diese Erfahrungen waren beim Bewerbungsprozess um die Nachfolge von Werner Breinlinger sicherlich kein Nachteil. Immerhin hatten sich 130 Personen beworben. Ich hatte das Glück, immer an den spannenden und innovativen Projekten mitzuarbeiten. Deshalb sind Sie auch so lange in der Stadtverwaltung geblieben? Es gab in den 20 Jahren schon Möglichkeiten und auch Anfragen, etwas anderes ausserhalb der Stadtverwaltung zu machen. Das eine oder andere habe ich auch geprüft. Letztlich entschied ich mich aber dagegen. An keinem anderen Ort hätten sich mir so viele Möglichkeiten geboten, meine Umgebung so aktiv mitzugestalten. Die Stadt Zürich ist sehr heterogen, was aus IT-Sicht He rausforderung und Faszination zugleich ist. Denken Sie nur an die Spitäler, die Blaulichtorganisationen, die Kernverwaltung, die indus triellen Betriebe oder die Schulen. In anderen Unternehmen wäre ich viel mehr in eine Struktur eingebunden gewesen und hätte die gestalterischen Möglichkeiten nicht gehabt. Sie sehen, die Stadt Zürich ist für Informatiker eine spannende Arbeitgeberin. Zudem bin ich auch in der Stadt Zürich aufgewachsen, und die Stadt ist mir ans Herz gewachsen. Ich sehe, dass wir etwas Sinnvolles machen. Das ist mir wichtig. Was sind für Sie die grössten Herausforderungen in der IT? Herausfordernd ist sicher, dass der Technologiezyklus viel schneller abläuft. Dazu kommen wichtige neue Themen wie Smart City, Big Data Analytics bis hin zur künstlichen Intelligenz. Dies sind alles Themen, in denen wir dabei sind, Kompetenzen aufzubauen. Denn nur so können wir dazu beitragen, dass die Stadt Zürich mit Daten smarter wird: Wir müssen aus Daten Informationen generieren, die wir zum Wohle der Stadt Zürich nutzen können. Welche Projekte konnten Sie schon anstossen? In den 100 Tagen kann man noch nicht so viel bewegen. Es braucht einen gewissen Vorlauf. Nur weil ich da bin, schiessen Projekte nicht einfach so aus dem Boden. Wir haben aber sehr viele laufende Projekte und noch viel mehr Ideen. Planen Sie auch Veränderungen in der Organisation? Da ich intern nachgerückt bin, wurde meine ehemalige Stelle frei. Die Neubesetzung nutzte ich dazu, die Ausrichtung der OIZ anzupassen. In meiner vorherigen Stelle war ich sowohl für die Anwendungen wie auch die Kundenbetreuung zuständig. Diese Stelle habe ich aufgeteilt. Alexandra Collm ist jetzt Hauptabteilungsleiterin Kunden und Thomas Burkart Hauptabteilungsleiter Anwendungen. Warum war die Aufspaltung notwendig? Ich will den Fokus stärker auf die Beratung unserer Kunden, die städtischen Dienstabteilungen, legen. Wir brauchen mehr Beratungs- und Prozesskompetenzen. Ich merke, dass in der Stadtverwaltung, nicht anders als in der Privatwirtschaft, noch viel Aufklärungsarbeit nötig ist. Es stellen sich etwa Fragen wie: Was heisst der Wandel für meine Tätigkeit? Was heisst digitale Transformation? Was wird sich beim Businessmodell ändern? Das alles sind Fragen, bei denen wir die nötige Beratungskompetenz bieten müssen. 14 / 2017 www.netzwoche.ch © netzmedien ag

25 management tätig. Das sind die Bereiche, die wir verstärken wollen. Bei den Anwendungen wird es auch immer mehr darum gehen, dass wir den einen oder anderen Service aus der Cloud beziehen. Dazu braucht es neue Kompetenzen, beziehungsweise das Wissen, wie diese verschiedenen Services koordiniert werden. Denn unsere Anwendungslandschaft ist sehr heterogen. Diese Kompetenzen soll Thomas Burkart stärken, der bei früheren Arbeitgebern bereits heterogene Landschaften verantwortete und auch die Digitalisierung vorantrieb. Sicherheit ist eines der Hauptaugenmerke von IT-Entscheidern. Wie stellen Sie sich bei dieser Herausforderung auf? In diesem Bereich werden wir aufrüsten: Wir sind dabei, ein Security Operation Center aufzubauen. Damit wollen wir uns befähigen, Anomalien in unseren Systemen schneller zu erkennen. Ich vergleiche uns da oft mit einer Burg. Wir haben eine gute Schutzmauer, mit Firewalls und Perimetern. Es ist aber sehr schwierig zu erkennen, ob irgendjemand schon innerhalb der Mauern ist. Diese Lücke wollen wir schliessen. Geplant ist, dass wir im zweiten Quartal des kommenden Jahres betriebsbereit sind. Wie hat sich die Bedrohungslage Ihrer Meinung nach verändert? Die Angriffe sind zum Teil komplexer geworden. Es gibt mehr Malware-Attacken und Verschlüsselungstrojaner. Mit dem Aufbau des Information Security Incident Response Teams (ISIRT) haben wir darauf reagiert und unsere Prozesse zur Bewältigung der Angriffe professionalisiert. Bei einem Vorfall kommen die notwendigen Spezialisten aus allen Disziplinen sofort zusammen. Dann wird analysiert, wie der Bedrohungsfall aussieht, welche Systeme betroffen sind und welche Gegenmassnahmen eingeleitet werden müssen. Durch die zunehmende Vernetzung der Systeme ist der potenzielle Schaden viel grösser, wenn sich etwa ein Schadprogramm vorpflanzt. Bei Wannacry wurde diese Gefahr sehr deutlich. Daher müssen wir schnell auf Schwachstellen reagieren können. Dies sind aber reaktive Massnahmen. Präventiv implementierten wir neue Firewalls und gestalteten Perimeter neu. Unsere Virenscanner aktualisieren wir fast in Echtzeit. Ein anderes Thema: Wie weit ist die Stadt Zürich bei der Umstellung der Clients auf Windows 10? Wir arbeiten mehrheitlich noch auf Windows 7. Aktuell beginnen wir aber mit der Umstellung auf Windows 10. Vollständig umgestellt sind bisher nur die rund 8000 Schulrechner. Dies war auch vergleichweise einfach, da sie sehr homogen sind. Als erster Pilot für die Verwaltung wird die OIZ in diesem Herbst umgestellt. Danach folgen die anderen städtischen Dienstabteilungen Schritt für Schritt. « Ich hatte das Glück, immer an den spannenden und innovativen Projekten mitzuarbeiten. » Andreas Németh, Direktor, OIZ Wie steht es um die Vernetzung mit anderen Sicherheits behörden? Wir sind mit anderen Sicherheitsinstitutionen vernetzt, etwa mit Melani. Die schon bestehende Vernetzung muss noch weiter intensiviert werden. Ich könnte mir vorstellen, dass noch grössere Verbünde geschaffen werden. Denn die Bedrohungslage ist global, nicht kantonal oder regional. Vielleicht kann man auch irgendwann einen Service gemeinsam erbringen oder beziehen. Wie gross ist das Projekt? Wir haben rund 20 000 Computerarbeitsplätze in rund 70 Dienstabteilungen. Für die Umstellung planen wir zwei Jahre Zeit ein. Mit Windows 10 wollen wir zudem den Hardware- und Software-Lifecycle entkoppeln. Bei der vorherigen Generation wechselten wir die Hardware und Software gemeinsam aus. Jetzt ist die Hardware oft noch leistungsfähig genug. Zudem trieben wir bei den Clients die Virtualisierung voran. Im März machte die OIZ Negativschlagzeilen. Computerarbeitsplätze und einzelne zentrale Anwendungen fielen aus. Was genau war vorgefallen? Damals gab es eine Kombination aus einem Hardwareund Softwarefehler in einem zentralen Speichersystem. www.netzwoche.ch © netzmedien ag 14 / 2017

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