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Netzwoche 14/2017

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42 Management & Career

42 Management & Career Titelgeschichte «Bildung und Technologie sind Voraussetzungen für Inklusion» Alireza Darvishy ist Professor für Informatik mit dem Schwerpunkt ICT-Accessibility am Institut für angewandte Informationstechnologie der ZHAW. Er berät unter anderem Schweizer Behörden und Unternehmen bei Fragen der Barrierefreiheit. Für seine Forschungstätigkeit erhielt er 2016 die Auszeichnung «Unesco Prize for Digital Empowerment of Persons with Disabilities». Interview: Christoph Grau Wie sind Sie auf Ihr Forschungsfeld ICT-Accessibility gekommen? Alireza Darvishy: Ich habe seit dem 15. Lebensjahr als Folge eines Unfalls eine starke Sehbehinderung. Ich kann nur noch schemenhaft sehen. Dennoch machte ich meine Matura und studierte dann Informatik. Während des Studiums stiess ich auf diverse Barrieren, die mich im Alltag vor Herausforderungen stellten. Ich sah aber auch die Chancen. Daher widmete ich mich nach dem Diplom – als Fachmann wie auch als Betroffener – der Forschung auf dem Gebiet ICT-Accessibility. Gerade wegen des Fachkräftemangels in vielen Bereichen ist es doch wichtig, dass auch Menschen mit Beeinträchtigungen in den Arbeitsprozess eingebunden werden. Das sehe ich auch so. Zurzeit bin ich daran, für Jugendliche mit Beeinträchtigungen in Zusammenarbeit mit zwei Schweizer Hochschulen ein Projekt aufzugleisen. Wir wollen untersuchen, welche Faktoren bei der Integration in den ersten Arbeitsmarkt wichtig sind. Technologien spielen hier eine sehr grosse Rolle. Insbesondere sollen sie Personen helfen, die bisher Schwierigkeiten hatten, einen Job im ersten Arbeitsmarkt zu finden. Auch wollen wir neue Perspektiven aufzeigen. Wo sollte Ihrer Meinung nach vor allem angesetzt werden? Die Bildung ist ganz zentral. Ich bin der Meinung, man sollte Schüler mit Behinderungen möglichst schnell mit den neuesten Technologien vertraut machen und ihnen diese zur Verfügung stellen. Das wird auch schon gemacht. Wichtig ist, dass auch die Schulen und Hochschulen barrierefrei sind. Die Betroffenen benötigen nicht nur assistierende Technologien, sie müssen auch dafür sensibilisiert werden. Sie müssen die Technologien einfordern, denn eine gute Bildung ist gerade für Menschen mit Behinderungen extrem wichtig und das beste Kapital. Nur so stellt sie am Ende auch ein Unternehmen ein. Man darf nicht einfach in der Opferrolle verharren. Bei gut ausgebildeten Menschen ist auch die Hemmschwelle für Unternehmen kleiner, diese einzustellen. Braucht es strengere Gesetze? Gesetze sind sehr wichtig. Es braucht zusätzlich eine proaktive Haltung der betroffenen Menschen mit Behinderung. Ihnen muss das Wissen vermittelt werden, damit sie auch etwas leisten können. Und es müssen immer mehr unterstützende Technologien bereitstehen. Wenn die Betroffenen aktiv etwas von Unternehmen und der Gesellschaft einfordern, dann wird sich mehr bewegen. Warum ist das Bewusstsein für Menschen mit Behinderungen bei Schweizer Unternehmen noch wenig ausgeprägt? Das ist vor allem eine kulturelle Frage. In der Schweiz gab es glücklicherweise viele Jahre keinen Krieg mehr und damit auch wenige Menschen, die durch den Krieg Behinderungen davongetragen haben. In den USA ist dies etwas ganz anderes. Seit 1981 gibt es dort den American Dissability Act, der für diese Zeit sehr fortschrittlich war und eine Entwicklung zugunsten von Menschen mit Behinderungen in Bewegung setzte. Grossfirmen werden dadurch gezwungen, auch barrierefreie Technologien für Menschen mit Behinderungen zu entwickeln. Dies ist in den USA eine Selbstverständlichkeit. In Europa hinken wir diesbezüglich etwas hinterher. Aber wir holen auf. Auch auf Gesetzesebene wird Inklusion zunehmend grossgeschrieben. Kulturell setzt sich auch langsam die Erkenntnis durch, dass Behinderungen zum Leben gehören und nicht mehr als Stigma oder Last gesehen werden. Das Leben und die Gesellschaft sind jedoch sehr vielseitig. Es gibt viele verschiedene Menschen. Vielleicht kann ein Mensch mit einer Beeinträchtigung gewisse Dinge nicht machen, dies muss man anerkennen. Diese Menschen haben dann aber andere Fähigkeiten, die ausgeprägter als bei anderen Menschen sind und die durch assistierende Technologie unterstützt werden. « Gesetze sind sehr wichtig. Es braucht zusätzlich eine proaktive Haltung der betroffenen Menschen mit Behinderung. » Alireza Darvishy Alireza Darvishy, Professor für Informatik mit dem Schwerpunkt ICT-Accessibility am Institut für angewandte Informationstechnologie der ZHAW. 14 / 2017 www.netzwoche.ch © netzmedien ag

Swiss Telecommunications Association COGNITIVE COMPUTING KÜNSTLICHE INTELLIGENZ Dienstag, 31. Oktober 2017, 14.00 bis open end Im Stade de Suisse, Papiermühlestrasse 71, 3022 Bern Das CNO Panel ist die Schweizer Plattform für das Top-Management mit Schwerpunktreferaten, Workshops und viel Raum für persönliches Networking. Freuen Sie sich auf relevante Statements aus Wissenschaft, Politik und Praxis – sowie auf Kunst und Kulinarik. Sichern Sie sich Ihre Teilnahme an der CNO Academy und/oder am Abendprogramm. Anmeldung und Infos www.cno-panel.ch 031 566 93 00 CNO Academy mit Workshops und Präsentationen 14.00 bis TERADATA Maschinelles Lernen, künstliche Intelligenz & Data Science – Status Quo – quo vadis? 16.00 Uhr: BBV SOFTWARE SERVICES Internet of Things – was Entscheider/innen wissen sollten – dieses Jahr mit «Hands on Experience» ONEOFFIXX Agiler werden – ohne Technologie geht es nicht SHAPEYOURFUTURE Warum wir Angst davor haben das zu tun, was wir wirklich wollen VISUALDYNAMICS – OSTERWALDER & STALDER Artistic Intelligence als Schlüsselkompetenz von Führungskräften mit offenen Blick in die Zukunft? Einige Erklärungsansätze! SOFTWARE IMPROVEMENT GROUP Paradigmenwechsel in der Softwarebeschaffung ICTSWITZERLAND Swiss Software Industry Survey – Kennzahlen für Entscheider aus Wirtschaft und Politik ALLGEIER (SCHWEIZ) Bot Advisory – Businessmodelle, Nutzen und Praxisbeispiele aus Service und FinTech CNO Panel Abendprogramm 16.30 Uhr: Apéro 18.00 Uhr: Key Note ROLF PFEIFER Erforscher der Robotik und Autor von Understanding Intelligence Talk EDY PORTMANN, experimentelle Forschung über Cognitive Computing und STUART ROBINSON, ethische Herausforderungen der Digitalisierung reflektieren zusammen mit Rolf Pfeifer die Ideen und Gedanken zur künstlichen Intelligenz 19.30 Uhr: Dinner, Networking und Bar-Betrieb bis open end Begleitung: Durch HANNES VO WALD, experimenteller Pyrotechniker und Zauberer, er reektiert die künstliche Intelligenz während des Abendessens Eventpartner Verbandspartner Wissenschaftliche Partner Universität Bern IWI Forschungsstelle Digitale Nachhalgkeit, Informaon Engineering und Informaon Management Kompetenzzentrum für Public Management Schweizerischer Verband der Telekommunikation Association Suisse des Télécommunications Universität St.Gallen Instut für Markeng Engagement CNO 2017 setzt sich ein für Berner Rechtsberatungsstelle für Menschen in Not Idee und Realisierung

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