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Netzwoche 14/2018

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12 Business Hintergrund

12 Business Hintergrund EU-DSGVO: Die ersten 100 Tage Seit dem 25. Mai gilt die EU-DSGVO für alle Unternehmen, die Daten von Personen in der Europäischen Union sammeln und verarbeiten. Inzwischen sind einige Monate ins Land gezogen. Ruhig ist es um die neuen Datenschutzregeln der EU aber trotzdem nicht geworden. Zeit für eine erste Zwischenbilanz. Autor: Oliver Schneider Dossier online auf www.netzwoche.ch/eu-dsgvo Bild: Rawpixel / iStock.com Am 25. Mai 2018 war es so weit. Die Datenschutz-Grundverordnung der Europäischen Union (EU-DSGVO) wurde nach zwei Jahren Übergangsphase wirksam. Unternehmen, die persönliche Daten von Kunden oder Nutzern in der EU verarbeiten, sind seither den neuen Regeln unterworfen. Das Interesse an der EU-DSGVO im Vorfeld des Stichtags war gross – ebenso wie die Befürchtungen und Unsicherheiten, die sich bei den betroffenen Firmen breitmachten. Was ist seit dem 25. Mai passiert? «Die Welt ist nicht untergegangen», gab Anwalt Martin Eckert gut einem Monat nach dem Stichtag Entwarnung. Ruhig ist es um die neuen Datenschutzregeln der EU aber nicht geworden. Ein Überblick: 28. Mai: Die EU-DSGVO war kaum drei Tage wirksam, da erreichten in mehreren EU-Staaten bereits die ersten Beschwerden gegen IT-Grössen die Datenschutzbehörden. Der Aktivist Max Schrems reichte parallel in vier Staaten gegen Google und Facebook Beschwerden ein, wie «Heise online» berichtet. Er beanstande, dass Android, Instagram, Whatsapp und Facebook von ihren Nutzern eine allgemeine Zustimmung zu den neuen Datenschutzerklärungen verlangen und sie andernfalls aussperren wollten. Das sei ein Verstoss gegen das «Koppelungsverbot» der EU-DSGVO. Ihm zufolge dürfe der Zugang zu Dienstleistungen nicht von einer Zustimmung zur Datennutzung abhängig gemacht werden. 4. Juni: Als Reaktion auf die Gültigkeit der EU-DSGVO erhöhte Whatsapp das Mindestalter für seine Nutzer auf 16 Jahre – auch in der Schweiz. Laut «Sonntagszeitung» brachte das Schweizer Schulen in Bedrängnis. Bislang hätten Schüler und Lehrer in Whatsapp-Klassenchats miteinander kommunizieren können, dies sei nun nicht mehr möglich. Wer weiterhin Whatsapp nutzt, obwohl er jünger als 16 Jahre ist, verstösst aber nicht gegen das Gesetz, wie Rechtsanwalt Martin Steiger gegenüber «20 Minuten» sagte. Es gehe hier nur um die Nutzungsbedingungen des Messengers. 13. Juni: Die EU-DSGVO gilt bereits mehr als einen Monat, die Revision des Schweizer Datenschutzgesetzes (DSG) gerät derweil in Verzug. Der Nationalrat teilte die Totalrevision in zwei Etappen auf. Damit schloss er sich dem Vorschlag der Staatspolitischen Kommission an. Zunächst sollen dringende Anpassungen am Schengen-Abkommen vollzogen werden. Damit könnte sich die Revision des DSG weiter verzögern, wie das linke Lager um SP- Nationalrat Cédric Wermuth kritisierte. Die Revision des Gesetzes ist nötig, da die Schweiz die Europaratskonvention 108 unterzeichnete. Auf dieser Konvention basiert auch die EU-Verordnung. 25. Juni: Die Datenschutzstellen Deutschlands ächzen unter Anfragen zur EU-DSGVO. Wie das deutsche Techportal «t3n.de» berichtet, seien etwa im Bundesland Berlin so viele Anfragen an einem Tag eingegangen wie zuvor in zwei Wochen. Von bis zu 140 Anrufen am Tag berichtet der Datenschützer aus Nordrhein-Westfalen. Allerdings seien es nicht Beschwerden, die die Datenschützer auf Trab hielten. Bürger und Unternehmen wünschten vor allem Informationen und Beratung zur neuen Verordnung. 30. Juli: Die US-Regierung arbeitet laut «Washington Post» an einer Gesetzesvorlage, die den Datenschutz in den USA vereinheitlichen soll. «Heise» sieht darin zumindest teilweise eine Antwort auf die EU-DSGVO. US-Unternehmen hätten an die Regierung in Washington appelliert, eine eigene Haltung zum Datenschutz zu formulieren. Diese solle allerdings weniger rigoros als die Vorschriften der EU sein. 8. August: Verschiedene Websites sind in Europa auch nach der Sommerpause wegen DSGVO-Bedenken immer noch nicht erreichbar. Wie «Heise» berichtet umfasst eine von Webdesigner Joseph O'Connor zusammengestellte Liste rund 1100 Webauftritte, darunter sind viele US- Newsportale. Blockiert würden Nutzer aus der Europäischen Union sowie Island, Liechtenstein und Norwegen. Zugriffe aus der Schweiz sind hingegen noch möglich. 14 / 2018 www.netzwoche.ch © netzmedien ag

Business Event 13 Wo Marketing digital daherkommt VR, 3-D-Druck und Blockchains – an der Suisse-Emex wimmelt es von frischen Ideen fürs Marketing. Die Fachmesse präsentiert sich vielfältig und kommt doch auf einen gemeinsamen Nenner: Alles muss erlebbar sein. Autor: Joël Orizet Die Suisse-Emex versteht es, ihr Messeprogramm mit Festival-Flair zu untermalen. Die Stände schillern bunt. Es riecht nach Popcorn und Elektronik. Ein paar Weihnachtsmänner verteilen Goodies. Daneben treffen sich zwei Dutzend Geschäftsleute zum Speed-Dating und knüpfen Business-Kontakte im Minutentakt. Mitten im Trubel zeigen gewiefte Unternehmer, wie sie mit neuen Ideen das Marketing aufmischen wollen. 500 Aussteller, 100 Redner und 14 000 Besucher erwarten die Veranstalter. Ausser Vorträgen stehen persönliche Gespräche und Afterwork-Partys auf dem Programm. Von der Brille zur Simulation Claudio De Cataldo wagt dieses Jahr etwas Neues. Schon zum vierten Mal stellt er an der Suisse-Emex aus. Er war von Anfang an dabei, als Virtual Reality (VR) im Marketing durchstartete. «Nun haben wir den Schritt von der Brille zum Simulator gemacht», sagt er. An seinem Stand können Besucher testen, wie es sich anfühlt, ein Formel-1-Rennen zu fahren. «Wir wollen den Leuten zeigen, was mit VR alles möglich ist», sagt De Cataldo. Und das sei erst der Anfang, denn das Potenzial sei grenzenlos. Den neuen VR-Simulator vermietet De Cataldo etwa für Events. Seine Firma De Cataldo Consulting produziert allerdings auch VR-Inhalte und Drohnenaufnahmen für Unternehmenskunden. Ein begehbarer 3-D-Drucker Auch die Werbetechnikfirma Dekom3dplus will eine neue Richtung einschlagen. Inhaber Claude Lombard legte sich vor einem Jahr einen riesigen 3-D-Drucker zu. An der Suisse-Emex zeigt er einen Nachbau des Druckers. «Das Original ist zuhause und arbeitet», sagt er lächelnd. Lombards Polymer-Drucker kann fast zwei Meter grosse Dinge an einem Stück herstellen. Einzelteile liessen sich problemlos zusammenfügen. «Von der Grösse her sind also keine Grenzen gesetzt», sagt er. Zudem soll der Drucker vergleichsweise schnell arbeiten: Am Stand steht eine gedruckte Plastikflasche, etwa so gross wie ein kleiner Mensch. In nur fünf Stunden sei die Skulptur fertig gewesen, erklärt Lombard. Für ihn ist klar: «In ein paar Jahren ist dieses Vorgehen beim 3-D-Druck State of the Art.» Und das Schöne daran sei, dass es Technik, Design und Handwerk verbinde. Was Marketingleute mit der Blockchain anstellen Auch die Marketingbranche will sich Blockchains zunutze machen. Die Idee dahinter liegt auf der Hand: Eine Art Be- Claudio De Cataldo (l.) lässt die Besucher der Suisse-Emex einen VR-Racing-Simulator probefahren. Artikel online auf www.netzwoche.ch Webcode DPF8_104480 zahlsystem auf Basis von Tokens soll Konsumenten dafür belohnen, dass sie persönliche Daten preisgeben. «Die Blockchain macht das Ganze sicher, weil sie Daten anonymisiert und vor Manipulation schützt», sagt der Unternehmer und Blogger Jörg Eugster an einem Vortrag. Und: «Die User wollen sogar getrackt werden, sofern alles anonym und sicher abläuft.» Die steilste These des Redners lautet: Eine blockchainbasierte E-ID macht Facebook bis in fünf Jahren irrelevant. Daten gegen Punkte gegen Drinks tauschen Wie die Blockchain im Marketing funktioniert, zeigt die Online-Marketing-Firma Mindnow. «Es läuft ähnlich wie bei Kundenbindungsprogrammen à la Miles & More, nur dass die Treuepunkte nicht verfallen», erklärt Product Owner Jakob Kaya. Mindnow arbeitet mit dem Zuger Start-up Qiibee zusammen, das Ende September eine gleichnamige Kryptowährung lancieren will. Ziel der Zusammenarbeit ist es, ein «Loyalty Program 4.0» zu schaffen. Dahinter steht die Idee, Kunden einen Anreiz zu bieten, damit sie mit Marken quasi interagieren. Suisse-Emex-Besucher können testen, was es mit solch einem Programm auf sich hat. Wer sich via emex.mindnow.io registriert, erhält schon mal 200 Punkte. Dann geht es darum, mit dem Smartphone QR- Codes zu scannen. Wer den Code eines anderen Besuchers scannt, bekommt weitere 750 Punkte. So wird der Nutzer fürs Networking belohnt. Ausserdem platzierte Mindnow QR-Codes zum Sammeln von Punkten an bestimmten Orten in der Nähe des Messestandes. www.netzwoche.ch © netzmedien ag 14 / 2018

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