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Netzwoche 15/2016

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12 DOSSIER Internet der

12 DOSSIER Internet der Dinge In Kooperation mit Swisscom «Das Low Power Network bietet zudem die Möglichkeit, extrem komplexe Integrationen in bestehenden Systeme, etwa im Roll material, einfach zu übergehen», erklärt Dolfus. «Wenn wir bestimmte Sensoren einige Jahre über ein Netz wie LPN betreiben können, hat sich der Aufwand bereits gelohnt.» Dolfus relativiert aber auch: «Für betriebskritische Anwendungen ist das LPN aufgrund seiner Eigenschaften wie der Übermittlung auf dem konzessionsfreien Band ungeeignet. Es gibt aber sehr viele Anwendungen, wo es mit seinen Eigenschaften das Potenzial hat, vieles zu vereinfachen.» Dolfus hebt einen Aspekt besonders hervor: «Die schnelle Umsetzung konkreter Beispiele öffnet uns Türen, um wichtige Diskussionen zur Digitalisierung anzustossen. Es hilft uns, zu fokussieren und Ideen auszuprobieren. Anstatt darüber zu reden, setzen wir um und testen.» Puzzleteil der Digitalisierung Das Internet der Dinge ist Teil der Digitalisierung, welche die Wirtschaft hin zu einer datengetriebenen Wirtschaft verändert. Nicht länger produzieren nur Menschen Daten: Vernetzte Dinge und Maschinen füllen mit ihren Interaktionen weitere Datenseen, die es zu nutzen gilt. Je nach Quelle gehen Schätzungen davon aus, dass bis 2020 bis zu 50 Milliarden Geräte im Internet der Dinge vernetzt sein werden. Ein wichtiger Aspekt in dieser Vernetzung ist Sicherheit. Viele Consumer-Produkte bieten leider Angriffspunkte, weil Sicherheit nicht in die Entwicklung miteinbezogen wurde. Das Low Power Network übermittelt alle Daten Ende-zu-Ende verschlüsselt. Das heisst, auch ein Netzbetreiber kann die Inhalte nicht lesen. Er kann nur Metadaten erfassen, die er für die Steuerung und Verrechnung benötigt. Das Internet der Dinge ist letztlich eine datenproduzierende Einheit, welche die Basis für neue Anwendungen und Geschäftsmodelle bildet. Es wird bestehende Geschäftsprozesse massiv verändern, weil mit der neuen Datenbasis mehr Prognosen und Trends erkennbar sein werden. Statt fixer Sammelrouten wird eine Stadt künftig Recycling oder Abfallcontainer je nach Füllstand leeren. Ausfälle an Maschinengeräte können frühzeitig erkannt werden, bevor der Ausfall eintritt. Strassenlampen werden zu Wetterstationen, weil sie Umgebungsdaten erfassen. Wasserverluste an Hydranten werden sofort erkannt, weil ein Sensor den Wasserfluss meldet. Es beschränkt sich jedoch nicht nur auf Infrastruktur, es hilft auch, Produkte intelligenter zu machen. Eines zeigt das Beispiel SBB exemplarisch: Digitalisierung heisst auch, einfach zu beginnen, in kleinen Schritten voranzugehen, um grosse Ideen zu entwickeln. Für die Digitalisierung und für das Internet der Dinge gibt es keine Standardrezepte. Es braucht aber den Willen, Neues zu wagen. Die Digitalisierung und das Internet der Dinge bieten grosse Chancen für den Werkplatz Schweiz, der schon immer auf Technologie gesetzt hat, um sich zu behaupten und zu bestehen. Wer sich jetzt mit neuen Anwendungen und Möglichkeiten befasst, wird in Zukunft die Nase vorne haben. Das Internet der Dinge ist Teil der Digitalisierung, welche die Wirtschaft hin zu einer datengetriebenen Wirtschaft verändert. Bild: Fotolia 15 / 2016 www.netzwoche.ch © netzmedien ag

In Kooperation mit Swisscom Internet der Dinge DOSSIER13 «Das Low Power Network mit batteriebetriebenen Sensoren ist ein Fortschritt» Swisscom baut ein eigenes Netz für das Internet der Dinge und will bis Ende 2016 etwa 80 Prozent der Schweizer Bevölkerung im Freien vernetzen. Die Redaktion hat bei Jaap Vossen vom M2M-Team nachgefragt, wie das Projekt voranschreitet und wie Unternehmen davon profitieren sollen. Interview: Marcel Urech M2M und IoT sind noch relativ junge Disziplinen. Wir stehen erst am Anfang der Entwicklung. Wohin geht die Reise? Jaap Vossen: Alles in dieser Welt wird vernetzt sein, selbst Mauern oder Sofas. Die grösste Herausforderung ist die Stromversorgung. Das Low Power Network mit batteriebetriebenen Sensoren ist ein grosser Schritt nach vorn. Sie werden künftig Energie aus ihrer Umgebung gewinnen. Generation Y ist offen für neue Technolo gien, wenn sie einen Mehrwert sieht. Bald haben wir eine Generation, für die das Smartphone seit ihrer Geburt existiert. Im Business verändert das IoT die Denkweise und die Organisationsstruktur von Firmen. Jaap Vossen, Head of M2M Sales & Marketing bei Swisscom. Swisscom baut ein eigenes Netz für das Internet der Dinge und will bis Ende 2016 etwa 80 Prozent der Schweizer Bevölkerung im Freien vernetzen. Wie geht der Aufbau voran? Ende Juni 2016 waren 70 Prozent der Bevölkerung im Aussenraum mit dem LPN versorgt. Bis Ende des Jahres schalten wir wöchentlich rund zehn Empfangsstationen dazu. Wir konzentrieren uns nun vor allem auf grössere Städte – für Smart-City-Anwendungen – und sind weltweit unter den Ersten, die eine landesweite LPN-Serviceversorgung vorweisen können. LoRaWAN ermöglicht eine unkomplizierte und rasche Installation weiterer Empfangsstationen, je nach Kundenbedürfnis. Es braucht nur einen Internetanschluss. Flexibilität bei der Netzplanung und im Rollout sind für uns zentral. Warum braucht es ein neues Netz? Es braucht das richtige Netz für die richtige Anwendung. Wir würden sonst für Anwendungen eine Autobahn bauen, die nur einen Feldweg brauchen. LPN punktet mit der Batterieautonomie der Sensoren, einer hohen Reichweite und tiefen Hardwarekosten. Unternehmen werden sich trotzdem fragen, warum sie für IoT nicht einfach einen normalen Internetzugang nutzen sollen. Was spricht dagegen? Nichts – wenn es so möglich ist. Das LPN ergänzt bestehende Netze, indem es Dinge mobil macht oder komplexe Systeme überbrückt. Wir bieten Plug & Play für IoT Connectivity. Bitte nennen Sie ein paar Anwendungsbeispiele, die für Schweizer Unternehmen besonders sinnvoll sind. Das Tracking von Objekten, Anwendungen rund um Smart Citys wie Recycling, Strassenbeleuchtung und die Fernauslesung von Infrastrukturen. Oder Facility und Room Management im Retail. Swisscom setzt bereits Pilotprojekte um, unter anderem mit den SBB. Wie sind die ersten Erfahrungen? Wir erreichen bei schwersten funktechnischen Bedingungen grosse Reichweiten. Mit den SBB übermittelten wir Daten eines Temperatursensors aus einem Metallschrank – während einer Zugfahrt, mit einer Sendeleistung von 25mW. Mit einer Indoor-Empfangsstation übermitteln wir Werte von Wasserzählern aus dem 1. und 2. UG im HB Zürich – physikalisch ein schwieriges Unterfangen. Viele Sicherheitsforscher bezeichnen das Internet der Dinge als Albtraum. Wie gewährt Swisscom die Sicherheit? Sicherheit ist von Anfang an Teil der Entwicklung. Das LPN übermittelt Daten vom Sensor zur Applikation verschlüsselt. Swisscom kann keine Inhaltsdaten, sondern nur Metadaten lesen. Viele Consumer-IoT-Geräte sind leider fahrlässig bis gar nicht geschützt. Unternehmen können mit IoT viele Daten gewinnen. Hilft Swisscom den Firmen auch, die Daten sinnvoll auszuwerten? Wir bieten SaaS-basierte Modelle, um Rohdaten zu visualisieren und Muster zu erkennen. Swisscom betreibt die Anwendungen in ihren Schweizer Rechenzentren. Rund 700 Spezialisten für Business Intelligence, Smart Data, Machine Learning und Prozesse unterstützen die Kunden. IoT ist dabei ein zentrales Thema. « Wir bieten Plug & Play für IoT Connectivity. » Jaap Vossen, Head of M2M Sales & Marketing, Swisscom www.netzwoche.ch © netzmedien ag 15 / 2016

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