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Netzwoche 15/2016

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08 Business Aktuell

08 Business Aktuell WWW.NETZWOCHE.CH Backup One startet gsa. Das Spin-off Backup One des Schweizer Cloud-Anbieters Filesync hat seinen Betrieb aufgenommen. Laut einer Mitteilung bietet das Berner Start-up Back-up-Lösungen für Privatkunden und Unternehmen an. Backup One sichert laut eigenen Angaben Daten von Windows-, Macund Linux-Computern und erlaubt das Sichern von Microsoft-SQL- und Microsoft- Exchange-Datenbanken. ▸ Webcode NW151605 UPC vergrössert Kabelnetz dkl. UPC hat sein Kabelnetz um das Netz des Anbieters Regionalantenne Ermatingen im Kanton Thurgau vergrössert. Der lokale Anbieter betrieb das Netz seit 1989, wie UPC mitteilt. Gemäss Mitteilung kombiniert das Netz Glasfaser- und Kupferleitungen. An dem Netz hängen laut UPC rund 1100 Kunden. Für sie ändere sich durch die Übernahme nichts. Denn Regionalantenne Ermatingen und UPC seien seit Beginn im Jahr 1989 Partner von UPC. ▸ Webcode NW151606 Baustelle elektronisches Patientendossier gcr. Die Healthcare Information and Management Systems Society HIMSS hat in Kooperation mit der Schweizerischen Gesellschaft für Medizinische Informatik SGMI zum Swiss E-Health Summit geladen. An zwei Tagen referierten Vertreter des Gesundheitswesens, der Politik und der Informatik über E-Health-Trends und nahmen an Podiumsdiskussionen teil. Die Veranstaltung zog rund 400 Besucher aus dem Gesundheitssektor in den Berner Kursaal. Viel Diskussionsstoff lieferte das elektronische Patientendossier (EPD). «Das EPD steht in den Startlöchern und vielleicht wird es eine Aufholjagd», sagte Thomas Heiniger, Regierungsrat und Gesundheitsdirektor des Kantons Zürich in seiner Keynote zum Auftakt des Summits. Eine Aufholjagd deshalb, da in der Gesellschaft der digitale Wandel bereits fortgeschrittener sei als im Gesundheitswesen. Dieses stehe bei der Digitalisierung unter grossem Druck. Es braucht laut Heiniger mehr Transparenz und Wissen über Kosten und Nutzen der Digitalisierung. Zudem müssten unter den Akteuren des Gesundheitswesens klarere Verhältnisse geschaffen werden. In der Realisierung des EPDs sieht er eine Möglichkeit, mehr Transparenz zu schaffen, da mit dem EPD bestehende Prozesse im Gesundheitswesen angepasst werden müssten. E-Health ist kein Service Public Heiniger veranschaulichte, dass die Kantone im Bundesgesetz über das EPD kaum erwähnt würden. Gesetzlich müssten die Kantone lediglich die «ausreichende und wirtschaftlich tragbare Gesundheitsversorgung gewährleisten». Verantwortlich für die Umsetzung des EPD seien die Gesundheitsinstitutionen und die Fachpersonen. Dies werfe die Thomas Heiniger, Regierungsrat und Gesundheitsdirektor des Kantons Zürich. Frage auf, ob sich der Kanton in der Umsetzung nun einbringen müsse oder nicht. Der Kanton Zürich habe bei der Einführung des EPD ein klares Ziel – er will laut Heiniger, dass die Bevölkerung gut informiert ist und auf diese Weise die Einführung des EPD beschleunigen. E-Health sei aber kein Service Public. Der Kanton sei vielmehr für die Koordination und Vernetzung der Leistungserbringer zuständig. «Die treibende Kraft bei der Einführung des EPD sind die Leistungserbringer, und es müssen auch die Leistungserbringer bleiben», sagte Heiniger. Artikel online: www. netzwoche.ch ▸ Webcode NW151629 DIGITALE TRANSFORMATION DER IT Kennen Sie das Sprichwort: Vor lauter Bäumen den Wald nicht sehen? Das erlebe ich in meiner Beratertätigkeit bei vielen IT-Organisationen, die sich auf die Reise vom Technologieprovider hin zum businessfokussierten Serviceanbieter machen und sich dabei wundern, wieso plötzlich so viel Administration und Bürokratie Einzug in ihren Arbeitsalltag halten. Prozesse schiessen wie Pilze aus dem Boden und machen sich breit. Alles hat standardisiert abzulaufen, wird von Gremien begutachtet und beurteilt, und letztlich liegt es wieder bei den gleichen Spezialisten zur Ausführung, welche die Arbeit von jeher gemacht haben. Nur auf Prozesse zu fokussieren, ist gefährlich Die Ownership der Prozesse kann nicht hoch genug in der Hierarchie angesiedelt sein, denn nur so kann das Management-Commitment gegenüber den Mitarbeitern demonstriert werden. Die Leute sollen in Prozessen denken – diese einzuhalten ist elementar. Prozessreports berichten über den Arbeitsanfall und ermöglichen eine transparente Sicht auf die Anzahl Störungen, Probleme oder Änderungsanfragen. Ganz gut ist, wenn die Reifegrade mit unabhängiger externer Hilfe gemessen werden und bescheinigt wird, dass die Prozesse unter Kontrolle sind. Der Kunde will keine Prozesse, er will ungestört arbeiten Was hier in aller Regel in Vergessenheit gerät, ist der zu liefernde Service, um den es eigentlich dem Kunden geht. Der will nämlich nicht mit den Prozessmanagern über Incidents, Probleme oder Changes diskutieren. Er will arbeiten – er will einen verlässlichen, stabilen und gut funktionierenden IT-Service – wann immer er ihn braucht. Störungen sollen gar nicht erst auftreten, und Änderungen sollen geräuschlos an ihm v orübergehen. Und hier liegt die hohe Kunst im Servicegeschäft: die einzelnen Komponenten der internen wie auch externen Zulieferer ganzheitlich aufeinander abzustimmen, sodass die Servicequalität über die gesamte Wertschöpfungskette hinweg stimmt. Und klar, dazu braucht es gut eingespielte Prozesse. Diese haben aber nur ein Ziel: den Service am Kunden zu unterstützen und nicht ein Eigenleben zu führen. Artikel online: www.netzwoche.ch ▸ Webcode NW151601 Prozess oder Service oder was? Martin Andenmatten Gründer und Geschäftsführer, Glenfis 15 / 2016 www.netzwoche.ch © netzmedien ag

Business Nachgefragt 09 «Wir müssen alle lernen, mit Druck umzugehen» Pau Garcia-Milà ist Keynote-Speaker am CNO Panel 2016, das am 1. November im Kulturcasino in Bern stattfindet. Motto des Events: «Think out of the box – denke das Denkbare». Im Interview verrät Milà, was es heisst, innovativ zu sein, und wie Unternehmen mit Unsicherheit umgehen sollen. Interview: Marcel Urech Sie werden im November am nächsten CNO-Panel in Bern eine Keynote halten. Worüber werden Sie sprechen? Pau Garcia-Milà: Ich werde über etwas sprechen, das für alle Unternehmen zentral ist: Die Notwendigkeit, schnell und innovativ zu sein. Jede Organisation muss heute verstehen, dass sie sich im Wettbewerb mit kleinen, agilen Start-ups befindet. Es zählt heute nicht mehr, dass gewisse Unternehmen schon über 100 Jahre alt sind und 50 000 Mitarbeiter haben. Wenn sie nicht erkennen, dass ihre wahren Mitbewerber die Start-ups in ihrem Markt sind, schaufeln sie sich ihr eigenes Grab. Sie gründeten EyeOS, ihr erstes Unternehmen, als sie 17 Jahre alt waren. Hatten Sie schon immer einen Unternehmergeist? Ich würde gerne mit Ja antworten, aber das kann ich nicht. Mit 12 war es mein grösster Traum, eine eigene Radioshow zu haben. Als ich 14 Jahre alt war, fragten mich meine Eltern, ob ich eine Radioantenne oder eine Internetverbindung wollte. Ich wählte die Radioantenne. Drei Jahre später gründete ich mein erstes Internetunternehmen. Wer oder was waren damals Ihre grössten Idole? Da gibt es viele. Die wichtigsten waren wohl mein Vater und meine Mutter. Sie sind beide Architekten. Als ich 5 Jahre alt war, eröffneten meine Eltern ein Pizza-Restaurant. Es gab damals eine Wirtschaftskrise, und meine Eltern entschieden sich, etwas Neues zu versuchen. Ich sah, wie sie ihre Arbeitstätigkeit komplett änderten, um ihre Familie zu schützen. Ich empfand das damals als völlig normal. Erst als ich erwachsen wurde, erkannte ich, was das für ein Kraftakt war. Einige Jahre später gingen meine Eltern zurück in den alten Architekten-Beruf und hatten Erfolg dabei. EyeOS war ein Virtual-Desktop-Start-up. Als Sie das Unternehmen an Telefónica verkauften, verloren Sie die Kontrolle über Ihr Baby. Wie war das für Sie? Es war ohne Zweifel ein glücklicher Moment. Ich verlor die Kontrolle ja nicht wirklich, sondern «leaste» sie an jemanden, dem ich vertraue. Ich gab das Geschäft in die bestmöglichen Hände. In die Hände eines Grossunternehmens, das mein Projekt weiterführen wollte. 2011 platzierte Sie das MIT Technology Review auf der Liste der «35 Innovators under 35». Sie sagten einmal, dass sie viele Meinungen und Urteile über Sie ignorieren mussten, um dahin zu kommen. Wie meinten Sie das? Ich erinnere mich noch sehr gut an diesen Moment. Ich begann an diesem Tag, meine Freundin zu daten, die heute meine Partnerin und Ehefrau ist. Ich erinnere mich noch daran, was ich in der Dankesrede sagte: Wenn man etwas Neues startet, gibt es immer Leute, die als «Innovation judges» auftreten. Sie sagen dann Dinge wie: «Du wirst scheitern, daran gibt es keine Zweifel.» Ich bin der Meinung, dass dieses Verhalten viele potenzielle Innovationen abtötet. Man sollte es darum ignorieren. Unternehmer wie Sie werden oft als selbstsichere Kämpfer und positive Denker beschrieben. Sehen Sie sich selbst auch so? Ich versuche auf jeden Fall zu kämpfen, ich bin selbstsicher und denke positiv. Das ist aber nicht immer möglich. Ein Unternehmen zu starten, braucht viel Energie, aber auch Opfer, und ab und zu Schmerz. Das kann auch den stärksten Geist schwächen. Niemand kann voraussagen, was in fünf oder zehn Jahren sein wird. Wie sollen Unternehmen mit dieser Unsicherheit umgehen? Der grösste Feind für jedes innovative Unternehmen ist Unsicherheit. Wir können uns darauf vorbereiten, zu scheitern, oder darauf, Erfolg zu haben. Aber die Zeit, in der wir einfach nicht wissen, wie es weitergeht, verursacht die meisten Schmerzen. Es gibt keine Heilung für das. Aber wir können mit einem Team arbeiten, dem wir trauen können, in dem wir transparent sein können. Wir können Leute um uns scharen, die mit Druck umgehen können. Und wir können versuchen, viele kleine anstatt ein grosses Projekt durchzuführen. Das lindert den Schmerz. Aber letztlich müssen wir alle lernen, mit Druck umzugehen. « Die Zeit, in der wir einfach nicht wissen, wie es weitergeht, verursacht die meisten Schmerzen. » Pau Garcia-Milà ist Keynote-Speaker am CNO Panel 2016 www.netzwoche.ch © netzmedien ag

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