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Netzwoche 15/2016

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10 DOSSIER Thema In

10 DOSSIER Thema In Kooperation mit xxxxxxx Bild: Fotolia Dossier Internet der Dinge In Kooperation mit Swisscom Wenn Gegenstände smart werden mur. Das Internet der Dinge (IoT) ist in aller Munde. Deloitte erwartet, dass die globalen Umsätze im Bereich der IoT-Anwendungen von 217 Milliarden Euro 2015 auf eine Billion im Jahr 2020 steigen werden. McKinsey spricht gar von einem weltweiten Mehrwert von bis zu 11 Billionen Dollar bis 2025. Dies entspräche rund 11 Prozent der globalen Wirtschaftsleistung. Auch Swisscom beschäftigt sich mit dem Thema. Der Telko sorgte Mitte März für Aufsehen: Er kündigte an, ein eigenes Netz für das Internet der Dinge zu bauen. Es soll Geräte und Maschinen intelligent vernetzen und Ende 2016 etwa 80 Prozent der Schweizer Bevölkerung im Freien versorgen: mit rund 300 Empfangsstationen auf Basis von LoraWAN. Wie schreiten die Arbeiten voran? Wer wird von dem neuen Netz profitieren? Und was bringt das Unternehmen? Die Redaktion hat bei Swisscom nachgefragt und die Ergebnisse in diesem Dossier zusammengefasst. Es beinhaltet ein Interview mit Jaap Vossen, Head of M2M Sales & Marketing bei Swisscom. Gerhard Schedler, der bei Swisscom Mobile Business Solutions das M2M-/IoT-Geschäft leitet, erklärt zudem in einem Fachbeitrag, was das neue Low Power Network genau bringt und wie die ersten Erfahrungen mit dem Netz sind. 15 / 2016 www.netzwoche.ch © netzmedien ag

In Kooperation mit Swisscom Internet der Dinge DOSSIER11 Internet der Dinge: endlich loslegen, statt nur darüber reden Das Internet der Dinge nimmt massiv Fahrt auf. Immer mehr Technologien stehen dafür parat, und Unternehmen wie die SBB fahren bereits Pilotprojekte. Das Low Power Network wird noch dieses Jahr verfügbar sein. DER AUTOR Gerhard Schedler leitet bei Swisscom Mobile Business Solutions das M2M-/IoT- Geschäft und beschäftigt sich seit Jahren mit M2M/IoT. Er ist zudem Head of Mobile Sales. « Bis zum Ende des Jahres werden 80 Prozent der Schweizer Bevölkerung mit dem neuen LoRa- WAN-Netz versorgt sein. » Gerhard Schedler, Leiter des M2M-/IoT- Geschäfts bei Swisscom Mobile Solutions Langsam, aber sicher erhält das Internet der Dinge (IoT) Flügel: Fitnessarmbänder, vernetzte Wetterstationen, IP-Kameras und Sensoren erobern den Alltag. Konzeptionell ist das nichts Neues. Fernüberwachungen und Steuerungen über Modems gibt es seit mehreren Jahrzehnten. Diese Anwendungen taten nichts anderes als das, was IoT auch heute tut – sie vernetzen Maschinen, Gebäudetechnik oder Infrastrukturen. Neu sind hingegen die einheitliche IP-Basis, die Drahtlosigkeit und die massiv sinkenden Preise, um die Geräte zu vernetzen. Mit dem steigenden Grad der Standardisierung sinken die Systemkosten. Die Konnektivität ist nicht mehr länger der bestimmende und preistreibende Faktor für IoT-Projekte, denn sie ist heute allgegenwärtig verfügbar. Mit der Cloud als skalierbare Fabrik wird nun auch die Logik einfach verfügbar, um aus den gewonnenen Daten Nutzen zu ziehen. Es gibt mehrere Gründe, um Objekte zu vernetzen: 1. Effizienter werden, etwa durch Füllstandüberwachungen 2. Neue Features, um Mehrwerte für Produkte zu schaffen, wie bei Elektrovelos von Stromer 3. Um regulatorischen Anforderungen gerecht zu werden, wie bei Smart Metering 4. Neue Businessmodelle, die vom Produkt zum Service übergehen: Sauberkeit statt Kehrgerät, Schatten statt Storen Wenige Bytes – grosse Wirkung Dediziert für das Internet der Dinge geht das Low Power Network zur energieeffizienten Vernetzung von Alltagsgegenständen im Spätherbst live. Bis Ende des Jahres werden 80 Prozent der Schweizer Bevölkerung mit dem neuen Netz versorgt sein. Es basiert auf dem offenen LoRa-WAN (Low Power Wide Area Network)-Standard und ergänzt das bestehende Mobilfunknetz. Jahrelang ging es darum, dass Netze schneller und breitbandiger werden. Mit dem Low Power Network geht ein Netz an den Start, dessen Übertragungsraten an die frühen 90er-Jahre erinnern: wenige Bytes. Ein Widerspruch? Für viele Anwendungen sind diese Datenraten mehr als ausreichend. Besonders für Infrastrukturanwendungen ist der Status wichtiger als die Bandbreite. Wo befindet sich ein Objekt? Bewegt es sich, steht es? Wie warm ist es? Wie hoch ist der Füllstand? Fällt es bald aus? Der Pilottest begann vor mehr als einem Jahr. Das Low Power Network trumpft mit einer sehr hohen Energieeffizienz, einer vergleichbar hohen Reichweite und tiefen Vernetzungskosten auf. Die Technologie hat eine höhere Signalübertragungsreserve (Linkbudget) als andere Technologien. Dies erklärt die verhältnismässig hohe Reichweite und die höhere Toleranz auch bei faradaysch schwierigen Umgebungsbedingungen. Das Modulationsverfahren stammt aus dem Zweiten Weltkrieg und erhielt jüngst wieder Aufwind für eben solche LPWAN- Anwendungen. Ein grosses Plus des Low Power Networks ist seine Unabhängigkeit vom Stromnetz. Eine handelsübliche Batterie genügt, um jahrelang Daten autonom zu übermitteln – kleine Alltagsgegenstände sind nicht mehr von der Vernetzung ausgeschlossen. Ein Bootcamp brachte 60 Firmenteilnehmer aus 50 Firmen nach Lausanne respektive Zürich. An der Street Parade wurde letztes Jahr ein redundantes Tracking für Schutz und Rettung Zürich getestet. Bei einer Teilnehmerzahl von einer Million Menschen geraten Mobilfunknetze an ihr Limit. Eine ganz andere Verwendung sieht ein neues System, Feedback-now, vor: Das Echtzeitsystem für Kundenzufriedenheit erfasst vor Ort Daten, in dem Kunden auf Smileys drücken und damit die Zufriedenheit auf Flughäfen, in Restaurant oder in WC-Anlagen bewerten. Feedback-now übermittelt diese über das Low Power Network auf ein Dashboard. Die auf dem Low Power Network basierende Smiley Box verschafft dem Unternehmen laut eigenen Angaben einen wichtigen Wettbewerbsvorteil hinsichtlich der Installations- und Betriebskosten. Es braucht sich nicht länger um Konnektivität zu kümmern, sondern kann Kunden die batteriebetriebene Box zustellen, und es funktioniert ohne weitere Installation oder Konfiguration. Pilottests mit den SBB Mit den SBB laufen ebenfalls mehrere Pilottests zu Infrastrukturanwendungen. Die verantwortliche Projektleiterin der SBB, Kirsten Dolfus, sagt: «Das Low Power Network ist da, das ‹Window of Opportunity› ist jetzt. Wir haben letzten Herbst mit den ersten Ideen begonnen und hatten bereits wenige Monate später erste Resultate.» Swisscom und die SBB testen zusammen Infrastrukturanwendungen wie Wasserzähler, Beschleunigungssensoren auf Weichenschwellen und Sensoren zur Zustandsüberwachung im Rollmaterial. Simon Prior, Leiter des LPN-Programms bei Swisscom, sagt: «Mit dem Low Power Network haben wir ein hohes Linkbudget. In gemeinsamen Tests war die Datenübermittlung möglich, wo andere Technologien an physikalischen Gegebenheiten wie grossen Metallflächen scheitern.» www.netzwoche.ch © netzmedien ag 15 / 2016

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