Aufrufe
vor 2 Jahren

Netzwoche 15/2017

30 Technology Aktuell

30 Technology Aktuell WWW.NETZWOCHE.CH Microsoft und Facebook lancieren KI-Format osc. Microsoft und Facebook haben bekannt gegeben, zusammen ein Austauschformat für künstliche Intelligenz (KI) und Machine Learning zu schaffen. Wie die Unternehmen auf ihren Websites schreiben, sollen Softwareentwickler mit der Schnittstelle Open Neural Network Exchange (ONNX) einfacheren Zugang zu Tools und Frameworks erhalten. So soll ein einheitliches und offenes Ökosystem für KI-Entwickler entstehen. ▸ Webcode DPF8_57001 Baidu investiert in autonome Autos cgr. Der chinesische Suchmaschinenbetreiber und Softwareanbieter Baidu hat einen Fonds für sein Projekt Apollo aufgelegt. Wie Reuters berichtet, hat dieser ein Volumen von 10 Milliarden Yuan, umgerechnet rund 1,46 Milliarden Franken. Im Projekt Apollo arbeitet Baidu mit Autobauern und Autozulieferern an selbstfahrenden Autos. Das Geld des Fonds soll in 100 Projekte fliessen. ▸ Webcode DPF8_58993 Startschuss für den Digitaltag Andreas Meyer, CEO der SBB, Susanne Ruoff, Postchefin, und Marc Walder von Digitalswitzerland stellten den Digitaltag vor (v. l.). osc. Am 21. November 2017 führt die Standortinitiative Digitalswitzerland zusammen mit 40 Unternehmen und Organisationen erstmalig einen sogenannten «Digitaltag» durch. An verschiedenen Standorten in der ganzen Schweiz soll der Bevölkerung an diesem Datum die Digitalisierung nähergebracht werden. Wie das gehen könnte, zeigten Digitalswitzerland, die SBB und die Schweizerische Post an einer Medienkonferenz am Zürcher Hauptbahnhof. Marc Walder, CEO von Ringier und Initiant von Digitalswitzerland, erklärte zunächst, weshalb es den Digitaltag überhaupt brauche. Die Schweiz sei bei vielen internationalen Rankings zu Wettbewerb, Innovation oder Lebensstandard Spitzenreiter und damit für die Zukunft gut aufgestellt. Ob es dem Land in einer digitalisierten Welt aber gelinge, diese Position zu halten, sei keineswegs sicher. Im «Digitalwagen» von Bern nach Zürich Umso mehr brauche es den Kontakt zwischen Wirtschaft, Technik und Bevölkerung, so Walder. Der Digitaltag sei eine «Kommunikationsoffensive», die in diese Richtung ziele. Die Veranstalter wollen die «Digitalisierung für die Schweiz erlebbar machen» und so eine Diskussion über den Wandel, seine Chancen und Probleme in Gang bringen. Eine zentrale Rolle am Digitaltag sollen die Bahnhöfe spielen. Insbesondere der Zürcher Hauptbahnhof, in dessen Haupthalle eine grosse Ausstellung mit verschiedenen Schwerpunktthemen stattfinden soll. Zum Auftakt werde am 21. November ein «Digitalwagen» mit Bundespräsidentin Doris Leuthard an Bord von Bern nach Zürich fahren. Zusammen mit Wirtschaftsminister Johann Schneider- Ammann werde sie dort den Digitaltag eröffnen. Ängste nehmen und Chancen zeigen Die Medienkonferenz zeigte allerdings auch, dass die Digitalisierung nicht reibungslos verläuft. Besonders die Angst vor dem Verlust von Arbeitsplätzen war ein Thema. Susanne Ruoff meinte, dass es Aufgabe der Unternehmen sei, der Bevölkerung die Angst vor der Digitalisierung zu nehmen und die Vorteile des Wandels zu zeigen. So müsse das Bild des digitalen «Jobkillers» korrigiert werden. Die Post versuche das, indem sie am Digitaltag neu entstandene Berufe zeige. Meyer pflichtete ihr bei. Digitalisierung soll «kein Gespenst» werden, sondern zum «Happy End» führen. Artikel online: www.netzwoche.ch ▸ Webcode DPF8_58787 MÜLLERS KLEINES ABC Y wie Generation Y Christopher Müller Inhaber und CEO von Die Ergonomen Usability AG. Theorie: Eine präzise Definition der Generation Y ist zwar nicht zu finden, aber gemeint ist mehr oder weniger die Generation derjenigen, die zwischen etwa 1980 und 2000 geboren wurden. Man nennt sie auch Millennials und rechnet sie den Digital Natives zu. Sie, so geht die Sage, sollen Kraft ihrer späten Geburt geradezu magische Fähigkeiten im Umgang mit allem Digitalen haben. Virtuell sei ihr Lebensstil und Multitasking ihre Spezialität. Realität: All das sind moderne Mythen, wie wir heute wissen (könnten). Klar, es gibt unter den Millennials die Nerds, denen man so ziemlich alles vorsetzen kann, was auf Bits und Bytes basiert. Egal, wie lausig die Benutzerschnittstelle ist – sie schlängeln sich durch und kommen irgendwie ans Ziel. Aber erstens sind Nerds selbst unter den Digital Natives eine Randgruppe, und zweitens kann man Nerds auch unter dem Rest der Menschheit finden. Wie sich gar immer wieder zeigt, neigen Millennials, wenn’s harzt, eher zu Ratlosigkeit und wildem Herumgeklicke. Dabei unterlaufen ihnen dann mehr Fehler als dem durchschnittlichen Nutzer. Das wird wohl mit der verschiedentlich diagnostizierten verkürzten Aufmerksamkeitsspanne zusammenhängen. Womit wir beim Multitasking angelangt wären. Dass sich Millennials beim Multitasking wohler fühlen, wird eben auch an ihrer Abneigung liegen, länger an einem Problem dranzubleiben. Tatsächlich lässt sich im Labor feststellen, dass sie rascher zwischen mehreren Aufgaben hin- und herspringen. Letztlich arbeiten sie sich aber doch seriell durch, nur halt in kürzeren Sequenzen. Nichtsdestotrotz gibt es immer noch Leute, die meinen, wir müssten nur der Generation Y genau auf die Finger schauen, um zu erfahren, wie die Mensch- Maschine-Schnittstelle der Zukunft aussieht. Fazit: Gute Usability funktioniert weitgehend unabhängig vom Alter – und ergonomisch gibt es von den Millennials wenig Revolutionäres zu lernen. Oder anders ausgedrückt: Wer gute, logische Benutzerschnittstellen schafft, der hat auch die Generation Y im Sack. Artikel online: www.netzwoche.ch ▸ Webcode DPF8_59591 15 / 2017 www.netzwoche.ch © netzmedien ag

Technology Research 31 Industrie 4.0 – noch fehlt es an Transparenz Der Begriff der «Industrie 4.0» oder der «industriellen (R)Evolution» hat den Hype-Status abgelegt. Teile der Fertigungsindustrie sind längst eingestiegen. Die grossen Dienstleister haben sich ebenfalls in Stellung gebracht. Das Rennen um einen Platz und die Vorherrschaft in der Anbieter-Community ist eröffnet. UNTERSTÜTZUNGSBEDARF DURCH EINEN INDUSTRIE-4.0-ANBIETER / -DIENSTLEISTER In welchen Bereichen rechnen Sie mit dem grössten Unterstützungsbedarf durch einen externen Dienstleister? Mehrfachantworten möglich (n = 54 Industrieunternehmen) Integration und Implemen tierung, Projektmanagement Sicherheit und Datenschutz Lösungsberatung / Businessmodelle DER AUTOR Strategieberatung Application-Management Business-Analytics Change-Management Device-Management 3.8 % Philipp A. Ziegler Geschäftsführer, MSM Research AG 15.4 % 11.5% 11.5% 34.6 % 30.8 % 40.4 % 55.8 % Dass wir mittlerweile mit Blick auf das Thema Industrie 4.0 dem reinen Hype Cycle entwachsen sind, überrascht nicht weiter, denn die Digitalisierung hat seit Längerem in der Fertigungsindustrie in der einen oder anderen Ausprägung Einzug gehalten. Automatisierung der Produktion und Robotik sind keine neuen Schlagworte. In grös seren Unternehmen wie etwa der Maschinen- und Automobilindustrie haben diese längst Fuss gefasst. Aber im Fahrwasser der Protagonisten der automatisierten und intelligenten Fertigung bereiten sich viele weitere Segmente der Industrie darauf vor, ins «smarte Business» einzusteigen. Die heute verfügbaren Technologien, wie schnelle und grosse Netze, Lösungen und Plattformen aus der Cloud, stehen auch kleineren und mittleren Unternehmen zur Verfügung. Quelle: MSM Research AG Industrie 5.0? Das Differenzierungspotenzial gegenüber dem Wettbewerbsumfeld ist immens. Der Einzug von immer kostengünstigeren Robotern auch in kleineren und mittleren Unternehmen wird diese Entwicklung noch beschleunigen. Der nächste Schritt im Wettbewerb wird die Nutzung und der Einsatz von künstlicher Intelligenz und sogenannten Deep-Learning-Systemen (umschreibt maschinelles Lernen als einen selbstadaptiven Algorithmus) sein, welche die industrielle Fertigung einem neuen intelligenten und autonom funktionierenden Level zuführen werden. Vielleicht werden wir dies dann Industrie 5.0 nennen. Die «4.0» aber nur auf die «Produktion 4.0» zu beschränken, wäre zu kurz gegriffen. Es geht um mehr. Um Smart Services, ja um das ganze Unternehmen, eigentlich um das «Smart Enterprise». Dazu zählen auch die durchgängige Digitalisierung und Automatisierung der Geschäftsprozesse, angefangen bei der Analyse des Kundenverhaltens und der Nachfrageentwicklung über die Erfassung von Bestellungen und Aufträgen bis zur individualisierten Fertigung, Lieferung und Verrechnung. Keine Transparenz bei den Industrie-4.0-Dienstleistern Unsere neue Studie zur Industrie 4.0 zeigt aber auf, dass bei der Mehrheit der Unternehmen das Thema in seiner ganzen Tiefe, Bandbreite und Vielfalt noch nicht angekommen ist. Für viele Unternehmen steht die Frage im Zentrum, wie aus den kreativen Ideen und ersten Lösungsansätzen praktische, wettbewerbsfähige und kommerziell sinnvolle Business-Cases realisiert werden können. So besteht Beratungsbedarf in den Bereichen Integration, Auswahl der Lösungen, Sicherheit, Datenschutz und auch bei der Schaffung eines neuen Businessmodells. Allerdings ergab die Umfrage zu unserer neuen Studie, dass für rund 30 bis 50 Prozent der befragten Unternehmen noch keine Transparenz am Markt der Anbieter herrscht. Sie waren nicht in der Lage, spontan einen qualifizierten Industrie-4.0-Dienstleister zu nennen. Hier ist enormes Potenzial für Serviceanbieter gegeben, sich mit einem «Starterkit» zu positionieren und Referenzen zu schaffen. Die Karten sind noch längst nicht verteilt. Artikel online: www.netzwoche.ch ▸ Webcode DPF8_59607 www.netzwoche.ch © netzmedien ag 15 / 2017

Archiv