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Netzwoche 15/2017

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32 XXXXXXXXXXX XXXXXXXXXXXX Bild: macrovector / iStock.com FOCUS INTERNET OF THINGS IoT überall cgr. Schon seit einigen Jahren prognostiziert Gartner, dass im Jahr 2020 20 Milliarden Geräte vernetzt sein sollen. Mit dieser kaum vorstellbaren Zahl wird zum Ausdruck gebracht, welche Ausmasse das Internet der Dinge in den nächsten Jahren erreichen soll. In diesem Jahr sollen rund 8,3 Milliarden Geräte vernetzt sein, im kommenden Jahr 11,2 Milliarden, wenn man der Prognose Gartners von Anfang dieses Jahres Glauben schenken mag. Die Entwicklung soll danach noch mehr Fahrt aufnehmen. Eng damit verbunden ist die Debatte um Industrie 4.0 oder Industrie 2025, wie es in der Schweiz häufig heisst. Vernetzte Gegenstände allein bringen aber keinen Vorteil. Erst wenn die Datenflut gebändigt und analysiert wird sowie die Netzwerke darauf ausgelegt sind, dann wird das Internet der Dinge smart. Bereiche wie die Landwirtschaft, Wasserversorgung oder auch Wettervoraussagen zeigen dies schon heute, wie Wilhelm Petersmann, Managing Director von Fujitsu Österreich und Schweiz, in seinem Beitrag schreibt. Wie das IoT der Logistikbranche zugute kommen kann, darüber berichtet Stefan Metzger, Programmleiter Smart City & IoT der Schweizerischen Post. Er nennt das Beispiel von Smart Buttons, die nicht mehr nur bei Konsumgütern, sondern auch im Spital vermehrt zum Einsatz kommen. Otto Schell, Mitglied des Vorstands der DSAG, zeigt auf, dass es im Zeitalter der Industrie 4.0 mehr Allianzen zwischen den Playern geben muss. Gerade für ERP-Systeme fordert er daher eine grössere Offenheit der Anbieter. 15 / 2017 www.netzwoche.ch © netzmedien ag

Focus Internet of Things 33 «Intelligente» Netzwerke schaffen eine «smarte» Welt Die digitale Transformation ist die Allianz von Entwicklungen wie Internet of Things, Industrie 4.0, Big Data oder Künstlicher Intelligenz. Dies wird die Gesellschaft nachhaltig verändern. DER AUTOR Wilhelm Petersmann Managing Director Fujitsu Österreich und Schweiz, VP Fujitsu Im Jahr 2020 sind Menschen, Prozesse, Dinge und Informationen durch rund 50 Milliarden Geräte und eine Billion Sensoren verbunden. Je umfangreicher die Vernetzung, desto grösser die Datenflut. Heute werden rund 16 Zetabyte jährlich neu generiert, im Jahr 2025 wird es etwa die zehnfache Menge sein. Diese – und alle schon vorhandenen – Daten haben einen unschätzbaren Wert; vorausgesetzt, sie werden strukturiert gesammelt und sinnvoll aufbereitet. Die ersten Schritte sind gemacht Basis dafür sind ausser der Vernetzung von «Dingen» leistungsfähige Cloud-Plattformen für die Speicherung, automatisiertes Cloud-Management, Plattformen für Business- Intelligence zur Auswertung von Big Data und neue Businessmodelle. Technologien wie Künstliche Intelligenz, Predictive Analytics und Maintenance unterstützen beim Management, der Umsetzung und Sicherung aller Vorgänge und Prozesse. Das Ergebnis ist eine «intelligente» Umwelt. Menschliche Arbeitskraft setzt die Rahmenbedingungen – der Rest funktioniert automatisch. Das ist, zugegeben, noch eine Vision. Die ersten Schritte aber sind gemacht, wie folgende Beispiele zeigen: Die «smarte» Cloud für die Landwirtschaft: Eine Datenbank liefert langjährig erfasste Wetterdaten (Klima) und Erkenntnisse über den jeweiligen Einfluss auf Ernteerträge. Sensoren messen die aktuellen Bedingungen (Wetter, ph- Wert des Bodens, Luft- und Bodenfeuchtigkeit), Feldkameras liefern Bilder (z. B. Schädlinge). Alle Daten werden in der Bild: a-image / iStock.com Cloud erfasst, über Applikationen ausgewertet und einem «Landwirtschafts-Administrator» zur Verfügung gestellt. Der kann nun anhand einer verlässlichen Datenbasis Entscheidungen treffen – zur Bewässerung, Schädlingsbekämpfung oder zum Erntezeitpunkt. Arbeits- und Energieaufwände können gesenkt, die Erträge um bis zu 200 Prozent gesteigert werden. Digitalisierung steigert Effizienz Die «smarte» Cloud für die Energiewirtschaft: Mit «intelligenten» Stromnetzen (Smart Grids) lässt sich die Zuverlässigkeit der Stromversorgung verbessern, die Einführung erneuerbarer Energien fördern und der Energieverbrauch optimieren. Ein Beispiel hierfür sind Ad-hoc-Netzwerktechnologien, die bei Bedarf automatisch autonome Netze konfigurieren. So lassen sich Probleme bei der Verknüpfung von Stromverbrauchern eliminieren. Smart Metering, also das digitale Erfassen und Steuern von Ressourcenverbrauch und -zufuhr, wird auf Basis der in der Cloud verarbeiteten Daten über Applikationen gesteuert. Auch der professionelle Handel mit Energie wird mit den Cloud-Daten ad hoc einfacher, professioneller und profitabler. Die «smarte» Wasser-Cloud: Vergleichbar mit den Smart Grids im Energiebereich lässt sich auch der Verbrauch und die Aufbereitung von Wasser managen. Die «smarte» Cloud für den Strassenverkehr: Selbstfahrende Autos sind eine vorübergehende Zwischenlösung. «Intelligenter» oder «smarter» Verkehr funktioniert nur als System. Mittels vorhandener Sensorik bei allen Verkehrsteilnehmern werden Daten in der Cloud gesammelt. Hinzu kommen auch GPS-Daten oder sonstige Informationen der Verkehrsüberwachung (z. B. aus Kameras). Diese Art von Big Data wird mit Methoden der Künstlichen Intelligenz und von Predictive Analytics ausgewertet und den Teilnehmern am Strassenverkehr wieder zugespielt – beziehungsweise den im Strassenverkehr eingesetzten «Dingen». Der Verkehr lässt sich dadurch einfacher und ohne lästige Staus regeln, Unfälle werden vorausschauend vermieden, Parkplätze werden automatisch zugewiesen, die Umweltbelastung wird minimiert und die Teilnahme des Menschen am Verkehr funktioniert ohne Stress. Weltweit gibt es bereits verschiedene Ansätze und Versuche dieser Art. In Tokio wird so der Taxi-Betrieb reguliert. www.netzwoche.ch © netzmedien ag 15 / 2017

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