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Netzwoche 15/2017

34 Focus Internet of

34 Focus Internet of Things Nachschub mit nur einem Klick – Smart Buttons und IoT machen’s möglich Wer kennt das nicht? Man steht vor der Kaffeemaschine und will eine Kapsel einlegen – doch da herrscht nur Leere. Jemand hat vergessen, Kaffee nachzubestellen oder den Aufwand gescheut. Das Internet der Dinge (IoT) schafft nun Abhilfe, wie ein Pilotversuch aus der Spitallogistik zeigt. DER AUTOR Stefan Metzger Programmleiter Smart City & IoT, Schweizerische Post Einige Kaffeemaschinen können schon heute selbst Kaffeekapseln nachbestellen oder den Servicetechniker rufen. Ein Zürcher Spital hat zahlreiche Medizinalgüterschränke mit Smart Buttons ausgestattet – also mit kabellosen Druckknöpfen, die über eine Low-Power-Internetverbindung verfügen. Die Pflegekräfte betätigten jeweils den entsprechenden Knopf, wenn medizinisches Verbrauchsmaterial zur Neige ging. In der Folge erhält der Lieferant via Internet eine Meldung und schickt Nachschub. Die Bestellung wurde so zu einer raschen, unkomplizierten Angelegenheit. Ob in der geschäftlichen Lagerlogistik, zuhause bei Verbrauchsgütern oder bei Serviceleistungen – zahllose Anwendungsmöglichkeiten sind denkbar. In einem aktuell laufenden Praxistest etwa können Privathaushalte mittels Smart Button Mineralwasser nachbestellen. Und in der Immobilienbewirtschaftung bereits eingesetzt werden Modelle von Kaffeemaschinen und anderen Geräten, die im Störungsfall das Benachrichtigen eines Servicetechnikers erlauben. Doch die Übermittlung der Informationen muss keineswegs immer von Menschenhand ausgelöst werden. Denn über das Internet der Dinge können Geräte auch autonom Benachrichtigungen versenden. So ist es etwa möglich, dass ein Lift selbstständig die Servicetechniker verständigt, wenn eine Störung auftritt. Oder um auf das Beispiel mit der Spitallogistik zurückzukommen: Denkbar sind etwa Sensoren im Schrank, die automatisch Nachbestellungen ordern, sobald eine Untergrenze erreicht ist. Smarte Pakete als weiteres Anwendungsfeld Auch in der Sendungsverfolgung eröffnet das Internet der Dinge neue Perspektiven. So kann ein mobiler Sensor, der einem Paket beigelegt wird, während des Transports laufend Werte wie etwa die Temperatur messen. Dadurch kann etwa sichergestellt werden, dass verderbliche Waren durchgängig gekühlt sind. Falls nicht, löst der Sensor eine Benachrichtigung aus. Und im Falle sensibler Sendungen verschickt er eine Warnung, sollte ein Paket unerlaubterweise geöffnet werden. Ermöglicht werden diese kundenfreundlichen, auf Einfachheit ausgerichteten Lösungen durch ein Low Power Network (LPN), das ähnlich dem Mobilfunknetz das ganze Land abdeckt, jedoch auf deutlich geringeren Sendeleistungen und Datenmengen basiert. Ein Telefongespräch etwa wäre über dieses Netzwerk nicht möglich, die Übermittlung von kleinen Datenpaketen wie Positionsangaben oder Nachbestellungen hingegen klappt problemlos. In der Schweiz sind Swisscom und die Post aktuell daran, gemeinsam ein entsprechendes Netzwerk aufzubauen. Wege zur Smart City Durch Anwendungen wie die Beschriebenen trägt das IoT auch dazu bei, eine Smart City tatsächlich smart zu machen. Postdienstleister und Logistikanbieter können hierzu einen ganz zentralen Beitrag leisten. Sie fahren täglich mit den unterschiedlichsten Fahrzeugen durch die ganze Schweiz und betreiben teilweise ein grosses Netz an Zugangspunkten. Wird diese dichte physische Präsenz noch besser vernetzt, hat dies ein grosses Potenzial. So könnten in Zukunft etwa Daten zur Luftqualität oder Lärmbelastung erhoben werden, um davon ausgehend smarte Lösungen für die Probleme und Bedürfnisse von Städten zu entwickeln. 15 / 2017 www.netzwoche.ch © netzmedien ag

Focus Internet of Things 35 Was bringen Allianzen mit der Softwareindustrie? Heute ist alles vernetzt. Die Schlagwörter lauten Industrie 4.0, IoT, Big Data oder In-Memory-Computing. Klassische unternehmensinterne Schnittstellen werden zunehmend durch Netzwerke und Cloud ersetzt. Wie sieht die digitale Zukunft für Unternehmen aus, und welche Rolle spielen Allianzen mit Softwareherstellern? Bild: bakhtiarzein / Fotolia.com Partner freigegeben. Für mich ist klar: Backend-Prozesse wie Abrechnung, Einkauf oder Reisekostenmanagement werden künftig in Netzwerken erfolgen. Ich gehe davon aus, dass künstliche Intelligenz (KI) künftig eine wesentliche Rolle für ERP-Prozesse spielen wird und manuelle Transaktionen zunehmend durch Robotics und Process Mining ersetzt werden. Man müsste ein ERP-System befähigen, transaktionelle Prozesse abzulösen. Man könnte etwa KI-Algorithmen einsetzen. Diese könnten unter anderem Reports lesen und manuell Massnahmen anstossen. Ausserdem könnte KI die Zeiten beenden, in denen Daten aus dem ERP-System geholt und in Excel gegengerechnet oder weitergenutzt werden. Ich glaube jedoch nicht, dass es einen grossen Hersteller gibt, der das alles stemmen kann. DER AUTOR Otto Schell Mitglied des Vorstands der DSAG, deutschsprachige SAP-Anwendergruppe Industrie 4.0 oder das übergeordnete Internet of Things (IoT) sind Synonyme für die rasanten Veränderungen in der Geschäftswelt. Die Digitalisierung löst bekannte Rahmenbedingungen auf, und die zusätzliche Transparenz sorgt für mehr Druck. Disruption ist hier das Stichwort. Doch IoT bringt nicht nur Vorteile. Unternehmen müssen sich im Klaren darüber sein, dass damit eine Transparenz einhergeht, die sie bis heute nicht kannten. Nicht nur Unternehmen selbst sehen ihr Geschäftsmodell, ihre Preise, Gewinnspannen und Potenziale klarer, sondern eben auch der Wettbewerb und die Kunden. Eine Folge davon ist die Entstehung vieler neuer Wettbewerber. Sie verdrängen Marktführer und machen «digitalen Nachzüglern» das Leben schwer. Das wird deutlich, wenn man sich etwa die meist noch konservativen Distributionskanäle ansieht, die derzeit von einer «Omni-Channel»-Welt überrannt werden. Trotzdem sind Organisationen immer noch zurückhaltend, denn für viele bleibt die Frage unbeantwortet, wie man klassische On-Premise-ERP in ein Digitalisierungsdenken übersetzen kann. Die künftige Rolle der ERP-Systeme Der Ausdruck «ERP» ist meiner Ansicht nach überholt. Um künftig noch eine Rolle zu spielen, muss sich das ERP öffnen. Alle Prozesse und Transaktionen, die nicht zum Kern gehören, werden schon jetzt über Cloud-Applikationen für Daten flexibel austauschen Allianzen mit der Softwareindustrie sind im Hinblick auf die Digitalisierung unabdingbar. Unternehmen stehen vor der Herausforderung, dass sie Standards benötigen, um vernünftig digitalisieren zu können. Die Vernetzung muss funktionieren und Daten müssen flexibel austauschbar sein. Durch Allianzen zwischen Anwendern und Softwareherstellern lassen sich hier Potenziale heben. Wir fordern etwa im Hinblick auf die Digitalisierung die Möglichkeit zur Integration über den Standard hinausgehender Komponenten (auch von Nicht-SAP-Plattformen) sowie eine flexible Datenstruktur, die intern durch externe Datenstrukturen erweitert und auch in den Standardprozess eingebunden werden kann. Unternehmen – ganz egal, welche Stufe der Digitalisierung sie bisher erreicht haben – sollen das Unbekannte wagen. Sie müssen ihren Blick auf das gesamte Unternehmen richten, ein Digitalisierungskonzept entwickeln und eine neue oder zumindest eine an die neuen Anforderungen angepasste IT-Architektur etablieren. Die Zeiten des Silo-Denkens sind vorbei. Den Digitalisierungsweg konsequent zu gehen, bedeutet, dass sich Unternehmen schnell darüber klar werden müssen, wo sie sich im Moment tatsächlich befinden – und wohin sie möchten. Die Möglichkeiten des IoT sind immens – der Handlungsbedarf in vielen Unternehmen im Moment aber leider auch noch. Allianzen mit der Softwareindustrie sind im Hinblick auf die Digitalisierung unabdingbar. www.netzwoche.ch © netzmedien ag 15 / 2017

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