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Netzwoche 15/2020

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14 People Live « Damit

14 People Live « Damit sich eine Technologie durchsetzt, braucht es Zeit, viele Iterationen – und Leichen » Seit Juni 2019 gehört Marc van Nuffels Digitalagentur Du Da zu Farner Consulting. Van Nuffel, nach wie vor CEO von Du Da, stieg dort als Chief Technology Officer ein, und wurde im Januar zum Chief Information Officer berufen. Im Interview gibt er Einblick in seine Tätigkeit, schätzt den Blockchain-Markt ein und verrät die Stossrichtung seiner kommenden Projekte. Interview: René Jaun « Wir leben die Passion, dass Kommunikation und Technologie sich gegenseitig befruchten und beschleunigen. » i Marc van Nuffel, CIO, Farner Consulting / CEO, Du Da ZUR PERSON Marc van Nuffel ist Gründer und seit 2003 CEO der Digitalagentur Du Da. 2015 startete er zudem das Unternehmen Karma.run, das sich auf Daten und Blockchain spezialisiert hat. Van Nuffel wohnt in Zürich, ist verheiratet und Vater von drei Kindern. Das Interview finden Sie auch online www.netzwoche.ch Sie sind seit Januar 2020 CIO von Farner. Gut zwei Monate nach Ihrem Stellenantritt wurde die Schweiz vom Coronavirus eingeholt. Wie haben Sie die vergangenen Monate erlebt? Marc van Nuffel: Wir waren sehr gut vorbereitet. Farner hat heute neun Standorte und unsere Mitarbeitenden sind viel unterwegs und müssen remote arbeiten können. Aber die Situation hat – wie überall – einiges in der digitalen Transformation des Unternehmens noch stärker beschleunigt. Das ganze Team nahm diese Veränderungen in kürzester Zeit an, normalerweise rechnet man bei Prozessänderungen mit mehr Reibungsverlust. Es war auch sehr schön zu sehen, dass in Zeiten der Ungewissheit jede und jeder Verantwortung übernimmt und die Hilfsbereitschaft untereinander zugenommen hat. Wie hat sich Ihr Alltag durch die Coronakrise verändert? Im Tagesgeschäft, aufseiten der IT und Entwicklung, herzlich wenig. Wir sind es gewohnt, dezentral Remote Work zu erledigen. Mir fehlt aber der spontane Austausch und das Bauchgefühl beim Führen der Mitarbeitenden. Zudem muss ich viel öfter zwischen Sitzungen, Aufgaben und familiären Verpflichtungen jonglieren, was sehr herausfordernd ist. Vor bald einem Jahr verkauften Sie Du Da an Farner, sind aber nach wie vor CEO. Wie hat sich Ihre Rolle durch den Verkauf verändert? Ich persönlich bin in meiner Arbeitsweise sicher strukturierter geworden und schätze das grosse Vertrauen, das uns von Farner entgegengebracht wird. Dann sind die Projekte sehr viel interdisziplinärer geworden und die Zusammenarbeit über Units und Regionen hinweg hat sich verstärkt. Wir leben die Passion, dass Kommunikation und Technologie sich gegenseitig befruchten und beschleunigen. Und wir sind überzeugt, dass unsere Kunden in der Folge davon profitieren, mit Farner die kompletteste Agentur des Landes an ihrer Seite zu haben. Ansonsten glaube ich, immer noch der Alte zu sein, einfach mit vielfältigen Möglichkeiten und einem starken Team im Rücken. Bei Farner wiederum stiegen Sie als CTO ein und wurden nun zum CIO. Steckt da mehr dahinter als eine neue Jobbezeichnung? Der Job als CIO ist mehr strategischer Natur. Wir haben nach gut einem halben Jahr beschlossen, den CTO-Posten im Laufe des Jahres 2020 neu zu besetzen, da dieser im operativen Geschäft mehr Zeit braucht, als ich zur Verfügung habe. Meine Zeit soll und will ich verstärkt dem Neukunden geschäft sowie der Co-Creation von Du Da und Farner widmen. Was macht eigentlich ein CIO einer Kommunikations agentur? Man trifft strategische Entscheidungen im Tech Stack, zum Tooling und zum Pipeline Management. Ich bin auch Komplize, Mediator, Dompteur und Anwalt, um den Nutzen der digitalen Transformation aufzuzeigen, Vorbehalte und Ängste zu minimieren und alle betroffenen Parteien ins Boot zu holen. Was ist Ihr oberstes Ziel als CIO bei Farner? Es ist mir ein grosses Anliegen, dass die Mitarbeitenden mit der IT-Landschaft vertraut sind und sich darin intuitiv zurechtfinden. Die IT soll die Mitarbeitenden befähigen und ihnen den Arbeitsalltag erleichtern. Dies betrifft die Wahl der richtigen Tools ebenso wie den Wissenstransfer und bedingt ein hohes Mass an Eigenverantwortung bei den Mitarbeitenden. Es arbeiten aktuell mehr als 190 Menschen bei Farner. Mit welcher Strategie verwalten Sie die IT so vieler Mitarbeitenden? Bei Farner haben wir mit sehr vielen sensiblen Daten zu tun. In der Vergangenheit war die IT- Policy deshalb sehr restriktiv. Nun lockern wir diese laufend – in einem geordneten Rahmen, versteht sich – und zwar so, dass wir sowohl dem Bedürfnis nach Flexibilität wie nach Datensicherheit gerecht werden. Das Unternehmen soll sich nicht am kleinsten sicheren Nenner ausrichten, da sonst der Effizienzfaktor stark leidet. Die IT-Stra- 15 / 2020 www.netzwoche.ch © netzmedien ag

People Live 15 « Das Unternehmen soll sich nicht am kleinsten sicheren Nenner ausrichten. » Marc van Nuffel, CIO, Farner Consulting / CEO, Du Da tegie sollte verhältnismässig und angemessen an die Projekte und die jeweiligen Vorgaben der Kunden sein. Das ist heute möglich. Was ist die grösste Herausforderung für Sie als Farner-CIO? Die richtigen Eisen zur richtigen Zeit aus dem Feuer zu nehmen. Den Blick für die wichtigen Dinge nicht zu verlieren, auch wenn alle Probleme gleichzeitig nach Lösungen schreien. Zum Beispiel der hoch überentwickelte Lichtschalter im Farner LAB, der kaputt ging und den wochenlang niemand reparieren konnte. Helfen Sie auch bei der digitalen Transformation von Farner mit? Die digitale Transformation ist ein immerwährender Prozess. Zurzeit stehen sicher Omnichannel, Automatisierung und Daten-Coopetition weit oben auf unserer Agenda. Dazu muss ein Unternehmen stetig Legacy, Daten- und Prozess-Inkonsistenz abbauen, das heisst, hinten aufräumen, damit vorne die Progression schneller wird. Sie arbeiten oft mit Daten, experimentieren auch mal mit der Blockchain. Wie hilft Ihnen dieses Wissen bei Farner? Daten sind unser aller Rohöl! Gerade in Bezug auf Ideen und Umsetzungen im Bereich Change, Marketing, Automatisierung und Content Distribution ist ein tiefgreifendes Wissen unerlässlich. Bezüglich Blockchain haben wir soeben ein innovatives App-Produkt namens «ecoo» lanciert, indem wir lokale Zahlungsmittel für die öffentliche Hand alltagstauglich und für jedermann zugänglich machen, dies im Rahmen von Anreizen für das lokale Gewerbe in Städten und Gemeinden. Die Stadt Wetzikon mit ihren 25 000 Einwohnern übernimmt diesbezüglich eine Vorreiterrolle. Zeit-, orts- und zweckgebundene Zahlungsmittel haben in vielen Anwendungsfällen ein grosses Potenzial! Sie sind auch Gründer von Karma.run, einem Unternehmen, das sich auf moderne Datenbanken und die Blockchain spezialisiert hat. Für wen entwickeln Sie diese Lösung? Das Unternehmen hat sich in den letzten Monaten und Jahren zum Provider einer modernen Open- Source-Newsroom-Software entwickelt. Diese wird aktuell im Rahmen der Förderung von kleinen und mittleren Newsprovidern sowie Verlagen unter der Nutzung des We.publish-CMS genutzt. Im Kern steht das Anliegen, dass sich unterschiedliche Redaktionen in verschiedenen Peering-Netzen zusammenschliessen und redaktionelle Beträge teilen können und so dezentral strukturierte Content-Portale geschaffen werden können. Es ermöglicht zudem globale Debatten auf einem Beitrag. Wir glauben sehr an dieses Konzept, es ist gelebte Data Coopetition. Das Konzept ist auch sehr spannend für Unternehmen mit Ablegern, die regional individuelle Bedürfnisse haben und diese dennoch in einem globalen www.netzwoche.ch © netzmedien ag 15 / 2020

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