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Netzwoche 16/2020

Seite 1 12 Business

Seite 1 12 Business Research Herbstzeit, Budgetzeit – alles wie immer? Normalerweise beginnen für die meisten Unternehmen im Herbst die Budget- und Planspiele für das kommende Jahr. In diesem Jahr läuft dies nicht wie gewohnt, kein Business as usual. Die Coronakrise hat vieles verändert, der Blick auf das kommende Jahr verlangt nach einem «new approach». Es wird eine neue Normalität geben und der Weg dahin wird nicht den Mustern und der Gangart vorhergehender Krisen folgen. DER AUTOR - Philipp A. Ziegler Geschäftsführer, MSM Research Wie lange der Corona-Einfluss noch anhalten wird, lässt sich heute noch nicht vorhersagen. Eine Entwicklung, die der gewohnten Planungssicherheit den Boden entzieht. Für viele Unternehmen ist auf dieser volatilen Basis Sichtflug angesagt. Kurzfristige Kurskorrekturen gehören zur Tagesordnung. Bisheriges gilt nicht mehr, und wie fundamental und nachhaltig die ökonomischen und gesellschaftlichen Veränderungen sein werden, lässt sich nicht vorhersehen. Es liegen uns zwar eine Unmenge an Daten zur Coronakrise vor, wir verfügen über Berge an statistischen Fakten – allerdings fehlt es uns an Wissen, Erfahrung und Erkenntnis, mit einer Krise dieser Art und dieses globalen Ausmasses umzugehen. So manche der neuen Verhaltensmuster werden unsere Gesellschaft und unsere Arbeitswelt nachhaltig prägen. DER CORONA IMPACT - DIE ENTWICKLUNG DER AUSGABEN FÜR CLOUD SERVICES Wie sehen Sie die Entwicklung der Cloud-Ausgaben vor dem Hintergrund der Corona-Krise? Nur 1 Antwort möglich. n=100 Quelle: MSM Research 43% 58 % 43% 40 % 2 % 43% Ausgaben werden steigen Ausgaben bleiben unverändert Ausgaben werden gekürzt und sinken Schrumpfung der ICT-Ausgaben Der Corona-Impact auf den Schweizer ICT-Markt wird im laufenden Jahr Spuren hinterlassen. Auch wenn die Wirtschaftsprognosen und unser Forecast vom Frühjahr mittlerweile wieder etwas weniger negativ ausfallen, die Ausgaben und Investitionen in vielen Branchen werden 2020 deutlich unter denjenigen des Vorjahres ausfallen. In unserem aktuellen Basisszenario zur Entwicklung des Schweizer ICT-Marktes (B2B) gehen wir von einer Schrumpfung der ICT-Ausgaben um 4,2 Prozent aus. Allerdings werden nicht alle Segmente des ICT-Marktes unter der allgemeinen Negativentwicklung leiden. Die zur Verfügung stehenden Mittel richtig eingesetzt, wird die ICT zum entscheidenden Treiber der Differenzierung und Wertschöpfung. Steigerung der Ausgaben für Sicherheit und Services Das Coronavirus hat die Arbeitswelt nachhaltig beeinflusst und verändert. Die Ausgaben für Lösungen in den Bereichen Workplace (Homeoffice), Zusammenarbeit (Geschäftsprozesse) und Kommunikation (Videoconferencing) werden im laufenden Jahr überdurchschnittlich zulegen. Die Krise hat in vielen Bereichen die Digitalisierung schneller vorangebracht als alle anderen Einflussfaktoren zuvor. So sind die Cloud-Services und auch die ICT-Sicherheit vom allgemeinen Negativsog nicht nur verschont geblieben, sondern sie haben auch überdurchschnittlich zugelegt. 51 Prozent der im Rahmen unserer aktuellen Studienarbeiten befragten Unternehmen planen, die Ausgaben für ICT-Sicherheit vor dem Hintergrund der Coronakrise weiter zu erhöhen. Und 58 Prozent planen eine weitere Aufstockung ihrer Ausgaben für die Inanspruchnahme von Cloud-Services. In der Krise kann die ICT zum eigentlichen Game Changer werden. Die zur Verfügung stehenden Mittel richtig eingesetzt, wird sie zum entscheidenden Treiber der Differenzierung und Wertschöpfung. Angesagt ist deshalb nicht eine weitere Konsolidierung bestehender Modelle, Lösungen und Umgebungen, sondern eine Ausrichtung auf die neue Normalität der Zukunft. Den Beitrag finden Sie auch online www.netzwoche.ch 16 / 2020 www.netzwoche.ch © netzmedien ag

Business Nachgefragt 13 « Corona brachte ein Umdenken in Richtung Agilität » Der Herbstevent von Eurocloud Swiss will Start-ups die Chancen der Cloud aufzeigen. Was die Besucher am Event erwartet, erklären Primo Amrein, Cloud Lead bei Microsoft Schweiz, und Martin Andenmatten, Präsident von Eurocloud Swiss. Interview: Joel Orizet Der Herbstevent von Eurocloud Swiss steht unter dem Motto: «Start-up – Cloud als Chance». Inwiefern können cloudbasierte Geschäftsmodelle Jungunternehmen helfen, auch in Zeiten von Corona erfolgreich zu sein? Primo Amrein: Während des Corona-Lockdowns hat sich gezeigt, dass Firmen von der Flexibilität und der Ortsunabhängigkeit der Cloud stark profitieren konnten. Corona brachte vielerorts ein Umdenken in Richtung verstärkte Agilität und Digitalisierung von zuvor papier- oder kontaktbezogenen Prozessen. Bereits vor Corona haben viele Start-ups die Vorteile der Cloud entdeckt, insbesondere was die nutzungsgerechte Abrechnung oder die Skalierung betrifft. Jungunternehmen haben einen gewissen Vorteil, da sie typischerweise weniger Altlasten haben und sich häufig schneller an neuen Gegebenheiten wie Corona ausrichten können. Hierbei unterstützt sie die Cloud definitiv. Was sind die grössten Herausforderungen, denen sich Cloud- Start-ups stellen müssen? Amrein: In meinen Augen sind dies die Themen Sicherheit und Daten-Governance. Im Bereich Cybersecurity zeigt sich, dass es sich lohnt, einen sauberen Fokus auf die richtige Technologie zu setzen. Auch wenn die Cloud in der Zwischenzeit Security-Vorteile gegenüber On-premise– Systemen mit sich bringt, ist die End-to-End-Security letztlich immer eine geteilte Verantwortung mit dem Kunden. In der Anfangsphase eines Start-ups besteht die Gefahr, dass die Daten-Governance nicht höchste Priorität hat. Dies kann sich rächen in einer späteren Phase. Mit weiterem Wachstum will man mehr Nutzen aus den Daten ziehen. Dies funktioniert nur, wenn man die richtigen Daten an der richtigen Stelle erfasst und dies gezielt aufbaut. Dazu gehören eine klare Datenstruktur und -kategorisierung, fortlaufende Datenpflege, Messbarkeit der Datenqualität, geeignete organisatorische Massnahmen im Betrieb sowie zugewiesene Rollen und Verantwortlichkeiten. Dies ist eine wichtige Basis, um künftig einen Mehrwert aus den Daten zu ziehen, etwa für interne Optimierungen oder den Verkauf von Daten-Insights. Was erwartet die Besucher am Herbstevent von Eurocloud Swiss? Martin Andenmatten: Neben zwei spannenden Keynotes von Primo Amrein von Microsoft und Marcel Dopple von Swisscom zum Thema Cloud als Chance für Start-ups liegt der Fokus im zweiten Teil der Veranstaltung auf einer Podiumsdiskussion mit Archlet, Optimyze, Desktop Studio und Tribework. Dies sind alles Start-ups, die Cloud als Basis ihrer Geschäftsidee gewählt haben. Es geht in der Diskussion weniger um die einzelnen Business-Ideen, sondern vielmehr um die gemachten Erfahrungen bei der Wahl der Cloud und die Unterstützung durch den Provider. Sind internationale Hyperscaler für Start-ups im Vorteil gegenüber lokalen Anbietern? Was sind die Kriterien bei der Wahl, und welche Erfahrungen wurden im Laufe der Zeit gemacht? Diese Fragestellungen interessieren nicht nur potenzielle Gründer von Start-ups, sondern insbesondere auch Entscheider aus etablierten Unternehmen, die bei der Realisierung von neuen Geschäftsideen im eigenen Unternehmen nicht bloss den traditionellen Denkmustern folgen und sich hier inspirieren lassen wollen. Worüber freuen Sie sich am meisten? Amrein: Ganz klar über die Interaktion mit den Teilnehmenden. Ich hoffe auf zahlreiche Fragen aufgrund meiner Keynote und eine spannende Diskussion im Anschluss über die Erfahrungen der teilnehmenden Start-ups in der Cloud. Martin Andenmatten, Präsident von Eurocloud Swiss (l.), und Primo Amrein, Cloud Lead bei Microsoft Schweiz. Das vollständige Interview finden Sie online www.netzwoche.ch www.netzwoche.ch © netzmedien ag 16 / 2020

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