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Netzwoche 16/2020

10 Business Aktuell

10 Business Aktuell Mitglieder von Digitalswitzerland und ICT-Switzerland bestätigen Fusion Digitalswitzerland und ICT-Switzerland schliessen sich zusammen. Unter dem Namen Digitalswitzerland wird die Dachorganisation 220 Mitglieder umfassen. Autor: Kevin Fischer Die beiden Organisationen schliessen sich unter dem Namen Digitalswitzerland zur Dachorgani sation der digitalen Schweiz mit neu 220 Mitgliedern zusammen. Den vollständigen Artikel finden Sie online www.netzwoche.ch Bild: vege / Fotolia Die Mitgliederversammlungen von Digitalswitzerland und ICT-Switzerland haben die Fusion beschlossen. Gemäss Mitteilung bündelt die neue Dachorganisation unter dem Namen Digitalswitzerland die Kräfte von 220 Mitgliedern aus Wirtschaft, öffentlicher Hand, Nichtregierungsorganisationen und Verbänden sowie Forschung und Lehre. Digitalswitzerland werde sich verstärkt für die Schweiz als digitalen Forschungs- und Innovationsstandort einsetzen. Konkret soll die neue Dachorganisation besonders den öffentlichen Dialog mit den Schweizer Digitaltagen und weiteren Kanälen ausbauen, sich auf politischer Ebene stärker für Digitalthemen engagieren (etwa für die rasche Einführung der E-ID), die MINT-Berufsbildung (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik) verstärken und das Start-up-Ökosystem in der Schweiz fördern. Beide Aufgabenfelder werden gebündelt Nachdem im Juli die Absichtserklärung unterzeichnet worden war, bestätigten nun auch die Mitglieder beider Organisationen das Fusionsvorhaben. Als Standortinitiative habe sich Digitalswitzerland bisher dafür eingesetzt, die Schweiz zu einem international erfolgreichen digitalen Innovationshub zu etablieren. ICT-Switzerland habe ausgewählte und übergreifende Themen der Digitalisierung gegenüber Gesellschaft, Politik und Wirtschaft vertreten. Der Dachverband habe einen speziellen Fokus auf Cybersecurity sowie auf die Aus- und Weiterbildung von ICT-Fachkräften gelegt. Mit der Fusion würden die beiden Stossrichtungen gebündelt. Die beiden Organisationen schliessen sich laut Mitteilung unter dem Namen Digitalswitzerland zur relevantesten Dachorganisation der digitalen Schweiz mit neu 220 Mitgliedern zusammen. Die Fusion ermöglicht eine ganzheitliche Vernetzung im digitalen Ökosystem aller Branchen und der öffentlichen Verwaltung. Damit werde die Positionierung der Schweiz als Digital- und Innovationsstandort im In- und Ausland gestärkt. Präsident von Digitalswitzerland bleibt gemäss Mitteilung Ivo Furrer, Vizepräsident wird der bisherige ICT- Switzerland-Präsident, Nationalrat Marcel Dobler. Die Dachorganisation will ausgesuchte Fähigkeiten und Themen vertiefen, mit denen die Schweiz glaubwürdig als führender digitaler Forschungs- und Innovationsstandort positioniert und gestärkt werden könne. Im Fokus steht unter anderem die Entwicklung und Umsetzung von Massnahmen zur Steigerung der Ausbildungszahlen von MINT-Fachkräften auf allen Stufen des Bildungssystems mit dem Ziel der Deckung des Fachkräftebedarfs. Auch der Ausbau des digitalen Ökosystems soll durch sektorübergreifende Zusammenarbeit vorangebracht werden, um kontinuierlich Innovation zu ermöglichen. Zudem engagiere sich die Organisation verstärkt für die Erhöhung der Cyberresilienz von Staat, Wirtschaft und Gesellschaft und für die Einhaltung ethischer Standards in der digitalen Welt. Der öffentliche Dialog mit der Schweizer Bevölkerung soll dank der landesweit stattfindenden Schweizer Digitaltage intensiviert werden. Auch das Start-up-Ökosystem werde weiterhin gefördert, damit Jungunternehmer hinsichtlich Wachstum und Skalierung optimale Unterstützung erhalten. Auf dem politischen Parkett werde man sich für die digitalen Themen und Anliegen der Digitalswitzerland-Mitglieder starkmachen. Ein erstes gemeinsames Engagement ist die rasche Einführung der staatlich anerkannten und geprüften E-ID. Die Fusion wurde per 1. Oktober beschlossen und soll bis Ende 2020 vollzogen sein. Die Dachorganisation werde künftig drei Geschäftsstellen an den Standorten Lausanne, Bern und Zürich haben. Nicolas Bürer übernimmt demnach die Gesamtverantwortung für Digitalswitzerland. 16 / 2020 www.netzwoche.ch © netzmedien ag

Business Aktuell 11 Begrenzungsinitiative ist vom Tisch: Hier besteht jetzt Handlungsbedarf Nachdem das Stimmvolk die Begrenzungsinitiative verworfen hat, geht ein Aufatmen durch die Reihen der Gegner. Die Initianten warnen derweil vor der «Zehn-Millionen-Schweiz» und hoher Arbeitslosigkeit. Autor: René Jaun Die Volksinitiative für eine massvolle Zuwanderung ist gescheitert. Mit einem Nein-Stimmen-Anteil von 61,7 Prozent verwarf das Stimmvolk das Begehren. Die Stimmbeteiligung lag bei 59,5 Prozent. Ein Ja zur Begrenzungsinitiative hätte der Schweizer IT-Branche geschadet, hiess es in einer gemeinsamen Mitteilung der Verbände Asut, ICT-Switzerland, Swico und Swiss-ICT. Ohne die Personenfreizügigkeit würde sich der Fachkräftemangel drastisch zuspitzen. Im Podcast warnten Swico-Geschäftsführerin Judith Bellaiche und Swiss-ICT-Vorstandsmitglied Kathy Riklin: Man sei auf IT-Fachkräfte aus dem Ausland angewiesen, und im Falle einer Kontingentierung könnten Schweizer Unternehmen verstärkt ihre IT ins Ausland auslagern. Auf Anfrage zeigt sich Bellaiche nun erleichtert über den Ausgang der Abstimmung: «Auch wenn sich das Resultat im Vorfeld schon abzeichnete – wir sind auch schon überrascht worden, und ich hatte mir schon etwas Sorgen gemacht.» Sie freue sich, dass die Bevölkerung die Vorzüge der Bilateralen erkenne, und fügt an: «Für den Innovationsstandort Schweiz ist das Resultat ein wichtiges Signal.» « Für den Innovationsstandort Schweiz ist das Resultat ein wichtiges Signal. » Judith Bellaiche, Geschäftsführerin Swico und Nationalrätin (GLP/ZH) Keine Lockerung der Drittstaatenkontingente Aufseiten der Befürworter der Initiative argumentierte Franz Grüter, Vizepräsident von ICT-Switzerland. Viele IT-Unternehmen hätten heute Mühe, die besten Fachkräfte aus Nicht-EU-Staaten in die Schweiz zu holen. Grund sei die strenge Kontingentierung auf Arbeitnehmer dieser Länder, welche die Schweiz nicht zuletzt aufgrund der Personenfreizügigkeit mit der EU anwende. Wäre die Initiative angenommen worden, hätte man im Gegenzug die Drittstaatenkontingentierung lockern können. Daraus wird nun aber nichts: Es werde alles so weiterlaufen wie bisher, schreibt Grüter auf die Frage, was das Abstimmungsresultat für die IT-Branche bedeutet. «Auch bei den restriktiven Drittstaatenkontigenten dürfte es keine Lockerungen geben.» Weiter warnt er: «Gemäss Bundesamt für Statistik werden wir 2035 eine ‹10-Millionen- Schweiz› haben. Und die Arbeitslosigkeit wird in der Schweiz leider weiter stark ansteigen.» Keine Zeit zum Ausruhen Es gelte, das Resultat zu akzeptieren, schreibt Grüter, «das gehört zum Wesen der Demokratie. Es steht bereits die nächste Herausforderung mit dem EU-Rahmenabkommen vor der Tür. Dabei werden wir ins Knochenmark unserer Demokratie vorstossen.» Das Rahmenabkommen fordere die Eigenständigkeit der Schweiz heraus, insbesondere dann, wenn mit dem Abkommen eine automatische, dynamische Rechtsübernahme aus der EU eingeführt werde. Auch Bellaiche sieht weiterhin Handlungsbedarf auf politischer Ebene: «Wir dürfen uns nichts vormachen: Das Resultat war zwar deutlich. Aber die bestehenden bilateralen Verträge werden über die Jahre auch so erodieren.» Es sei wichtig, die Beziehungen mit der EU zu pflegen, um den Wirtschaftsstandort Schweiz in seiner heutigen Stärke zu erhalten – «sonst stehen wir in einigen Jahren dort, wo uns auch die Initiative hingebracht hätte, nämlich im Abseits.» Den Artikel finden Sie auch online www.netzwoche.ch Äussern sich zu möglichen Folgen der Begrenzungsinitiative auf die ICT-Branche: Kathy Riklin, Franz Grüter und Judith Bellaiche (v. l.). www.netzwoche.ch © netzmedien ag 16 / 2020

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