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Netzwoche 17/2017

14 Business Konferenz

14 Business Konferenz Das Podium: Matthias Stürmer, Franz Grüter, Katharina Nocun, Sylvie Reinhard, Clara Vuillemin und Balthasar Glättli (v. l.). Erste «Dinacon» stellt digitale Nachhaltigkeit ins Zentrum An der ersten Dinacon hat sich alles um die digitale Nachhaltigkeit gedreht. Open Source, offene Plattformen und offene Daten waren die Hauptthemen. Auch traten prominente Politiker am Event auf. Erstmals wurden die Dinacon Awards vergeben, die Nachfolge-Auszeichnungen der CH Open Source Awards. Autor: Christoph Grau Artikel online auf www.netzwoche.ch Webcode DPF8_64339, DPF8_64301 Am Freitag, dem 20. Oktober, ist die erste Dinacon in Bern über die Bühne gegangen. Federführend in der Organisation der Veranstaltung war Matthias Stürmer, Leiter der Forschungsstelle Digitale Nachhaltigkeit am Institut für Wirtschaftsinformatik der Universität Bern. So beruht auch der Name der Veranstaltung auf den Anfangsbuchstaben des Begriffs digitale Nachhaltigkeit «Dina». Die Konferenz fand im Work Space der Welle 7 in Bern statt. Die Resonanz war gross, der Raum für die Keynote und das Veröffnungspodium war fast bis zum letzten Platz gefüllt. Daten nachhaltig nutzbar machen Die Eröffnungsrede hielt der Berner Stadtpräsident und ehemalige Nationalrat Alec von Graffenried. Er zählt zu den Gründungsmitgliedern der überparteilichen Parlamentariergruppe Parldigi vor acht Jahren. Daher könne er sich mit den Zielen der Veranstaltung identifizieren, sagte er zum Anfang. Seitdem habe sich viel verändert. Die Digitalisierung sei zu einem Hype geworden und sie transformiere die Gesellschaft massgeblich. Für von Graffenried ist es daher von zentraler Bedeutung, die Potenziale nachhaltig zu nutzen. Vor allem bei den Daten sehe er dies bisher nicht. Wenige Unternehmen würden die Daten sammeln, und der Nutzer habe keine Kontrolle mehr darüber. Auch die Archivierung von Daten sei ein Problem. Gerade einmal 20 Jahre alte Daten auf einer Floppy Disk könnte kaum noch jemand lesen. Anders verhalte es sich mit den Liebesbriefen zwischen ihm und seiner Frau, sagte er schmunzelnd. Es drohe eine grosse Gedächtnislücke. Die Langzeitarchivierung stehe noch am Anfang, und hier gebe es einiges zu tun. Zum Abschluss des Vormittags diskutierten fünf Verfechter von Open Source in einem Podiumsgespräch. Dies 17 / 2017 www.netzwoche.ch © netzmedien ag

Business Konferenz 15 waren: Franz Grüter, SVP-Nationalrat und Verwaltungsratspräsident von Green.ch, Katharina Nocun, Netzaktivistin aus Deutschland, Sylvie Reinhard, Pionierlab Engagement Migros, Clara Vuillemin, IT-Leiterin Republik, und Balthasar Glättli, Grünen-Nationalrat. Sollten die grossen ICT-Firmen zerschlagen werden? Kontrovers diskutiert wurde der Vorschlag von Balthasar Glättli, dass die grossen Datensammler wie Facebook, Amazon, Google und Co. zerschlagen werden müssten. Durch die grossen Datenmengen in ihren Netzen hätten sie eine Monopolstellung. Verstärkt werde dies noch durch den Netzwerkeffekt. Glättli zog einen Vergleich zum gros sen Telekomanbieter Bell in den USA, der in den 80er-Jahren aus den gleichen Gründen zerschlagen worden sei. Grüter liess den Vergleich dagegen nicht gelten. Die Firmen seien noch viel zu jung, um diesen Vergleich ziehen zu können. Durch solche Forderungen entstünden nur neue Formen des Protektionismus, zeigte sich Grüter überzeugt. Auf dem Podium wurde der Umgang mit den grossen datensammelnden Unternehmen kontrovers diskutiert. Preise in fünf Kategorien Der Höhepunkt der ersten Dinacon war die Verleihung der Dinacon Awards. Sie lösen die CH Open Source Awards ab. Diese seien in die Tage gekommen, sagte Adrian Gschwend, der für den Preis verantwortlich ist. Bei den CH Open Source Awards hätten sich ein Mal im Jahr immer die gleichen Leute aus der Open-Source-Community gegenseitig auf die Schultern klopften. Mit der Verleihung der Dinacon Awards soll sich dies ändern. Vor allem soll der Blick auf die Open-Source-Szene in der Schweiz ausgeweitet werden. «Die Leute sollen aus dem Hintergrund geholt werden», sagte Gschwend. Die Jury aus inzwischen 12 Mitgliedern konnte in diesem Jahr 26 Einreichungen begutachten. Einen Dinacon Award gab es in diesem Jahr in folgenden fünf Kategorien: Open Source Classic, Open Source Business, Open Source Hero, Open Internet und Special Awards. Der Preis in der Kategorie Open Source Classic ging an Jitsi Meet. Dabei handelt es sich um eine Open-Source- Alternative zu Skype. Ohne die Installation eines Programms kann etwa ein Video-Call im Browser getätigt werden. Die Gesprächspartner werden über einen Einladungslink hinzugefügt. Knappe Entscheidung und grosser Einsatz Äusserst knapp, mit Stichentscheid durch Gschwend, konnte sich Elexis in der Kategorie Open Source Business durchsetzen. Bei Elexis handelt es sich um eine Open- Source-Software für Ärzte. Laut den Entwicklern soll sie alle Bedürfnisse eines Hausarztes abdecken können. Entwickelt wurde das Programm ursprünglich von einem Hausarzt in Solothurn. Die Kategorie Open Source Hero ehrt Personen, die sich besonders für die Open-Source-Community einsetzen. Dieser Preis ging an das Projekt Open Street. Die anwesenden Repräsentanten des Projekts nahmen den Preis in Stellvertretung für die gesamte Community entgegen. Junge Wilde und alte Bekannte Der Dinacon Award in der Kategorie Open Internet ging an die Open Network Infrastructure Association. Diese ist noch relativ jung. Die Initianten wollen ein offenes Internet der Dinge (IoT) schaffen. Dazu setzen sie auf die Verbreitung der Lora-WAN-Technologie. Weltweit würden sich rund 25 000 Personen im Projekt engagieren. Zum Abschluss der Preisverleihung stand der Special Award auf der Agenda. Er ging an einen alten Bekannten. Die Linux Distribution Suse erhielt die Auszeichnung. Grund ist das 25-jährige Jubiläum von Suse in diesem Jahr. Suse habe massgeblich dazu beigetragen, Linux im deutschsprachigen Raum bekannt zu machen. Anzeige Security Workshop Day 2017 – 1. Dezember in Zürich Erleben Sie einen spannenden Tag und wählen Sie bis zu zwei Hands-On-Workshops zu den Themen Smartphone-Forensik, WLAN-Hacking und Penetration Testing mit OSSTMM. Holen Sie sich wertvolle Tipps & Tricks unserer Experten. Jetzt Plätze sichern: www.digicomp.ch/securityday 044 447 21 21, info@digicomp.ch, www.digicomp.ch Ihr Partner für betriebliche Weiterbildung www.netzwoche.ch © netzmedien ag 17 / 2017

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