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Netzwoche 17/2017

24 Business

24 Business Titelgeschichte Beliebtheitspunkte in Prozent GRAFIK 1: KOMMERZIELLE LIZENZEN VS. OPEN SOURCE Kommerzielle Lizenzen Open-Source-Lizenzen 70 % 65 % 60 % 55 % 50 % 45 % GRAFIK 2: MAGIC QUADRANT VON GARTNER Herausforderer Redis Labs Amazon Web Services MarkLogic MongoDB Couchbase Clustrix DataStax NuoDB Google MemSQL Neo Technology MapR Basho Technologies Enterprise DB InterSystems Leaders SAP IBM Microsoft Oracle 40 % 35 % 30 % Jan 2013 Jul 2013 Jan 2014 Jul 2014 Jan 2015 Jul 2015 Jan 2016 Jul 2016 Jan 2017 Jul 2017 Fähigkeit zu liefern Actian Fujitsu Nischenplayer Komplettheit der Vision Visionäre den Public Clouds von Amazon und Microsoft. Die Lizenzierung ist allerdings teuer und kompliziert. Oracle könnte das ändern, tut aber genau das Gegenteil. Ende Januar verschärfte der Anbieter seine Lizenzbedingungen für Azure und AWS, sodass sich der Preis für die Nutzung der Clouds mit Oracle-Software fast verdoppelte. Die Redaktion fragte Oracle, ob es bei diesem Schritt nur darum gehe, Kunden in die eigene Cloud zu locken. Das Unternehmen liess die Frage unbeantwortet. Die Taktik ist nicht verwunderlich. 2017 machte Oracle satte 69 Prozent seines Umsatzes mit dem Lizenzgeschäft aus On-Premise-Installationen. Laut CEO Mark Hurd betrieben im März 2016 über 350 000 Kunden ihre Datenbanken in einem eigenen Rechenzentrum. GRAFIK 3: ORACLE ENTERPRISE EDITION VS. POSTGRESPURE Oracle EE PostgresPURE License Metric core CPU / Socket License Fee € 164,960 n / a Yearly per Metric € 36,292 € 4,200 License per Server € 329,920 n / a Yearly Support € 72,584 € 8,400 Total Three-Year Cost € 547,672 € 25,200 (Pricing based on 1 CPU 8 cores) Kunden haben die Wahl – trotz Lock-in Doch wo ziehen Oracles Kunden hin, wenn sie in die Cloud wollen? Und mit welchen Technologien? Das Unternehmen stellte 2011 seine eigene Cloud vor und bietet Infrastructure-as-a-Service, Platform-as-a-Service und Software-as-a-Service an. Es generiert mit der Oracle Cloud aber erst rund 13 Prozent seines Umsatzes. Dazu kommt, dass Amazon die Kunden von Oracle in seine AWS-Cloud bringen will. Amazons Aurora-Datenbank ist kompatibel mit MySQL und PostgreSQL. MySQL gehört Oracle, und PostgreSQL hat eine hohe Kompatibilität mit Oracles relationaler Datenbank. Auch Microsoft bietet Migrationstools an, um Oracle-Datenbanken auf Azure zu bringen. Lizenzwahnsinn und Planungsunsicherheit Die französische Anwendervereinigung CIGREF und die European CIO Association werfen Oracle sogar vor, die Beziehung zu seinen Kunden massiv beschädigt zu haben. Die Verbände baten das Unternehmen laut Heise im Februar 2016 um ein Gespräch über die Lizenzkonditionen für virtualisierte Umgebungen. Oracle reagierte nicht auf die Anfrage. Der Grund für den Streit war, dass Oracle x86-Virtualisierungslösungen wie Hyper V, VMware und Xen als Soft- Partitioning einstufte. Wer Oracle-Produkte lizenziert, muss das darum für einen ganzen Server tun – auch wenn sie nur auf einer begrenzten Zahl Prozessoren laufen. Der Betrieb von Datenbanken in virtualisierten Umgebungen, die nicht auf den Lösungen von Oracle selbst basieren, verteuerte sich so massiv. «Oracle müsste dringend an einer transparenten Kommunikation gegenüber seinen Kunden arbeiten, um ihnen Planungssicherheit zu bieten und die Komplexität der Lizenzierungsthematik zu verringern», kommentierte Michael Paege, stellvertretender Vorsitzender der DOAG und Leiter des Competence Center Lizenzierung. Geändert hat sich bis heute nichts. Grafik 1: Offene Datenbanken holen gegenüber den kommerziellen auf. Bild: db-engines.com Grafik 2: Gartners Magic Quadrant für Operational Database Management Systems zeigt, wer den Markt anführt. Bild: Gartner Grafik 3: Der PostgreSQL-Spezialist Splendid Data verglich sein Angebot mit dem von Oracle. Basis: Oracle Database Enterprise Edition 3, MySQL Enterprise Edition 4, EnterpriseDB Postgres Plus Advanced Server 5, x86- Standard-Server mit 2 Sockets, jeder mit 6 Kernen. 17 / 2017 www.netzwoche.ch © netzmedien ag

Business Titelgeschichte 25 «Es ist fast nicht möglich, eine Oracle- Datenbank korrekt zu lizenzieren» Fast alle grossen Schweizer Firmen nutzen Oracle-Datenbanken. Viele CIOs wollen nun aber aus dem geschlossenen Ökosystem ausbrechen, sagt Sandro Köchli. Die Redaktion hat den Mitgründer und Verwaltungsrat des Open-Source- Dienstleisters Adfinis Sygroup gefragt, wie ein solcher Wechsel der Datenbank genau abläuft. Interview: Marcel Urech Viele Firmen wollen aus geschlossenen Ökosystemen ausbrechen. Sind Open-Source-Datenbanken endlich Enterprise-ready? Sandro Köchli: Open-Source-Datenbanken hatten früher den Ruf, nicht Enterprise-ready zu sein. Das ist heute aber nicht mehr so. Die Community zielt heute bewusst auf den Enterprise-Markt ab und baut eigene, offene Ökosysteme. Unternehmen wie Crunchy Data und Splendid Data bieten ein Bündel von Enterprise-Diensten rund um PostgreSQL im Abo an. Inklusive SLAs, 24/7-Support und eigenen Postgres-Paketen für alle relevanten Linux-Distributionen. Also alles, was auch Oracle anbietet – nur massiv günstiger. Sandro Köchli, Mitgründer und Verwaltungsrat des Open-Source-Dienstleisters Adfinis Sygroup. Wie komplex ist eine Migration von Oracle auf Postgres? Das kommt auf die Applikation an. Bei simplen Anwendungen ist die Migration sehr einfach. Komplexere Projekte erfordern mehr Arbeit, aber auch sie lassen sich migrieren. Wie genau läuft eine Migration ab? Adfinis macht zuerst ein kostenloses Assessment und eine Risikoanalyse. Wir sagen dem Kunden, was möglich ist, und wie viel Zeit er braucht. Dann garantieren wir einen Fixpreis. Die Investitionskosten für die Migration sind massiv tiefer als die Lizenzkosten für Oracle. Es lohnt sich finanziell meist schon nach 3 bis 6 Monaten. Wie gross ist die Nachfrage nach solchen Datenbankmigrationen? Sie nimmt stark zu. Fast alle grossen Schweizer Firmen nutzen Oracle-Datenbanken. Viele CIOs wollen aus dem geschlossenen Ökosystem ausbrechen. Sie haben genug von Oracles Lizenzpolitik und experimentieren nun mit Technologien, die keinen Lock-in generieren. Zum Beispiel? Die Post. Sie hat ihren Servicekatalog für Datenbanken erweitert und setzt nun für neue Projekte auch auf Maria- DB, Postgres oder MongoDB. Viele andere Unternehmen werden diesem Beispiel folgen. In einem zweiten Schritt überlegen sich die Firmen dann oft, welche vorhandenen Applikationen sie auch noch migrieren können. Geht es Unternehmen dabei vor allem um Kosteneinsparungen? Nicht nur, aber sie sind wichtig. Wenn die interne IT Oracle- Datenbanken zu massiv höheren Preisen anbietet als Postgres, vereinfacht das natürlich die Entscheidung. Ein Projektleiter kann damit oft Projekte realisieren, die sonst gar nicht möglich wären. Es geht den Unternehmen aber auch um Zukunftssicherheit. Wer auf offene Datenbanken setzt, bleibt frei. Oracle versucht, das Gegenteil zu er reichen. Viele Unternehmen setzen aber weiterhin auf proprietäre Anbieter und scheinen mit dem Lock-in gar kein Problem zu haben. Ich höre im Markt genau das Gegenteil. Oracle etwa findet immer wieder Wege, um die Preise seiner Datenbanken zu erhöhen. Das können die Kunden doch nicht gut finden. Dazu kommt, dass es fast nicht möglich ist, eine Oracle- Datenbank korrekt zu lizenzieren. Wie meinen Sie das? Es gibt wohl kaum ein anderes Lizenzsystem in der Branche, das so kompliziert ist wie das von Oracle. Das Unternehmen ändert seine Bedingungen oft und kommuniziert die Änderungen gegenüber den Kunden nur halbherzig. Auch bei der Ausgestaltung der Verträge gibt es kaum Spielraum. Dahinter steckt Kalkül. Oracle macht mit Wartungsgebühren und Strafzahlungen nach Lizenz-Audits einen signifikanten Teil seines Umsatzes. « Oracle findet immer wieder Wege, um die Preise seiner Datenbanken zu erhöhen. Das können die Kunden doch nicht gut finden. » Sandro Köchli, Mitgründer und Ver waltungsrat, Adfinis Sygroup www.netzwoche.ch © netzmedien ag 17 / 2017

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