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Netzwoche 17/2017

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28 People Live « In Deutschland haben wir noch viel Luft nach oben » Seit dem 1. Juli ist Bernd Schopp CEO der Digitalagentur Namics. Im Interview verrät der neue Chef, was das Unternehmen plant, wie der Ausbau in Deutschland läuft und welche Herausforderungen die Digitalisierung mit sich bringt. Interview: Oliver Schneider i ZUR PERSON Bernd Schopp startete 2002 seine Laufbahn bei Namics. Bereits drei Jahre später wurde er Partner der Zürcher Digitalagentur und leitete anschliessend ihre Schweizer Länderorganisation. Seit 2013 war er als Chief Client Officer für die Kundenentwicklung in Deutschland und der Schweiz zuständig. Mitte dieses Jahres wurde er zum Chief Executive Officer ernannt und verantwortet in dieser Rolle unter anderem die Weiterentwicklung der Fullservice-Fähigkeit, das weitere Wachstum in Deutschland und die Positionierung von Namics als gefragter Arbeitgeber. Artikel online auf www.netzwoche.ch Webcode DPF8_64534 Namics ist bereits seit 1995 als Digitalagentur aktiv. Sie sind seit 16 Jahren dabei. Wie hat sich das Geschäft in diesem Zeitraum verändert? Bernd Schopp: Das hat sich massiv verändert. Heute ist Digitalisierung in jedem Unternehmen und in der Gesellschaft das Top-Thema. Vor rund 20 Jahren fragten mich manche Kunden noch, ob das nicht eine Modeerscheinung sei und ob man das so ernst nehmen müsse. Damit hat sich auch verändert, wie man als Firma gesehen wird. Heute haben wir weltweite Konkurrenz, damals waren wir Exoten. Sie sind seit Anfang Juli CEO von Namics. Gefällt es Ihnen, Chef des Unternehmens zu sein? Mir gefiel jede Rolle, die ich in den vergangenen 16 Jahren bei Namics ausfüllen durfte. Das liegt weniger an mir und an den Positionen, sondern vielmehr an den Kollegen, den Kunden und den Themen, die wir vorantreiben. Auch unsere Kultur trägt dazu bei: Namics gibt jedem, unabhängig von Level und Erfahrung, die Chance, sich aktiv einzubringen und gemeinsam etwas Neues zu gestalten. Deswegen macht mir die CEO-Rolle genauso viel Spass wie die anderen davor auch. Sie waren zuvor Chief Client Officer. Wie ist dieser Wechsel für Sie verlaufen? Für mich verlief der Wechsel reibungslos. Vor allem, weil ich bereits zehn Jahre als Stellvertreter des damaligen CEOs Jürg Stuker aktiv war und wir immer die strategische Entwicklung von Namics gemeinsam definierten. Ein Beispiel dafür ist der Ausbau des Deutschland-Geschäfts, den wir bereits vor drei Jahren zusammen in Angriff genommen haben. Deswegen war der Übergang im Sommer gut vorbereitet und geordnet. Sie haben also eine längere Zeit geplant, wie die Übergabe vonstatten geht? Genau. Das war auch für Jürg Stuker wichtig, um sich auf seine neue Rolle als Verwaltungsratsmitglied vorzubereiten. Hier wird er vor allem die Innovationskraft unserer Agentur vorantreiben. Für mich ist dieser Wechsel auch ein Beleg für die vielen Perspektiven, die Namics bietet. Unseren Mitarbeitern die Möglichkeit zum Wachsen und Weiterentwickeln zu geben, gehört zu unserer Unternehmens-DNA. Sie sind seit 2002 bei Namics. War das für Sie ein Vor- oder ein Nachteil? Es ist beides. Ein Vorteil, weil wir damit über Jahre eine konsistente Führung haben, die das Unternehmen, den Markt und die Mitarbeiter sehr gut kennt. Ein Nachteil, weil es in dieser Zeitspanne trotz neuer Ideen und Innovationen keinen Perspektivwechsel gab. Letztlich spielt die Dauer, wie lange jemand bei uns CEO ist, keine Rolle. Zumal sein und mein Credo lautet: Es allen Mitarbeitenden bei Namics zu ermöglichen, morgen die CEO-Rolle zu übernehmen. Das erfordert vor allem Vertrauen, Freiheit und natürlich Freude an der Arbeit. Wie sieht Ihre Bilanz nach den ersten drei Monaten als CEO aus? Nach den ersten 100 Tagen ziehen wir eine positive Bilanz: Ob Fullservice-Fähigkeit, Wachstum in Deutschland oder Zusammenarbeit zwischen den Standorten – wir konnten überall die nächste Etappe nehmen. Auch in Bezug auf Transparenz und Nachvollziehbarkeit unserer strategischen Initiativen hat sich einiges getan. Damit haben wir die Weichen gestellt. In den nächsten 100 Tagen wollen wir mit neuen Projekten durchstarten. Was kommt denn da auf Sie zu? Hier nur zwei Beispiele: Zum einen bauen wir unser Geschäftsfeld Customer Relationship Management kontinuierlich aus. Dabei hilft uns auch die enge Partnerschaft mit Salesforce. Zum anderen treiben wir unsere Marketingund Operations-Services voran. Hier herrscht, gerade in Deutschland, eine grosse Nachfrage. Um die zu bedienen, werden wir in den nächsten Monaten unser bestehendes Team stark ausbauen. Zudem haben wir über 30 weitere Massnahmen priorisiert – auch nach innen gerichtete, wie das Employer Branding. Der Umsatz von Namics stagniert seit drei Jahren. Woran liegt das? Nach Jahren des Wachstums stagniert unser Umsatz seit drei Jahren auf einem hohen Niveau – bei zirka 62 Millionen Franken. Dafür gibt es zwei zentrale Gründe. Zum 17 / 2017 www.netzwoche.ch © netzmedien ag

People Live 29 « Firmen sollten sich fragen, welche Auswirkungen die Digitalisierung auf die Wertschöpfung und das Geschäftsmodell hat. » Bernd Schopp, CEO, Namics einen die Entscheidung der Schweizer Nationalbank, den Euro-Mindestkurs aufzuheben. Damit wurde der wachsende Deutschland-Umsatz um ein grosses Stück abgewertet. Zum anderen haben wir uns entschieden, das Wachstum in Deutschland mit Schweizer Mitarbeitern zu forcieren, um das schnelle Kundenwachstum zu bedienen. Diese strategische Massnahme reduzierte unseren Umsatz in der Schweiz um zirka 10 Prozent. Wo stehen Sie heute? Heute rechnen wir für das laufende Jahr mit einer Umsatzsteigerung von 10 Prozent und einem personellen Wachstum von rund 8 Prozent. Zudem gehen wir durch unseren Invest in den deutschen Markt davon aus, 35 Prozent des Gesamtumsatzes in Deutschland zu erwirtschaften. Es gibt wahrscheinlich sehr wenige Schweizer Dienstleister, die diesen Schritt so erfolgreich gegangen sind. Wir waren in den letzten zwei Jahren sehr stabil in der Schweiz und können die Fähigkeiten, die wir hier haben, in Deutschland nutzen. Das ist im Moment ein grosser Vorteil für uns. Dazu kommt unser Standort in Belgrad. Er ermöglicht es, auch in der Schweiz preislich wettbewerbsfähig zu sein und gleichzeitig in Deutschland Fähigkeiten anzubieten, die wir im Bewerbermarkt gar nicht finden. Beim Amtsantritt haben Sie angekündigt, das Wachstum in Deutschland voranzutreiben. Wie läuft das Projekt? Das läuft extrem gut. Wir haben eine sehr gute Reputation und gehören zu den führenden Digitalagenturen. Zudem gibt es genügend Neukundenpotenzial. Auch konnten wir in kurzer Zeit mehr Digital-Erfahrung in die Firma bringen – teilweise kommen die langjährigen Experten von grossen Netzwerkagenturen. Trotz dieser positiven Entwicklung bleibt die Herausforderung, weiterhin sehr gute Leute zu finden. Das ist mit ein Grund, weshalb wir in Belgrad weiter wachsen. Hier gibt es noch Spezialisten mit den gesuchten Fertigkeiten, die wir in Deutschland benötigen. Wo ausser in Deutschland wollen Sie sonst noch wachsen? Wir werden in keine weiteren Länder gehen, sondern konzentrieren uns auf den deutschsprachigen Markt. In Deutschland haben wir noch so viel Luft nach oben, weil der Markt tatsächlich diese Dynamik hat und auch die Kundenbeziehungen deutlich umfassender sind. Wenn wir wachsen, dann wachsen wir im Moment mit bestehenden Kunden, bei denen wir Digitalisierungsvorhaben in der gesamten Breite bedienen wollen. Damit stehen wir erst am Anfang. Bei vielen dieser Kundenbeziehungen machen wir strategische Planungen, die dann über die nächsten drei Jahre realisiert werden. Sie möchten Ihre Kunden im digitalen Wandel unterstützen. Wie wollen Sie das konkret machen? Wir wollen unsere Kunden nicht nur unterstützen. Wir wollen Gewinner im digitalen Wandel schaffen. Um das www.netzwoche.ch © netzmedien ag 17 / 2017

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