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Netzwoche 17/2017

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48 XXXXXXXXXXX XXXXXXXXXXXX Illustration: macrovector / iStock.com FOCUS IT-MANAGEMENT IT-Management im Wandel cgr. IT-Architekturen sind in den vergangenen Jahren immer komplexer geworden. Durch den Siegeszug der Cloud prophezeien einige schon das Ende des IT-Operations-Management (ITOM). In seinem Focus-Beitrag befasst sich Martin Andenmatten, Gründer und Geschäftsführer von Glenfis, mit diesem Thema. Die klassischen Aufgaben des ITOM wandeln sich durch die Cloud. Gleichzeitig erleichtern die Automatisierung und Technologien wie die künstliche Intelligenz die Arbeit der Spezialisten. Für die Gewährleistung von Stabilität, Sicherheit und Performance kann jedoch nicht auf das IT-Operations-Management verzichtet werden, wie Andenmatten sagt. Einen neuen Ansatz für das IT-Management stellt Daniel Just von DXC Technology vor. Mittels Crowdsourcing könnten Unternehmen mehr Agilität in ihre Prozesse bringen. Gerade bei der Softwareentwicklung verspreche dieser Ansatz viele Potenziale. Zwei Paradigmenwechsel im IT-Operations-Management sieht Christian Hitz, Leiter der Fachabteilung «IT Stra tegy and Management» an der ZHAW. Beim Monitoring der Applikations architektur gehe er Wandel von «as-is» zu «as-used». Die Art der Ausführung einer Instanz werde wichtiger als die Existenz. Hinzu komme, dass Gefahren eher gemonitort als geblockt würden. Der Trend geht für Hitz hin zu «intelligenten Wächtern» anstelle des einfachen Blockierens. Philipp Klomp, Gründer und CEO von Nomasis, nimmt die Inhouse-App-Entwicklung unter die Lupe. Er sieht bei vielen Firmen eine mangelnde Qualitätssicherung. Der Grund sei, dass Firmen die App-Entwicklung nach der Einführung schon als abgeschlossen ansähen. Unter den Gesichtspunkten Sicherheit, Datenschutz und Benutzerfreundlichkeit könne sich dies jedoch fatal auswirken. 17 / 2017 www.netzwoche.ch © netzmedien ag

Focus IT-Management 49 Hat «IT-Operations Management» noch eine Zukunft? Mit dem Siegeszug der Cloud-Technologie, der zunehmenden Automatisierung von Prozessabläufen und dem verstärkten Vordringen von Artificial Intelligence in den Gechäftsprozessen wird nicht nur die Grundlage für die digitale Transformation in den Unternehmen gelegt, sondern auch grundsätzlich die Art und Weise, wie IT im Unternehmen bereitgestellt und betrieben wird, auf den Kopf gestellt. IT-Operations-Management ist für den reibungslosen Betrieb der IT-Infrastruktur und der darauf bereitgestellten Applikationen zuständig. Das Integrieren und Managen der zunehmend komplexeren Technologien hat in der Vergangenheit einen hohen Spezialisierungsgrad innerhalb der IT-Betriebsorganisation bewirkt, wofür aber immer schwieriger die notwendigen Fachkräfte gefunden werden. Mit dem Aufkommen der Cloud-Technologie und dem grundsätzlichen Trend zum vermehrten Sourcing von IT-Diensten kommen neue Herausforderungen auf die IT-Organisationen hinzu: Neue Lösungen müssen schneller, sicherer und noch stabiler bereitgestellt werden können, ohne dass dafür mehr Ressourcen und Finanzen bereitstehen. Die Lösung liegt in der Automatisierung von heute vielfach noch manuellen Arbeitsschritten. Die durch Agilität und DevOps vorangetriebenen neuen Arbeitsmethoden verlinken die Arbeitsschritte und involvierten Werkzeuge über die gesamte Wertschöpfungskette. Durch das On-Demand-Bestellen von Cloud- Infrastrukturen und -Plattformen lassen sich ganze IT-Rechenzentren in einem Skript vollständig automatisiert orchestrieren, überwachen und nach Gebrauch auch wieder freigeben. «Infrastructure-as-a-Code» ist in vielen Organisationen heute bereits Realität. Netzwerke, Storage-Systeme und ganze Serverlandschaften werden zu reinen Commodity-Diensten, die bei Bedarf aus dem produktiven Betrieb direkt von Applikationen dynamisch zu- oder wieder abgeschaltet werden. Änderungen und neue Services werden vermehrt durch automatisierte Integrations-, Test- und Deployment-Prozesse in die Produktion eingespielt, ohne dass ein manueller Eingriff notwendig sein wird. Enorme Effizienzsteigerungen Auch die klassischen Aufgaben im IT-Operations-Management wie Service Desk, Incident-Management oder das Abwickeln von Service Requests im Fulfillment wird sich verändern. Mithilfe von Machine-Learning, Chatbots, Knowledge-Items und Artificial Intelligence können heute enorme Effizienzsteigerungen im Support-Umfeld Das IT-Operations-Management wird zum Service- Integrator und -Broker. erzielt werden, indem manuelle und reaktive Störungsbehebungen durch automatisierte und vorausschauende Verfahren abgelöst werden. Bei dieser Betrachtung scheint es für das IT-Operations- Management keine Zukunft mehr zu geben. Tatsächlich werden in vielen IT-Organisationen IT-Operations- und SW-Entwicklungsabteilungen zusammengelegt. Es ist jedoch nicht so, das IT-Operations-Management aufgrund der Automatisierung unbedeutend geworden ist. Damit Stabilität, Sicherheit und Performance gewährleistet werden kann, müssen IT-Operations-Spezialisten von den Entwicklern lernen, zu programmieren und zu automatisieren. Andererseits müssen Entwickler von den Betriebsingenieuren lernen, nicht-funktionale Anforderungen in ihre Lösungen zu integrieren. Neue Skills gefordert Während sich der Grossteil der technischen Tasks in Zukunft damit durch den Computer selbst bewältigen lässt, werden im IT-Operations-Management neue Verantwortlichkeiten zu bewältigen sein. Anstelle, dass technische Ressourcen gemanagt werden, müssen künftig vermehrt die Serviceleistungen von verschiedenen und je nach Bedarf dynamisch ändernden Serviceprovider integriert und als ganzheitliche Services gemanagt werden. Serviceintegration und Multiprovider-Management werden in Zukunft zentrale Herausforderungen für IT-Organisationen werden. Das jederzeitige Gewährleisten der Compliance- und Sicherheitsanforderungen in der gesamten Servicekette, das Überwachen und Steuern der Cloud-Service-Bezüge sowie deren Abrechnungen und letztlich das Koordinieren von Änderungen und Problemfällen mit den beteiligten Serviceprovidern setzt völlig neue Management- und fachliche Skills voraus, die nun gezielt aufgebaut werden müssen. IT-Operations-Management wird in Zukunft nicht verschwinden. Die Rolle wird sich aber stark wandeln und zum Service-Integrator und Service-Broker entwickeln. Damit wird sie für das digitale Unternehmen zu einer der wichtigsten Schlüsselfunktionen der Zukunft. DER AUTOR Martin Andenmatten Gründer und Geschäfts führer, Glenfis www.netzwoche.ch © netzmedien ag 17 / 2017

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