Aufrufe
vor 10 Monaten

Netzwoche 17/2019

  • Text
  • Zuschlag
  • Urteil
  • Schweizer
  • Schweiz
  • Nationalrat
  • Swiss
  • Apps
  • Usability
  • Netzmedien
  • Unternehmen

46 Management & Career

46 Management & Career Aktuell WWW.NETZWOCHE.CH Friede, Freude, Fachkräftemangel rja. Die Schweiz erlebt solide und stabile Jahre, wie der Personalvermittler Hays in seinem «Global Skills Index» mitteilt. Das BIP steige und die Arbeitslosigkeit sei auf einem niedrigen Niveau. Für die kommenden Jahre prognostiziert Hays einen jährlichen BIP-Anstieg von 1,5 Prozent. Derzeit seien Softwareentwickler, Adminis tratoren und Projektmanager besonders gefragt. In den Fachbereichen habe die Digitalisierung ausschliesslich positive Auswirkungen. Welche Sorgen Schweizer IT-Entscheider haben osc. Equinix hat in seiner Studie «Global Interconnection Index» erstmals auch Schweizer IT-Entscheider befragt. 70 Prozent der befragten Schweizer sehen es als ihre wichtigste Aufgabe, die Cybersicherheit ihres Unternehmens zu verbessern. Die grössten Gefahren seien Datenlecks und Cyberattacken. Bei 55 Prozent ist ausschliesslich die Private Cloud im Einsatz. Künstliche Intelligenz ist erst in rund 30 Prozent der Unternehmen ein zentraler Teil der IT-Strategie. Warum Unternehmen nicht agil sind Bild: David Travis / unsplash.com osc. Das Institut für Wirtschaftsinformatik der Univer sität St. Gallen und das Beratungsunternehmen Cam pana & Schott haben die Studie «Future Organization Report» durchgeführt. Darin sollte herausgefunden werden, wie agil Unternehmen in Deutschland, Österreich und der Schweiz sind, wie es in einer Mitteilung heisst. Demnach arbeiten Unternehmen zwar mit agilen Methoden, sie haben die Agilität aber noch nicht in den Köpfen ihrer Mitarbeitenden und in der Unternehmenskultur verankert. Obwohl sich 81,2 Prozent der Studienteilnehmer für aktuelle Aufgaben gut gerüstet fühlen, sagen 75,4 Prozent, dass der Aufbau neuer Fähigkeiten weiterhin essenziell bleibe. Wichtig sind laut Studie ausser dem Fachwissen auch die Fähigkeit und der Wille zur Zusammenarbeit. Zudem sei es wichtig, dass die Zusammenarbeit, Kommunikation und Entscheidungsfindung auf Augenhöhe stattfänden, unabhängig von der jeweiligen hierarchischen Rolle. Ein Drittel der Befragten sagt, dass Führungskraft sie «empowere». Insgesamt empfinden sich 40,9 Prozent der Befragten als agil. Dabei schätzen sich Führungskräfte weitaus agiler ein als Mitarbeitende. Die grössten Risiken beim Thema Agilität lauten: inkonsequente Umsetzung, mangelnder Wandel der Unternehmenskultur und Verlust von Mitarbeitenden oder deren Arbeitsmotivation. So gibt es bei den Befragten häufig keine Roadmap mit definierten Zwischenzielen. Es fehlt eine Fehlerkultur Angst vor Fehlern und mangelnde Kommunikation sind die grössten Hindernisse für die agile Arbeitsweise. In Sachen Fehlerkultur besteht in den Unternehmen Handlungsbedarf: So sagt nur jeder fünfte Teilnehmer, dass Fehler nicht gegen die Person verwendet Den vollständigen Artikel finden Sie online www.netzwoche.ch werden. Nicht alle Mitarbeitenden wollen oder können also die agile Arbeitsweise mitgehen. MÜLLERS KLEINES ABC G wie Gamification Christopher Müller Inhaber und VRP von Die Ergonomen Usability AG. Theorie: Nick Pelling, ein britischer Spieleentwickler, soll das Wort 2002 erfunden haben. Bei der Gamification, postulierte er, gehe es vor allem darum, «ein spielartig verstärktes Benutzeroberflächen-Design anzuwenden, um elektronische Transaktionen vergnüglicher und schneller zu machen». Das Konzept war zwar schon damals nicht neu, erweist sich aber im Kontext der Digitalisierung als ungemein wirksam, wenn es darum geht, bei den Nutzern ein bestimmtes Verhalten zu provozieren. Realität: So einfach, wie sie klingt, scheint die Sache in der Praxis nun doch nicht zu sein. Jedenfalls diagnostizierte Brian Burke, IT-Spezialist bei Gartner, vor ein paar Jahren, dass «80 Prozent der gamifizierten Programme aufgrund schlechten Designs ihre Ziele nicht erreichen werden». Schaut man sich um, ist man geneigt zu glauben, hier habe sich bis heute nichts geändert. Das liegt sicher einmal daran, dass viele Angebote von der Story, vom Spieldesign oder von der Technik her unzulänglich sind. Andere wirken aufgesetzt und weitere sind nicht viel mehr als versuchte Abzockerei. Wirklich traurig aber ist, dass sich viele Herausgeber von gamifizierten Angeboten offensichtlich keine Sekunde überlegt haben, warum wir überhaupt so gerne spielen. Letztlich tun wir das nämlich, weil wir besser werden wollen, höhere Levels oder Plätze in Ranglisten erreichen, Punkte sammeln und so weiter. Wir wollen Ziele erreichen, und zwar unsere ureigenen – die der Spieleanbieter sind hingegen völlig Wurst. Fazit: Wer also mit Gamification dauerhaft Erfolg haben will, muss vor allem dafür sorgen, dass die eigenen Ziele mit denen der Nutzer eine möglichst grosse Schnittmenge bilden. Das bedingt, wie stets, wenn es um UX geht, dass man seine Klientel genau kennt und ihr auch etwas anbietet, das sie bei der Stange hält. Wie das geht, zeigt ein Blick auf die analoge Welt: Dort verstehen es die Weight Watchers seit 56 Jahren aufs Beste, ihre kommerziellen Ziele mit denen ihrer Kundschaft unter einen Hut zu bringen. Die Kolumne finden Sie auch online www.netzwoche.ch 17 / 2019 www.netzwoche.ch © netzmedien ag

Management & Career Nachgefragt 47 Der Druck am Arbeitsplatz wächst Erwerbstätige leiden häufiger unter psychosozialen Belastungen als vor sieben Jahren. 12 Prozent der Schweizer fühlen sich am Arbeitsplatz gestresst. Bei den unter 30-Jährigen sind es gar 25 Prozent. Was Mitarbeiter und Arbeitgeber gegen die Belastungen unternehmen können, verrät Psychologin Rebecca Saladin. Autorin: Leslie Haeny Psychosoziale Belastungen am Arbeitsplatz haben zugenommen. Zu diesem Schluss kommt die Schweizerische Gesundheitsbefragung. 2017 waren gemäss Erhebung 50 Prozent der Erwerbstätigen von mindestens drei Typen psychosozialer Belastungen betroffen. Das entspricht einer Zunahme von 4 Prozentpunkten gegenüber 2012. Das Wachstum sei auf die gestiegene Anzahl Personen, die Stress erlebten oder Angst um ihren Arbeitsplatz hätten, zurückzuführen. In beiden Bereichen stieg die Anzahl um 3 Prozentpunkte – beim Stress von 18 auf 21 Prozent und bei der Angst um den Arbeitsplatz von 13 auf 16 Prozent. Bei den unter 30-Jährigen stieg der Anteil an Personen, die unter Stress leiden, von 19 auf 25 Prozent. Höheres Burn-out-Risiko Gemäss Befragung weist knapp die Hälfte der oft gestressten Personen ein höheres Burn-out-Risiko auf, da sie sich bei der Arbeit emotional erschöpft fühlen. Zwischen den Geschlechtern zeigen sich nur kleine Unterschiede. Während mit 53 Prozent mehr Männer angaben, häufig unter Zeitdruck zu stehen (bei den Frauen waren es 50 Prozent), sind Frauen häufiger Opfer von Diskriminierung oder Gewalt (siehe Grafik). Im August eröffnete die Universität Zürich (UZH) eine Beratungs- und Schlichtungsstelle. Über Probleme, Belastungssituationen sowie Konflikte am Arbeitsplatz können sich die UZH-Mitarbeitenden dort mit Rebecca Saladin und Marc Seematter austauschen. Psychologin Saladin rät Erwerbstätigen Folgendes, um Stress und emotionale Erschöpfung zu verhindern: ·· Eine bewusste Trennung von Freizeit und Arbeit in puncto Erreichbarkeit ·· Eine ausgewogene Work-Life-Balance mit Bewusstsein darüber, wie man sich in der Freizeit individuell am besten von der Arbeit erholt ·· Genügend Schlaf Den vollständigen Artikel finden Sie online www.netzwoche.ch Die Grenzen zwischen Arbeit und Freizeit werden unschärfer Bei der Arbeit seien Pausenzeiten, Prioritätensetzung und die Fähigkeit, sich abzugrenzen, wichtig. Ausserdem helfe die Pflege von bereichernden sozialen Kontakten am Arbeitsplatz, emotionaler Erschöpfung vorzubeugen. Laut Saladin hängen die zunehmenden psychosozialen Belastungen unter anderem mit der Digitalisierung zusammen. «Die Digitalisierung hat direkte Auswirkungen auf die Dauer von Prozessen und Abläufen bei der Arbeit. Technische Neuerungen in zunehmend kürzer werdenden Zeitabständen erfordern von den Arbeitnehmern einen flexiblen Umgang mit Veränderungen», sagt sie. Zusätzlich würden die Grenzen zwischen Arbeit und Freizeit dadurch unschärfer, dass viele heute fast ständig erreichbar seien oder sein müssten. Arbeitgeber können Mitarbeiter unterstützen Auch Arbeitgeber können ihre Mitarbeiter unterstützen, damit sie nicht unter unnötigen Belastungen leiden. Saladin rät dazu, dass sich Arbeitgeber zu einer gesundheitsfördernden Unternehmenskultur verpflichten. «Eine gute, ressourcenorientierte Führung steht im Einklang mit einer gesunden Selbstführung. Das heisst, sowohl das Management wie auch die Vorgesetzten sind sich ihrer Vorbildfunktion bewusst und leben diese im Arbeitsalltag.» HÄUFIGE PSYCHOSOZIALE RISIKEN NACH GESCHLECHT – STAND 2017 ich erlebe häufig/immer Stress ich habe starke / ziemlich starke Angst um Arbeitsplatz ich denke meistens / immer an zu vieles gleichzeitig ich stehe unter hohem Zeitdruck ich habe meistens / immer Mühe, Arbeit und Familie zu vereinbaren ich bin emotional beansprucht ich erhalte selten / nie Unterstützung von Vorgesetzten die Arbeit wird selten / nie angemessen gewürdigt ich kann Fähigkeiten selten / nie voll einsetzen ich erlebte mindestens ein Mal Diskriminierung oder Gewalt « Die Digitalisierung hat direkte Auswirkungen auf die Dauer von Prozessen und Abläufen bei der Arbeit. » Rebecca Saladin, Psychologin und Co-Leiterin der Beratungs- und Schlichtungsstelle für die Mitarbeitenden der UZH (MBS) Männer Frauen 0 5 10 15 20 25 30 35 40 45 50 55 Quelle: Bundesamt für Statistik, Schweizerische Gesundheitsbefragung www.netzwoche.ch © netzmedien ag 17 / 2019

Archiv