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Netzwoche 18/2017

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14 Business Studie

14 Business Studie Schweizer Softwareunternehmen rechnen mit Wachstum ICT-Switzerland hat am CNO-Panel die Ergebnisse der Swiss Software Industry Survey 2017 vorgestellt. Schweizer Softwareunternehmen rechnen demnach im nächsten Jahr mit robustem Wachstum bei Umsätzen und Mitarbeiterzahlen. Erstmals nahm die Studie auch das Outsourcing und dessen Rolle bei der digitalen Transformation unter die Lupe. Autor: Oliver Schneider Im Rahmen des CNO-Panels 2017 hat ICT-Switzerland die Ergebnisse der diesjährigen Swiss Software Industry Survey (SSIS) vorgestellt. Wichtigstes Ergebnis der Studie: Schweizer Softwareunternehmen blicken positiv in die Zukunft. Laut SSIS rechnen die Teilnehmer der Studie für das laufende Jahr mit einem Umsatzwachstum von 8,4 Prozent im Vergleich zu 2016. Noch stärker will die Branche im nächsten Jahr zulegen. Hier ergab die Umfrage ein erwartetes Wachstum von 14,2 Prozent. Das stärkste Wachstum erwarten Standardsoftware-Hersteller mit 23,3 Prozent. Nur Softwareintegratoren rechnen 2018 mit einem geringeren Wachstum von 5 Prozent. Mit den Umsätzen steigt auch die Zahl der Beschäftigten. Die befragten Unternehmen wollen ihre Belegschaft in der Schweiz 2017 um 5,9 Prozent ausbauen. Mit 11,3 Prozent soll der Anstieg im kommenden Jahr fast doppelt so hoch sein. Insgesamt plane die Branche in diesem und im nächsten Jahr, rund 15 000 Arbeitsplätze zu schaffen. Das Ausland als Markt und Arbeitsplatz Noch stärker soll gemäss Studie die Zahl der im Ausland angestellten Beschäftigten wachsen. Hier erwarten die befragten Unternehmen in diesem Jahr einen Anstieg von 12,4 Prozent, im nächsten Jahr sogar von 18,7 Prozent. Damit unterstreichen die Erwartungen zur Personalentwicklung eine generelle Tendenz in der Branche. Die Schweizer Softwareunternehmen streben ins Ausland. Wie es in der Studie heisst, erwirtschafteten sie 2017 14,5 Prozent ihrer Umsätze ausserhalb der Schweiz. Beinahe die Hälfte dieser IT-Exporte (45,6 Prozent) entfalle auf Deutschland. Gefolgt von Nordamerika (9,9 Prozent) und Frankreich (8 Prozent). Auch Outsourcing ist in der Branche vermehrt ein Thema. 5,3 Prozent der Unternehmen lagern die Entwicklung, 6,1 Prozent die Operationen aus. Die Bereitschaft dazu sei bei Softwareintegratoren am höchsten. Mehr als 50 Prozent der in diesem Bereich tätigen Unternehmen gaben an, IT-Services auszulagern. 30,8 Prozent der Firmen lagern innerhalb der Schweiz aus. Bei den ausländischen Outsourcing-Zielen ist Deutschland mit 16,8 Prozent der Spitzenreiter vor Indien und Rumänien mit je 5,6 Prozent. ERWARTETES UMSATZWACHSTUM NACH SPARTEN DER SCHWEIZER SOFTWAREBRANCHE 2017 2018 Werte in Prozent 7,4 13,6 Individual- software- Hersteller 14,2 23,3 Standardsoftware- Hersteller (inkl. SaaS) Consulting Softwareintegratoren Konservative Strukturen bremsen die Digitalisierung der Schweiz Wie ICT-Switzerland schreibt, lag der Fokus der diesjährigen SSIS auf der Rolle der Schweizer Softwarebranche bei der digitalen Transformation der Schweiz. Hier habe die Studie gezeigt, dass Schweizer Softwarefirmen eher in klassischen Digitalisierungsbereichen wie etwa bei den Geschäftsprozessen aktiv sind. Themen wie «digitale Globalisierung» und «Leistungsmanagement» seien dagegen noch weniger wichtig. Entsprechend seien die Unternehmen bei traditionellen Software-Skills (Systementwicklung, IT-Support oder Informationsverteilung) stark, während in neueren Kompetenzbereichen wie «Data Analytics» oder «Organizational Responsiveness» Verbesserungspotenzial bestehe. Als grösstes Hindernis auf dem Weg in eine digitale Zukunft nannten die Teilnehmer konservative Unternehmenskulturen in Schweizer Unternehmen. Andreas Kaelin, Geschäftsführer von ICT-Switzerland, sieht denn auch hier noch Nachholbedarf: «Die Softwarebranche ist ein wichtiger Treiber für die digitale Transformation der Schweiz. Damit wir in der Schweiz auf Erfolgskurs bleiben, müssen unsere Unternehmen bereit sein, ihre konservativen Strukturen aufzubrechen und offener zu werden für neue digitale Lösungen», lässt er sich in der Mitteilung zitieren. 5,8 9,5 8,3 5,0 4,1 10,4 Technologie- und Serviceprovider 8,4 14,2 Softwareindustrie Quelle: Universität Bern / ICT-Switzerland Artikel online auf www.netzwoche.ch Webcode DPF8_66120 18 / 2017 www.netzwoche.ch © netzmedien ag

Business Event 15 Cognitive Computing und künstliche Intelligenz am 17. CNO-Panel in Bern In Bern hat das 17. CNO-Panel stattgefunden. Es drehte sich um Cognitive Computing und künstliche Intelligenz. Die Schweizer Robotik-Legende Rolf Pfeifer hielt einen spannenden Vortrag. Autor: Marcel Urech « Schauen Sie mal nach draussen! – Wo sehen Sie selbstfahrende Autos? » Rolf Pfeifer, ehemaliger Direktor des Artificial Intelligence Lab der Universität Zürich, Wissenschaftsberater bei Living with Robots Inc. Was kommt auf unsere Gesellschaft zu? Welche Veränderungen bringt der globale Markt für Unternehmen? Und sind Computer bald eigene Persönlichkeiten? Das 17. CNO-Panel werde Antworten auf diese Fragen liefern, versprachen die Organisatoren. Die Veranstaltung, die am 30. Oktober in Bern stattfand, enttäuschte nicht. Da das Kultur Casino bis mindestens Sommer 2019 renoviert wird, ging der Event erstmals im Stade de Suisse in Bern über die Bühne. Rolf Pfeifer sorgte für Lacher im Publikum. Artikel online auf www.netzwoche.ch Webcode DPF8_66512 Pfeifer widerlegt Mythen Highlight des Abends war Rolf Pfeifer. Er befasste sich sein gesamtes Berufsleben mit (künstlicher) Intelligenz. Pfeifer ist ehemaliger Direktor des Artificial Intelligence Lab der Universität Zürich, Wissenschaftsberater bei Living with Robots Inc. und nahm zwei Professuren in Osaka und Shanghai an. Seine Forschung erlangte Weltruhm. Pfeifer ging auf einige Aussagen ein, die man immer wieder hört: Automatisierung und Robotik zerstören massenhaft Jobs, Technologien wachsen heute alle exponentiell und sind kaum noch kontrollierbar, und eine künstliche Intelligenz werde sich irgendwann über die Menschheit erheben und diese versklaven. Das sei alles Blödsinn und nicht belegbar, sagte Pfeifer. «iPhones auf Rädern» Die Robotik im Jahr 2017 habe ein ganz anderes Problem: Die Menschen würden enorm hohe Erwartungen an sie stellen, die sie noch nicht erfüllen könne. Pfeifer bezog diese Aussage nicht etwa auf Industrieroboter, die seit Jahren gute Dienste leisten. Sondern auf Consumer und Social Robots. Diese seien heute nicht viel mehr als «iPhones auf Rädern», sagte Pfeifer. Einer der Gründe dafür sei, dass Investoren kaum in komplexe Robotik-Projekte investierten. Die Herstellung eines Roboters ohne Sensomotorik koste 200 bis 800 US- Dollar, die mit sensomotorischen Fertigkeiten 20 000 bis 100 000 Dollar. Einen Return on Investment erziele man bei Robotik-Projekten oft erst nach 10 oder 20 Jahren. Bei Software hingegen liege die Zeitspanne bei nur 3 bis 5 Jahren. Kompetenz vs. Performance Der Roboter- und Artificial-Intelligence-Hype habe 2013 begonnen. Medien berichteten damals, dass Google 8 Robotik-Firmen in 6 Monaten gekauft habe. Heute sei der Hype noch grösser. Die Entwickler von «AlphaGo» verglichen ihre künstliche Intelligenz gar mit der Mondlandung. Das sei absurd, sagte Pfeifer. «AlphaGo» sei zwar ein extrem leistungsfähiger Algorithmus. Er habe aber null Kompetenz und wisse nicht einmal, dass er Go spiele und dass Go ein Spiel sei, sagte Pfeifer. Man müsse immer zwischen Performance und Kompetenz unterscheiden. Es reiche, das Spielfeld von 19x19 auf 18x18 Felder zu verkleinern – und «AlphaGo» könne keinen einzigen Zug mehr machen. Der Mensch hingegen schon. «Wo sehen Sie selbstfahrende Autos?» Pfeifer zeigte am Beispiel der selbstfahrenden Autos, dass die Entwicklung der Technik alles andere als schnell voranschreitet. Der deutsche Robotiker Ernst Dickmanns habe das erste selbstfahrende Auto bereits 1987 an der Universität der Bundeswehr in München entwickelt. Es konnte schon damals auf einer normalen Strasse fahren, mit 90 Kilometern pro Stunde. Seither sind 30 Jahre vergangen. «Und jetzt schauen Sie mal nach draussen! – Wo sehen Sie selbstfahrende Autos?» Doch was können wir gegen den Hype tun? Es sei wichtig, ehrlich und realistisch über den aktuellen Stand der Robotik zu informieren. Ohne grosse Erwartungen zu schnüren. Man müsse den Menschen klar machen, dass Roboter sie nicht ersetzen können. Die Zukunft seien Kooperationen zwischen Menschen und Robotern. www.netzwoche.ch © netzmedien ag 18 / 2017

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