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Netzwoche 18/2018

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14 Business Event

14 Business Event Übermorgen bleibt das Smartphone beim Einkauf in der Tasche Wie zahlen wir heute, morgen und übermorgen? Das Swiss Payment Forum widmete sich dem Druck der Digitalisierung auf die Bankenwelt, den Veränderungen im Zahlungsverkehr und den Konsequenzen für die Gesellschaft. Es gab angeregte Debatten, Tipps für Unternehmen und Gelegenheiten zum Networken. Autor: Oliver Schneider « Nur wenn sie bereit sind, ihre eigenen Geschäftsmodelle zu kannibalisieren, werden sie mit digitalen Plattformen erfolgreich sein. » David Kauer, Lead Innovator und Mitglied des Managements, Postfinance Artikel online auf www.netzwoche.ch Webcode DPF8_114332 Banken haben es heute nicht einfach. Jahrzehntelang waren sie fast alleinige Hüter über Portemonnaies, Investitionen und Transaktionen. Doch mit der Digitalisierung ist die Finanzwelt kräftig unter Druck geraten. Die Erwartungen der Kunden ändern sich, neue Player machen den etablierten Finanzdienstleistern Konkurrenz und digitale Technologien transformieren Zahlungen und Einkauf. Was die Trends der Branche sind und wie Unternehmen darauf reagieren können, darum drehte sich die siebte Ausgabe des Swiss Payment Forums. Im ersten Referat erfuhren die Besucher von Sandro Graf, Leiter des Swiss Payment Research Centers an der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften, welche Zahlungsmittel die Schweizer im Jahr 2018 nutzten. Graf stellte einige Ergebnisse des Swiss Payment Monitor 2018 vor. «Cash ist nicht mehr King», sei eines davon. «Die Debitkarte ist das beliebteste Zahlungsmittel in der Schweiz», lautete ein anderes. Gegenüber dem kontaktlosen Zahlen und dem Mobile Payment bestehen hingegen noch einige Vorbehalte, wie Graf sagte. Insbesondere das Zahlen per Smartphone sei im Laden immer noch mit zu viel Zeitaufwand und umständlichen Systemen verbunden. Eine Folge davon: Erst 1,5 Prozent aller Transaktionen finden laut Umfrage mittels Mobile Payment statt. Wenn das Smartphone selbst kauft Für David Kauer, Lead Innovator der Postfinance, war das Schlagwort «Mobile First» nur ein Schritt auf dem Weg zur «digitalsten Bank der Schweiz». Dieses Ziel wolle Postfinance bis 2020 erreichen und Kauer zeigte, wie das vonstatten gehen soll. Ein grundlegendes Problem vieler Banken sei, dass sie nicht klar zwischen Digitalisierung und digitaler Transformation unterschieden. Digitalisierung, das heisse, die Hausaufgaben zu machen. Das sei ungefähr so innovativ, wie sich morgens die Schuhe zu binden, sagte Kauer. Digitale Transformation dagegen verlange dem Unternehmen viel mehr ab. Da gehe es um den Wandel von Kulturen und Mentalitäten. Für diese Transformation seien eventuell auch radikale Schritte nötig. «Nur wenn sie bereit sind, ihre eigenen Geschäftsmodelle zu kannibalisieren, werden sie mit digitalen Plattformen erfolgreich sein», sagte Kauer. Postfinance verfolge vor diesem Hintergrund drei Strategien. Erstens sollen die bestehenden Prozesse digitalisiert werden. Zweitens werde der Ausbau des Angebots durch Pilotprojekte vorangetrieben. Und drittens entwickle die Bank neue Geschäftsfelder, die über das bestehende Geschäft hinausgingen. Bei der Umsetzung dieser Strategie seien noch diverse Hürden zu überwinden, so Kauer. Nicht nur für Postfinance, sondern für die ganze Finanzbranche. Die IT müsse für das digitale Banking fit gemacht werden. Das heisse: mehr Virtualisierung, mehr Cloud, mehr Automatisierung und offene Schnittstellen. Kauer zeigte verschiedene Angebote, die Postfinance im Lauf des kommenden Jahres lancieren will. Eines davon ist die App «E-Wallet». Diese soll weltweite Zahlungen mit verschiedenen Zahlungsmitteln per Touch-ID ermöglichen und so eine «neue Shoppingwelt» schaffen. Auf das Zahlen per Smartphone (Mobile First) soll dann bis 2025 ein Einkaufen folgen, bei dem die App direkt im Laden interessante Produkte vorschlägt und vom Verhalten des Kunden lernt (AI First). Die Zahlung selbst werde dann beim Verlassen des Geschäfts im Hintergrund automatisch abgewickelt, das Smartphone könne wie bei der ÖV- App Fairtiq in der Tasche bleiben. Der Service werde den Kunden womöglich besser kennen, als dieser sich selbst kennt, sagte Kauer. 18 / 2018 www.netzwoche.ch © netzmedien ag

Business EU-Datenschutz-Grundverordnung 15 EU-DSGVO: Darf man eigentlich noch Weihnachtskarten versenden? Dürfen Unternehmen eigentlich noch Weihnachtskarten an Kunden versenden? Oder sollten sie das wegen der EU-Datenschutz-Grundverordnung besser unterlassen? Martin Steiger, Rechtsanwalt und Gründer der Anwaltskanzlei Steiger Legal, klärt diese Frage in einem Gastbeitrag. Bald ist Weihnachten. Dürfen Unternehmen mit Geltung der neuen EU-Datenschutz-Grundverordnung (EU­ DSGVO) seit dem 25. Mai 2018 eigentlich noch Weihnachtskarten an Kunden versenden (lassen)? Die scheinbar einfache Antwort lautet: Ja, sofern die betroffene Person ihre Einwilligung erteilt hat (Art. 6 Abs. 1 lit. a DSGVO). Allerdings hat bislang kaum ein Unternehmen seine Kunden ausdrücklich gefragt, ob sie Weihnachtskarten erhalten möchten. Zum Glück findet sich auch für diesen Fall eine mögliche Antwort in der Grundverordnung. Alternative: Überwiegende berechtigte Interessen Für den Versand von Weihnachtskarten an Kunden müssen personenbezogene Daten verarbeitet werden. Die Verarbeitung ist nicht nur rechtmässig, wenn eine Einwilligung vorliegt, sondern gemäss Art. 6 Abs. 1 lit. f DSGVO auch, wenn sie zur Wahrung der überwiegenden berechtigten Interessen des verantwortlichen Unternehmens erforderlich ist. Die Frage, was überwiegende berechtigte Interessen sind, beantwortet Erwägungsgrund 47, wo es unter anderem heisst: «Ein berechtigtes Interesse könnte beispielsweise vorliegen, wenn eine massgebliche und angemessene Beziehung zwischen der betroffenen Person und dem Verantwortlichen besteht, zum Beispiel wenn die betroffene Person ein Kunde des Verantwortlichen ist […].» Und: «[…] wobei auch zu prüfen ist, ob eine betroffene Person zum Zeitpunkt der Erhebung der personenbezogenen Daten und angesichts der Umstände, unter denen sie erfolgt, vernünftigerweise absehen kann, dass möglicherweise eine Verarbeitung für diesen Zweck erfolgen wird. […]» Wer Kunde bei einem Unternehmen ist, darf und muss damit rechnen, eine Weihnachtskarte zu erhalten. Genauso Personen, die noch nicht Kunden sind, aber ihre Adresse einem Unternehmen mitgeteilt haben, zum Beispiel durch Übergabe ihrer Visitenkarte anlässlich einer Messe oder sonstigen Veranstaltung. Im Ergebnis gehe ich davon aus, dass Weihnachtskarten auch nach Geltung der EU-DSGVO grundsätzlich noch verschickt werden dürfen. Einige Hinweise ·· Private Weihnachtskarten, versendet «durch natürliche Personen zur Ausübung ausschliesslich persönlicher oder familiärer Tätigkeiten», sind nicht betroffen (Art. 2 Abs. 2 lit. c DSGVO). ·· Einwilligungen gemäss DSGVO sind riskant, denn die Anforderungen an ihre Gültigkeit sind hoch. Der Versuch, mit Einwilligungen zu arbeiten, ist deshalb nur scheinbar die einfachste Antwort im Umgang mit der DSGVO. ·· Egal, ob Einwilligung oder überwiegende berechtigte Interessen: Die betroffene Person, das heisst der Empfänger einer Weihnachtskarte, muss auf ihr Widerspruchsrecht gemäss Art. 21 DSGVO hingewiesen werden. Ob man sich (und den Datenschutz) mit einem solchen Hinweis bei den Empfängern von Weihnachtskarten lächerlich machen möchte, ist Teil der üblichen datenschutzrechtlichen Risikoabwägung … ·· Die DSGVO gilt nicht innerhalb der Schweiz, zum Beispiel zwischen Unternehmen und ihren Kunden jeweils in der Schweiz. Sie betrifft aber viele Schweizer Unternehmen, weil sie Kunden im Ausland – beispielsweise in Deutschland, im Fürstentum Liechtenstein und in Österreich – haben. ·· Weihnachtskarten von Unternehmen sind eine Form von Direktwerbung. Wer Weihnachtskarten nicht traditionell per Briefpost, sondern per E-Mail, Instant Messaging oder Social Media versendet, benötigt in vielen Fällen Einwilligung der Empfänger – nicht aus datenschutzrechtlichen, sondern aus lauterkeitsrechtlichen Gründen (Art. 3 Abs. 1 lit. o UWG in der Schweiz, § 7 Abs. 3 UWG in Deutschland). ·· Weihnachtskarten werden häufig bei Dritten unter Verwendung von Personendaten gedruckt. In diesem Fall muss sichergestellt werden, dass solche Dritten das Datenschutzrecht einhalten. Viele Druckereien haben ihre Informationen und Verträge an die DSGVO angepasst. Der Originalartikel findet sich auf der Website der Steiger Legal AG: steigerlegal.ch/2018/10/24/dsgvo-weihnachtskarten DER AUTOR Martin Steiger Anwalt und Unternehmer für Recht im digitalen Raum Dossier online auf www.netzwoche.ch/eu-dsgvo www.netzwoche.ch © netzmedien ag 18 / 2018

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