Aufrufe
vor 1 Jahr

Netzwoche 18/2018

  • Text
  • Unternehmen
  • Schweiz
  • Netzmedien
  • Schweizer
  • Apps
  • Swiss
  • Webcode
  • Digital
  • Frauen
  • Entwicklung

44 Technology Focus

44 Technology Focus Wearables sind überall Wearables: fantastische Science-Fiction-Geräte, oder? Heute tragen viele von uns smarte Uhren oder Kopfhörer mit integrierten Assistenten wie Alexa, Google oder Siri. Mit der Veröffentlichung von iOS 12 hat Apple nun neue Möglichkeiten für Wearables geschaffen. Zwei werden aus Sicht eines App-Entwicklers als praxisorientierte Beispiele beleuchtet. DER AUTOR Christian Stocker Mitgründer von Liip Zum ersten Mal ist es für App-Entwickler möglich, direkt über Siri mit dem Nutzer zu interagieren. Mit Empfehlungen und Shortcuts oder dem Siri Watch Face. Wird wiederkehrend die gleiche Pizza über eine App bestellt, bietet Siri beim nächsten Mal im Sperrbildschirm oder auf der Apple Watch diese Pizza an. Mit der Einrichtung eines Shortcuts und dem Befehl an Siri «Bestell mir eine Pizza» kann ohne App, sondern über die Uhr, die Pizza bestellt werden. Mit der separaten Shortcut-App ergeben sich weitere Möglichkeit, das Leben über Wearables zu steuern: Ein Ablauf kann erstellt werden. Dieser berechnet den Arbeitsweg, weiss die Ankunftszeit zuhause, schaltet das Licht im Büro aus, bestellt Pizza und schreibt eine Nachricht an die Liebsten mit der Ankunftszeit. Siri lernt, Informationen zu beschaffen Auch zur Informationsbeschaffung kann das Wissen genutzt werden. Die App «Time for Coffee!» macht das für ÖV-Abfahrtszeiten, «Carrot Weather» für Wettervorhersagen. Beide unterstützen die Siri-Integration. Siri liest den Wetterbericht vor oder sagt, wann der nächste Zug fährt. Benutzt der User das Siri Watch Face, werden die nächsten Abfahrtszeiten oder morgens die Wetterprognose auf der Apple Watch präsentiert. Siri lernt dabei vom Benutzungsmuster und zeigt die Daten zum passenden Zeitpunkt an. Damit sind die benötigten Informationen immer zur Hand oder im Ohr – ohne dass das Smartphone hervorgegraben werden muss. Diese Möglichkeiten sind noch nicht perfekt. Denn Siri kann keine weiterführenden Informationen an die App weiterleiten. Wann der nächste Zug nach Bern fährt, muss beispielsweise fix beigebracht werden. Später wird Siri den Satz «Wann fährt der nächste Zug nach Zürich?» trotzdem nicht verstehen. Es werden zwei verschiedene «Lernsätze» benötigt. Assistenten trainieren und programmieren Innerhalb der Shortcut-App sind die Möglichkeiten für App-Entwickler limitiert. Die Eingabe-/Ausgabe-Parameter für die eingebauten Aktionen fehlen. Beide beschriebenen Apps versuchen, diese Einschränkungen über die Zwischenablage zu lösen. Das erhöht die Komplexität in der Workflow-Erstellung. Die Hoffnung besteht, dass Apple in einer nächsten Version die Möglichkeiten für noch flexiblere Workflows einbaut. Siri denkt mit und zeigt die passenden Aktionen nur an, wenn sie für die Nutzer nützlich sein könnten. Erhöhte Nutzerinteraktion dank Programmierung Die neuen Features in iOS 12 erlauben vielseitige Interaktion mit Benutzern einer App. Sie helfen, wiederkehrende Tasks zu automatisieren und die App zu benutzen, selbst wenn die Benutzung eines Smartphones unangebracht ist. Trotzdem bringen sie die User zurück zur App. Allerdings ohne dabei gleich auf die oft störenden Notifications zu zufälligen Zeitpunkten zurückgreifen zu müssen. Siri denkt mit und zeigt die passenden Aktionen nur an, wenn sie für die User nützlich sein könnten. Es lohnt sich jedenfalls für App-Entwickler, diese neuen Möglichkeiten anzuschauen. 18 / 2018 www.netzwoche.ch © netzmedien ag

Technology Focus 45 Wearables und dazugehörige Apps aus Sicht des Datenschutzes Wearables, sprich am Körper tragbare Gadgets, die verschiedenste Messdaten erheben, sind nach wie vor populär. Die Messungen werden immer präziser und vielfältiger. Die durch Wearables erhobenen Daten dienen dabei nicht nur dem Nutzer, sondern können auch von den Anbietern oder Dritten zu Marketing- oder Forschungszwecken eingesetzt werden. Hinsichtlich Datenschutz kommt Nutzern die schwierige Aufgabe zu, unter den Wearables und deren Anbietern die Spreu vom Weizen zu trennen. Wearables sind heute aus den Bereichen Lifestyle und Sport nicht mehr wegzudenken. Die bekanntesten Beispiele sind Smartwatches und Fitnessarmbänder. Wearables werden in der Regel mit einer App genutzt, über welche die Messdaten gespeichert und ausgewertet werden können. Im Laufe der Nutzung des Wearables kann sich eine beträchtliche Datenmenge, auch sensibler Natur, ansammeln. Vonseiten der Datenschützer wird insbesondere die fehlende Transparenz bei einzelnen Anbietern über das tatsächliche Ausmass ihrer Datenbearbeitung kritisiert. Bei Apps hat sich gezeigt, dass sich durch die Hintertür auch Zugriff auf etwa Kontaktdaten oder Standortdaten verschaffen lässt auch ausserhalb der Inbetriebnahme von App und Wearable. Regelungen in der EU-DSGVO Die Europäische Datenschutz-Grundverordnung (EU- DSGVO) enthält zwei Regelungen, die für Wearables und dazugehörige Apps von besonderem Interesse sind: die Prinzipien Privacy by Design/Privacy by Default sowie das Recht auf Datenportabilität. Privacy by Design verlangt nach einer datenschutzfreundlichen Ausgestaltung der einem Produkt zugrundeliegenden Technik, Privacy by Default die datenschutzfreundliche Ausgestaltung von Werkseinstellungen. Das Recht auf Datenportabilität beabsichtigt, sogenannte Lock-in-Effekte zu verhindern und Nutzern einen Anbieterwechsel inklusive Datenmigration zu ermöglichen. Die Situation im Schweizer Datenschutzrecht Der Entwurf zum revidierten Schweizer Datenschutzgesetz sieht die Einführung von Privacy by Design und Privacy by Default, nicht aber ein Recht auf Datenportabilität vor. Schon im geltenden Schweizer Datenschutzrecht gelten auch für Wearables und die dazugehörigen Apps die allgemeinen Grundsätze von Transparenz, Zweckbindung und Verhältnismässigkeit. Anbieter sind folglich verpflichtet, spätestens bei Erhebung personenbezogener Daten transparent darüber zu informieren, welche Daten sie bearbeiten. In Kombination mit dem Zweckbindungsgrundsatz bedeutet dies auch, dass der Nutzer in transparenter und klarer Weise über die Bearbeitungszwecke informiert werden muss. Der Grundsatz der Verhältnismässigkeit ist eigentlich sehr ähnlich zum Ansatz Privacy by Design und verlangt, dass nur jene Daten bearbeitet werden, die für das Erreichen des jeweiligen Zwecks notwendig sind. Sollen personenbezogene Daten auch unternehmenseigenen Zwecken des Anbieters oder Zwecken Dritter dienen, muss dies klar kommuniziert und im Regelfall die Zustimmung des Nutzers eingeholt werden. Pflichtlektüre Datenschutzerklärung Die Information zur konkreten Datenerhebung und -bearbeitung erfolgt üblicherweise in der Datenschutzerklärung, die dem Nutzer bei der Installation oder beim Herunterladen der App angezeigt wird. Der Grossteil der Nutzer installiert Wearables und dazugehörige Apps, ohne sich über die konkrete Datenerhebung und -bearbeitung zu informieren. Informationelle Selbstbestimmung bedeutet aber auch Aktivierung des Bewusstseins bezüglich Sensibilität der eigens zur Verfügung gestellten Daten. Im Zweifelsfall ist ein Verzicht auf Nutzung einer datenschutzrechtlich fragwürdigen Dienstleistung nämlich das effektivste Mittel für den Datenschutz. DIE AUTORIN Claudia Keller Rechtsanwältin, Wenger & Vieli Bild: Freepik.com www.netzwoche.ch © netzmedien ag 18 / 2018

Archiv