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Netzwoche 18/2019

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38 Technology Focus «

38 Technology Focus « Automatisierung im Monitoring ist absolut zwingend » Hyperscaler, Infrastructure-as-a-Service, Hybrid und Multi Cloud. Das Management von Cloud-Umgebungen ist für viele Unternehmen eine Herausforderung. Welche Werkzeuge es dafür gibt, worauf es ankommt und wie man die Kosten unter Kontrolle behält, verraten Oliver Gilbert und Stefan Schillings von der Hochschule Luzern. Interview: Oliver Schneider Unternehmen haben heute meistens einen Cloud-Mix im Einsatz. Wo liegen die grössten Herausforderungen, dieses Nebeneinander im Griff zu behalten? Oliver Gilbert: Als generelle Herausforderung gilt es, Management und Monitoring im Griff zu behalten. Durch die Diversität mit hybriden und Multi-Cloud-Umgebungen wird die IT vor allem in puncto Sicherheit, Transparenz und Skalierbarkeit vor eine grössere Herausforderung gestellt. Stefan Schillings: Durch die deutlich höhere Dynamik bei den Hyperscalern in Bezug auf neue Produkte, Funktionen oder Releases nimmt das IT-Service-Management eine noch viel grössere Bedeutung ein. Insbesondere das Change-Management erhält eine zentrale Stellung im Unternehmen, um jederzeit auskunftsfähig bei Ereig nissen, Problemen oder grösseren Ausfällen zu sein. Ein aktuelles Service-Inventar mit den Kontaktdaten zu den Serviceprovidern – Infrastructure-as-a-Service, Platform-as-a-Service und auch Software-as-a-Service – ist ein Muss. Was muss man beim Monitoring von Hybrid-Cloud-Umgebungen besonders beachten? Gilbert: Bei Hybrid-Cloud-Umgebungen ist es unbedingt notwendig, die vorhandene Monitoring-Lösung mit ganzheitlichen Lösungen zu vergleichen. Erst die Integration und Abbildung der On-Premise- und Cloud- Systeme in eine unternehmensübergreifende Monitor- Plattform bietet eine lückenlose Überwachung und Skalierung. Schillings: Zudem es ist wichtig, die anfallenden Metriken und Daten, etwa Events und Logs, dann zentral und strukturiert auf der gewählten Monitoring-Plattform aufzubauen. « Je grösser der Cloud- Anbieter ist, desto umfangreicher werden die APIs sein. » Stefan Schillings, Unabhängiger Cloud- Berater und Dozent CAS Cloud and Platform Manager, HSLU Es sind zahlreiche Tools für das Monitoring von Cloud-Umgebungen auf dem Markt. Wie findet man sich da zurecht? Gilbert: Eine systematische, analytische Herangehensweise ist hier absolut anzuraten. Ein genaues Architekturabbild mit Systemen, Plattformen und Betriebsmodellen kann als Ausgangslage dienen, um einen individuellen Anforderungskatalog inklusive Prozesse und Metriken zu erstellen. Auf dieser Basis kann der Überblick über die eigene Priorisierung gewahrt bleiben und der Markt an Lösungen gescreent werden. Schillings: Meines Wissens ist BMC und Servicenow sehr weit, gefolgt von Ivanti und Cherwell. Warum braucht es überhaupt Lösungen von Drittanbietern? Schillings: Monitoring als Teil des Servicemanagements muss beim Einsatz von hybriden Umgebungen oder Multi Cloud unabhängig vom Infrastrukturprovider sein. Ansonsten gehen alle Vorteile wie die rasche Verschiebung von Workloads infolge von Preisvorteilen, neuen Funktionen oder Resilienz wieder verloren. Der Nichteinsatz eines Drittanbieters würde zu einer Bindung, also einem Silo führen. 18 / 2019 www.netzwoche.ch © netzmedien ag

Technology Focus 39 Wo liegen die Unterschiede zwischen den Anbietern? Schillings: Wenn man zum Monitoring auch das Cost- Management, Reporting, die Correlation und so weiter dazu nimmt, dann ergeben sich einige grosse Unterschiede. Die genannten Hersteller sind bei der Integration der Hyperscaler ganz unterschiedlich unterwegs. Wichtig ist zu wissen, was das eigene Unternehmen braucht und was die Roadmap der Firmen ist. Was sollte ein Tool fürs Monitoring von Cloud-Umgebungen alles leisten? Gilbert: Eine Monitoring-Plattform bietet die beste Möglichkeit, eine konkrete Konsolidierung in die Gesamtlandschaft zu erreichen sowie die Früherkennung von Engpässen in einer stufengerechten Darstellung aller Information zielgerichtet abzubilden. Dadurch können die IT-Ressourcen nachhaltig und effizient optimiert und damit die wichtigsten Funktionen abgebildet werden. « Bei Hybrid-Cloud-Umgebungen ist es unbedingt notwendig, die vorhandene Monitoring-Lösung mit ganzheitlichen Lösungen zu vergleichen. » Oliver Gilbert, Studienleiter CAS Cloud and Platform Manager, HSLU Inwiefern lässt sich das automatisieren, eventuell mit künstlicher Intelligenz (KI)? Schillings: Automatisierung im Monitoring ist absolut zwingend. Neue Ressourcen müssen gleich nach der Bereitstellung vollautomatisch ins Servicemanagement eingebunden werden, ohne das Zutun manueller Prozesse. Auf Ebene der Daten und Kommunikation wird KI sicher in Zukunft neue Möglichkeiten bieten. Wer ist im Unternehmen fürs Cloud-Monitoring zuständig? Schillings: Ganz klar der Business- oder Applikations- Owner. Er entscheidet, in welcher Umgebung seine Anwendung läuft, wie die Architektur ist und welches die eingesetzten Produkte sind. Er kennt den Stand der Maturität seiner Anwendung und wann sie produktiv ist. Gilbert: In KMUs hingegen wird sich die IT-Abteilung konsolidiert um das Monitoring der Systeme als Businesspartner der Fachbereiche kümmern, weil nicht immer für alle Applikationen dezidierte Owner existieren. Welche der vielen Parameter einer Cloud muss man eigentlich im Blick behalten? Schillings: Die Basis bilden das Capacity-Monitoring, also die eingesetzten Ressourcen, und somit die Kosten, wie auch die Performance. Wie unterscheidet sich das Monitoring von reinen On-Premise-Infrastrukturen vom Cloud-Monitoring? Schillings: Sie müssen sich nicht unterscheiden, die Realität sind aber die APIs. Je grösser der Cloud-Anbieter ist, desto umfangreicher werden die APIs sein. Gilbert: Wie eingangs erwähnt, würde ich sogar dafür plädieren, eine einheitliche Monitoring-Plattform aufzubauen, welche die verschiedenen Modelle zusammenführt. Cloud-Provider köderten Unternehmen in den vergangenen Jahren mit Kosteneinsparungen in die Cloud. Wie sieht die Realität heute aus? Schillings: Man muss den einzelnen Case ganz genau betrachten und wann die Kosteneinsparungen anfallen werden. Bei einer neuen Applikation und somit der Frage nach neuen Investitionen, oder deutlich dichteren Releasefenstern, hat die Cloud deutliche Vorteile. Auf den Marktplätzen der Cloud-Anbieter finden sich laufend neue Services, die kleine und mittlere Unternehmen gar nicht so rasch entwickeln und betreiben können. Auch die Alterspyramide der kommenden Jahre muss in die Kostenrechnung einfliessen. Hersteller von Monitoring-Tools versprechen, Unternehmen könnten damit die Kosten von Cloud-Services überwachen. Wie soll das gehen? Schillings: Diese Funktion ist zwingend, um die Rentabilität des eigenen Unternehmens zu sichern. Die zuvor genannten Hersteller haben in unterschiedlicher Ausprägung diese Funktion implementiert. In Zukunft muss aber die Kostensteuerung noch viel stärker in den Vordergrund treten. Beispiele sind Kostenvergleiche zwischen den Anbietern oder die automatische Anpassung der Kapazitäten auf die Nutzung, bis auf das Herunterfahren von Ressourcen ausserhalb der Nutzungszeiten. Den Interview finden Sie auch online www.netzwoche.ch www.netzwoche.ch © netzmedien ag 18 / 2019

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