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Netzwoche 18/2019

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44 Management & Career

44 Management & Career Aktuell WWW.NETZWOCHE.CH Die Schweiz auf dem Weg in die Arbeitswelt 4.0 sma. Eine Studie der Fachhochschule Nordwestschweiz gibt Auskunft über den Stand der digitalen Transformation in der Schweiz. Auf dem Weg zur Arbeitswelt 4.0 fehlt es vielen Unternehmen an einer klaren Strategie. 88 Prozent der befragten Unternehmen gaben in der Studie an, sich mit der Transformation der Arbeitswelt zu beschäftigen. Allerdings binden nur 42 Prozent der Unternehmen ihre Mitarbeiter aktiv in den Prozess ein und lassen so Potenzial ungenutzt. HSLU lanciert neue Studien gänge rja. Die Hochschule Luzern baut ihr Angebot an Kursen, die auf Digitalisierung ausgerichtet sind, weiter aus. Wie die HSLU in einer Mitteilung schreibt, lanciert sie ab 2020 Bachelor-Studiengänge in «Digital Construction» und «Digital Engineering». Die neuen Studiengänge setzen auf Interdisziplinarität. Mit der Digitalisierung befinden sich die Arbeitsfelder von Ingenieuren und Architekten mitten in einem rasanten Umbruch. Die Studiengänge können wahlweise im Vollzeit- (6 Semester) oder Teilzeitmodus (8 Semester) belegt werden. So viel mehr verdienen Schweizer ICT-Fachkräfte jor. Schweizer Löhne dürften 2019 um 0,9 Prozent steigen. Im kommenden Jahr soll der nominale Lohnanstieg jedoch um 0,1 Prozentpunkte abnehmen, wie die UBS auf Basis ihrer jährlichen Lohnumfrage schätzt. Die Bank rechnet damit, dass ein wirtschaftlicher Abschwung die Lohnsteigerungen bremsen wird. Die hiesige ICT-Branche profitiert indes von überdurchschnittlichen Gehaltserhöhungen. 2019 sollen die Löhne im ICT- Sektor um 1,3 Prozent zunehmen. Nächstes Jahr soll der Lohnanstieg jedoch auch in der ICT-Branche abnehmen. Wohin Schweizer Unternehmen ihre IT auslagern jor. Wer IT-Aufgaben ins Ausland verlagern will, muss sich zwischen Near- und Offshoring entscheiden. Nearshoring, die Auslagerung ins nahe Ausland, werde für Schweizer IT- Dienstleister immer wichtiger, teilt die Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) mit. Die Fachhochschule erstellte einen sogenannten Nearshoring-Index, der ein Ranking der attraktivsten Standorte fürs Nearshoring darstellen soll. Das wichtigste Kriterium bei der Auswahl eines Near shoring-Standorts sei der Arbeitsmarkt respektive ein gros ses Angebot an IT-Fachkräften. Qualifizierte Arbeitskräfte seien sogar wichtiger als tiefe Kosten. Den vollständigen Artikel finden Sie online www.netzwoche.ch Grossbritannien top, Osteuropa not Im Ranking liegt London vorne, dicht gefolgt von den Regionen Südostengland und Bayern. «Auch grössere Metropolregionen wie Berlin, Amsterdam und Madrid sind für die Auslagerung der Geschäftstätigkeiten besonders attraktiv», lässt sich ZHAW-Studienleiter Benedikt Zoller-Rydzek in der Mitteilung zitieren. Osteuropäische Regionen seien aufgrund des relativ knappen Angebots an IT-Fachkräften sowie wegen einer grossen geografischen und kulturellen Distanz für Schweizer IT-Firmen nicht besonders attraktiv. Diese Faktoren könne auch das niedrige Lohnniveau in diesen Regionen nicht kompensieren. Rang Region 1 London 2 Südostengland 3 Bayern 4 Berlin 5 Dänemark 6 Ostengland 7 Baden-Württemberg 8 Nordrhein-Westfalen 9 Hamburg 10 Irland Auszug aus dem ZHAW-Ranking der attraktivsten Nearshoring-Standorte. Unternehmen geizen bei Digitalisierung ael. 76 Prozent der Schweizer Familienunternehmen und KMUs erwarten in den kommenden zwölf Monaten eine positive Umsatzentwicklung. Das zeigt die Studie «European Private Business Survey 2019». Dafür befragte das Beratungsunternehmen PWC knapp 2500 Unternehmen in 31 europäischen Ländern. Die Konkurrenz für KMUs ist gross Trotz zuversichtlicher Stimmung sei für Schweizer Familienunternehmen das wirtschaftliche Terrain eher schwierig. Der Binnenmarkt ist oft eher klein, weswegen sich viele Unternehmen international ausrichten. Die Konkurrenz ist jedoch gross, der Wettstreit enorm: Vor allem Mitbewerber aus dem asiatischen Raum entwickeln sich sehr schnell und profitieren zudem von günstigen Produktionskapazitäten, wie es in der Studie heisst. Den Fokus verlegen Wer mit diesen rasanten Entwicklungen mithalten wolle, komme um die Digitalisierung nicht herum. Die Branche und Firmengrösse spielten dabei keine Rolle. International hätten das viele KMUs und Familienunternehmen erkannt. In der Schweiz sei dieses Bewusstsein noch nicht so verbreitet, heisst es in der Studie. Nur 51 Prozent der Betriebe erachteten die Digitalisierung als relevant. Verglichen mit Grossbritannien (85 Prozent) gebe es noch Luft nach oben. Im Allgemeinen verstehen Schweizer Unternehmen die Digitalisierung als rein technische Angelegenheit. Nur gut ein Drittel der Firmen geht das Thema strategisch an. Am wichtigsten erachten die Studienteilnehmer zukunftsfähige IT (66 Prozent), die Entwicklung von digitalen Geschäftsmodellen (42 Prozent) und die Zusammenarbeit mit Partnern (33 Prozent), wie aus der Studie hervorgeht. Im Vergleich zu den Nachbarländern sind Schweizer Unternehmen sehr zurückhaltend bei Investitionen in die Digitalisierung. Deutsche und österreichische Unternehmen planen rund 24 Prozent ihres Investitionsvolumens für die Digitalisierung ein. Den vollständigen Artikel finden Sie online www.netzwoche.ch Quelle: nearshoring.shinyapps.io/io_iframe/ Hingegen wollen nur 8 Prozent der hiesigen Firmen mehr als 5 Prozent dafür ausgeben. 18 / 2019 www.netzwoche.ch © netzmedien ag

Management & Career Porträt 45 Vom Festkörperforscher zum Softwareunternehmer Physiker, Futurist und vor allem Unternehmer – Lukas Eppler jagt immer dem Neuen hinterher. Mit seiner Firma Simplificator will er ein kreatives und produktives Umfeld für Softwareentwickler schaffen. Anlass zur Gründung war eine schwierige Phase, als Eppler erlebte, was beim Outsourcing alles schiefgehen kann. Autor: Joël Orizet Das Büro wirkt wie eine Mischung aus Werkstatt und Atelier. Mittendrin ragt eine Sitzkonstruktion aus Sperrholz bis zur Decke. Entlang der Fenster stehen Tische, aneinandergerückt zu Arbeitsinseln voller Monitore. Es duftet nach frischem Kaffee und Fertignudeln. Überall liegen Filzstifte und Post-it-Zettel herum. «Wir brauchen diese Art von Labor-Atmosphäre», sagt Lukas Eppler, Geschäftsführer des Zürcher Softwareunternehmens Simplificator. «Ich will eine Umgebung schaffen, wo Programmierer ihr Potenzial ausschöpfen können.» Dieser Wunsch kam auf, als Eppler eine einschneidende Erfahrung machte. 2003 hatte er gemeinsam mit einem Freund die Print-at-Home-Lösung von Starticket aufgebaut. Eppler entwickelte die Lösung einige Jahre weiter, bis Starticket auf die Idee mit dem Outsourcing kam: Ein indischer IT-Dienstleister erhielt den Auftrag, die Software neu zu schreiben. Doch das Projekt lief aus dem Ruder. Es folgte ein bürokratisches Hin und Her, ein langwieriger Prozess mit enttäuschendem Ergebnis. «Ich hatte das Gefühl, dass die Firma nicht versteht, was IT bedeutet.» Fasziniert von Physik, getrieben von Leidenschaft Zu dieser Zeit bekam Eppler erstmals ein Buch über agile Softwareentwicklung in die Finger. Und er entdeckte das Web-Framework Ruby on Rails. «Das hat mir die Augen für dynamische Entwicklung geöffnet.» Da sei ihm klar geworden, dass er etwas Eigenes aufbauen wolle. 2007 ging er mit Simplificator an den Start. Zu den Grundwerten des Unternehmens zählen Kundennähe sowie die Maximen: «love what you do» und «dare to question». Eppler wirkt begeistert wie ein Junge im Spielzeugladen, wenn er über Technologie spricht. Computer faszinierten ihn seit seiner Kindheit. Mit 17 entschied er sich jedoch gegen ein Informatikstudium. Programmiersprachen seien so schnelllebig, dachte er sich: «Was heute gelehrt wird, ist morgen überholt.» Also schrieb er sich an der ETH für experimentelle Physik ein, forschte zu Festkörpern und schloss in London mit einer Arbeit über Quantenpunkte ab. «Es war eine sehr harte Zeit, aber auch eine wertvolle Denkschule», sagt er. Nach dem Abschluss machte er sich auf die Suche nach einer Geschäftsidee. Von Lichtorgeln und anderen Lösungen Dass ein erfinderischer Unternehmer in ihm steckt, merkte Eppler als Teenager. Mit 14 gründete er seine erste Firma. Er hatte mit einem Schulfreund eine Lichtorgel gebaut und sie mit einem C64 verbunden. Ursprünglich ging es darum, Discos zu veranstalten. Doch bald witterten die beiden ein Geschäft. Für 50 Franken pro Abend vermieteten sie ihre Lichtanlage an Bekannte. Bis sie eines Abends den Transformator überlasteten und Rauch aus der Tastatur aufstieg. «Von diesem Vorfall haben wir uns nie erholt», sagt Eppler und lacht. Tatsächlich hatte er damals gelernt, was es heisst, Projekte durchzuziehen. Simplificator beschäftigt heute 15 Entwickler. Ihre Spezialität sind individuelle Software- und Weblösungen, Progressive Web Apps, UX-Design, Consulting und Support. Hauptsache, die Projekte seien spannend, sagt Eppler. So seien die Mitarbeiter mit Hingabe bei der Sache. Genau wie Eppler. Er philosophiert gern über die Zukunft. «Immer dem Neuen hinterher», sagt er. Kryptowährungen haben es ihm besonders angetan. «Ich glaube an die Zukunft von Bitcoin.» Deswegen baut er nun eine zweite Firma namens CBA Finance mit auf. Sie entwickelt eine Lösung für Arbitrage-Handel, also fürs Geschäft mit Kursschwankungen. Mehr will er noch nicht verraten. Nur so viel: «In der Krypto-Welt herrscht gerade Aufbruchstimmung wie im Wilden Westen.» Doch schon bald sei der Markt reif, sagt Eppler. «Die Blockchain macht das Internet erwachsen.» Den vollständigen Artikel finden Sie online www.netzwoche.ch « Ich will eine Umgebung schaffen, wo Programmierer ihr Potenzial ausschöpfen können. » Lukas Eppler, Mitgründer und Geschäftsführer, Simplificator www.netzwoche.ch © netzmedien ag 18 / 2019

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