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Netzwoche 19-20/2016

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18 People Live

18 People Live «Zwangsupdate». Die User, die ihre Apps automatisch aktualisieren (man schätzt, dass das etwa 60 Prozent sind) erhielten von einem Tag auf den anderen eine rundum erneuerte App und müssen sich erst wieder zurechtfinden und etwa verstehen, dass man in «SBB Mobile vNext» Tickets nur noch fahrplanbasiert kauft. Wird das erst verstanden, dann freuen sich auch diese Nutzer über die neue App. Die SBB bieten Support auf Twitter, via E-Mail, Telefon und als In-App-Chat. Gab es auch hier einen Ansturm wegen der App? In der Tat war unser Team im Contact Center in Brig stark gefordert. Pro Tag erhielten wir bis zu 1500 Anfragen und Rückmeldungen zur neuen App. Dieser umfassende Supportdienst ist für uns aber gleichzeitig eine grosse Hilfe, alle unsere Benutzer auf die Reise mit «SBB Mobile vNext» mitzunehmen. Haben die kritischen Rückmeldungen auch damit zu tun, dass es am Anfang in der neuen App viele Fehlermeldungen gab? Wo lagen die Probleme im Detail? Die neue App nutzt eine neue Schnittstelle, um auf den Fahrplan-Service zuzugreifen. Diese konnten wir mit unseren rund 350 000 Preview-Usern testen. Gleichzeitig führten wir Lasttests und Performance-Optimierungen durch, um für den grossen Ansturm am Launch-Tag gewappnet zu sein. Zu den täglichen Spitzenzeiten erhalten wir etwa 350 Anfragen pro Sekunde, und ausgelegt war das System auf maximal 800 Anfragen pro Sekunde. Wir hatten also theoretisch noch Marge. Leider hielt sich die Realität nicht an unsere Planung. Im Nachgang des positiven Berichts in der «Tagesschau» verzeichneten wir über 800 Anfragen pro Sekunde. Dieser Last hielten unsere Backendsysteme nicht stand. Die ersten drei Tage nach dem Launch waren für das ganze Team deshalb eine grosse Belastung, die wir uns und unseren Kunden gerne erspart hätten. Seither läuft der Betrieb nun aber stabil, und wir investieren weiter in Performance- Optimierungen und besser verständliche Fehlermeldungen. Wer nutzt die App intensiver, Android- oder iOS-Nutzer? Bei den Downloadzahlen seit dem Launch haben wir fast einen Gleichstand bei Android und iOS erreicht. Wenn es um die Ticketkäufe geht, so kommen aber nach wie vor zwei Drittel von iOS. Fazit: iOS verliert von sehr hohem Niveau aus auch in der Schweiz Marktanteile, wird aber einige Zeit noch die wichtigste und wohl mehrere Jahre noch eine bedeutende mobile Plattform sein. Was ist eigentlich mit Windows 10 Mobile? Gerne hätten wir bereits zum Launch SBB Mobile als Windows-Mobile-Version auf den Markt gebracht. Aber im Unterschied zu iOS sind bei Windows die mobilen Marktanteile nicht langsam, sondern im letzten Jahr rasant zurückgegangen und machen bei uns noch knapp 2,5 Prozent aus. Gleichzeitig haben die von Microsoft versprochenen Portierungshilfen «Astoria» für Android und «Islandwood» für iOS bisher nicht gehalten, was sie versprochen hatten. Wir verfolgen aber nach wie vor eine Universal- Windows-App, die dann nicht nur auf den Windows- Smartphones, sondern auch auf den zahlenmässig viel interessanteren Windows-10-PCs laufen würde. Was sind die nächsten Schritte für die neue SBB-App? Die Entwicklung der App ist noch längst nicht abgeschlossen. Wir haben aktuell in unserem Backlog Ideen und Anforderungen, die uns mindestens für die nächsten zwei Jahre noch beschäftigen werden. Wenn alles gut läuft, werden wir also auch in den nächsten Jahren wieder einmal einen Release von SBB Mobile bei Best of Swiss Apps einreichen können. « Zu den täglichen Spitzenzeiten erhalten wir etwa 350 Anfragen pro Sekunde. » Christof Zogg, Director Digital Business bei den SBB 1920 / 2016 www.netzwoche.ch © netzmedien ag

People Live 19 «Wenn man am selben Strick zieht, sind kulturelle Unterschiede bereichernd» Ubique Innovation hat bei der Entwicklung der neuen SBB-App kräftig mitgeholfen. Die Agentur war für den Touch- Fahrplan und den iOS-Client verantwortlich. Wie verlief die Zusammenarbeit? Gab es Stolpersteine? Die beiden Gründer Mathias Wellig (CEO) und Fabian Aggeler (CTO) standen der Redaktion Rede und Antwort. Interview: Marcel Urech Herzliche Gratulation zum Gewinn des Master of Swiss Apps. Was bedeutet der Award für Ubique? Mathias Wellig: Den Master of Swiss Apps zu gewinnen ist für uns als Unternehmen mit dem Fokus App-Entwicklung ein Riesenerfolg. Es ist die Bestätigung, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Wir sind überglücklich und stolz auf diese Auszeichnung. Wie konnten Sie die SBB überzeugen, gerade Sie zu wählen? Wellig: Der sehr erfolgreiche Launch von Viadi war ein idealer Showcase für unsere Dienstleistung. Wir stellten damit auf exemplarische Art und Weise unsere Innovationskraft und unsere Branchenkenntnis unter Beweis. Ein weiterer Punkt war die hohe Anforderung an die Zeit: Die erste Version der Preview-App konnten wir in weniger als drei Monaten liefern. Zudem dürfte unser Portfolio mit teils sehr umfangreichen App-Projekten wie der Meteoschweiz-App seinen Teil dazu beigetragen haben, um zu überzeugen, dass wir das grosse Projekt stemmen können. Wie verlief die Zusammenarbeit mit den SBB? Fabian Aggeler: Der grösste Teil unserer Zusammenarbeit geschah mit dem «vNext»-Team der SBB-IT und dem Digital Business. In diesem Rahmen stiessen wir immer auf offene Ohren, wenn es um Probleme oder Verbesserungsvorschläge ging. Es herrschte eine ehrgeizige, aber sehr zielorientierte Stimmung. Das passt gut zu uns. Und es wurde von uns auch entsprechend geschätzt. Wie teilten sich die SBB und Ubique die Arbeit auf? Wer machte was? Wellig: Die Zuständigkeiten waren grundsätzlich klar geregelt, ausser für den Touch-Fahrplan waren wir auch für die Entwicklung des iOS-Clients zuständig. Da wir aber sehr eng mit den SBB zusammenarbeiteten, wurden insbesondere bei den kreativen Aufgaben, wie der Entwicklung neuer Funktionen und der detaillierten Ausgestaltung der User Experience, die Grenzen bewusst offener gehalten. So gestalteten wir zusammen mit den SBB als gemeinsames Team weite Teile der App und nutzten Synergien auf beiden Seiten. Viele unserer Inputs sind in der Android-App wiederzufinden, und ebenso viele Inputs des SBB-Teams sind in die iOS-App geflossen. Ist die SBB-App die grösste, die Ubique je entwickelt hat? Aggeler: Ja und nein – gemessen an Code-Zeilen ist SBB Mobile unsere grösste App. Viel Grösseres kann man in der Schweiz auch nicht finden. Gemessen an der Projektgrösse haben wir aber zum Beispiel mit der Entwicklung der Meteoschweiz-App schon grössere Projekte umgesetzt. Hier entwickelten und betreiben wir neben der iOS- App auch Clients für Android und Windows sowie die Backendsysteme, die die App beliefern. Wie gelang es Ihnen als relativ kleine Agentur, den Aufwand der App-Entwicklung zu stemmen? Aggeler: Es ist gerade unsere Grösse, die uns ermöglicht, grössere Projekte in kurzer Zeit zu realisieren – flache Hierarchien, schnelle Reaktionszeiten und ein Team, das auf allen Ebenen mitdenkt. Ein weiterer wichtiger Punkt ist unsere Spezialisierung auf die Entwicklung von Mobile-Apps und deren Backendsysteme. Wir beschäftigen uns seit bald zehn Jahren mit den modernen Mobile-Plattformen und haben inzwischen eine Reife in der Entwicklung erreicht, die uns sehr schnell macht. Der wichtigste Faktor ist aber eindeutig unser hochmotiviertes und kompetentes Team. Welches Entwicklungsmodell nutzten Sie? Aggeler: Bei der Entwicklung der SBB-App setzten wir auf unseren mehrfach bewährten Workflow. Unser Workflow ist ein Mix aus klassischen und agilen Entwicklungsmodellen, der gute Ideen aus Modellen wie Scrum überi UBIQUE Ubique Innovation ist ein Full-Service-Dienstleister im Bereich Mobile und bietet seinen Kunden von der Konzeptionierung über die technische Umsetzung bis zum Design alles an, was es braucht, um Apps auf den Markt zu bringen. Ausser auf einen starken technischen Background legt Ubique einen besonderen Fokus auf die User Experience. Mit der Meteoswiss-App und der SBB-Mobile-App entwickelte Ubique zwei der meistbenutzten Apps der Schweiz. « Wir beschäftigen uns seit bald zehn Jahren mit den modernen Mobile-Plattformen und haben inzwischen eine Reife in der Entwicklung erreicht, die uns sehr schnell macht. » Fabian Aggeler, CTO von Ubique www.netzwoche.ch © netzmedien ag 1920 / 2016

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