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Netzwoche 19-20/2017

12 Business Event Die

12 Business Event Die «digitale Revolution». Es war ein grosses Thema, dem Digitalisierung zwischen Euphorie und Skepsis Das Europa Forum Luzern stand in diesem Herbst im Zeichen der Digitalisierung. Bundespräsidentin Doris Leuthard forderte von der Wirtschaft mehr Mut zu digitalen Experimenten. Autor: Oliver Schneider « Europa und die Schweiz müssen sich warm anziehen, wenn sie nicht auf den dritten Platz abrutschen wollen. » Bundespräsidentin Doris Leuthard sich das Europa Forum Luzern am 13. November gewidmet hat. Droht Arbeitslosigkeit durch den Einsatz von Robotern und künstlicher Intelligenz? Wie sollen sich die Menschen auf die digitale Zukunft vorbereiten? Welche Aufgaben haben Politik und Unternehmen? Die Antworten, so zeigte sich im Verlauf der Veranstaltung, sind unterschiedlich. Einig waren sich die eingeladenen Referenten allerdings, dass der Mensch und nicht die Technologie im Zentrum der Entwicklung stehen sollte. «Fortschritt muss dem Menschen dienen», forderte etwa Guido Graf, Präsident der Luzerner Kantonsregierung, in seiner Begrüssungsrede. Digitale Technologien dringen in alle Wirtschaftsbereiche vor Die Vorzüge der Digitalisierung betonte Ulrich Spiesshofer. Der CEO der ABB Group zeigte, wie die Roboter des Industrieunternehmens in Bereiche vordringen, die noch vor Kurzem dem Menschen vorbehalten waren – vom Rubik-Würfel bis zum Sinfonieorchester. Was die vierte industrielle Revolution auszeichne, sei, das sie mit hoher Geschwindigkeit in alle Lebensbereiche eingreife. «Das geht nicht ohne Schmerzen», gab der ABB-Chef zu bedenken. Auch bei ABB hätte die Automatisierung Umbaumassnahmen zur Folge. Dennoch gab sich Spiesshofer überzeugt, dass die Digitalisierung eine Chance sei. Dazu verwies er auf laufende Projekte von ABB, die etwa das Stromnetz mit künstlicher Intelligenz steuern oder sich um das Wohlergehen der Bewohner eines Hauses kümmerten. «Wir müssen den Menschen zeigen, dass ihnen Technologie zum Vorteil gereichen kann.» Zugleich müsse aber auch klar sein, dass es in Zukunft neue Formen der Arbeit und die Pflicht zur ständigen Weiterbildung geben werde. «Die Schweiz hat eine Chance, und die müssen wir nutzen», sagte Spiesshofer. Die entscheidende Frage laute: «Wie kommen wir dorthin?» Leuthard will eine aktive Wirtschaft Die Perspektive der Politik vertrat in Luzern Doris Leuthard. Die Bundespräsidentin warnte in ihrer Keynote, dass Europa im digitalen Sandwich zwischen dem Platzhirsch USA und Aufsteiger China den Anschluss verlieren könnte. «Europa und die Schweiz müssen sich warm anziehen, wenn sie nicht auf den dritten Platz abrutschen wollen», sagte Leuthard. Die Voraussetzungen seien eigentlich gut, bei der Umsetzung in Services und Produkte hapere es aber bisweilen. Digitalisierung heisse eben auch, Experimente zu wagen und Fehler zu machen. Dem E-Government der Schweiz stellte Leuthard ein kritisches Zeugnis aus. Andere Staaten seien weiter, etwa bei den Themen elektronische Identität und dem Datenaustausch zwischen verschiedenen Plattformen. Es sei zentral, die Digitalisierung der Verwaltung voranzutreiben, denn «Staaten, die beim E-Government vorne sind, die werden auch sonst vorne sein». Ebenso wichtig sei es allerdings, die digitale Wirtschaft nicht «zu Tode» zu regulieren. Der Staat müsse dort eingreifen, wo Probleme auftauchten. Wo die Privatwirtschaft Lösungen selbst entwickeln und umsetzen könne, sollte sie das auch tun, forderte Leuthard. Sie rief die versammelten Wirtschaftsvertreter dazu auf, sich aktiv an der Schaffung von Regeln für die Digitalisierung zu beteiligen. Vor allem sollten sie mithelfen, die Menschen auf den technologischen Wandel positiv einzustimmen. Der Bundesrat könne mithelfen, aber grundsätzlich laute die Devise: «The Job is yours!» Artikel online: www.netzwoche.ch ▸ Webcode DPF8_68755 1920 / 2017 www.netzwoche.ch © netzmedien ag

Business Event 13 Hochsicherheitsbereich E-Government Unter verschärften Sicherheitsvorkehrungen ist das «eGovernment Symposium» in diesem Jahr über die Bühne gegangen. Grund waren jedoch nicht die Vorträge, sondern eine parallel stattfindende Mittelmeerkonferenz. Auf dem Symposium setzten sich die Referenten kritisch mit den Entwicklungen im Bereich E-Government auseinander. Autor: Christoph Grau Das «eGovernment Symposium» hat in diesem Jahr unter verschärften Sicherheitsvorkehrungen stattgefunden. Die Stadtpolizei hatte den Veranstaltungsort, das Hotel Bellevue in Bern, grossräumig abgesperrt. Zutritt gab es erst nach einem Sicherheitscheck wie am Flughafen. Grund dafür war jedoch nicht das Symposium, sondern die zeitgleich stattfindende Konferenz der Mittelmeeranrainerstaaten, an der über die Flüchtlingskrise im Mittelmeer diskutiert wurde. Etwas weniger brisant, aber nicht weniger wichtig waren die Vorträge am «eGovernment Symposium». Denn sie zeigten auf, wo die Schweiz beim E-Government steht, und was es für einen Erfolg noch alles braucht. Im letzten Jahr viel erreicht Zu Beginn bilanzierte Peter Fischer, Präsident des «eGovernment Symposium» und Leiter des Informatiksteuerungsorgans des Bundes (ISB), die zurückliegenden Monate. Seiner Einschätzung nach gab es zahlreiche Fortschritte. Als Beispiele nannte er den E-Umzug, die E-Mehrwertsteuer, das E-Voting und den Start der Vernehmlassung zur E-ID. «Es ist viel Bewegung im Bereich E-Government in der Schweiz», sagte Fischer. Studien hätten auch gezeigt, dass die Schweizer Bürger mit den angebotenen Diensten grösstenteils zufrieden seien. Es gebe aber «einen klaren Bedarf an Mehr», hob Fischer hervor. Der Bundesrat hat laut Fischer bei einer Klausur erkannt, dass es bei E-Government noch einen deutlichen Schub brauche. bei einem Drittel dieser Kontrollen werde der Zoll fündig. Durch eine stärkere Digitalisierung wolle der Zoll aber mobiler werden. Ziel sei es, dass der Zoll nicht mehr nur an den Grenzen kontrolliere, sondern dort, wo man es nicht erwarte, sagte Bock. Nicht nur die Technik ist eine Herausforderung Die Veränderungen bei den Mitarbeitenden sind für Bock anspruchsvoller, als die ohnehin schon komplexen technischen Herausforderungen, wie er betonte. Es komme darauf an, «das Feuer bei den Mitarbeitenden zu entfachen» und diese bei der Transformation nicht zu überfordern. «Es ist ein ungeheuer spannendes Projekt», resümierte Bock. Es berge aber auch viel Potenzial für Fehler. Einige Journalisten hätten deshalb schon die Dossiers vorbereitet, die das Scheitern des Projekts verkündigten, sagte er mit Selbstironie. Zum Abschluss brachte Bock noch eine Anekdote mit seinem Chef Ueli Maurer. Dieser fragte ihn kurz vor dem Start von DaziT, ob er das Geld auch dann ausgeben würde, wenn es sein eigenes wäre. Als Bock dies bejahte, sagte Maurer nur: «Gut, es ist deine Karriere.» Das Symposium klang mit einem Apéro Riche aus. Wie schon die Pausen wurde auch dieser rege für Diskussionen und Austausch genutzt. Artikel online: www.netzwoche.ch ▸ Webcode DPF8_69095 « Es ist viel Bewegung im Bereich E-Government in der Schweiz. » Peter Fischer, Präsident des «eGovernment Symposium» und Leiter des Informatiksteuerungsorgans des Bundes (ISB) Der Elefant Zollverwaltung soll tanzen lernen Das mit Abstand grösste Digitalisierungs- und E-Government-Projekt stellte Christian Bock, Direktor der Eidgenössischen Zollverwaltung, vor. Sein Vortrag trug den provokanten Titel «Making an Elephant Dance». Dabei liess er sich von einem Buch des ehemaligen IBM-CEO Louis Gerstner inspirieren. Dieser zeigte, wie der den Elefanten IBM von der Hardware löste und in die neue Service-Welt überführte. Einen ähnlichen Elefanten stelle die Zollverwaltung dar, sagte Bock. Denn das Projekt DaziT sei eine «Neuerfindung der Zollverwaltung und des Grenzschutzes». Bock sieht DaziT als ein auf zehn Jahre ausgelegtes Programm und bewusst nicht als IT-Projekt. Mit dem Programm DaziT will der Zoll digital agil werden. Nicht alle Lieferungen könnten kontrolliert werden. Aktuell liege die Kontrollquote lediglich bei 1,7 Prozent und Christian Bock, Direktor, Eidgenössische Zollverwaltung www.netzwoche.ch © netzmedien ag 1920 / 2017

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