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Netzwoche 19-20/2017

36 Technology Event

36 Technology Event KOLUMNE Orkan Yoksulabakan Incident Response – ein Slow-Motion-Video Massenweise professionell erstellte betrügerische E-Commerce-Netzwerke, gehackte Webseiten, geklaute Logos, gefälschte Namen und Adressen im Internet (nicht im Darkweb), die im Verbund missbraucht werden, um über Onlinekäufe oder Phishing-Attacken ahnungslosen Opfern ihre Kreditkartendaten abzugreifen. Das ist ein Teil der Bilanz kürzlich durchgeführter einfacher Recherchen. Nicht alle Daten, die im Darknet angeboten werden, werden auch in einem Zuge entwendet. Sie werden vielmehr gesammelt. Wie Payment Brands auf solche Berichte und Hinweise reagieren, ist erschreckend und enttäuschend zugleich. Visa schaffte es nach drei Tagen gerade mal, zu vermelden, dass die entsprechende Abteilung kontaktiert worden sei. Den Bericht haben sie bis heute nicht gelesen. Und Barclay meldet sich gar nicht. Unterdessen sammeln die Betrüger mittels ihrer nachgebauten Onlineshops und gehackten Seiten fleissig weiter Kundendaten. Den Vorfall zu identifizieren ist das Eine, in einer für alle Beteiligten angemessenen Zeit zu reagieren das Andere. Gerade die PCI-DSS-Drangsalierer befinden sich nämlich selbst in einem 24fps-Inci- dent-Response-Slow-Motion- Video, könnte man meinen: Es ist langsam und es ruckelt. Orkan Yoksulabakan ITSENSE Artikel online auf www.netzwoche.ch Webcode DPF8_71123 Das Gesundheitswesen unter dem Eindruck der Digitalisierung mla. Unter dem Motto «Mensch und Technologie – Digitale Dynamik ohne Grenzen?» hat Anfang November in Bern der 60. Kongress des Spitalverbandes H+ mit rund 400 Teilnehmern stattgefunden. Die Veranstaltung zeigte, dass die Digitalisierung definitiv im Gesundheitswesen angekommen ist. Referenten aus Politik und Wirtschaft trugen ihre Keynotes zu verschiedenen Aspekten der Digitalisierung im Gesundheitswesen vor. Nationalrätin und H+-Präsidentin Isabelle Moret mahnte, die Risiken und Nebenwirkungen der Digitalisierung im Auge zu behalten. Begrüssung durch Isabelle Moret In ihrer Präsidialadresse äusserste sich H+-Verbandspräsidentin Isabelle Moret offen gegenüber der Digitalisierung und «Roboterisierung» im Gesundheitswesen. Aber nicht alles, was eine Maschine für die Menschen tun könne, sei auch erwünscht. «Dass Roboter Aufgaben in der Pflege von Menschen übernehmen, mutet hierzulande noch fremd an. Ebenso, dass ein Computer autonom eine Diagnose stellt», sagte Moret. Dennoch sieht sie in der Digitalisierung des Gesundheitswesens Chancen, Ärzte und Pflegepersonen bei ihrer täglichen Arbeit zu entlasten. Etwa durch künstliche Intelligenz und Robotik, die «uns bei Diagnosen, Krankheitsverläufen und Operationen unterstützen». Moret rief dazu auf, Innovation zu fördern, aus Daten Wissen zu generieren, die Spitäler und Kliniken «nutzbringend» zu digitalisieren und gemeinsam die «Medizin der Zukunft zu gestalten, zum Wohle der Patientinnen und Patienten». Doch dabei sollten «die Risiken und Nebenwirkungen im Auge behalten» werden. Keynotes zu Digitalisierung, Daten und künstlicher Intelligenz Auf Morets Begrüssung folgte die Keynote von Think- Tank-Gründer Michael Sigrist. Er sprach über die Rolle der Daten, darüber, wie sie entstehen und was mit ihnen geschieht, also «Datengenese, Datenanalyse, Datenspeicherung und Datentransport». Bei all den Daten müssten der Mensch und seine Bedürfnisse im Mittelpunkt stehen, und es müsse eine übergeordnete Vision geben, wie mit der Digitalisierung – auch im Gesundheitswesen – umzugehen sei. Sigrist plädierte für ein Vorgehen in kleinen Schritten. Denn die Digitalisierung gehe vor allem auch mit einem kulturellen Wandel einher. Diesen gelte es zu begleiten, wie jeden Change-Prozess. Und: «Nicht alles, was technisch möglich ist, sollte auch gemacht werden», sagte Sigrist. Monika Jänicke, CEO von Novartis Pharma, nutzte ihre Redezeit für einen Werbespot in eigener Sache und sieht in der Digitalisierung vor allem eine Möglichkeit, Dauer und Kosten der Entwicklung neuer Medikamente zu reduzieren. Bart van Witte von IBM Watson legte in seinem Referat dar, welche Chancen künstliche Intelligenz heute und in Zukunft für die Prävention, Diagnose und Behandlung von Krankheiten bringen werde. Zwischen den Referaten und am Nachmittag hatten die Besucher Gelegenheit, sich in den sogenannten Knowledge Lounges mit Experten der Gastgeberinstitutionen zu unterschiedlichen Aspekten des Kongress themas auszutauschen. Diese Möglichkeit nutzten die Teilnehmer vor allem zu Beginn rege. Hastiger Abschluss Den Abschluss des H+-Kongresses machte Nationalrat Fathi Derder, der in seiner hastig vorgetragenen Keynote vor halb leeren Rängen allerdings kaum auf die spezifischen Aspekte der digitalen Transformation im Gesundheitswesen einging. So ging ein gut organisierter und informativer Anlass zu Ende, der die wichtigsten Handlungsfelder für die Spitäler und Kliniken im Zuge ihrer digitalen Transforma tion aufzeigte. Wichtiger als das Schlussreferat ist an solchen Kongressen aber der persönliche Austausch und das Networking zwischen den Akteuren. Und dafür bot die Veranstaltung genügend Raum. Artikel online: www.netzwoche.ch ▸ Webcode DPF8_71757 1920 / 2017 www.netzwoche.ch © netzmedien ag

Technology Research 37 Smart City – auf dem Weg zur intelligenten Stadt Nach dem Einzug in die unterschiedlichsten vertikalen Märkte wie der Industrie, Logistik oder dem Gesundheitswesen hat die Digitalisierung auch die Städte, respektive deren Verwaltungen, Planer und Technologie-Verantwortlichen erreicht. Mit einer neuen Studie aus unserer Research-Arbeit im Bereich der Digitalisierung haben wir nun auch das Thema «Smart City» im Sinne einer ersten Auslegeordnung aufgegriffen. Nun sind digitale Prozessabläufe in der Verwaltung einer Stadt oder Gemeinde nicht neu, eine intelligente Stadt deshalb aber nur auf die Digitalisierung von Geschäftsabläufen oder die Schaffung von Onlinediensten und entsprechenden Webportalen für die Bürger zu definieren, wäre zu kurz gegriffen. Eine allgemein anerkannte Definition für die «smarte City» existiert allerdings (noch) nicht. In der Regel hat der Begriff eine vernetzte, digitalisierte und intelligente Stadt im Fokus, vorab im Zusammenhang mit der Nutzung von Informations- und Kommunikationstechnologien. Dies alles zum Wohle der Bevölkerung. Mit einer umfassenden und intelligenten Digitalisierung soll die Lebensqualität nachhaltig maximiert und der Ressourcenverbrauch minimiert werden. Letztlich geht es um ein nachhaltiges Städtekonzept, das Zeit, Kosten und Energie spart. Dazu können ein aufeinander abgestimmtes Verkehrssystem ebenso gehören, wie auch beispielsweise Müllentsorgungsroboter, selbstfahrende Taxis, eine zentral gesteuerte Energie- und Wasserversorgung oder auch ganz einfach ein kostenfreies WLAN. Eines haben alle Themen gemeinsam: ICT-basierte Lösungen spielen dabei eine zentrale Rolle. Wie unsere Studienarbeit aufgezeigt hat, ist Smart City als Umbrella-Thema noch nicht auf der ganzen Ebene der befragten Städte und grösseren Gemeinden angekommen. Viele sehen darin bislang erst einmal nur einzelne Projekte der Digitalisierung. Den Überbegriff der «intelligenten Stadt» verbindet die Mehrzahl derzeit vor allem mit der Digitalisierung in den Bereichen Verwaltung, Mobilität und Energie. Jeder zweite Befragte rechnet mit einer Realisierung und Umsetzung einer Smart City erst in den nächsten 6 bis 10 Jahren. 25 Prozent sogar erst in 11 bis 20 Jahren. Jeder Zehnte geht hingegen davon aus, dass die intelligente Stadt in den kommenden 5 Jahren Realität wird. Alle befragten Städte und Gemeinden erkennen über die ganze Bandbreite möglicher Themen grosses Potenzial für die erfolgreiche Realisierung von Projekten auf dem Weg zur intelligenten Stadt, vorab für die Bereiche smarte Beleuchtung, intelligente Verkehrssteuerung, Gesundheitswesen und Energiewirtschaft. Die Digitalisierung hält Einzug in den Städten und Gemeinden. Eines dabei ist sicher: Es wird kein Sprint, es wird ein Marathon. DER AUTOR Philipp A. Ziegler Geschäftsführer MSM Research AG POTENZIAL FÜR EINE SMARTE CITY – DIE TOP-SIEBEN-BEREICHE In welchen Bereichen sehen Sie grosses Potenzial für die Smart City durch den Einsatz entsprechender Lösungen, Systeme und Konzepte? Mehrfachantworten möglich. (N = 40 Städte) Smarte Beleuchtung: Strassen, Plätze, Gebäude 55 % Verkehrssteuerung: Logistik, Stauanalysen, Parkleitsysteme 52,5 % Gesundheitswesen: Einsatz intelligenter Technologien (IT und Vernetzung) 50 % E-Government: digitale Administration / Verwaltung 45 % E-Voting Mobilität: smarte Transportsysteme, Nahverkehr Digitale Ausbildung / Schulwesen 45 % 45 % 42,5 % Quelle: MSM Research AG Artikel online auf www.netzwoche.ch Webcode DPF8_71820 www.netzwoche.ch © netzmedien ag 1920 / 2017

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