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Netzwoche 19-20/2017

38 Technology Event Die

38 Technology Event Die Mobilität der Zukunft braucht smarte Daten Am Asut-Kolloquium ging es um die Mobilität der Zukunft. Daten und Infrastrukturen spielen dabei eine zentrale Rolle. Am Kolloquium wurden technische und auch ethische Aspekte thematisiert. Autor: Christoph Grau « Fangen Sie an, sich mit der Digitalisierung zu beschäftigen! » Frank Henschke, CTO Ericsson Schweiz Der Schweizerische Verband der Telekommunikation (Asut) hat am 22. November zu seiner Kolloquium-Veranstaltungsreihe geladen. Am diesjährigen Event stand das Thema Mobilität der Zukunft auf der Agenda. Zusammen mit dem Touring Club Schweiz (TCS), dem Bundesamt für Strassen (Astra) und der Mobilitätsplattform its-ch veranstaltete Asut den Event unter dem Motto «Smart Data – Chancen für die Mobilität». Es braucht eine smarte Mobilität Als erster Gast trat Nationalrätin Edith Graf-Litscher auf die Bühne. Die Thurgauer SP-Politikerin sprach zunächst über die Mobilitätsstrategie der Politik. Sie hob die in der laufenden Legislaturperiode verabschiedeten Fonds für die Strasse und die Schiene hervor. Beide zentralen Bereiche hätten damit die finanzielle Ausstattung, um für die Zukunft fit zu werden. Anstelle von noch mehr Beton brauche es eine Optimierung des Verkehrs durch smarte Steuerung. Die vorhandenen Infrastrukturen müssten sowohl auf der Strasse wie auch auf der Schiene besser genutzt werden. Dazu sei es notwendig, die vorhandenen Daten zu nutzen, um die Netze smarter zu machen. 5G ist nicht primär für Menschen gemacht Frank Henschke, CTO von Ericsson Schweiz, beschäftigte sich mit den Anforderungen an die Infrastrukturen für die fünfte Generation des Mobilfunks, auch als 5G bezeichnet. Alle bisherigen Generationen des Mobilfunks zielten auf die Kommunikation zwischen Menschen ab. 5G bringe hier einen Paradigmenwechsel. Denn 5G sei nicht nur primär ein Beschleuniger für das Internet auf mobilen Geräten, sondern die Grundvoraussetzung für die Interaktion zwischen Maschinen. 5G sei jedoch nur die Basis für die Mobilität der Zukunft. Zusätzlich brauche es noch Technologien und vor allem Ökosysteme, die die Chancen nutzen könnten. «Fangen Sie an, sich mit der Digitalisierung zu beschäftigen!», forderte Henschke die Gäste auf. Er zeigte sich überzeugt, dass die Schweiz mit ihrer Innovationskraft ganz weit vorn stehen kann. In der Fragerunde wurde Henschke nach seiner Meinung gefragt, ob die Strahlenschutzwerte für 5G angehoben werden müssten. Er sprach sich eindeutig dafür aus, denn nur so könne 5G kostendeckend aufgebaut werden. Mit den aktuellen Grenzwerten liessen sich an 90 Prozent der bestehenden Standorte kein 5G implementieren. Es müsste ein völlig neues Funknetz mit deutlich mehr Sendern aufgebaut werden. Dies mache die Umstellung 10 bis 20 Mal teurer. Auch mit einer für 5G verbundenen leichten Erhöhung der Grenzwerte seien diese immer noch deutlich niedriger als im europäischen Ausland, sagte er. Grütter fordert zeitgemässe Infrastrukturen Zum Abschluss der Veranstaltung richtete Asut-Präsident Peter Grütter noch einen Appell an die Gäste. Für die Zukunft der Schweiz brauche es leistungsfähige Infrastrukturen, wie die Vorträge des Tages gezeigt hätten. Dies gelte auch für den Datenverkehr. Es müsse daher alles Mögliche getan werden, um die Netzwerkinfrastruktur auf dem Stand der Zeit zu halten. Für Grütter ist es daher unerlässlich, die Grenzwerte für Funkmasten zu erhöhen. Die Politik müsse die Voraussetzungen schaffen, um die bestehenden Funkmasten aufzurüsten und die Basisinfrastruktur damit auf den Stand der Technik zu bringen, schloss Grütter seine Rede. Nationalrätin Edith Graf-Litscher. Ericsson-Schweiz-CTO Frank Henschke. Artikel online: www.netzwoche.ch ▸ Webcode DPF8_70531 1920 / 2017 www.netzwoche.ch © netzmedien ag

Technology IT & Recht 39 E-Commerce in Zeiten der EU-DSGVO Schweizer E-Commerce-Anbieter im EU-Binnenmarkt haben neben den schon bisher erforderlichen Anpassungen an die schärferen EU-Verbraucherschutzbestimmungen künftig auch die Anforderungen der EU-Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) zu erfüllen. Der E-Commerce-Report Schweiz 2017 der Fachhochschule Nordwestschweiz hält fest, dass die digitale Transformation auch im E-Commerce erst am Anfang stehe. Eine Erschöpfung des Wachstums dieses Vertriebskanals sei zurzeit nicht absehbar. Die Dynamik habe eher noch weiter zugenommen, weshalb für die kommenden fünf Jahre keine Trendwende erwartet werde. Trotz dieser erfreulichen Wachstumsprognosen ist auch im Onlinehandel nicht alles Gold, was glänzt. So unterscheiden sich erfolgreiche Onlineanbieter von den auch in diesem Bereich existierenden traditionellen Anbietern vor allem durch ihre aktive Grundhaltung im Verkauf, bei dem sie sich in erster Linie auf Daten stützen und sich mit ihren Kunden und den Situationen, in denen Käufe ausgelöst werden, auseinandersetzen. Dies mit dem Ziel, stets Anknüpfungspunkte an latente Kundenbedürfnisse zu finden und ihr Angebot an Waren oder Dienstleistungen zu platzieren. Dies kommt mir irgendwie bekannt vor: Neulich bestellte ich in einem Webshop ein Werbebanner und bekam bei der Bestellungsabwicklung zusätzlich auch Kaffeetassen, Kugelschreiber, Stickers und weitere Werbematerialen mit hübsch appliziertem Logo vorgeschlagen. Längst gewöhnt haben wir uns auch an die Information von Onlineshops, welche anderen Produkte mit dem zu erwerbenden Produkt von andern Kunden angeblich bestellt wurden oder was zum ins Auge gefassten Gasgrill idealerweise passt, von der Grillzange über die Zahnbürste bis zum Fitnessgerät für den übereifrigen Wurstkonsumenten. Um diese Erfolgstaktik auch im EU-Raum weiterhin anwenden zu können, müssen auch Schweizer Onlineanbieter bald die Anforderungen der EU-DSGVO erfüllen: Die ab dem 25. Mai 2018 in Kraft tretenden neuen Datenschutzbestimmungen tragen der Digitalisierung Rechnung und werden den Umgang von Unternehmen mit Personendaten massgeblich verändern. Betroffen sind unter anderem auch Schweizer Unternehmen, die ihre Produkte oder Dienstleistungen in der EU ansässigen Personen anbieten und/oder das Verhalten von in der EU ansässigen Personen tracken. Zusätzlich zu den altbekannten Datenschutzgrundsätzen gehen insbesondere folgende Neuerungen mit der EU-DSGVO einher: ·· Informations- und Auskunftspflicht (Art. 13-15 DSGVO): aktive Informationspflicht, auch bei nichtsensiblen Personendaten; Transparenz; Information über automatische Einzelfallentscheidungen und über Profiling ·· Datenschutzfolgeabschätzung (Art. 35 f. DSGVO) ·· Umsetzung des Datenschutzes durch Technikgestaltung (privacy by design) und datenschutzfreundliche Voreinstellungen (privacy by default; Art. 25 DSGVO) ·· Dokumentationspflicht (Art. 30 DSGVO) ·· Meldepflichten (Art. 33 f. DSGVO): Datenschutzverstösse mit möglichen Folgen für Betroffene müssen den Behörden innert 72 Stunden und bei schwerwiegenden Folgen auch den Betroffenen gemeldet werden ·· Sanktionen (Art. 83 f. DSGVO): bis 20 Millionen Euro oder 4 Prozent des weltweiten Gesamtumsatzes ·· Einwilligung (Art. 7 DSGVO): höhere Anforderungen ·· Recht auf Datenübertragbarkeit (Art. 20 DSGVO) ·· Benennung eines EU-Vertreters (Art. 27 DSGVO) ·· Benennung eines Datenschutzbeauftragten (Art. 37 ff. DSGVO) Die von der neuen Datenschutzregulierung erfassten Unternehmen sind gut beraten, die erforderlichen organisatorischen und technischen Anforderungen zeitig in Angriff zu nehmen und umzusetzen, um im kommenden Frühling bereit zu sein. Es wäre schade, wenn sie das Schicksal der Tante Emma-Läden ereilen würde. . Bild: pulsar75 / iStock.com DER AUTOR Reto Fanger Rechtsanwalt, Advokatur Fanger www.netzwoche.ch © netzmedien ag 1920 / 2017

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