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Netzwoche 19-20/2017

56 Service

56 Service Verbandsnachrichten ASUT Frei fliessende Daten für frei fliessenden Verkehr Selbstfahrende und selbstständig parkierende Autos, effiziente Verkehrsleitsysteme und optimierte Verkehrsströme: Um den Verkehrskollaps zu verhindern und das Verkehrssystem nachhaltiger zu gestalten, muss die Mobilität smarter werden. An einer gemeinsamen Konferenz zum Thema haben der Schweizerische Verband der Telekommunikation (Asut), das Bundesamt für Strassen (Astra), die Schweizerische Verkehrstelematik-Plattform (its-ch) und der Touring Club Schweiz (TCS) zu ergründen versucht, wie das zu bewerkstelligen wäre. Asut, der Schweizerische Verband der Telekommunikation, repräsentiert heute die Telekommunikations branche und sämtliche Wirtschaftszweige sind in ihm vertreten. Die Schweiz soll sich durch fairen, freien und dynamischen Wettbewerb als Land mit dem weltbesten Kommunikationsnetz und mit First-Class-Services positionieren, durch resiliente Systeme und smarte Infrastrukturen differenzieren und als ein auf die digitale Gesellschaft und Wirtschaft zugeschnittener Bildungs- und Forschungsplatz etablieren. www.asut.ch DIE AUTORIN Christine D’Anna- Huber, Redaktion, Asut-Bulletin Wir stecken mitten in einer Übergangsphase. Dieser Befund zog sich als Leitmotiv durch die Tagung im Berner Kursaal. Die Schweiz stösst raumplanerisch an ihre Grenzen, gleichzeitig wachsen der Personen- und Güterverkehr immer weiter. Der Ausbau des bestehenden Verkehrsnetzes – oder «noch mehr Beton und Schiene», wie die Verkehrspolitikerin Edith Graf-Litscher es in einem fulminanten Vortrag umschrieb –, kann als Antwort auf die wachsenden Mobilitätsbedürfnisse deshalb nicht mehr überzeugen. Mehr Kapazität schaffen kann jetzt nur noch die Digitalisierung, die Vernetzung, der bewusste Einsatz von smarten Daten, der Mut zur Innovation: «Es geht jetzt darum, gemeinsam intelligente Lösungen zu finden», sagte Graf-Litscher und rapportierte aus dem Parlament, dass die Dringlichkeit der Lage dazu führe, dass noch bis vor Kurzem verhärtete Fronten sich nun aufweichen würden. Sensibilitäten ausbalancieren Die vielfältigen Herausforderungen, die es dabei zu bewältigen gilt, wurden an der Tagung aufgezeigt. Da lancierte beispielsweise Asut-Präsident Peter Grütter einen flammenden Appell an die Unternehmenswelt, ihre Daten nicht eifersüchtig in Datensilos zu horten, sondern frei zirkulieren zu lassen, damit sie im vernetzten Informationsaustausch ihr strategisches Potenzial entfalten kön- 1920 / 2017 www.netzwoche.ch © netzmedien ag

Service Verbandsnachrichten 57 nten. Und Frank Henschke, CTO von Ericsson Schweiz, erklärte apodiktisch, dass der Ausbau des neuen Mobilfunkstandards 5G in der Schweiz ohne ein Anheben der geltenden Grenzwerte schlicht nicht möglich sein werde. Ohne Zweifel: Die smarte Mobilität von morgen ist darauf angewiesen, dass Maschinen miteinander kommunizieren können, und 5G ist eine Grundvoraussetzung dafür. Dr. Peter Kirchschläger, Professor für Theologische Ethik an der Universität Luzern, erinnerte jedoch daran, dass jede Innovation den geltenden Gesetzen Rechnung tragen müsse und insbesondere das Recht auf Privatsphäre und die informationelle Selbstbestimmung Menschenrechte seien, die auch in einer smarten Welt weiterhin ihre Gültigkeit behalten müssten: «Es geht hier um normative Standards, die die Menschheit in langen mühsamen Kämpfen errungen hat und die wir nicht einfach so preisgeben sollten.» Peter Goetschi, Zentralpräsident TCS, stimmte ihm zu: Ohne gesellschaftliche Akzeptanz lasse sich das innovative Potenzial der Digitalisierung nicht erreichen, warnte er. Und diese Akzeptanz wiederum hänge direkt davon ab, ob es gelinge, mit Daten sicher umzugehen. Mit anderen Worten: Wirklich smart wird die Mobilität der Zukunft erst, wenn es ihr gelingt, die verschiedenen Sensibilitäten von Wirtschaft, Politik und Gesellschaft auszubalancieren – ein schwieriges Unterfangen, aber eines, das eben zur Übergangsphase, in der wir stecken, gehöre, meinte Astra-Direktor Jürg Röthlisberger: «Die Trial-and-Error-Phase dauert sicher noch drei bis fünf Jahre», sagte er. Was an ihrem Ende stehen könnte, blitzte an der Tagung in verschiedenen Referaten immer wieder auf: Etwa wenn Felix Eberli, Leiter der Abteilung Embedded & Automotive bei der Supercomputing Systems AG, vollautonome Autos heraufbeschwörte, die wie von Geisterhand bewegt jedem Hindernis ausweichen. Wenn Nils Planzer, CEO der Planzer Transport AG, intelligente Laster auf die Strasse schickte, oder Prof. Dr. Dominik Herrmann von der Otto-Friedrich-Universität Bamberg die Freuden (und Leiden) im Tag eines Smart-Car-Nutzers anschaulich schilderte. i STUDIE Schweizer geben das Steuer nur ungern aus der Hand Der Verkehr der Zukunft ist smart. Aber ist die Schweizer Bevölkerung bereit für Autos, die selbest fahren, selbstständig parkieren oder sogar von allein bestimmen, welches die beste Route ist, um von A nach B zu kommen? Eine von Asut in Auftrag gegebene Studie zeigt, dass sich Schweizerinnen und Schweizer zwar mit technischer Unterstützung beim Führen eines Fahrzeugs durchaus anfreunden können, völlig autonomen Fahrzeugen hingegen noch starke Vorbehalte entgegenbringen – das Steuer ganz aus der Hand zu geben widerstrebt den meisten. Der Aussicht, dafür unterwegs im Auto zu arbeiten, könnte aber die Gruppe, die dies bereits im ÖV tut, zu einem Wechsel aufs Auto bewegen. Als nützlich erachtet wird der Einsatz von autonomen Fahrzeugen hingegen im öffentlichen Verkehr und für ältere Menschen, die dadurch länger mobil bleiben könnten. Durchgeführt wurde die Studie vom Beratungsbüro EBP Schweiz AG unter der Leitung von Dr. Peter de Haan. Die Studie kann – zusammen mit allen Referaten der Tagung – unter www.asut.ch (Rubrik Publikationen/Studien bzw. Publikationen/Veranstaltungsarchiv) unentgeltlich heruntergeladen werden. V. l.: Florence Boinay (Moderatorin), Peter Grütter (Asut), Jürg Röthlisberger (Astra) und Peter Goetschi (TCS) www.netzwoche.ch © netzmedien ag 1920 / 2017

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