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Netzwoche 3/2019

38 Management & Career

38 Management & Career Aktuell WWW.NETZWOCHE.CH Microsoft startet Weiterbildungskampagne jor. Microsoft warb am WEF für mehr Verantwortung: Der Softwareriese kündigte eine Kampagne namens «Fu.se» an. Ziel sei es, Führungskräfte und Experten zusammenzubringen, um «konkrete Lösungen für die Zukunft der Arbeit zu entwickeln», heisst es in einer Mitteilung. Für das Vorhaben spannte Microsoft mit dem Personalvermittler Adecco und Boston Consulting Group zusammen. Mit an Bord sind unter anderem ABB und die Zurich-Versicherung. ▸ Webcode DPF8_123096 Venture-Kick-Start-ups sammeln Rekordsumme mur. Die 600 unterstützten Spin-offs von Schweizer Hochschulen haben seit 2007 rund 24,9 Millionen Franken von Venture Kick erhalten, wie die Stiftung mitteilt. Daraus hätten Folgeinvestitionen in der Höhe von 2,5 Milliarden Franken resultiert. Allein 2018 seien 687 Millionen Franken hinzugekommen. Das entspreche einer Steigerung von 49 Prozent gegenüber 2017 und sei Rekord. Vom neunmonatigen Förderprogramm hätten letztes Jahr 70 Projekte profitiert. ▸ Webcode DPF8_123650 Manifest für bessere Bedingungen von Start-ups kfi. Le Réseau hat zusammen mit Digitalswitzerland, der Swiss Entrepreneurs Foundation, dem Swiss Economic Forum und Netcomm Suisse ein Manifest mit zehn Massnahmen zusammengestellt, das es im Frühjahr dem zuständigen Bundesrat erläutern wolle. Das Manifest soll die Rahmenbedingungen für Schweizer Start-ups verbessern. Die Massnahmen beinhalten etwa eine angepasste Besteuerung, Start-up-Visa, etwa für Talente, und die Schaffung eines Dach-Fonds, um Risikokapital zu fördern. ▸ Webcode DPF8_122897 Die Digitalisierung ist kein Jobkiller mur. Hays und das Institut für Beschäftigung und Employability IBE haben ihren HR-Report 2019 veröffentlicht. Sie befragten 868 Entscheider, 18 Prozent von ihnen kommen aus der Schweiz, 65 Prozent aus Deutschland und 17 Prozent aus Österreich. Befragt wurden Geschäftsführer (17 Prozent), HR-Führungskräfte (22 Prozent), Fachbereichsleiter (40 Prozent) und Mitarbeiter ohne Personalverantwortung (21 Prozent). kfi. Trotz Internationalisierung und mobiler Arbeitsmöglichkeiten wünschen sich Schweizer eine Arbeitsstelle nahe am Wohnort. Das ergab eine Studie des Online-Netzwerks Xing zum Thema «Lokale Verwurzelung der Arbeitswelt». Marketagent.com befragte dazu im Auftrag von Xing Schweiz 1002 berufstätige Deutschschweizer, wie es in einer Mitteilung heisst. Die HR-Top-Themen Auf die Frage nach den Top-HR-Themen antworteten 42 Prozent der Schweizer Befragten, dass sie bei der Förderung der Beschäftigungsfähigkeit Handlungsbedarf sähen. Für 39 Prozent ist die Weiterentwicklung der Unternehmenskultur das Top-Thema, für 33 Prozent die Mitarbeiterbindung. 47 Prozent der Umfrageteilnehmer aus der Schweiz legen besonderen Wert auf die Übernahme von Verantwortung durch die Mitarbeiter. In Österreich sind es 38 Prozent, in Deutschland 33 Prozent. Neue Berufsbilder werden nach Ansicht der Befragten in der Forschung und Entwicklung, in der IT und im Marketing entstehen. 54 Prozent der Befragten erwarten, das der digitale Wandel neue IT-Jobs schaffe. 50 Prozent erwarten neue Jobs im Vertrieb, je 43 Prozent neue Jobs im Marketing und der Forschung und Entwicklung. 50 Prozent der Befragten sagen, dass eine lebenslange Fort- und Weiterbildung das wichtigste Instrument sei, um die Beschäftigungsfähigkeit der Mitarbeiter zu sichern. 44 Prozent finden den Ausbau der Work-Life-Balance eine geeignete Massnahme, 39 Prozent die Zusammenarbeit in gemischten Teams. Die gesamte Studie kann auf der Website von Hays eingesehen werden. Artikel online: www.netzwoche.ch ▸ Webcode DPF8_122905 Schweizer bevorzugen Jobs in Wohnnähe Bild: SVLuma / Fotolia.com Kaum jemand zieht Arbeitsstelle ausserhalb Europas in Betracht 43 Prozent der Befragten hätten zugestimmt, dass ihr Job nicht ortsgebunden sei. Dennoch zeige sich dieser Umstand nicht im tatsächlichen beruflichen Mobilitätsverhalten. Ungefähr jeder dritte Berufstätige würde die nächste Arbeitsstelle am aktuellen Wohnort suchen, wie es in der Studie heisst. Für 47 Prozent dürfe die Stelle höchstens 50 Kilometer vom trauten Heim entfernt sein. Nur 4 Prozent würden für den nächsten Job eine Anstellung ausserhalb Europas in Betracht ziehen. Hier fallen auch Unterschiede zwischen den Geschlechtern auf: 41 Prozent der Frauen wollen ihren nächsten Job direkt am Wohnort suchen, während es bei den Männern nur 23 Prozent sind, wie die Studie ergab. Xing-Schweiz-Geschäftsführer Yves Schneuwly schreibt zur Studie: «Unsere Ergebnisse zeigen, dass in der Schweizer Arbeitswelt Digitalisierung und ein starker regionaler Fokus Hand in Hand gehen. Die Berufstätigen wünschen sich einen Arbeitsplatz nahe dem eigenen Wohnort und stützen sich bei der Stellensuche auf stark lokal verortete persönliche Netzwerke.» Die fortschreitende Digitalisierung biete Unternehmen Chancen, diesem Bedürfnis nach geografischer Nähe in Zukunft noch besser gerecht zu werden. «Die Berufswelt der Frauen ist deutlich stärker lokal verortet als die der Männer. Ein Ergebnis, das es zu beachten gilt, wenn es darum geht, für Chancengleichheit zu sorgen und gut ausgebildete Frauen gezielt im Berufsleben zu engagieren», schreibt Schneuwly. Artikel online: www.netzwoche.ch ▸ Webcode DPF8_123618 03 / 2019 www.netzwoche.ch © netzmedien ag

Management & Career Event 39 Warum Roboter die Produktivität senken und Skills keinen guten Job garantieren Lord Adair Turner hat am Gottlieb Duttweiler Institut über Automatisierung, Produktivität und die Arbeitswelt von morgen gesprochen. Der britische Ökonom ging der Frage nach, wie sich Wirtschaft und Gesellschaft durch die Digitalisierung verändern. Er kam zu überraschenden Ergebnissen. Autor: Oliver Schneider Wie werden wir während der Automatisierung der Arbeitswelt morgen Wohlstand schaffen? Wie werden sich Gesellschaft, Arbeit und Ökonomie durch digitale Technik verändern? Über diese Fragen sprach Lord Adair Turner am Gottlieb Duttweiler Institut in Rüschlikon. Turner, ehemaliger Chef der britischen Finanzmarktaufsicht und heute Präsident des Institute for New Economic Thinking, stellte gleich zu Beginn klar, dass er eine tiefgreifende Transformation der Arbeitswelt erwartet. Die Welt sei auf dem Weg hin zu einem «robotergetriebenen Kapitalismus», sagte er. So ziemlich alle mentalen und körperlichen Formen menschlicher Arbeit würden sich irgendwann automatisieren lassen. « Vor allem die Politik kann die Entwicklung mitgestalten und eine Spaltung der Gesellschaft verhindern. » Lord Adair Turner, britischer Ökonom Mehr Automatisierung bedeutet nicht mehr Produktivität und Wohlstand Die vergangenen Jahrzehnte haben laut Turner gezeigt, dass sich das digitale Zeitalter von den technischen Revolutionen der Vergangenheit in einem wichtigen Punkt unterscheidet. Im Gegensatz zur Entwicklung des Ackerbaus oder der industriellen Massenproduktion habe die Digitalisierung nicht zu einem markanten Produktivitätsgewinn geführt. Zur Begründung formulierte Turner drei Thesen. These 1: Es sei es nicht nur eine Frage der Technologie, ob eine Form der Arbeit automatisiert werde, sondern auch eine Frage der Ökonomie. Wenn Roboter und künstliche Intelligenz (KI) billiger als Menschen arbeiteten, senkten Letztere den Preis ihrer Arbeitskraft. Die mögliche Folge: Die Löhne sinken, die Arbeitszeiten nehmen zu, KI wird als Alternative weniger interessant, die Produktivität wachse nicht – und die Ungleichheit in der Gesellschaft steige. These 2: Viele der heute geschaffenen Jobs trügen nicht zur Produktivität bei. Die Automatisierung setze zwar Arbeitskraft frei, diese werde aber nicht produktiv eingesetzt. «Nullsummen-Aktivitäten», nannte Turner das. In diesem Zusammenhang sei es auch nur begrenzt sinnvoll, ganz auf die Weiterbildung der Arbeitskräfte zu setzen. Die heutigen Tech-Firmen erwirtschafteten mit geringem Einsatz an Personal extrem hohe Gewinne – und seien in ihren Branchen Spitzenreiter. «Bessere Skills können das Problem der wachsenden Ungleichheit nicht lösen», sagte Turner. These 3: All dies könne irgendwann zu einer in drei Teile gespaltenen Gesellschaft führen. Eine kleine Gruppe von Mitarbeitern in den grössten IT-Unternehmen der Welt werde in den Metropolen die Technik entwickeln, die den Grossteil des Wohlstands in der Gesellschaft erzeuge. Eine zweite Gruppe werde sich auf die angesprochenen Nullsummen-Aktivitäten konzentrieren: Künstler, Akademiker oder Beamte. Und eine dritte Gruppe werde in relativer Armut Jobs nachgehen, die aus wirtschaftlichen Gründen nicht automatisiert seien. Vorschläge für die Zukunft Die Automatisierung sei allerdings keine Einbahnstrasse. Vor allem die Politik könne die Entwicklung mitgestalten und eine Spaltung der Gesellschaft verhindern. Turner schlug etwa eine Besteuerung von Immobilien, Kapitalgewinnen oder Erbschaften vor. Auch über eine Reform des Urheberrechts oder ein Grundeinkommen müsse nachgedacht werden. Und schliesslich könne der Staat durch Städteplanung, Unterstützung von ärmeren Bevölkerungsschichten und Lohnpolitik dafür sorgen, dass die digitale Welt von morgen auch für den Menschen eine sei, in der Arbeit und Leben attraktiv blieben. Artikel online: www.netzwoche.ch ▸ Webcode DPF8_122471 www.netzwoche.ch © netzmedien ag 03 / 2019

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