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Netzwoche 3/2019

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10 Business Event « Ohne SAP produziert Ricola kein einziges Bonbon » SAP-Support gibt es ab 2025 nur noch für die auf Linux basierende In-Memory-Datenbank S/4 Hana. Ricola, die SV Group und Swisscom haben im Swisscom Business Campus gezeigt, wie der Wechsel von R/3 zu S/4 Hana gelingt, und welchen Schwierigkeiten sie auf dem Weg dahin begegneten. Autorin: Leslie Haeny Heinz Giezendanner, SV Group, Jörg Knaus, Swisscom, und Rolf Kohler, Ricola (v. l.) Artikel online auf www.netzwoche.ch Webcode DPF8_123595 2025 macht SAP Schluss mit dem Support für seine bisherigen ERP-Lösungen. Nur die neue, Linux-basierte In-Memory-Datenbank S/4 Hana wird ab dann noch unterstützt. Für rund 1000 Unternehmen in der Schweiz bedeutet das, dass sie auf die neue SAP-Version umsteigen müssen. Kräuterbonbonhersteller Ricola und die Gastro- und Hotelmanagementgruppe SV Group haben den Wechsel auf S/4 Hana bereits vollzogen. Als Partner bei der Migration unterstützte sie die Swisscom S/4 Hana Transformation Factory. Im Swisscom Business Campus berichteten die beiden Unternehmen, wie sie den Wechsel in Angriff nahmen. Drei unterschiedliche Wege nach S/4 Hana «Der Kunde will am Freitag R/3 abschalten und am Montag mit S/4 loslegen», beschrieb Jörg Knaus, SAP Chief Solution Architect bei der Swisscom, die Herausforderung für die Swisscom als SAP-Partner. Der Wechsel sei eine komplexe Aufgabe und könne nicht einfach schnell nebenbei erledigt werden, denn «es handelt sich nicht nur um ein Upgrade und ein bisschen Kosmetik, sondern um ein neues Datenmodell». Knaus erklärte weiter: «Es gibt drei unterschiedliche Wege, wie man nach S/4 Hana kommt.» Den Greenfield-Approach, bei dem S/4 Hana komplett neu eingeführt werde, den Brownfield- oder Systemconversion-Approach, bei dem das ganze R/3- auf ein S/4-System konvertiert werde, und die Landscape Transformation, auch Bluefield genannt, bei dem im R/3 Daten gelesen und direkt in die S/4- Hana-Datenbank geschrieben würden. Ohne SAP kein Ricola Ein Unternehmen, das sich für den Greenfield-Approach entschieden hat, ist Ricola. Der Kräuterbonbonhersteller führte SAP bereits 1997 ein. «Ohne überhaupt zu wissen, was SAP ist», verriet Ricola-CIO Rolf Kohler. Mittlerweile ist SAP für Ricola essenziell. «Ohne SAP produziert Ricola kein einziges Bonbon.» Die Rezepte für die Kochlinien, die Hochregallagersteuerung und die Erfassung der Qualitätsmerkmale kämen alle von SAP. Nach 20 Jahren arbeiten mit dem SAP-System wollte Ricola die Chance nutzen, Prozesse zu optimieren und sich von Altlasten zu befreien. Seit 1. Januar 2019 arbeitet Ricola nun mit S/4 Hana. Eine der grössten Herausforderungen in der Transformation sei die Einteilung der Ressourcen gewesen, sagte Kohler. Denn trotz Umstellung durfte das Tagesgeschäft nicht leiden. Eine weitere Herausforderung sei der Datentransfer gewesen. So gebe es zwar ein SAP-Tool, um Daten in S/4 zu transportieren. «Aber für den Export aus R/3, gibt’s nichts», sagte Kohler. Die SV Group machte ihre Hausaufgaben schon 2012 Die Einteilung der Ressourcen war auch für die SV-Group eine Herausforderung. Die Gastro- und Hotelmanagementgruppe führte S/4 Hana am 1. Oktober 2018 «reibungslos» ein, wie Heinz Giezendanner, Director Shared Services bei der SV Group, berichtete. Ziel des Umstiegs sei es gewesen, die technologische Basis für die Weiterentwicklung in SAP selbst oder in der Integration mit anderen Systemen zu schaffen. Die SV Gruppe wechselte mit dem Brownfield-Approach auf S/4 Hana. «Wir haben unsere Hausaufgaben eigentlich 2012 schon gemacht», so Giezendanner. Damals habe die SV Group ein gesamtes Redesign des SAP-Systems durchgeführt und sei daher konzeptionell bereits auf einem neuen Stand gewesen. «Eine Prozessänderung war für uns nicht nötig, denn unsere Prozesse entsprachen bereits dem, was wir wollten. Für uns war der Fall daher klar und wir entschieden uns für den Brownfield-Approach», sagte Giezendanner. Giezendanner wie auch Kohler sahen die Vorbereitungsphase und eine detaillierte Analyse als Erfolgsfaktoren für die Umstellung. 03 / 2019 www.netzwoche.ch © netzmedien ag

Business Aktuell 11 Eine halbe Milliarde Franken für Schweizer Start-ups Die Swiss Entrepreneurs Foundation lanciert einen Fonds mit einer Zielgrösse von 500 Millionen Franken. Mit ihm sollen Schweizer Start-ups unterstützt werden. UBS, Credit Suisse, Mobiliar, ein amtierender und ein ehemaliger Bundesrat sind mit an Bord. Autor: Oliver Schneider Eine Allianz aus Unternehmen und Politikern hat sich zum Ziel gesetzt, Start-ups nach der Gründungsphase in der Schweiz zu halten und gute Rahmenbedingungen für die Digitalisierung der Schweizer Wirtschaft zu schaffen. Unter dem Patronat von Alt-Bundesrat Johann Schneider- Ammann und Wirtschaftsminister Guy Parmelin lancierten sie die Swiss Entrepreneurs Foundation (SwissEF). Zu den Initianten gehören Mobiliar, UBS, Credit Suisse, die Gebert Rüf Stiftung, Wenger & Vieli sowie Ständerat Ruedi Noser, wie es in einer Mitteilung heisst. Die Stiftung soll Schweizer Start-ups und innovative KMUs in der Wachstumsphase fördern. Um dieses Ziel zu erreichen, verfolge SwissEF einen Doppelansatz. Zum einen realisiere die Stiftung konkrete Projekte, welche die Rahmenbedingungen für Unternehmertum und innovative Technologien verbessern sollen. Zum anderen lanciere SwissEF gemeinsam mit UBS, Credit Suisse und Mobiliar einen «Swiss Entrepreneurs Fund» mit einer Zielgrösse von 500 Millionen Franken. Er soll in Schweizer Start-ups und innovative KMUs in der Wachstumsphase investieren, die bereits Produkte am Markt haben und über einen Kundenstamm verfügen. Fonds und Beratung Die beiden Banken übernehmen laut Mitteilung den Vertrieb und das Portfoliomanagement, die Stiftung bringt Know-how für die Wachstumsunternehmen und die Mobiliar Kapital ein. Ausser an die Mobiliar, die mit 100 Millionen Franken die erste Ankerinvestorin sei, richte sich der Fonds auch an institutionelle Anleger wie Pensionskassen, vermögende Privatpersonen und «Family Offices». Der Fonds soll rechtlich unabhängig von der Swiss- EF agieren. Der Fonds investiere direkt und via Drittfonds in innovative Unternehmen mit Wachstumspotenzial, wobei die Mehrheit der Investitionen in Firmen getätigt werde, die ihren Hauptsitz oder einen signifikanten Anteil ihrer Wertschöpfung in der Schweiz hätten. Zwei Projekte habe SwissEF bereits 2018 gestartet. Durch das Programm «SwissEF Upscaler» erhielten Unternehmen, die sich in der Wachstumsphase befinden und ihr Geschäftsmodell auf den internationalen Märkten skalieren wollen, ein massgeschneidertes Förderprogramm. Das Programm «SwissEF Shaper» vernetze Start-up-Unternehmer und Exponenten aus dem Innovations- und Start-up-Ökosystem mit Vertretern aus der nationalen Politik und sensibilisiere diese für zentrale Anliegen. Der Fonds investiert direkt und via Drittfonds in innovative Unternehmen mit Wachstumspotenzial. «Start-ups sind für das Erfolgsmodell Schweiz ein wichtiger Pfeiler», lässt sich Johann Schneider-Ammann in der Mitteilung zitieren. «Jungunternehmen sollten hier in der Schweiz gegründet und entwickelt werden, die Wertschöpfung und die neuen Jobs sollten hier bleiben.» Alt-Bundesrat Johann Schneider-Ammann. Artikel online: www.netzwoche.ch ▸ Webcode DPF8_124784 www.netzwoche.ch © netzmedien ag 03 / 2019

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