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Netzwoche 9/2019

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24 People Live Wenn Sie

24 People Live Wenn Sie «Starticket.ch» aufrufen: Auf welchen Event freuen Sie « Für einen CEO gibt es eigentlich keinen Konjunktiv » Christof Zogg ist von den SBB zu Tamedia gewechselt, der Ticketing-Welt bleibt er aber treu. Seit Anfang 2019 ist Zogg CEO von Starticket. Ein Gespräch über seinen Start bei der Tamedia-Tochter, nicht gemachte digitale Hausaufgaben und den Ärger mit Wiederverkäufern. Interview: Oliver Schneider « Für jedes Unternehmen kommt irgendwann der Zeitpunkt, an dem die Kern software erneuert werden muss. » Christof Zogg, CEO, Starticket sich im Moment am meisten? Christof Zogg: Ich freue mich selbstverständlich über jeden Veranstalter, der sich für Starticket als Ticketing-Plattform und Partner entscheidet. Am meisten stolz bin ich aber natürlich, dass wir aktuell das Fête des Vignerons vermarkten. Dieses Weinfest findet nur ungefähr alle 25 Jahre in Vevey statt und ist quasi die Landesausstellung der Romandie. Der sehr spezielle Grossanlass wurde sogar in die UNESCO-Liste des immateriellen Kulturerbes aufgenommen. Gerade für uns Deutschweizer ein idealer Anlass, der landschaftlich so attraktiven Genferseeregion wieder einmal einen Besuch abzustatten. Sie sind seit Anfang 2019 CEO von Starticket. Wie gefällt es Ihnen als Chef des Unternehmens? CEO zu sein bedeutet für mich die Freiheit, auf alle Bereiche und Prozesse Einfluss nehmen zu können und gleichzeitig die Last, für alle getroffenen Entscheide und letztlich natürlich das Geschäftsergebnis verantwortlich zu sein. Die Rolle erlaubt es mir, die in meiner Karriere gewonnene Expertise und die gemachten Erfahrungen in Marketing, Sales und Software-Produkt-Entwicklung einzubringen und gemeinsam mit einem sehr motivierten und für Veränderungen offenen Team in die Tat umzusetzen. Wie sieht Ihre Bilanz nach den ersten sechs Monaten als CEO aus? Erstens ist der Veranstaltungsticket-Markt in der Schweiz sehr kompetitiv – sowohl für die Veranstalter, die sich in einem immer breiteren Markt an Freizeitangeboten behaupten müssen und angesichts von Netflix & Co. die Kunden überhaupt erst motivieren müssen, die eigenen vier Wände zu verlassen, wie auch für die Ticketvermarkter. Starticket ist als klare Nummer zwei im Markt in mehrfacher Hinsicht gefordert, sei es im offensichtlichen Wettbewerb mit dem Marktführer oder in der Konkurrenz mit den verschiedenen Long-Tail-Anbietern, die mit niedrigeren Kosten und am Ende der Fahnenstange mit Freemium- Preismodellen Marktanteile gewinnen wollen. Und zweitens? Zweitens ist es für Starticket ein grosser Vorteil und eine ebensolche Business-Opportunity, als Tochterunternehmen zu Tamedia zu gehören. Tamedia ist digital hervorragend aufgestellt und betreibt bekannte Plattformen wie Homegate, Ricardo, Doodle oder Zattoo. Zudem wird die digitale Reichweite ein immer wichtigerer Erfolgsfaktor für die Ticketvermarktung, und Tamedia erreicht als führende Schweizer Mediengruppe mit ihren Onlineplattformen vier von fünf Personen in der Schweiz und hat mit «20 Minuten» den erfolgreichsten Medientitel im Portfolio. Und drittens fahre ich nach wie vor gerne mit dem ÖV, bin aber sehr froh, nicht mehr pro Jahr rund 50 000 Kilometer zur Hauptverkehrszeit im Zug pendeln zu müssen. Wo liegen die grössten Baustellen? Für jedes Unternehmen, das schon mehr als ein Jahrzehnt tätig ist und dessen Geschäft von einer individualentwickelten Software getrieben wird, kommt irgendwann der Zeitpunkt, an dem die Kernsoftware erneuert werden muss. In unserem Fall kam noch erschwerend hinzu, dass Starticket als Folge einer Firmenübernahme in den letzten fünf Jahren zwei unterschiedliche Softwareplattformen parallel betrieben hat. Unsere grösste Baustelle ist deshalb der Abschluss unseres Grossprojekts zur Zusammenführung und Kompletterneuerung unserer Ticketing-Plattform, was – und das ist bei solchen Projekten leider eher die Regel als die Ausnahme – länger dauert, als ursprünglich geplant. Wenn wir das Projekt in diesem Jahr erfolgreich abschliessen, dann werden wir über eine der modernsten Ticketing- Plattformen in der Schweiz verfügen – 100 Prozent in der Public Cloud betrieben und basierend auf dem neuesten Tech-Stack – Azure, Kubernetes, Power BI, React etc. Sie waren zuvor Leiter des Digital-Business-Teams der SBB und haben dort unter anderem die Digitalisierung des Billetkaufs vorangetrieben. Was fasziniert Sie an der Ticketing-Branche? Dass meine Rollen zweimal hintereinander mit Ticketing zu tun haben, war eher Zufall. Was mich aber definitiv fasziniert, ist Digital Commerce, also das Schaffen eines möglichst optimalen digitalen Kauferlebnisses für den Endkunden mit allem, was dazugehört: vom digitalen Marketing über die Payment-Prozesse bis zum Omni-Channel-Kundendienst. Interessanterweise ist dabei das Event-Ticketing 09 / 2019 www.netzwoche.ch © netzmedien ag

25 « Der kommerzielle Wiederverkauf von Tickets ist ein grosses Ärgernis. » Christof Zogg, CEO, Starticket schon zu einem deutlich höheren Grad digitalisiert: Wir verkaufen heute bei Starticket bereits über 90 Prozent unserer Tickets digital, während es im ÖV-Ticketing erst rund 40 Prozent sind, obwohl wir in den letzten vier Jahren bei den SBB massiv Gas gegeben hatten. Wie unterscheiden sich die Herausforderungen von Starticket von jenen der SBB? Einfach zusammengefasst: Bei den SBB hatte ich praktisch unbeschränkte Mittel für digitale Innovationen. Der limitierende Faktor war die Geschwindigkeit beziehungsweise eigentlich zutreffender die Langsamkeit, mit der wir diese in der Komplexität eines Grossunternehmens umsetzen konnten. Bei Starticket verfüge ich über eine äusserst agile Organisation, aber nur über limitierte Ressourcen für Innovationen, da sich diese ja über Mehrumsatz und Kosteneinsparung selbst bezahlt machen müssen. Starticket gehört zu Tamedia. Wie viel Spielraum haben Sie bei Ihren Entscheidungen? Zu meinen bisher sehr positiven Erfahrungen gehört der hohe Freiheitsgrad, über den ich als CEO verfüge. Die operativen Entscheidungen treffe ich mit meinem Management- Team autonom, die strategischen Entscheide und Leitplanken definieren wir gemeinsam mit dem unternehmensinternen Verwaltungsrat. Einige wenige, aber durchaus sinnvolle Rahmenbedingungen etwa bei Arbeitsverträgen oder der Wahl der CRM-Plattform werden vom Konzern vorgegeben. Ich habe den Eindruck, dass es Tamedia hier exemplarisch gelingt, die sehr anspruchsvolle Balance zwischen unternehmerischer Freiheit der Tochterunternehmen und konzernweiten Synergie-Effekten zu finden. Was würden Sie gerne an der Unternehmensstruktur ändern? Das Schöne an der CEO-Rolle ist, dass es eigentlich keinen Konjunktiv gibt – wenn ich gerne etwas an den Strukturen ändern möchte, dann kann ich das tun. Der Schweizer Ticketing-Markt ist weitgehend zwischen einigen grossen Anbietern aufgeteilt. Wie beeinflusst dies Ihre Arbeit? Ticketing ist eine klassische Plattform-Ökonomie – je mehr Content, wie gefragte Konzerte oder spannende Sportveranstaltungen, ein Vermarkter hat, desto attraktiver ist er für Ticket-Käufer und umgekehrt. Als Nummer zwei im Markt hat man eigentlich nur zwei Optionen: Man muss die Dinge besser machen als der Marktführer oder anders. Daran arbeiten wir. Starticket setzt bereits voll auf digitale Kanäle. Wie lässt sich so ein Unternehmen überhaupt noch digitalisieren? Es stimmt, der Verkauf unserer Tickets ist schon grösstenteils digitalisiert, und unsere Prozesse sind es weitgehend i ZUR PERSON Christof Zogg ist seit dem 1. Januar 2019 CEO des des Ticketing-Unternehmens Starticket. Der 47-Jährige war zuvor vier Jahre Director Digital Business bei den SBB. Er leitete in dieser Funktion ein 50-köpfiges Team und verdreifachte den digitalen Ticketabsatz. Vor seiner Zeit bei den SBB arbeitete Zogg bei Microsoft Schweiz, wo er langjähriges Geschäftsleitungsmitglied, Head of Central Marketing und Director der Developer and Platform Group war. Zogg studierte Sozialwissenschaften und Informatik an der Universität Zürich und hält einen MBA der University of Cambridge in England. Artikel online auf www.netzwoche.ch Webcode DPF8_137502 www.netzwoche.ch © netzmedien ag 09 / 2019

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