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Zukunft Banking: Best-of Digital Movers and Shakers

Zukunft

Zukunft Banking 26. Mai 2019 | netzwoche.ch/ZukunftBanking 20 MOVERS Challenger-Banken machen Lust auf Mobile Banking Ein Konto bei einer Bank, die keine Filiale unterhält und bei der man alles über das Smartphone regelt? Warum nicht? Das denken sich immer mehr Schweizer. Die Qualität von Bankangeboten wird zunehmend daran gemessen, wie komfortabel und leistungsstark sich die Mobile Services zeigen. Die Bereitschaft der Kunden wächst, Mobile-only-Banken wie Revolut auszuprobieren. Vlad Yatskeno, Mitgründer des britischen Start-ups Revolut, gab im Herbst bekannt, dass mittlerweile mehr als 50 000 Kunden in der Schweiz die Banking-App nutzen. Im März dieses Jahres brachte das Zürcher Fintech Neon eine Konto-App auf den Markt; und Zak, das Mobile-only-Angebot der Bank Cler, nehmen bereits 14 000 Kunden in Anspruch. Trotz regulatorischer Hindernisse geniessen die hiesigen Challenger-Banken regen Zuspruch. Ihnen gelingt, was die Konsumenten, die digital fest im Sattel sitzen, längst aus vielen Lebensbereichen gewohnt sind und auch von ihrem Mobile Banking erwarten: Es muss wie andere alltägliche Verrichtungen sehr einfach mit dem Smartphone zu erledigen sein – ohne umständliche Anmeldung und Navigation in unübersichtlichen Menüs. Ausserdem wollen die Anwender über eine einzige App auf sämtliche Konten zugreifen, um Einnahmen und Ausgaben zu überblicken und Transaktionen wie Überweisungen mit wenigen Klicks erledigen zu können. Autor: Marc Landis « Wir erhalten vermehrt Anfragen nach Lösungen, die auf eine Ver besserung der ‹Customer Experience› abzielen. » Oliver Weber, Executive Vice President, Crealogix Die Wechselbereitschaft ist vorhanden Eine von Crealogix in Auftrag gegebene Umfrage unter rund 750 Schweizer Bankkunden bestätigt das. Für über 60 Prozent wäre es durchaus eine Option, ein neues Konto zu eröffnen, wenn sie bei einer anderen Bank ihre Finanzen bequemer mobil verwalten könnten. Weniger als 40 Prozent der Befragten sind voll und ganz zufrieden mit ihrer Mobile-Banking-App. Bevor sie eine weitere Enttäuschung bei einem etablierten Institut erfahren, würden es 28,7 Prozent gleich bei einer Mobile-only-Bank versuchen. Eine grosse Mehrheit (61,3 Prozent) verneint die Frage, ob sich ihre jetzige Bank um ihren digitalen Lebensstil beziehungsweise ihre Präferenzen kümmert. Als Funktionen sind am meisten gefragt: der ganzheitliche Überblick und das Management aller Bankkonten über eine einzige App (36,3 Prozent), Rechnungen direkt über die App empfangen und bezahlen (31,3 Prozent) sowie Kreditkarten mit einem Klick verwalten zu können (27,1 Prozent). Nutzerfreundliches Mobile Banking Die aus dem Marketing bekannte KISS- Formel «Keep it short and simple» könnte auch als Motto über den Anwendungen stehen, mit denen die Challenger auf den Markt drängen. Dabei geht mit einem schnörkellosen Mobile Banking ein weiterer Vorteil einher: Die Konto- und Kartenangebote der Challenger sind günstiger als die Produkte der Hausbanken oder sogar gratis. Gute Angebote, die zudem noch als besonders unkompliziert empfunden werden, BANKEN KÖNNEN DAS RUDER NOCH HERUMREISSEN Drei Fragen an Oliver Weber, Executive Vice President, Crealogix Switzerland Digitalisierung im Schweizer Bankenmarkt: Stehen die Zeiger noch vor der Zwölf oder ist es bereits fünf nach Zwölf? Oliver Weber: Die Zeit drängt und es besteht Handlungsbedarf. Das sehen auch die Finanzinstitute ganz deutlich. Wir erhalten vermehrt Anfragen nach Lösungen, die auf eine Verbesserung der «Customer Experience» abzielen. Nehmen wir die deutsche Challenger-Bank N26, die zu den Mobileonly-Banken der ersten Stunde zählt und mit ihrem Konzept sehr erfolgreich ist – auch wenn N26 zuletzt mit Sicherheitslücken und Schwierigkeiten im Kundensupport zu kämpfen hatte. Die etablierten Banken haben jetzt noch die Gelegenheit, sich einerseits einiges von den neuen Mitbewerbern abzuschauen und deren Angebot zu übertrumpfen sprechen sich schnell herum: Etwa ein Drittel (30,6 Prozent) der Befragten kennt mindestens eine der bekannten Challenger- Banken. Um nicht den Anschluss zu verlieren, sind die etablierten Banken gefordert, die Anwenderfreundlichkeit der eigenen digitalen Angebote kritisch zu prüfen und die Funktionen gegebenenfalls zu optimieren – oder zu ersetzen. Ausser den oben genannten gefragten Funktionen gehört der Kontoeröffnungsprozess (21,4 Prozent) zu den am besten bewerteten Anwendungen bei den Kunden, die bereits ein Konto bei einer Mobile-only-Bank haben. Insgesamt sollte die gesamte digitale Customer Experience überprüft werden, ohne allzu viel Zeit zu verlieren. Denn die Schweizer Kunden setzen sich bereits intensiv mit den Angeboten der Challenger auseinander – und mit «Me too»-Angeboten wird man sie nicht binden können. und andererseits Kapital aus ihrer hervorragenden Reputation als verlässlicher Partner zu schlagen. Sie geniessen hohes Vertrauen bei den Kunden und sind den Challengern damit einen Schritt voraus. Wie werden Fintechs aus dem Ausland wie N26 oder Revolut den Markt verändern? Als Mobile-only-Player setzen sie neue Massstäbe in puncto Benutzerfreundlichkeit – und tragen diese mit einer gesunden Aggressivität in den hiesigen Markt. Was raten Sie den Schweizer Finanzinstituten? Ich empfehle, mutig nach vorne zu schauen und mit kleinen Anwendungen zu beginnen. Setzen diese auf einer modularen Plattform auf, lassen sich daraus schnell umfassende und personalisierte Services aus eigenen und fremden Produkten anbieten. Die Zürcher Swiss Fund & Finance Platform lanciert das SWIC-Gateway Das Zürcher Informationsportal Swiss Fund & Finance will mit einer neuen Plattform auf Basis der Block chain- Tech nolo gie eine Brücke zwischen der Krypto-Welt und der traditionellen Finanzwelt schlagen. Dafür entwickelt das Unternehmen in Zusammenarbeit mit Spezialisten aus der Blockchain-Branche, Bankern und Experten aus der Finanzproduktwelt das SWIC-Gateway. Autorin: Elsbeth Bruderer Stefan Bucher ist Verwaltungsratspräsident der Swiss Fund & Finance Platform. Mit dem SWIC-Gateway, das von der Betreiberin der Swiss Fund & Finance Platform (SF&FP) entwickelt wird, haben Investoren die Möglichkeit, jegliche Assets – von bankable bis non-bankable – zu handeln. Anleger sollen auf dem neuen Portal Finanzhandelsgeschäfte mit Krypto-Währungen wie etwa Ethereum oder Bitcoin tätigen, Anlagen aber auch mit Fiat-Geld bezahlen können. Um dies zu ermöglichen, will die Plattform auch «Krypto-Wechselstuben» von Drittanbietern integrieren, die Fiat- in Krypto-Währungen tauschen, damit diese dann auf dem SWIC-Gateway in Finanzprodukte investiert werden können. «Unser Portal ermöglicht es Benutzern, digitale Transaktionen für diese Produkte und Dienstleistungen sicher, grenzüberschreitend und kostengünstig durch Disintermediation von Banken und anderen Dritten durchzuführen», sagt Stefan Bucher, Verwaltungsratspräsident der SF&FP. Durch diese Ausschaltung zwischengelagerter Stellen plant die SF&FP, ein integratives, blockchainbasiertes Ökosystem zu erschaffen, das den direkten Handel zwischen Finanzprodukten und Krypto-Währungen ermöglicht – «eine offene Plattform für die Zukunft der Finanzwirtschaft», wie es im Businessplan der SF&FP heisst. Das Vorhaben ist getragen von der Vision, «die Welt der traditionellen Finanzmärkte zu verändern, indem «wir ein neues kryptoökonomisches Umfeld schaffen, das Finanzhandelstransaktionen über eine blockchainbasierte Plattform ermöglicht». Bucher glaubt auch, dass «die Blockchain auf Dauer Bestand haben wird und grosse Investitionen in die Technologie getätigt « Unsere Vision ist es, die Welt der traditionellen Finanzmärkte zu verändern, indem wir ein neues kryptoökonomisches Umfeld schaffen, das Finanzhandelstransaktionen über eine blockchainbasierte Plattform ermöglicht. » Stefan Bucher, VRP, Swiss Fund & Finance Platform werden». Im Jahr 2018 erreichte das globale Krypto-Handelsvolumen ein geschätztes Volumen von 7300 Milliarden US-Dollar und brachte über 2,2 Milliarden US-Dollar an Handelsgebühren ein. Eine Umfrage des Weltwirtschaftsforums ergab zudem, dass bis im Jahr 2027 10 Prozent des globalen BIP auf der Blockchain gespeichert sein werden. Die Blockchain-Technologie soll dabei für einen schnellen, transparenten, sicheren, korrekten und automatisierten Verkauf und Kauf von digitalisierten Vermögenswerten sorgen. «Wir sind hier, um diese Möglichkeit in die Tat umzusetzen», sagt Bucher. Die Lücke zwischen der Krypto-Welt und der traditionellen Finanzwelt zu schlies sen, ist allerdings noch ein schwieriges Unterfangen. «Nur wenige Menschen haben sowohl ein vertieftes Verständnis für die neue Technologie als auch professionelle Finanzerfahrung; das regulatorische Umfeld ist unklar; und natürlich widersetzen sich etablierte Unternehmen wie Banken dem disruptiven Wandel», erklärt Bucher die bislang eher schleppende Adaption der Technologie durch die Finanzindustrie. Die SF&FP indes möchte Teil der Disruption und nicht der Disruptierten sein – quasi Uber sein, statt «geubert» zu werden – und will diese mit dem SWIC-Gateway-Team vorantreiben, das aus Finanzexperten mit grosser Erfahrung und fundiertem Fachwissen besteht sowie durch ein globales Netzwerk unterstützt wird. «Wir sind einzigartig positioniert, um Werte zu schaffen und mit anderen Branchenteilnehmern zu teilen, Allianzen einzugehen, um Blockchain-Lösungen und Industriestandards zu entwickeln, und die Integration von traditionellen und Krypto- Finanzierungen zu begleiten.» Das SWIC-Gateway soll eine breitere Palette von Produkten und Dienstleistungen für mehr Menschen bereitstellen. Im Vergleich zu einer traditionellen Börse, die eher den B2B-Kunden anspricht, ist das SWIC-Gateway als B2C-Platform konzipiert, auf der sowohl Privatpersonen als auch professionelle Anleger handeln können. «Der SWIC-Gateway ist dabei ein völlig neuer Vertriebskanal für die Finanzproduketindustrie», sagt Bucher. Partner, die sich dafür interessieren, am Projekt mitzumachen, können mit SF&FP über www.swissfundplatform.ch in Kontakt treten.

26. Mai 2019 | netzwoche.ch/ZukunftBanking Zukunft Banking MOVERS 21 Die Luzerner Kantonalbank als First Mover beim Crowdfunding Die Luzerner Kantonalbank will sich im Rahmen ihrer Unternehmensstrategie 2020@LUKB in eine digitale Bank transformieren. Dafür lancierte sie digitale Initiativen wie etwa die Crowdfunding- Plattform funders.ch, auf der KMUs Risikokapital erhalten können. Ein E-Bike-Start-up sammelte so über 230 000 Franken ein. Autorin: Elsbeth Bruderer Die Digitalisierung in der Finanzindustrie hat auch die etablierten Finanzinstitute längst erfasst. Eine Bank, die den schnell ändernden Markt mitgestalten will, ist die Luzerner Kantonalbank (LUKB). Schon vor drei Jahren lancierte sie mit funders.ch eine Crowdfunding-Plattform, um Projektstarter wie Erfinder, Kreative, Start-ups, KMUs, Vereine und gemeinnützige Organisationen mit Investoren zu verbinden. Funders.ch begann damals mit sogenanntem Crowdsupporting (siehe Kasten Crowdsupporting), bei dem die gesprochenen Geldbeträge nicht zurückerstattet werden, die Unterstützer jedoch eine materielle Gegenleistung erhalten. Vor einem Jahr erweiterte die LUKB funders.ch und bot als erste Bank auch Crowdlending (siehe Kasten Crowdlending) in der Schweiz an – die Kreditgewährung mittels Schwarmfinanzierung. Anleger stellen Unternehmern Kredite zur Verfügung. Als Gegenleistung erhalten die Anleger den Kreditbetrag zuzüglich Zinsen zurück. Erfolgreich finanziertes Projekt Ein Beispiel für eine solche erfolgreiche Schwarmfinanzierung ist das Start-up Aureus Drive, das schnelle E-Bikes entwickelt und via funders.ch bereits über 230 000 Franken einsammelte und so in seine zukünftige Entwicklung investierte. Für die LUKB ist die Crowdlending-Erweiterung ebenfalls eine Investition in die Zukunft, betont der LUKB-CEO Daniel Salzmann: «Wir schliessen nicht aus, dass Crowdlending langfristig einen Teil unseres KMU-Kreditgeschäfts substituieren wird. Deswegen möchten wir bereits heute in diesem Bereich Erfahrungen sammeln – und bereit sein, wenn es darauf ankommt.» Funders.ch ist für die LUKB aber mehr als nur eine Crowdfunding-Plattform. Sie ist auch ein Versuchsfeld, um Neues im Markt zu testen. So führte die LUKB auf funders.ch etwa die automatisierte Online- Identifikation ein, mit der Nutzer sich online identifizieren und direkt in Crowdlending-Projekte investieren können. Der Gang zum Bankschalter für die Identifizierung entfällt somit. «Diese Form der Interaktion mit unseren Kunden gehört auch zur Zukunft des Bankings. Dank der Online-Identifikation lernen wir bereits heute, worauf wir bei der elektronischen Identifikation achten müssen», so Salzmann. CROWDFUNDING « Die Online- Identifizierung der Kunden gehört zur Zukunft des Bankings .» Daniel Salzmann, CEO, Luzerner Kantonalbank So funktioniert Crowdsupporting Beim Crowdsupporting finanziert eine Vielzahl von Personen (die Crowd) gemeinsam eine Idee, ein Projekt oder ein Vorhaben eines Starters (Projektinitiator). Der Starter beschreibt sein Projekt in einem Video, mit Bildern oder mit Texten. Zudem legt er sein Finanzierungsziel, die Laufzeit seiner Kampagne und die Gegenleistungen fest. Alle, die den Starter bei der Verwirklichung seiner Idee helfen möchten, können ihn finanziell unterstützen. Als Dank für ihre Unterstützung können sich die Funder ihre Gegenleistung (z. B. das fertige Produkt) auswählen oder die Idee unentgeltlich unterstützen. Kommt die Finanzierung zustande, fällt für die Starter eine einmalige Vermittlungsgebühr von 7% des Fundingbetrages an. ÜBER DIE LUKB Die 1850 gegründete Luzerner Kantonalbank AG (LUKB) ist mit rund 1000 Mitarbeitenden die führende Bank im Kanton Luzern. Sie betreibt insgesamt 26 Geschäftsstellen, eine davon in Zürich, und gehört zu den grössten Schweizer Kantonalbanken. Zu ihren Kerngeschäftsfeldern gehören die Immobilien- und Unternehmensfinanzierung, die Vorsorge sowie die Vermögensberatung und -verwaltung. (Quelle: LUKB) Auch ist die LUKB seit Oktober 2018 Mitglied des Konsortiums SwissSign Group, das sich zur Aufgabe gemacht hat, in der Schweiz die breit abgestützte elektronische Identität Swiss ID einzuführen. Die SwissID wird auf funders.ch im Juni 2019 implementiert. Die Investition in weitere digitale Initiativen ist denn auch fester Bestandteil der Unternehmensstrategie 2020@LUKB, womit sich die Bank mittelfristig digital transformieren will. Die Luzerner Kantonalbank möchte etwa mehr Betreuungszeit für die Kundenberatung schaffen, die Effizienz steigern und setzt dafür auf digitale Angebote kombiniert mit hohem Komfort und gelebter Kundennähe. So funktioniert Crowdlending Beim Crowdlending gewährt eine Vielzahl von Personen einem Unternehmen einen Kredit für die Umsetzung eines Vorhabens. Der Starter (Projektinitiator) beschreibt sein Vorhaben und den Kreditzweck. Ausserdem legt er den maximalen Zinssatz fest. Funder, die den Starter unterstützen möchten, geben einen Kreditbetrag sowie ihren individuell erwarteten Kreditzinssatz als Gebot ab. Ist die angestrebte Finanzierungssumme erreicht, erhält der Starter das gesuchte Kapital. Übersteigen die Gebote die gesuchte Finanzierungssumme, erhalten die für den Starter besten Gebote den Zuschlag (Auktionsverfahren). Kommt die Finanzierung zustande, fallen für die Kreditsucher und -geber je eine einmalige Vermittlungsgebühr von 0,8 % des erhaltenen (Starter) bzw. gesprochenen (Funder) Kreditbetrags an. Kommt eine Finanzierung nicht zustande, so entstehen weder für Starter noch für Funder Kosten. Der Schweizer Crowdlending-Markt wächst Der Crowdlending-Markt in der Schweiz ist letztes Jahr um rund 40 Prozent gegenüber dem Vorjahr gewachsen. Das zeigen Zahlen von PwC, der Swiss Marketplace Lending Association und der Hochschule Luzern. Im internationalen Vergleich ist der Markt aber immer noch klein. Autor: Marcel Urech Das Interesse am Schweizer Crowdlending-Markt steigt und steigt. 2018 gab es Crowdlending-Kredite im Umfang von 262 Millionen Franken, wobei vor allem institutionelle Anleger in den Markt investierten. Das zeigt die zweite «Crowdlending Survey», welche die Hochschule Luzern gemeinsam mit PwC und der Swiss Marketplace Lending Association erstellt hat. Ausser den Volumina wurden in der Umfrage auch die wichtigsten Herausforderungen aus Sicht der Plattformen erhoben. Laut der Umfrage wuchs der Schweizer Crowdlending-Markt 2018 gegenüber dem Vorjahr um 40 Prozent. Die untersuchten 13 Plattformen hätten Kredite im Umfang von 262 Millionen Franken finanziert. 2017 seien es 187 Millionen Franken gewesen. Im Jahr 2015 habe das Volumen der vermittelten Kredite bei lediglich 8,4 Millionen Franken gelegen. Das sei gerade mal 3,2 Prozent des diesjährigen Umfangs, heisst es in der «Crowdlending Survey». Einen grossen Anteil innerhalb des Crowdlendings habe das Business Crowdlending, also die Finanzierung von Schweizer KMUs. Dieser Markt habe letztes Jahr rund 134,4 Millionen Franken vermittelt. Anders sieht es im Consumer Crowdlending aus: Bei den Konsumkrediten, also den Krediten an Privatpersonen, belief sich das Volumen auf 57 Millionen Franken. Der Bereich der hypothekarisch besicherten Kredite verzeichnete ein starkes Wachstum. 2017 vermittelte der Markt noch 23,1 Millionen Franken, 2018 waren es schon 70,5 Millionen Franken. Obwohl sich das Wachstum im Vergleich zum Vorjahr verringerte, erwarten die Studienautoren weiterhin einen hohen Zuwachs. Auch institutionelle Investoren haben die neue Anlageklasse für sich entdeckt. Das Interesse von professionellen Anlegern wie Asset Manager, Family Offices, Fonds und vermögenden Personen steige markant. Ihr Anteil an den finanzierten Kreditvolumen bei den Schweizer Plattformen sei noch einmal leicht gestiegen. Je nach Plattform gebe es allerdings starke Unterschiede. Die meisten professionellen Investoren würden sich auf die grösseren Plattformen konzentrieren. Sowohl für den Gesamtmarkt als auch für einzelne Plattformen sei es zentral, eine SO ENTWICKELTE SICH DER CROWDLENDING-MARKT IN DER SCHWEIZ SEIT 2012 Volumen in Mio. CHF kritische Grösse zu erreichen, um für institutionelle Investoren attraktiver zu werden. Aus Sicht der Autoren könnte sich ab einem jährlichen Marktvolumen von 1 Milliarde Schweizer Franken ein weiterer Wachstumsschub abzeichnen. Die Gewinnung von Geldgebern und Geldnehmern habe für die Plattformen eine hohe Bedeutung, heisst es in der Umfrage. Die Schwierigkeit im Crowdlending-Markt bestehe insbesondere darin, dass das Wachstum auf beiden Seiten in etwa ausgeglichen sein sollte. Ein weiterer kritischer Faktor für die Branche sei das Thema Reputationsrisiken. Verglichen mit weit entwickelten Crowdlending-Märkten wie Grossbritannien oder den USA liege der Schweizer Markt weiterhin im Rückstand, sagen die Autoren der 28.1 24.1 111.6 ÜBER CROWDLENDING Crowdlending beschreibt die Vermittlung von Fremdkapital zwischen Kapitalgebern und Kapitalnehmern über das Internet. Es wird zwischen Krediten an Privatpersonen (Consumer Crowdlending), für Unternehmen (Business Crowdlending) sowie für Immobilien (Real Estate Crowdlending) unterschieden. (Quelle: HSLU) Umfrage. Das im Crowdlending pro Einwohner investierte Volumen habe in der Schweiz im Jahr 2018 bei 30 Franken gelegen. Im Vorjahr seien es noch 22 Franken gewesen. In Grossbritannien habe der Wert im gleichen Jahr bereits bei 89 Franken gelegen, in den USA bei 119 Franken. 300 Consumer Real Estate 3500 Business Anzahl Kredite 261.9 250 200 150 100 50 0.9 0.9 2.1 2.1 3.5 3.5 8.4 0.6 7.8 70.5 134.4 52 57.0 2012 2013 2014 2015 2016 2017 2018 55.1 2.9 186.7 23.1 3000 2500 2000 1500 1000 5000 0 Quellle: HSLU Anzahl Kredite

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