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Zukunft Banking: Best-of Digital Movers and Shakers

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06 Zukunft Banking 26. Mai 2019 | netzwoche.ch/ZukunftBanking TOPSTORY « Das war eines der grössten Projekte in der Finanzindustrie » Raiffeisen und Avaloq haben gemeinsam eine zukunftssichere IT-Plattform entwickelt und bei allen 246 Raiffeisenbanken erfolgreich eingeführt. Raiffeisen-COO Rolf Olmesdahl und Avaloq-CEO Jürg Hunziker sprechen im Interview über das Mammutprojekt. Interview: Marc Landis Alle Raiffeisenbanken laufen seit Anfang 2019 auf einer IT-Plattform. Wie fühlen Sie sich nun, da alle Banken live sind? Rolf Olmesdahl: Wir sind sehr glücklich und stolz, dass wir nach dreieinhalb Jahren intensiver Vorbereitung alle 246 Raiffeisenbanken erfolgreich auf das neue Kernbankensystem migrieren konnten. Ich kenne kein anderes Finanzunternehmen, dem es gelungen ist, so viele Banken in so kurzer Zeit auf eine neue IT-Plattform zu bringen. Eine grossartige Leistung aller Beteiligten. Jürg Hunziker: Ich bin ausserordentlich stolz auf das Geleistete und auf alle, die in das Projekt involviert waren. Dieses Projekt war das grösste in der Geschichte von Avaloq und sicher eines der grössten in der Finanzindustrie überhaupt. Raiffeisen und Avaloq haben damit IT-Geschichte geschrieben. Wir haben unsere Fähigkeit unter Beweis gestellt, dass wir Projekte aller Grössenordnungen und Reichweiten erfolgreich stemmen können. Was waren die grössten Herausforderungen des Projekts? Olmesdahl: Raiffeisen hat sich für eine standardisierte Informatiklösung für alle 246 Banken entschieden. Das bringt den grossen Vorteil von einheitlichen Funktionen mit sich, aber auch die Herausforderung, dass es einiges an Abstimmungsarbeit braucht. Das braucht natürlich Zeit. Die gemeinsame Herangehensweise hat sich aber definitiv gelohnt. Neben der Systembereitstellung mussten wir tausende Mitarbeitende aus allen Sprachregionen auf dem neuen Bankensystem schulen. Dafür wurden einzelne Vertreter der Raiffeisenbanken intern geschult, um wiederum weitere Mitarbeitende in den Regionen ausbilden zu können. Die Raiffeisenbanken halfen sich auch untereinander mit Spezialisten aus. Die ganze Gruppe hat an einem Strang gezogen, das war eindrücklich. Hunziker: Frühere Anläufe, das System zu wechseln, deuteten auf kein leichtes Unterfangen hin, gerade auch angesichts der Grös se und Komplexität der Raiffeisen. Das Timing war sicherlich auch eine Herausforderung. Die gemeinsame strategische Entscheidung, die Migration in Wellen vorzunehmen, hat sich aber als folgerichtig erwiesen und sichergestellt, dass wir alle Banken effizient und zuverlässig migrieren konnten. Gemeinsam haben die Projektpartner das Projekt erfolgreich abgeschlossen – und am Ende kommt es nur darauf an. Welche Vorteile hat die Raiffeisen Gruppe nun durch die Vereinheitlichung ihrer IT? Olmesdahl: Mit der Einführung des neuen Kernbankensystems haben wir die Basis für durchgängige Prozesse geschaffen. Die Automatisierung bei der Verarbeitung des Zahlungsverkehrs ist heute beinahe abgeschlossen und bei der Wertschriftenverarbeitung ist sie massiv verbessert worden. An der Optimierung der Kreditprozesse arbeiten wir noch. Darüber hinaus haben wir mit der Einführung des neuen Systems die Grundlage für die Umsetzung künftiger digitaler Vorhaben gelegt. Hunziker: Sehr oft sind nicht diejenigen Banken, die am meisten in IT investieren, besonders leistungsfähig, sondern diejenigen, die am meisten in Innovation und Change investieren. Raiffeisen ist diesen Schritt gegangen und verfügt nun über ein zukunftssicheres Universal-Banken-System. Das ist für ein Finanzinstitut entscheidend, um wirksam Rolf Olmesdahl ist seit Juli 2015 Mitglied der Geschäftsleitung von Raiffeisen Schweiz und leitet als COO das Departement IT & Services. Jürg Hunziker ist seit Januar 2018 CEO der Avaloq Gruppe. Er kam 2016 zunächst als Chief Market Officer und Deputy CEO in die Konzernleitung von Avaloq. und wirtschaftlich arbeiten zu können. Das gilt auch für die agile Umsetzung digitaler Vorhaben. Mit einer modernen IT wird die Time-to-Market verkürzt. Innovative Produkte lassen sich schneller implementieren und den Kunden anbieten. Wie geht es mit der Entwicklung neuer digitaler Produkte bei Raiffeisen weiter? Was ist in der Pipeline? Olmesdahl: Zurzeit sind wir bei Raiffeisen mit unseren Beraterprozessen beschäftigt. Wir wollen vor allem unsere Angebote rund um die Themen «Wohnen» und «Anlegen» verbessern. Zudem bauen wir unser E-Banking kontinuierlich weiter aus. Wir haben heute schon über eine Million aktive E- Banking-Kunden und sind damit schweizweit die führende Anbieterin. ÜBER DAS PROJEKT So bauten Raiffeisen und Avaloq eine zukunftsfähige IT-Plattform für die Bank Seit 2009 setzt Raiffeisen die Avaloq-Software für den Zahlungsverkehr ein. Seither werden mehr als eine Million Transaktionen täglich über die Avaloq- Plattform abgewickelt, an Spitzentagen gar bis zu zwei Millionen. So lag es nahe, dass Raiffeisen aufgrund der erfolgreichen Zusammenarbeit Ende 2014 gemeinsam mit Avaloq ein umfassendes Transformationsprojekt aus der Taufe hob. Das Ziel: Das vorhandene System «Dialba» zu ersetzen, um eine einheitliche Sicht auf alle Kundenpositionen wie Barmittel, Wertpapiere oder Hypotheken zu schaffen und alle Geschäftsfunktionen und -prozesse auf einem zukunftsfähigen und flexiblen System zu konsolidieren. Zu erfüllen hatte die neue Plattform die Anforderungen aller Raiffeisenbanken in der gesamten Schweiz. Konzipiert wurde sie infolgedessen mit Fokus auf Front-to-Back-Effizienz, die Automatisierung der Compliance sowie die Vereinfachung ÜBER AVALOQ Avaloq ist die treibende Kraft der Automatisierung und Digitalisierung der Finanzbranche. Aufbauend auf einer voll integrierten Bankensoftware schafft Avaloq leistungsfähige digitale Nutzererlebnisse. Banken und Vermögensverwalter beziehen die digitalen Lösungen von Avaloq über ein standardisiertes Business-Process-as-a-Service( BPaaS )- oder ein Software-as-a-Service( SaaS )-Modell. Dies eröffnet Finanzinstituten die Freiheit, sich auf Produkt- und Vertriebsinnovation, Kundenservice, Kundenvertrauen und Wachstum zu konzentrieren – während Avaloq hinter den Kulissen den nahtlosen Betrieb sicherstellt. 158 Banken und Wealth Manager, die weltweit Vermögenswerte von zusammen mehr als 4 Billionen Franken verwalten, schenken Avaloq-Produkten Vertrauen. Avaloq ist der einzige unabhängige Lösungsanbieter in der « Wir haben bewiesen, dass wir Projekte aller Grössenordnungen erfolgreich stemmen können. » Jürg Hunziker, CEO, Avaloq Wie stellen Sie die Weiterentwicklung der Avaloq-Plattform bei Raiffeisen sicher? Olmesdahl: Wir entwickeln das neue Kernbankensystem in monatlichen Releases weiter. Ich gehe heute davon aus, dass nach einer Phase der Bereinigung und Optimierung künftig immer mehr Investitionen in den Ausbau der Digitalisierung und weniger in das Kernbankensystem fliessen werden. Wir unterhalten viele weitere wichtige Systeme wie etwa das E-Banking-System oder die Beratungssysteme, die nun nach der erfolgreichen Migration wieder vermehrt im Zentrum stehen. Hunziker: Raiffeisen und Avaloq arbeiten ja schon seit über zehn Jahren erfolgreich zusammen – und diese langjährige Zusammenarbeit setzen wir fort. Die Raiffeisen und ihre Kunden werden dabei von der Innovationskraft von Avaloq, der Community aus Banken und Vermögensverwaltern weltweit und unserem Fintech-Ökosystem profitieren. Wie sehen Sie die digitale Zukunft der Raiffeisen? Olmesdahl: Raiffeisen nutzt die Chancen der fortschreitenden Digitalisierung und positioniert sich als «Smart Follower». Neue Technologien werden wir für die Entwicklung von innovativen Angeboten zugunsten der Kundinnen und Kunden oder für eine effiziente Prozessgestaltung nutzen. Neben dem Ausbau des digitalen Angebots bleiben das physische Geschäftsstellennetz und der persönliche Kundenkontakt für Raiffeisen weiterhin sehr wichtig. von Prozessen und der User Journey. Für ein Vorhaben dieser Grössenordnung war Avaloqs skalierbare Architektur eine Grundvoraussetzung – sie gewährleistet, dass letztlich alle Banken auf ein und dieselbe Datenquelle zurückgreifen. Eingeführt wurde die neue Plattform in sieben Migrations-Wellen, jede mit einer zuvor klar definierten Anzahl Banken. Dieser strategische Entscheid erwies sich als folgerichtig. Aufgrund der initialen Einführung des Systems bei den ersten 22 Pilotbanken konnten alle Funktionalitäten in der Praxis getestet, zusätzliche Funktionalitäten identifiziert und so die anschliessenden Migrationen schnell und zuverlässig abgewickelt werden. Zum Jahreswechsel wurden die letzten Banken migriert. Eine beispiellose Erfolgsgeschichte und eines der grössten Projekte im globalen Retail Banking wurde so erfolgreich vollendet. Rund 10 800 Mitarbeitende an 880 Raiffeisen-Standorten in der Schweiz arbeiten nun mit der modernsten Retail-Banking-Plattform der Schweiz. Finanzbranche, der seine Software zugleich selbst entwickelt und betreibt – darum gehören Avaloq- Banking-Lösungen zu den effizientesten der Welt. Um Innovationen zu fördern, arbeitet das Unternehmen auf eine einzigartig kollaborative Weise mit Kunden, anderen Fintechs, Universitäten und Hunderten von Drittanbietern zusammen: im Avaloq Ecosystem. Avaloq hat seinen Hauptsitz in der Schweiz und beschäftigt weltweit über 2000 Mitarbeitende. Das Unternehmen betreibt drei Forschungs- und Entwicklungszentren in Zürich, Edinburgh und Manila sowie drei Servicecenter in der Schweiz, Singapur und Deutschland. Zudem ist Avaloq mit Niederlassungen in den Finanz- und Innovationszentren Berlin, Frankfurt, Hongkong, London, Luxemburg, Madrid, Paris, Singapur und Sydney vertreten. (Quelle: Avaloq)

26. Mai 2019 | netzwoche.ch/ZukunftBanking Zukunft Banking DIGITALISIERUNG IST CHEFSACHE 07 « Die SBVg sieht im Open Banking grosses Potenzial für den Finanzplatz » Herbert Scheidt ist der oberste Schweizer Banker und damit das Aushängeschild des Finanzplatzes Schweiz. Im Interview spricht er über Rahmenbedingungen und darüber, warum er für Open Banking, aber gegen die EU-Richtlinie PSD2 ist. Interview: Marc Landis Wie geht es dem Finanzplatz Schweiz im Jahr 2019? Herbert Scheidt: Heute, zehn Jahre nach der Finanzkrise, ist der Finanzplatz Schweiz hervorragend aufgestellt. Die Eigenkapitalund Liquiditätsanforderungen sind erhöht, der Anleger- und Kundenschutz ist gestärkt worden. Unsere Banken sind stabil und bieten ihren Kunden erstklassige Dienstleistungen. Beides bildet die Basis für Vertrauen, das wichtigste Gut im Finanzbusiness. Dies ist auch der Hauptgrund, wieso die Schweiz der grösste Finanzplatz für das grenzüberschreitende Geschäft ist. Doch der globale Wettbewerb ist intensiver geworden. Wichtige ausländische Finanzplätze wachsen schneller als die Schweiz. In Zeiten sinkender Margen und immer rascherer technologischer Dynamik muss die Profitabilität steigen. Hier sind unsere Banken gefordert. Welche Trends sehen Sie im Banking in der Schweiz? Digitale Innovationen verändern das Banking auch in Zukunft fundamental. Um innovative Geschäftsmodelle entwickeln zu können, braucht es Rechtssicherheit und Vertrauen. Ich bin erfreut, dass die Behörden aktiv und unvoreingenommen gemeinsam mit uns beste Standortbedingungen gestalten. So sind sie die Fintech-Lizenz oder auch die rechtlichen Rahmenbedingungen für Blockchain schnell angegangen. Disruptive Entwicklungen beim Open Banking oder bei der Tokenisierung von nicht bankfähigen Vermögenswerten warten nicht auf Behörden. Ich bin stolz, dass die SBVg in diesen Bereichen konstruktiv Pflöcke eingeschlagen hat. Blockchain, Cloud- Banking und Cybersecurity verfolgen wir mit absoluter Priorität. Wo wird die SBVg in Zukunft sonst aktiv sein? Die Banken besitzen grosse Mengen an Kundendaten. Ich möchte die Diskussion über einen vertrauensvollen Umgang mit diesen Daten anstossen. Datenvertraulichkeit und Sicherstellung der Privatsphäre waren seit jeher unsere grosse Stärke. Dies soll im Interesse unserer Kunden auch so bleiben. Die Datenskandale verschiedener sozialer Netzwerke dürfen in der Schweiz nicht passieren. Gleichzeitig hilft uns eine bessere Datenanalyse, unsere Kunden weiterhin erstklassig bedienen zu können. Indem Dienstleistungen zunehmend digital und somit auch global angeboten werden, stellt sich weiter die Frage, wie diese möglichst gerecht besteuert werden können. Aktuell werden neue Regeln für die Besteuerung einer digitalen Wirtschaft diskutiert. Ich sehe Nachhaltigkeit zudem als zentralen Faktor für den Erfolg unseres Finanzplatzes. Wir sind hier bereits erfolgreich unterwegs, aber ich sehe noch viel Potenzial. Abgesehen davon wollen wir uns als Verband konstruktiv in die aktuell virulente politische Diskussion einbringen und dies wird auch von uns erwartet! Welchen Einfluss hat die Digitalisierung auf das Geschäft der Banken? Die Wertschöpfung der Dienstleistungserstellung wird durch digitale Innovationen immer weiter aufgebrochen. Wie in anderen Industrien erhöht die Spezialisierung in den einzelnen Schritten von der Produktion bis zum Vertrieb die Effizienz. Das Festhalten an traditionellen Systemen dürfte aufgrund des steigenden Margendrucks schwierig sein. Aber nicht nur dies. Die Anpassung der « Mein zentrales Anliegen war es, die Beziehungen zu Bern zu vertiefen und auszubauen. » Herbert Scheidt, Präsident, SBVg Digitale Fitness Auf einer Skala von 1 bis 10, als wie « digital fit » bezeichnen Sie … — 7 — — 7 — sich selbst? die Schweiz? — 8 — — 8 — die Finanz branche? Ihren Verband? Geschäftsmodelle hat auch Auswirkungen auf die Marktstruktur mit Chancen und Risiken für Banken. Diese können einerseits ihre Innovationsfähigkeit erhöhen, Kosten senken und so im Wettbewerb stärker auftreten. Gerade kleinere Institute können Skalennachteile durch Technologie reduzieren, ohne an Agilität einzubüssen. Nicht mehr die Grossen fressen die Kleinen, sondern die Schnellen die Langsamen. Andererseits stelle ich fest, dass Nicht-Banken-Ökosysteme Bankdienstleistungen bei sich integrieren. In solchen Fällen rutscht die Bank in die Rolle des reinen Produktlieferanten und entfremdet sich von ihrer Kundenbasis, dem wertvollsten Asset der Banken. Welche Überlebenschancen räumen Sie den klassischen Retailbanken in der Schweiz ein? Viele Jahre waren Banken auf die Folgen der Finanzkrise fokussiert. Ich stelle zufrieden fest, dass sie nun wieder proaktiv strategische Weichen für die Zukunft stellen. Das ist wichtig, denn das Marktumfeld ist anspruchsvoll: Die Wettbewerbsintensität nimmt stetig zu und die tiefen Zinsen werden anhalten. Retailbanken werden den Margenschwund zunehmend schlechter durch Skalierung kompensieren können. Vier Jahre nach Einführung der Negativzinsen durch die SNB treten nun die Nebeneffekte dieser Politik immer stärker zutage. Jedes Finanzinstitut ist somit zum Handeln verpflichtet. Die erfolgreiche Umsetzung innovativer Geschäftsmodelle mittels neuer Technologien ist matchentscheidend. Herbert Scheidt, Präsident, SBVg Was halten Sie von den aufkommenden Smartphone-Banken? Die Kunden unserer Banken bewegen sich heute in ihrem Alltag in der digitalen Welt. Sie erwarten deshalb sichere Smartphone- Dienstleistungen auch von ihrer Hausbank. Wichtige Anforderungen sind Flexibilität, Komfort und tiefe Gebühren. Smartphone- Banken richten sich stark nach diesen Bedürfnissen der Kunden. Nur wenige User lassen sich aber den Monatslohn von ihrem Arbeitgeber auf eine App senden. Es sind die traditionellen Banken, die weiterhin höchstes Vertrauen ihrer Kunden geniessen. Es ist klar, dass sie der Entwicklung innovativer Dienstleistungen oberste Priorität einräumen müssen, ohne Kompromisse bei ihren bisherigen Stärken einzugehen. Entscheidend für den Erfolg jedes Instituts ist seine Fähigkeit, mit Veränderungen umzugehen und innovative Technologien schnell und konsequent umzusetzen. Ausreden gibt es keine, denn die Rahmenbedingungen für die Anwendung von Zukunftstechnologien in der Schweiz sind ausgezeichnet. Wie stehen Sie zu Open Banking, Stichwort PSD2. Die SBVg hat sich dazu in der Vergangenheit ja auch kritisch geäussert ... Die SBVg sieht im Open Banking grosses Potenzial für den Finanzplatz Schweiz. Die Anbindung von Dienstleistungen von Drittparteien entspricht dem Kundenwunsch nach integrierten Lösungen. Es gibt viele Dienstleistungen, bei denen Bankdaten mit externen Dienstleistungen verbunden werden. Ein Beispiel ist die Verbindung von Buchhaltung und Bankkonto durch eine Schnittstelle. Die SBVg begrüsst solche Bestrebungen von Banken. Sie zeigen, dass der Wettbewerb funktioniert und Innovationen fördert. Eine staatlich erzwungene, einseitige Öffnung von Zugriffsrechten für Dritte, wie es die PSD2 in der EU verlangt, lehnen wir aber klar ab. Wie steht die SBVg nach zweieinhalb Jahren unter Ihrem Präsidium da? Ich trete dafür ein, dass die Schweiz auch in Zukunft über einen der stärksten, wettbewerbsfähigsten und innovativsten Finanzplätze verfügt. Dazu stehen drei Aspekte im Vordergrund: erstens eine klare Positionierung, die durch professionelle Promotion im In- und Ausland fortlaufend geschärft wird. Zweitens vorausschauendes und proaktives Agieren. Sei dies im Umgang mit Fintech, Blockchain und Cloud oder mit der Altersvorsorge. Zu allen Regulierungen, die den Finanzplatz betreffen, sind wir im engen Dialog mit Bundesbern, der Finma und SNB. Mein zentrales Anliegen war es, die Beziehungen zu Bern zu vertiefen und auszubauen. Das haben wir in kürzester Zeit geschafft. Drittens ist die enge Zusammenarbeit mit unseren Mitgliedern und anderen Verbänden von grosser Bedeutung. So gründeten wir etwa gemeinsam mit der SFAMA und anderen Partnern die Asset-Management-Plattform. Mit Jörg Gasser habe ich einen CEO an der Seite, der mit seiner nationalen wie internationalen Erfahrung die SBVg bestens in die Zukunft führen kann. Er zeichnet sich durch grosses Verhandlungsgeschick, Durchsetzungsfähigkeit und Weltoffenheit aus. Er hat in seiner Karriere immer wieder unter Beweis gestellt, dass er vorausschauend für unseren Finanzplatz denkt und handelt. Digitale Innovationen stehen ganz oben auf seiner Prioritätenliste. Welche Bedeutung wird der Finanzplatz Schweiz in Zukunft noch haben? Es stimmt mich zuversichtlich, dass die Schweiz nicht nur im klassischen Private Banking weltweit die Nummer eins ist, sondern auch als Fintech-Standort ganz vorne mitspielt. Dieses solide Fundament wollen wir pflegen und fortlaufend verbessern. Bundesrat und Parlament haben die Zeichen der Zeit erkannt: Innovationsfragen und die Wettbewerbsfähigkeit des Finanzplatzes sind im Fokus der Politik. Es wird auch am neuen Parlament liegen, den Paradigmenwechsel hin zur digitalen Zukunft des Finanzplatzes konsequent zu vollziehen. Es geht aber nicht nur um die Rahmenbedingungen für neue Finanztechnologien. Wir müssen bei sämtlichen rechtlichen und steuerlichen Standortbedingungen prüfen, ob sie die Zukunfts- und Wettbewerbsfähigkeit des Finanzplatzes und der Banken stärken. ÜBER DIE SCHWEIZERISCHE BANKIER- VEREINIGUNG Die Schweizerische Bankiervereinigung (SBVg) ist die Stimme der Banken in der Schweiz. Als Dachverband repräsentiert sie nahezu alle Banken in der Schweiz. Das Hauptziel des Verbands ist die Förderung optimaler Rahmenbedingungen im Inund Ausland für den Finanzplatz Schweiz. Dazu vertritt die SBVg die Interessen der Banken in der Wirtschaft, in der Politik, gegenüber der Regierung, den Behörden und den Regulierern. Als Wissenszentrum für die Rahmenbedingungen von morgen antizipiert die SBVg die für den Finanzplatz relevanten Entwicklungen. (Quelle: SBVg)

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