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Zukunft Banking: Best-of Swiss Fintech

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8 Zukunft Banking 02. Dezember 18 | netzwoche.ch/ZukunftBanking Entrepreneur « Technologie hat mich immer wieder auf neue Geschäftsideen gebracht » Marc P. Bernegger ist bekannt als Serientäter, wenn es um die Gründung von Start-ups geht. Seit 1999 ist er in der Jungunternehmer-Szene unterwegs und investiert seit einigen Jahren in Blockchain und Kryptowährungen. Im Interview spricht er darüber, was ihn antreibt. Interview : Marc Landis Marc P. Bernegger Sie bezeichnen sich als Serial Entrepreneur – was reizt Sie so am Unternehmertum? Marc P. Bernegger: Mich fasziniert die Gestaltungskraft als Unternehmer und die Möglichkeit, zusammen mit Gleichgesinnten etwas nachhaltig zu verändern, sprich einen echten und positiven Impact zu generieren. Was gibt es Erfüllenderes, als mit vollem Herzblut und mit viel Passion eine eigene Idee in die Realität umzusetzen? Zum Unternehmersein gehören auch Rückschläge. Was waren Ihregrössten Fails und warum? Rückblickend war ich oft etwas zu konservativ und bodenständig, das heisst in einigen Situationen hätte ich wohl noch überzeugter von meinen Ideen sein und diese mit noch mehr Nachdruck umsetzen sollen. Seit 2010 beschäftigen Sie sich mit FinTech und Blockchain. Woherrührt Ihr Interesse daran? Mich haben schon immer die Möglichkeiten fasziniert, die sich durch neue Technologien ergeben. Angefangen als Teenager, der damals mit seinem ersten Computer – einem Commodore 6 – herumexperimentiert hat, über meine erste Internet-Firma 1999, war es immer die Technologie, die mich auf neue Geschäftsideen gebracht hat. Nach dem Verkauf meiner zweiten Firma Amiando im Jahr 2010 war es für mich offensichtlich, dass sich auch die Finanzindustrie durch die Möglichkeiten der digitalen Revolution verändern wird, und daher habe ich damals meinen Fokus darauf gelegt. Auf Bitcoin bin ich 2012 zum ersten Mal gestossen, da ich mich dafür interessiert habe, wie in Zukunft Werte digital übertragen werden können. Wie unterscheidet sich der Dotcom-Hype von damals von der heutigen Krypto-Euphorie? Vieles in der Krypto-Welt fühlt sich derzeit sehr ähnlich an wie damals in der grossen Internetwelle: Nach der anfänglichen Skepsis entsteht innert kurzer Zeit ein unerwartet massiver Hype, der wieder abflaut und alle Skeptiker weiter darin bestärkt, dass sich diese neue Welt nicht etablieren wird. Mich persönlich interessieren keine kurzfristigen Trends und spekulativen Elemente. Mein Fokus liegt ausschliesslich auf der langfristigen Perspektive. Ich bin davon überzeugt, dass sich viele auf Blockchain basierende Anwendungsfälle inklusive der Krypto-Währungen, analog zum Internet, langfristig behaupten werden. Es tummeln sich seriöse und weniger seriöse Akteure in derFinTech-Welt. Inwiefern hat die Branche dadurch ein Imageproblem ? Überall dort, wo in kurzer Zeit viel Geld angezogen wird, tummeln sich auch dubiose Gestalten. Aus diesem Grund ist das Platzen einer Blase grundsätzlich eine gute Sache, weil es dadurch die nur am kurzfristigen Profit orientierten Spekulanten wieder aus dem Markt spült und nur die an den nachhaltigen Modellen interessierten Player verbleiben. Wie, glauben Sie, wird sich die Finanzwelt durch Technologie verändern? Dazu genügt ein Blick in andere Industrien wie den Handel oder das Verlagswesen … Was sind Ihre weiteren Pläne für die Zukunft? Ich möchte auch in Zukunft zusammen mit spannenden Personen neue Unter- nehmen aufbauen und gestalten, die Trends und Entwicklungen aufgreifen, bevor diese allgemein ersichtlich sind. Grundsätzlich also nichts anderes, als was ich schon seit dem ersten Tag als Unternehmer gemacht habe. Über Marc P. Bernegger Mit 20 Jahren gründete Marc P. Bernegger die Party-Plattform usgang.ch ( gekauft von Axel Springer ). Darüber hinaus war er Mitgründer von Amiando, einer Ticketing-Plattform, die von Xing aufgekauft und vom WEF als « Global Technology Pioneer » ausgezeichnet wurde. Seit 2010 ist er als FinTech-Investor tätig und bei diversen Start-ups beteiligt. Er ist unter anderem Mitglied im Beirat von FinLeap, Verwaltungsratsmitglied der Crypto Finance AG, der Falcon Private Bank, der Crypto Finance Conference und von Greater Zurich Area. Bernegger hat einen Master- Abschluss in Rechtswissenschaften der Universität Zürich und absolvierte das Executive Program der Singularity University. Die neue Unabhängigkeit der Vermögensverwalter – agil, modular, vernetzt Die Schweizer Finanzindustrie wird sich vor den Auswirkungen der « Open »-Bewegung nicht verschliessen können. Mit der digitalen Vermögensverwaltungsplattform von Evolute sollen unabhängige Vermögensverwalter ( UVVs ) in der Lage sein, diese Kundenerwartungen zu erfüllen Autor: Marc Landis Wie in fast allen Industrien beginnen sich auch in der Finanzindustrie digitale Plattformen zu etablieren. Sie haben das Ziel, Anbieter und Kunden bedürfnisorientiert zusammenzubringen. Dieser Trend ist auch in der Vermögensverwaltungsindustrie im Ausland bereits allgegenwärtig. Er wird befeuert durch die Standardisierung des Datenaustausches und die Kundenwünsche nach transparenten, qualitativ hochstehenden Dienstleistungen. Als Beispiel sei in diesem Zusammenhang die EU-Richtlinie PSD2 erwähnt, die Banken in der EU dazu zwingt, anderen Dienstleistern Kundendaten über eine standardisierte Schnittstelle zur Verfügung zu stellen. Auch die Schweizer Finanzindustrie wird sich vor den Auswirkungen dieser «Open»-Bewegung nicht verschliessen können. «Der mündige Kunde entscheidet sich für das bedürfnisgerechte Angebot mit dem besten Preis-Leistungs-Verhältnis.», sagt Pascal Lemann, Chief Markets Officer beim Zürcher FinTech Evolute. Mit der digitalen Vermögensverwaltungsplattform von Evolute sollen unabhängige Vermögensverwalter (UVVs) in der Lage sein, diese Kundenerwartungen regelkonform zu erfüllen. «UVVs profitieren von Funktionalitäten, die ihnen die tägliche Arbeit erleichtern und auch die personalisierte Kundenbetreuung in jeglicher Hinsicht verbessern», sagt Lemann. Compliant, digital, interaktiv Durch die am 1. Januar 2020 in Kraft tretenden Rechtsnormen Finanzdienstleistungsgesetz FIDLEG und Finanzinstitutsgesetz FINIG werden die UVVs mit sinkender Profitabilität konfrontiert werden. Laut dem « Swiss External Asset Managers Industry Report 2017 » der Credit Suisse ist der Margendruck aber nicht nur auf strengere Regularien, sondern auch auf Kosten im Zusammenhang mit wachsender geschäftlicher Komplexität zurückzuführen. Laut dem Report ist auch eine Preissensibilität vor allem bei jüngeren aber auch bei internationalen Kunden zu beobachten, die vielfach nicht länger bereit seien, eine zusätzliche Prämie für einen Schweizer Vermögensverwalter zu bezahlen. Dadurch müssen UVVs künftig ihre Arbeitsweise effizienter und kundenorientierter erbringen. Hinzu kommt, dass kleine und mittlere UVVs teilweise mit einfachen, unterstützenden Tools arbeiten, die im Unterhalt aufwändig und funktional bescheiden sind, wie Lemann weiss. Solche nicht integrierten Lösungen dürften die Anpassungen an künftige Marktanforderungen schwierig machen. «Ein fundamentaler Strukturwandel Evolute bietet mit ihrer Plattform eine einzigartige, umfassende digitale Vermögensverwaltungslösung für unabhängige Vermögensverwalter an. steht dem Markt der unabhängigen Vermögensverwalter bevor, um den Anforderungen wie offene Architektur, digitales Kundenerlebnis, Disintermediation zu genügen», sagt Lemann. « Kunden erwarten heute, dass sie effektiv, transparent und digital bedient werden. Mit der heutigen Marktstruktur sind viele Vermögensverwalter nicht in der Lage, diese Herausforderungen zu meistern », sagt Lemann. Deshalb sei es notwendig, offene Plattformen zu etablieren, welche die Vermögensverwalter mit den Kunden, Produktanbietern und weiteren Dienstleistern effizient digital verbinden. Von der Plattform zum Geschäft « Der Vorteil der Evolute-Plattform besteht darin, abgesehen von den CRM- und PMS-Funktionen, verfügbare Informationen über den Kunden und sein Anlageverhalten zu bündeln, zu analysieren und so das Angebot für ihn mit weiteren passenden Dienstleistungen und Produkten intelligent zu optimieren. Auch ermöglicht es Evolute, dass Vermögensverwalter und Kunden auf weitere Experten wie etwa Compliance- oder Steuerexperten zurückzugreifen können », sagt Lemann. In der Schweiz nutzen ihmzufolge bereits 15 UVVs die Evolute-Plattform, darunter LimmatWealth, VT Wealth Management oder Finanz Konzept. Und weiteres Potenzial ist vorhanden : Der UVV-Markt in der Schweiz und im Fürstentum Liechtenstein ist laut UVV-Report der Credit Suisse ein Markt mit rund 2500 Vermögensverwaltern, die rund 400 Milliarden Franken verwalten. Das sagen Kunden über Evolute « Dank einer professionellen Projektplanung, einer dezidierten Projektleiterin sowie Experten war die Software innerhalb von knapp 6 Monaten einsetzbar. » Hansjörg Andres Mitglied der Geschäftsleitung, LimmatWealth «Die Zusammenarbeit mit Evolute bildet für uns die Grundlage im dynamischen und «Compliance» getriebenen Markt der unabhängigen Vermögensverwaltung.» Sacha Fedier CEO, VT Wealth Management «Evolute bietet mit ihrer Plattform eine einzigartige, umfassende digitale Vermögensverwaltungslösung für unabhängige Vermögensverwalter an.» Lars Oberle Verwaltungsrat, Finanz Konzept

Michele DeStefano of Coral Gables, FL, BA, magna cum laude, Dartmouth College, JD, magna cum laude, Harvard Law School, is a Professor of Law at the University of Miami and Guest Faculty at Harvard Law School’s Executive Education Program and at IE School of Law. She is the founder of LawWithoutWalls and MOVELΔW. DeStefano is a former Climenko Fellow and Lecturer at Harvard Law School. Before attending law school at Harvard, she was an advertising executive at Leo Burnett and a marketing manager at Levi Strauss & Company. DeStefano frequently speaks and runs workshops on creative problem solving, collaboration, culture change, communication, and innovation for lawyers. Guenther Dobrauz-Saldapenna of Zürich, Switzerland, PhD in Law, Johannes Kepler University, MBA, University of Strathclyde, is a partner with PwC, Leader of PwC Legal Switzerland and a member of PwC‘s Global Legal Leadership Team. He is a lecturer at various universities, the founder of Disruption Disciples and the host of educational video series Appetite For Disruption. Prior to this he was a successful Venture Capitalist, served as in-house counsel at an international hedge fund and practiced in court and with a leading business law firm. Guenther is passionate about innovation, entrepreneurship and exponential technologies. He is the author of 10 books and has been delivering keynote speeches at more than 200 leading conferences worldwide. Fuelled by advancing technology, new business models, and altered client expectations, the legal industry faces unprecedented change across its entire value chain. Unfortunately, many legal professionals fear the technology train and the convergence of other fields with law. They see legaltech, AI, and bots like “lions and tigers and bears oh my.” We (the editors and authors of this book) see opportunity. Although the future may require us to put on “new suits”—it represents an enormous opportunity for lawyers to reinvent ourselves for our own and our clients’ benefit. Filled with chapters written by experts in the intersection of law, innovation, and technology, this book provides a global perspective on the diverse legal service delivery ecosystem that will be our future. It provides chapter upon chapter (reason upon reason) explaining why lawyers can and should increase their appetite for disruption in the legal world. So welcome to the jungle and enjoy the ride as we attempt to systematically map the uncharted waters of the future legal realm and simultaneously inspire you to build a new future in law. netzwoche.ch/ZukunftBanking | 02. Dezember 18 Zukunft Banking 9 Digitalisierung ist Chefsache « Viele Juristen haben Angst, dass es ihren Job irgendwann nicht mehr geben wird » LegalTech, künstliche Intelligenz, Bots und Blockchain – Anwälte und Juristen müssen sich genauso mit der Digitalisierung auseinandersetzen wie andere Berufsstände. Aber wie sieht die « law firm of the future » aus ? Günther Dobrauz-Saldapenna will als Leiter von PwC Legal Schweiz diese Frage beantworten. Interview : Marc Landis Die Digitalisierung hält auch in der Rechtsberatung Einzug. Wie stehen Juristen und Anwälte LegalTech, künstlicher Intelligenz, Bots etc. gegenüber? Haben sie nicht zu Recht Angst, dass sie durch Technologie obsolet werden könnten? Günther Dobrauz-Saldapenna: Es wird Dinge geben, die ein Algorithmus besser und schneller kann als ein Mensch. Das gilt aber für alle Branchen und alle Industrien. Und natürlich haben viele Juristen Angst, dass es ihren Job irgendwann nicht mehr geben wird. Aber Angst müssen nur diejenigen haben, die nichts richtig Werthaltiges für ihre Kunden schaffen und solche, die sehr repetitive Dinge tun, die schnell erlernbar sind … … was eine Maschine besser könnte ? Genau. Denn alles, was automatisierbar ist, wird automatisiert werden. Und alles, was automatisiert wird, wird rationalisiert werden. Wir Juristen und Anwälte müssen uns zum Wohle unserer Kunden selbst neu erfinden – und übrigens auch zu unserem eigenen Wohl. Ich kenne keinen richtigen Anwalt, der sich freut, wenn er die 27. Standard-GmbH gründen oder den 48. Standard-Leasing-Vertrag aufsetzen muss. Wenn man langweilige Dinge nicht mehr machen muss, kann man endlich wieder das tun, wofür man eigentlich Anwalt geworden ist, nämlich um Zeit mit seinen Mandanten zu verbringen, wichtige Probleme zu lösen und so Mehrwert zu schaffen. Technologie wird das Werthaltige nicht ersetzen, sondern uns mehr Zeit genau dafür verschaffen. Wo steht PwC bei LegalTech und Digitalisierung im Vergleich zu den anderen Big-Four-Gesellschaften? Alle vier grossen Wirtschaftsprüfer investieren stark in Digitalisierung und den Legal- und den LegalTech-Bereich. Sei es durch Übernahmen oder durch eigene Initiativen. Es ist auch eine logische Erweiterung der angestammten Tätigkeit. Bei PwC sind wir in diesem Bereich besonders gut aufgestellt. Bei uns im globalen PwC-Legal-Netzwerk arbeiten weltweit rund 4000 Anwälte in mehr als 90 Ländern, und LegalTech, wofür ich auch global verantwortlich bin, steht ganz oben auf der Agenda. Und wie positioniert sich PwC Legal? Diese Frage haben wir uns auch gestellt. Es ist klar: Die Welt braucht nun wirklich keine weitere klassische Law Firm. Bitte verstehen Sie mich nicht falsch, ich komme aus dieser Welt und ich habe allergrössten Respekt vor diesen Firmen. Aber wir wollen die ‹ law firm of the future› sein. Und ich glaube, dass diese ganz anders aussieht als heutige Kanzleien. Wie denn ? Es braucht dafür vier Dinge : Netzwerk, Technologie, kulturellen Wandel und ‹Adjacency› beziehungsweise Multidisziplinarität. Erklären Sie das bitte. Es braucht für die ‹ law firm of the future› ein richtiges und globales Netzwerk, mit einer starken Verzahnung der verschiedenen Bereiche und Standorte. Und es sind grosse Investitionen in neue Technologien nötig. Ein grosses Problem von Anwaltskanzleien ist, dass sie wenig Geld für diese Investitionen haben. Eine Anwaltskanzlei besteht ja typischerweise aus Partnern, und am Ende des Jahres werden die Überschüsse aus der Geschäftstätigkeit an diese ausgeschüttet. Es wird ein Minimum für allgemeine Dienste und die Büro-Infrastruktur zurückbehalten, aber bei Weitem nicht genug, um langfristig und strategisch in Technologie zu investieren. Hinzu kommt, dass viele Kanzleien von wenigen – und den ältesten – Partnern kontrolliert werden. Wer kurz vor der Pensionierung steht, wird kaum gross in die nächste Generation investieren. Wie will man so Technologiekompetenz aufbauen? Bei PwC haben wir eben diese Möglichkeiten, denn wir können hier im Legal-Bereich von der leistungsstarken IT-Infrastruktur des Gesamtunternehmens profitieren. Was ist mit dem kulturellen Wandel? Dieser ist sehr, sehr wichtig. Arbeitsmodell und Kultur müssen sich radikal verändern. Im Gegensatz zur Folgegeneration der Gordon Gekkos und Jordan Belforts, aus der ich selbst noch stamme, sind die heutigen Jungen nicht mehr primär auf Geld, Macht und Prestige fixiert, und das ist gut und richtig. Sie möchten flexible Arbeitszeitmodelle und die Möglichkeit haben, drei Monate Auszeit pro Jahr zu nehmen, statt jahrein, jahraus durchzuarbeiten. Wir bieten solche flexiblen Modelle an und haben bei PwC einen starken Fokus auf Diversity und Work-Life-Balance. Unser Geschäft ist ein Marathon gemeinsam mit unseren Kunden und kein Sprint. Und wir wollen nicht, dass die Leute ausbrennen. Und was meinen Sie mit Adjacency? Unter Adjacency verstehen wir in der ‹law firm of the future› sogenannte ‹benachbarte Fähigkeiten›. Es geht darum, für die Kunden Expertise aus verschiedenen Bereichen zusammenzubringen. Es gibt heute keine Mandate mehr, bei denen nur Legal beteiligt ist. Ein Beispiel: Wenn man für einen Kunden eine Banklizenz erwirkt, liegt der reine Rechtsanteil an diesem Mandat vielleicht bei 60 Prozent. Es bedarf aber zusätzlich Kapitalberechnungen, man muss Aussagen zur IT treffen, zum Risk-Management-System. Bei PwC können wir das alles aus einer Hand liefern, da wir alle Spezialisten dafür bei uns im Haus haben. Wir können wirklich alle Bereiche von Legal über Assurance bis Technologie abdecken und das weltweit. Ich bin überzeugt, dass diese interdisziplinären Leistungen unsere grosse Stärke sind. Und das ist auch für die Mitarbeitenden interessant, denn Anwälte haben es nicht nur mit Anwälten zu tun, sondern sie können sich interdisziplinär mit Leuten aus anderen Fachgebieten austauschen und dadurch persönlich wachsen. Welchen Einfluss hat LegalTech auf die Finanzwelt? Technologie hat einen grossen Einfluss auf alle Industrien. Überall gibt es den Druck, immer mehr Daten in immer kürzerer Zeit zu analysieren und auf Basis der daraus gewonnenen Günther Dobrauz-Saldapenna, Leiter PwC Legal Schweiz Erkenntnisse zu handeln. Auch Compliance ist ein wichtiges Thema, das durch Technologie unterstützt wird : Früher kümmerte sich ein Finanzinstitut kaum um die Rechtsnormen « Wir wollen die ‹ law firm of the future › sein. Und ich glaube, dass diese ganz anders aussieht als heutige Kanzleien. » anderer Staaten. Die Schweizer Bank wickelte das Geschäft mit dem Kunden oft nur nach Schweizer Recht ab – egal woher dieser kam. Heute geht das nicht mehr. Unternehmen und Menschen müssen verschiedenen Rechtsnormen gerecht werden. Man muss einen spanischen Mandanten nach spanischen Regeln bedienen, einen deutschen Kunden nach deutschen Regeln etc. Denn wenn etwas schiefgeht, wird die Bank mit ziemlicher Sicherheit in Spanien beziehungsweise Deutschland vor Gericht gezogen. Das heisst, im Hintergrund muss ständig ein extrem flexibles System laufen, das die Compliance auf Produkt-, Prozess- und Kontaktebene sicherstellt. Das ist ohne Technologie gar nicht mehr zu bewältigen. Foto : Oliver Nanzig Wie schätzen Sie die Bedeutung der Blockchain-Technologie für die Legal- Industrie und die Bankenwelt ein ? Ich bin natürlich ein grosser Fan von Blockchain. Ehrlicherweise mehr von der Blockchain-Technologie als von darauf aufbauenden Kryptowährungen, denn Bitcoin und Co. sehe ich eher als Hype. Blockchain, da bin ich mir sicher, ist aber eine Technologie, die eine ähnlich transformative Kraft darstellt wie das Internet. Ich glaube, dass Blockchain ein ‹infrastructure layer› werden wird, wie das Internet oder die Elektrizität. Blockchain wird die Disintermediation weiter vorantreiben, bestehende Wertschöpfungsketten aufbrechen und neu zusammensetzen. Wo steht PwC im Blockchain-Bereich? Wir haben ein sehr grosses Angebot in diesem Bereich, das wir auch disziplinenübergreifend aufgebaut haben, womit wir wieder beim Thema Adjacency sind. Wir begleiten Blockchain-Projekte und ICOs etwa rechtlich, technisch, steuerlich, beraten rund um « Tokenomics », unterstützen beim Projektmanagement, bei der Strategie bis hin zu Fundraising und Accounting. Blockchain wird auch einen wichtigen Einfluss auf unsere eigenen Geschäftsmodelle haben. In einer Blockchain-Welt wird ein Audit anders ausschauen als heute, ebenso rechtliche Transaktionen. Wir haben also das Bewusstsein für die Veränderungen, die Blockchain für unser Geschäft und unsere Gesellschaft bringen wird. Es ist eines unserer Topthemen, die wir im Auge haben, und wir freuen uns, dass wir aus diesem Bereich auch bereits Talente anziehen können. “Time to get out of Law Law Land and back into the Jungle” Stämpfli Verlag Im April 2019 erscheint das neue Buch von Michele DeStefano und Günther Dobrauz-Saldapenna mit dem Titel « New Suits – Appetite for Disruption in the Legal World », das die Expertise von 30 führenden Experten aus aller Welt vereint. Professoren von Universitäten wie Harvard, Oxford, Griffith, ESADE, Zürich, Stanford und Miami stehen darin neben Praktikern aus führenden Kanzleien, LegalTech-Innovatoren und Vordenkern aus angrenzenden Bereichen. Das Buch beschreibt die Disruption der Rechtsindustrie, angetrieben von der fortschreitenden Technologie, neuen Geschäftsmodellen und veränderten Kundenerwartungen. Damit stehe die Rechtsbranche vor einem beispiellosen Wandel über die gesamte Wertschöpfungskette, sind die Autoren überzeugt. Viele Juristen befürchten den Technologietransfer und die Konvergenz anderer Bereiche mit dem Recht. Sie sehen LegalTech, KI und Bots primär als Bedrohung, die Herausgeber und Autoren dieses Buches sehen die Chancen. Auch wenn die Zukunft es erfordern mag, dass «wir neue Kleider anziehen» – es stellt für Anwälte eine enorme Chance dar, sich zum Wohle der Kunden und für sich selbst neu zu erfinden. Das Buch enthält Kapitel, die von Experten im Schnittpunkt von Recht, Innovation und Technologie verfasst wurden, und bietet eine globale Perspektive auf das vielfältige Ökosystem der Rechtsdienstleistung, das die Zukunft sein wird. Das Buch erklärt, warum Anwälte ihren «appetite for disruption» in der Rechtswelt erhöhen können und sollten. Sie sollten versuchen, systematisch die unbekannten Gewässer des zukünftigen Rechtsbereichs zu kartieren und sich inspirieren lassen, eine spannende und bereichernde Zukunft im Recht aufzubauen. ISBN 978-3-7272-1035-8, Stämpfli Verlag, Bern Digitale Fitness Auf einer Skala von 1 bis 10, als wie « digital fit » bezeichnen Sie … 7 6 Appetite for Disruption in the Legal World Michele DeStefano & Guenther Dobrauz sich selbst ? die Finanzbranche ? Über PwC Appetite for Disruption in the Legal World Michele DeStefano & Guenther Dobrauz 7 7 die Schweiz ? PwC Legal ? PwC Schweiz ist das führende Prüfungsund Beratungsunternehmen in der Schweiz. Als unabhängiges Mitglied im internationalen Netzwerk von PwC unterstützt PwC Schweiz die Wirtschaft und insbesondere Unternehmen und Einzelpersonen dabei, Mehrwert zu schaffen. Ob grenzübergreifend oder lokal ist PwC Partner für Wirtschaftsprüfung, Rechts- und Steuerberatung, Wirtschaftsberatung sowie Digital Services. (Quelle: PwC Schweiz)

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